Einführung
Die Neurologie in Salzburg, insbesondere an der Universitätsklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Campus Christian-Doppler-Klinik (CDK), hat sich in den letzten Jahren als ein Zentrum für innovative Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen etabliert. Dies betrifft insbesondere die Behandlung von Epilepsie, einer der weltweit häufigsten schweren neurologischen Erkrankungen. Am Internationalen Tag der Epilepsie am 11. Februar wurde auf die Bedeutung von Aufklärung, optimaler Betreuung und Fortschritte in der Diagnostik und Therapie hingewiesen. Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und die Österreichische Gesellschaft für Epileptologie (ÖGfE) informieren regelmäßig über diese Fortschritte.
Magnetenzephalografie (MEG) als innovatives Diagnoseinstrument
Ein wichtiger Fortschritt in der Diagnostik von Epilepsie ist die Magnetenzephalografie (MEG). Die MEG erfasst die magnetische Aktivität des Gehirns und kann auch schwache Magnetfelder in tieferen Hirnregionen mithilfe von Sensoren erfassen. Bei Epilepsiepatienten zeigt der Verlauf von messbaren elektrischen und magnetischen Signalen im Gehirn charakteristische Formen. In Kombination mit der Magnetresonanztomographie (MRT) können Hirnstrukturen identifiziert werden, die Anfälle erzeugen oder daran beteiligt sind.
Die MEG ist eine ungefährliche Untersuchungsmethode, die Epilepsiepatienten in bestimmten Fällen risikoreichere Untersuchungen erspart, bei denen Elektroden unmittelbar auf das Gehirn aufgebracht werden. „MEG wird gezielt für Patienten mit lokal entstehender Epilepsie eingesetzt, für die eine Gehirnoperation erwogen wird, weil ihnen eine medikamentöse Behandlung nicht die gewünschte Anfallsfreiheit bringt“, berichtet ÖGN-Präsident Prof. Eugen Trinka, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg.
Bisher sind weltweit nur wenige Kliniken mit einer MEG-Anlage ausgestattet. In Österreich gibt es zurzeit nur einen Magnetenzephalografen. Dieser wird im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Paris-Lodron-Universität Salzburg (PLUS), des Universitätsklinikums Salzburg - Christian-Doppler-Klinik (CDK) und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) betrieben. Prof. Trinka: „MEG ist kein Routineverfahren, sondern eine innovative Technik mit Zukunft. Sie ist aufwendig und nur für bestimmte Patienten geeignet. Die Kosten werden derzeit noch nicht von den Kassen übernommen.“
Cannabidiol (CBD) in der Epilepsietherapie
Inhaltsstoffe von Cannabis spielen eine immer wichtigere Rolle in der Epilepsietherapie. Vor allem das nicht psychotrope Cannabidiol (CBD) scheint das Potenzial zu haben, zusammen mit anderen Antiepileptika Anfälle zu reduzieren. Unter dem Handelsnamen Epidiolex wurde CBD in den USA als Fertigarzneimittel zur Behandlung von zwei seltenen Epilepsieformen zugelassen.
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„In der für die Zulassung relevanten Studie konnte eine Behandlung mit Epidiolex zusätzlich zur Standardtherapie die Zahl der Anfälle bei 120 Kindern mit Dravet-Syndrom, einer schweren frühkindlichen Epilepsieform, insgesamt deutlich verringern. Die Häufigkeit der konvulsiven Anfälle ging um 39 % zurück“, berichtet Prim. Priv.-Doz. Dr. Edda Haberlandt, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Krankenhaus Dornbirn, 1. Vorsitzende der ÖGfE.
Bei 171 jungen Patienten mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom, einer in der Regel in der Zeit zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr beginnenden Epilepsieform, reduzierte das CBD-Mittel als Add-on-Therapie die Häufigkeit der Anfälle und verbesserte den Gesamtzustand der Studienteilnehmer deutlich. Sturzanfälle konnten um 44 % verringert werden.
