Dopaminjagd: Was steckt dahinter und wie beeinflusst sie unser Leben?

Einleitung

In der heutigen, schnelllebigen Welt sind wir ständig Reizen ausgesetzt, die unser Gehirn beeinflussen. Ein Schlüsselakteur in diesem Prozess ist Dopamin, ein Neurotransmitter, der oft als "Glückshormon" bezeichnet wird. Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Motivation, Belohnung und Vergnügen. Die moderne Medienlandschaft, insbesondere soziale Medien und kurzweilige Videoformate, hat eine neue Form der Stimulation geschaffen, die als "Dopaminjagd" bekannt ist. Dieser Artikel beleuchtet, was die Dopaminjagd ist, wie sie unser Gehirn beeinflusst und welche Strategien es gibt, um ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

Dopamin: Der Schlüssel zur Motivation und Belohnung

Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn, der Glücksgefühle auslöst und die Motivation steigert. Bei Prozessen im Gehirn, bei denen Dopamin ausgeschüttet wird, fühlen wir uns gut und verbinden dieses Gefühl mit einer bestimmten Handlung oder Situation. Dopamin ist also ein belohnendes Gefühl und treibt uns dazu an, Dinge zu wiederholen, die uns Freude bereiten.

Die Rolle von Dopamin im Belohnungssystem

Dopamin triggert den Belohnungsmechanismus im menschlichen Körper. "Unser Gehirn schüttet Dopamin aus, wenn es sich in einer Erwartungshaltung befindet“, erklärt Martin Korte, Neurobiologe an der TU Braunschweig. Wird die Erwartung dann bedient, schüttet der Körper zusätzlich Endorphine und körpereigene Opiate aus. "Man konditioniert sich schnell selbst dazu“, sagt Korte.

Die Dopaminjagd in der digitalen Welt

Die moderne Medienlandschaft ist voll von Reizen, die unser Dopaminsystem aktivieren. Besonders Social Media Plattformen und kurzweilige Videoformate sind darauf ausgelegt, uns ständig mit neuen, aufregenden Inhalten zu versorgen.

Dopamin-Ausschüttung durch Scrollen und Social Media

Das Scrollen durch Social Media aktiviert das Belohnungssystem des Gehirns. Mit jedem „Swipe“ bekommt das Gehirn die Erwartung auf etwas Neues und Spannendes. Dein Gehirn liebt das: Jedes neue, unterhaltsame Video belohnt dich mit einer Mini-Ausschüttung von Dopamin. Das passiert, weil die Plattform so gestaltet ist, dass sie dir ständig neuer, aufregender Content angezeigt wird. Allerdings gewöhnt sich das Gehirn auch schnell an diesen schnellen Dopamin-Boost. Je mehr du scrollst, desto mehr Dopamin wird ausgeschüttet - aber irgendwann lässt die Wirkung nach. Wenn du also merkst, dass das Scrollen irgendwann langweilig wird oder du trotzdem weiter machst, obwohl du eigentlich schon genug hast, ist das dein Gehirn, das auf Dopamin-Jagd ist.

Lesen Sie auch: L-Dopa: Wirkung und Nebenwirkungen

Dopamin-Ausschüttung beim Lesen

Im Gegensatz zum Scrollen bietet das Lesen eine ganz andere Erfahrung. Wenn du ein gutes Buch liest, steigt die Dopamin-Ausschüttung langsamer und gleichmäßiger an. Dein Gehirn bekommt nicht ständig neue, aufregende Reize, sondern konzentriert sich länger auf eine Handlung oder eine Geschichte. Lesen fördert außerdem deine Vorstellungskraft und Kreativität - und genau das belohnt das Gehirn langfristig. Du fühlst dich nach einer intensiven Lesesession vielleicht ruhiger und zufriedener, im Gegensatz zu dem aufgedrehten Gefühl nach dem Scrollen. Lesen führt zu einer stabileren, aber langsameren Dopamin-Ausschüttung und kann langfristig eine tiefere Zufriedenheit bringen. Ein Grund, weshalb man vor dem Schlafengehen tatsächlich lieber lesen sollte und das Handy weglassen sollte!

Die Auswirkungen von schnellen Dopamin-Kicks

Kurze Videos bieten schnelle und häufige Dopamin-Kicks, aber das kann dich auch erschöpfen, weil dein Gehirn ständig nach dem nächsten „Hoch“ sucht. Wenn du zu viel Zeit mit schnellen Dopamin-Kicks verbringst, kann es sein, dass du dich auf Dauer erschöpft und unzufrieden fühlst.

Dopamin-Fasten: Ein Trend zur Reizreduktion

Angesichts der ständigen Reizüberflutung durch Smartphone und Internet hat sich ein neuer Trend entwickelt: das Dopamin-Fasten. Es ist ein aktueller Trend aus dem Silicon Valley: Dopamin-Fasten. Etwas überspitzt heißt das, verzichten auf alles, was Spaß macht. Kein Handy, kein Social Media, keine sozialen Kontakte im realen Leben. Ziel des Dopamin-Fastens ist es, durch den Reizentzug einer Überstimulation des Gehirns entgegenzusteuern.