„Epidiolex ist nicht für den breiten Einsatz bei allen Epilepsieformen gedacht, scheint aber bei diesen schweren Fällen bei Kindern und Jugendlichen eine interessante neue und sichere Therapieoption zu sein“, sagt Priv.-Doz. Haberlandt. Mit einer Zulassung des Medikamentes durch die Europäische Arzneimittelbehörde, EMA, wird noch im Laufe des Jahres gerechnet.
Die Epilepsieforschung hofft, dass auch CBD-reiche Extrakte, gereinigtes CBD sowie Kombinationen von CBD und THC (dem psychoaktiven Wirkstoff von Cannabis) dann wirken, wenn andere Mittel versagen. Eine Metastudie brasilianischer Forscher analysierte die Daten von 670 Epilepsiepatienten hinsichtlich der Sicherheit von CBD-Produkten. Eine weitere Fragestellung war, ob CBD-reiche Extrakte und gereinigte CBD-Produkte unterschiedlich wirken. Zwei Drittel der behandelten Epilepsiepatienten berichteten, dass sie seltener Anfälle erlitten hatten. Darüber hinaus erwiesen sich CBD-reiche Extrakte als wirksamer und nebenwirkungsärmer als gereinigtes isoliertes CBD. Dies ist wahrscheinlich auf die synergistischen Effekte von CBD mit anderen Phytocannabinoiden zurückzuführen.
Stereotaktische Laser-Amygdalo-Hippokampektomie (SLAH)
Zur Behandlung bestimmter Epilepsieformen sind neurorchirurgische Eingriffe unvermeidlich. Für Patienten mit mesialer Temporallappenepilepsie kommt jedoch neuerdings auch eine Behandlung mit Laser infrage. „Die gesteuerte stereotaktische Laser-Amygdalo-Hippokampektomie (SLAH) ist eine technisch neuartige, sichere und wirksame Alternative zur Operation“, erklärt Prof. Trinka.
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Bei diesem Verfahren wird eine mit Kochsalzlösung gekühlte faseroptische Lasersonde exakt auf den Bereich des Gehirns gerichtet, von dem die Epilepsie ihren Ausgang nimmt. Mit Echtzeit-MRT-Führung kann der behandelnde Neurochirurg den betroffenen Gehirnbereich lokalisieren und mit computergesteuerter Laserenergie zerstören, ohne dass das benachbarte Hirngewebe geschädigt wird.
Eine amerikanische Studie untersuchte 58 Patienten, die mit dieser Methode behandelt wurden: Mehr als 50 % der Studienteilnehmer waren ein Jahr nach der Behandlung anfallsfrei. Die Standardtherapie zur Behandlung von Patienten mit hartnäckiger Epilepsie im Schläfenlappen des Gehirns ist die offene Gehirnchirurgie. Diese hat zwar eine noch höhere Erfolgsquote als die Laserbehandlung, birgt aber auch ein erhebliches Patientenrisiko für Beeinträchtigungen infolge des Eingriffs. Die neue minimal invasive Methode könnte dieses Risiko deutlich verringern. Führt die Laserbehandlung nicht zum gewünschten Erfolg, können Patienten immer noch operiert werden.
„Der Vorteil des neuen Verfahrens liegt auch darin, dass die Patienten im Durchschnitt nur einen Tag im Krankenhaus verbringen und nicht auf die Intensivstation aufgenommen werden müssen“, sagt Prof. Trinka.
Die Christian-Doppler-Klinik (CDK) als Zentrum der neurologischen Versorgung
Die Christian-Doppler-Klinik (CDK) in Salzburg hat eine lange Tradition in der neurologischen Versorgung. Sie wurde am 5. November 1898 als Landesheilanstalt für Geistes- und Gemütskranke eröffnet. In den 1960er Jahren wurde die CDK mit dem Ausbauplan mit der Neurologie, der Neurochirurgie, der ersten Neuroradiologie Österreichs, einer Neuropathologie, einem Labor, einer Neurorehabilitation und einer Kinderabteilung zum modernsten nervenheilkundlichen Zentrum Österreichs.