Das Prinzip des Dopamin-Fastens

Beim Dopamin-Fasten wird versucht, die eigene Erwartungshaltung zu drosseln, das Belohnungssystem auszubremsen und so die Stimulation zu verhindern. Erfinder ist der Psychologe Cameron Sepah von der University of California in San Francisco. Denn die Jagd nach Dopamin-Ausschüttung ist auch eine Jagd nach Glücksgefühlen. "Diese Glücksgefühle werden immer wieder gesucht“, erklärt Wissenschaftler Korte. "Aber je häufiger das passiert, desto geringer ist die Ausschüttung.“ Die Folge: Es werden immer stärkere Reize benötigt, um das gleiche Glücksgefühl zu empfinden. Darum sollte man beim Dopamin-Fasten nach Einschätzung von Sepah in definierten Zeitabschnitten vollständig auf Angewohnheiten mit hohem Suchtpotenzial verzichten.

Kritik und Risiken des Dopamin-Fastens

Suchttherapeut Christian Groß hat die Sorge, dass mit dem Dopamin-Fasten ein neuer Trendbegriff definiert wird, der dann ins andere Extrem führt. "Macht man das zu exzessiv, kann man auch in depressive Episoden abrutschen“, so der Therapeut. Generell sei der Umgang damit aber eine sehr individuelle Sache. "Genau wie bei der Ernährung muss jeder für sich überlegen, welche Form der Lebensgestaltung sinnvoll und gesund ist“, sagt Groß. Kurze, exzessive Phasen des Dopamin-Fastens bringen nur unwesentlich etwas, wenn wir uns danach den externen Stimulantien wieder genauso hingeben wie vorher.

Lesen Sie auch: "Dopamine" und mehr: Purple Disco Machines Karriere

Alternativen zum radikalen Dopamin-Fasten

Statt eines radikalen Dopamin-Fastens empfehlen Psychologen Strategien gegen die ständigen Stimulationen. "Das Herstellen einer reizarmen Umgebung halte ich in einer stressreichen Welt für sehr sinnvoll“, erklärt Roman Liepelt, Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie an der Fernuniversität in Hagen. Klare Regeln, wann wir auf reizstimulierende Technologien verzichten, können helfen. Normalerweise wechseln wir zwischen diesen Netzwerken häufig und schaffen somit einen Ausgleich. "Wenn wir nichts tun, beschäftigen wir uns mit uns selbst und nutzen unser inneres Netzwerk“, so Liepelt. Doch durch die vielen äußeren Reize in der digitalisierten Welt kämen wir viel seltener dazu. Das mache es schwieriger, Erlebtes zu verarbeiten und richtig einzuordnen. Die Folge: Wir können abstumpfen und reagieren nur noch auf äußere Reize, ohne Dinge tatsächlich zu durchdenken. "Viele Menschen können heutzutage nicht gut mit Langeweile umgehen“, sagt auch Suchttherapeut Christian Groß.

Luxus als Dopaminfalle

Luxusartikel und exklusive Markenprodukte sind längst mehr als nur materielle Wertgegenstände. Sie verwandeln sich in starke Identitätsanker - für viele sind sie sichtbarer Ausdruck von Erfolg, Einfluss und Zugehörigkeit. Aus tiefenpsychologischer Perspektive steckt hinter vielen Statussymbolen nicht nur das Bedürfnis nach Schönheit oder Qualität. Luxus wird zum Ersatz für „innere Fülle“.

Die Mechanismen der Luxus-Dopamin-Schleife

Luxus. Handtaschen, teure Autos, Luxusuhren, Champagner, Designerurlaube - was in unserer Gesellschaft als ultimatives Zeichen des Erfolgs und Lebensgenusses gefeiert wird, ist oft viel mehr: Es ist die akribisch inszenierte Jagd nach immer neuen Dopaminkicks, die nur für kurze Zeit Glück versprechen und langfristig süchtig machen. Immer wenn wir etwas Neues kaufen, ein Wunsch in Erfüllung geht oder uns ein Ziel visualisieren und erreichen sehen, wird Dopamin freigesetzt. Es warnt uns nicht vor Übertreibung, sondern motiviert uns, „mehr“ zu wollen - mehr Shopping, mehr Status, mehr Aufregung, mehr Anerkennung. Doch Dopamin hat seine Tücken: Die Ausschüttung sorgt nur für einen kurzen Rausch. Der Kick ist flüchtig, die Erfüllung temporär. Schon nach kurzer Zeit sinkt der Spiegel, das Gefühl der Befriedigung verpufft, und das System verlangt nach Nachschub. Das Gehirn gewöhnt sich außerdem sehr schnell an neue Reize - das, was uns heute noch begeistert, lässt uns schon morgen kalt. Konsum → Dopaminkick → Absturz → Suche nach neuen Reizen.