Heute ist die CDK Teil des Uniklinikums Salzburg und noch immer die wichtigste Versorgungsstruktur für Gehirnerkrankungen. Die CDK beherbergt neben der Neurochirurgie auch die Neurologie, Psychiatrie, Neuroradiologie und Geriatrie.
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Professor Eugen Trinka und sein Engagement für die Neurologie
Professor Eugen Trinka, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Campus Christian-Doppler-Klinik, wurde für sein Engagement und seine Verdienste in der Neurologie ausgezeichnet. Er erhielt das Große Verdienstzeichen des Landes Salzburg. Der international anerkannte Neurologe leitet seit 2010 die Neurologie an der CDK. Sein Engagement gilt besonders der Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Epilepsien. Erst vor wenigen Wochen wurde er in den Vorstand der Internationalen Liga gegen Epilepsie gewählt (International League Against Epilepsy - ILAE).
Herausforderungen und Perspektiven der neurologischen Versorgung in Österreich
Trotz der Fortschritte in der Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen gibt es in Österreich weiterhin Herausforderungen in der neurologischen Versorgung. Dazu gehören unter anderem:
- Mangelnde Koordination der verschiedenen Versorgungsbereiche: Die verschiedenen Sektoren der Gesellschaft (Gesundheit, Schule, Soziales, Justiz, Wirtschaft und Familie) sind oft nicht ausreichend miteinander vernetzt, um eine umfassende Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu gewährleisten.
- Unzureichende Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen: Kinder und Jugendliche mit neurologischen Erkrankungen haben oft spezielle Bedürfnisse, die in derVersorgungsplanung nicht ausreichend berücksichtigt werden.
- Fehlende Definition von Qualitätskriterien: Es fehlen klare Qualitätskriterien für die neurologische Versorgung, die zur Beurteilung und Planung herangezogen werden können.
- Auswirkungen ökonomischer Grundprinzipien: Ökonomische Grundprinzipien können sich negativ auf die Qualität der neurologischen Versorgung auswirken.
- Alterseinschränkung der KJP: Die Alterseinschränkung der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) auf unter 19-Jährige ist aus fachlicher Sicht nicht zu begründen.
Um die neurologische Versorgung in Österreich zu verbessern, ist es notwendig, diese Herausforderungen anzugehen und die folgenden Maßnahmen zu ergreifen:
- Verbesserung der Koordination der verschiedenen Versorgungsbereiche.
- Stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.
- Definition von klaren Qualitätskriterien.
- Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung der neurologischen Versorgung.
- Aufhebung der Alterseinschränkung der KJP.
Famulatur Erfahrungen in der Neurochirurgie der CDK
Einblicke in den Alltag der Neurochirurgie an der CDK zeigen eine positive Arbeitsatmosphäre und vielfältige Lernmöglichkeiten für Famulanten.
- Lockere Stimmung und flexible Tagesgestaltung: Nach den morgendlichen Fixpunkten (Visite und Morgenbesprechung) können Famulanten ihren Tag relativ frei gestalten und an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen (Operationen, Ambulanzen, Stationen).
- Einbindung in Operationen: Famulanten werden aktiv in Operationen einbezogen und können assistieren, auch ohne vorherige OP-Erfahrung.
- Gute Stimmung zwischen Ärzteschaft und Pflege: Es herrscht ein positives Arbeitsklima zwischen Ärzten und Pflegekräften.
- Vielfalt einer Uniklinik in familiärer Atmosphäre: Die CDK bietet die Vielfalt einer Uniklinik, aber in einer überschaubaren und familiären Atmosphäre.
- Eigeninitiative gefordert: Famulanten müssen Eigeninitiative zeigen und aktiv nach Lernmöglichkeiten suchen.
- Wenige Möglichkeiten zur Mitarbeit auf der Station: Blutabnahmen und andere Stationsarbeiten werden meist von der Pflege erledigt.
- Keine regelmäßige Lehre: Es gibt keine regelmäßigen Lehrveranstaltungen, aber spontane Angebote aus Eigeninitiative einiger Ärzte.
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