Die Folgen der Luxus-Dopamin-Schleife

Das Paradoxe: Je mehr äußere Luxus-Reize wir konsumieren, desto größer wird die Unzufriedenheit. Warum? Weil immer mehr Luxus nicht zu Erfüllung, sondern zu Abstumpfung führt. Die inneren Kanäle für Freude, Staunen und Dankbarkeit werden langsam taub. So entsteht eine Schleife, in der wir immer mehr begehren - und zugleich immer weniger spüren. Unter der Shoppingwelle, dem Konsumrausch und dem Wunsch nach der perfekten Inszenierung verlieren viele den Kontakt zu ihren eigenen, echten Bedürfnissen. Spätestens wenn der Impuls, sich etwas Neues zu gönnen, nicht mehr aus Freude am Genuss, sondern aus innerem Druck oder dem Verlangen nach kurzer Betäubung heraus entsteht, steckt das System fest. Die ursprüngliche Freiheit, sich etwas zu leisten, ist einem subtilen Zwang gewichen.

Auswege aus der Konsum- und Statusschleife

Oft braucht es keine radikalen Veränderungen, sondern kleine, konsequente Schritte zurück zu uns selbst. Die Wahrheit ist, dass VIELE Menschen an der gleichen Erkrankung leiden. Achtsamkeitstraining kann helfen, den Fokus auf das Innere zu lenken und die eigenen Bedürfnisse wiederzuentdecken.

Lesen Sie auch: Parkinson und Dopaminmangel

AD(H)S und die Dopamin-Regulation

Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S) handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns. Die Dopaminrezeptoren, bzw die Neurotransmitter, die für den Transport des Hormons Dopamin zuständig sind, arbeiten nicht richtig. Die Medizin beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiver mit der Störung, wodurch mittlerweile ebenfalls festgestellt werden konnte, dass bei AD(H)S-Patient*innen das Frontalhirn weniger durchblutet wird.

Symptome und Auswirkungen von AD(H)S

Zu den Symptomen gehören Hyperaktivität, die sowohl körperlich als auch psychisch sein kann, sowie eine fehlende Impulskontrolle. Letztere zeigt sich beispielsweise in einer erhöhten Risikobereitschaft, dem Drang, Gesprächspartner*innen zu unterbrechen, oder darin, impulsiv Geld auszugeben, um die kurzfristigen Glücksgefühle eines neuen Kleidungsstücks zu verspüren. Schwierig wird es bei Themen, die langweilig erscheinen oder einfach kein Dopamin bringen, da fällt die Konzentration sehr schwer und man fühlt sich körperlich machtlos. Weitere Symptome sind die Überemotionalität, ein hohes empathisches Einfühlungsvermögen, Tagträumen oder ein vermindertes Durchhaltevermögen.

Behandlungsmöglichkeiten von AD(H)S

Um eine AD(H)S zu behandeln, gibt es einige Möglichkeiten. So sind Therapien und Aufklärung meist ein guter Start, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen und sich selbst kennenzulernen. Eine medikamentöse Behandlung kann ebenfalls sinnvoll sein, um den Alltag besser meistern zu können.

Dopamin im Kontext von Neuroleadership

Botenstoffe (auch Neurotransmitter) sind der Treibstoff unserer Motivation. Sie werden ausgeschüttet, docken an Synapsen an, was wiederum bestimmte Gefühle auslöst und uns zu Handlungen antreibt.

Die Bedeutung von Dopamin, Opioiden und Oxytocin

Dopamin ist der allseits bekannte Haupttreiber. Opioide heben ebenfalls die Stimmung, sorgen aber auch für ein besseres Ich-Gefühl und mehr Lebensfreude. Oxytocin bringt die entscheidende, soziale Komponente ins Spiel. Wird jemandem Vertrauen entgegengebracht, oder wird Vertrauen aufgebaut, kommt es zur Ausschüttung von Oxytocin.

Wie Führungskräfte das Belohnungssystem aktivieren können

Um das Belohungssystem zu aktivieren (und die Dopaminausschüttung zu begünstigen), werden oftmals Incentives genutzt. Dabei kann es sich um ein Geschenk oder eine Lohnerhöhung handeln. Solche Belohnungen wirken aber nur bedingt. Zum einen sind sie oft an den Erfolg gekoppelt, wodurch Druck entsteht, der sich sogar negativ auswirken kann. Zum anderen führt der mehrmalige Einsatz solcher Incentives zur Gewöhnung und verliert seine Wirkung. Überraschende, kleine Belohnungen sind oftmals wirkungsvoller. Zumal dann auch die soziale Komponente stärker wirkt, die ebenso wichtig ist (Oxytocin!). Entscheidend ist außerdem, dass Zusagen eingehalten und das positive Erlebnisse geschaffen werden. Denn aus der Erinnerung schöpft sich die Erwartung. Nicht zuletzt sollte die Aufgabe zum Mitarbeiter passen, denn so bekommt er Spaß an der Sache und es wird Endorphin ausgeschüttet. Da Dopamin und Oxytocin Hand in Hand gehen, steht einmal mehr die „Beziehungskompetenz“ im Zentrum der Betrachtungen. Das Miteinander im Team ist für die Motivation von größter Wichtigkeit.

tags: #chase #the #dopamine