Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen äußert. Bei Frauen können hormonelle Veränderungen, insbesondere in den Wechseljahren, eine Rolle bei der Entstehung oder Verstärkung von Migräneattacken spielen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Migräne und den Wechseljahren, die Auswirkungen einer Hormonersatztherapie (HRT) und gibt Empfehlungen zu Behandlungsansätzen.
Migräne und die Wechseljahre: Ein komplexes Zusammenspiel
Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, in der die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken allmählich nachlässt. Diese hormonellen Veränderungen können verschiedene Beschwerden verursachen, darunter Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und eben auch Migräne.
Hormonelle Schwankungen als Auslöser
Schwankende Östrogenspiegel können Migräneattacken beeinflussen. Ein Östrogenentzug kann Migräneattacken ohne Aura auslösen, während hohe Östrogenspiegel eine Migräne mit Aura triggern können. In der Perimenopause, der Übergangsphase vor der Menopause, erleben viele Frauen eine Zunahme von Migräneattacken. Eine Studie zeigte, dass das Risiko für häufige Migräneattacken während der Perimenopause um etwa 60 Prozent höher ist als bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus. Besonders betroffen sind Frauen, die bereits vor den Wechseljahren unter Migräne litten.
Menstruelle Migräne
Der Begriff der menstruellen Migräne bezieht sich auf Migräneattacken, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation auftreten. Definiert wird dieser Zeitraum oft als die Zeit der Regelblutung selbst, sowie drei Tage davor und danach. Statistisch gesehen gehört jedoch maximal eine von zwanzig migränekranken Frauen zu dieser Gruppe. Auslöser ist ein Absinken des Östrogenspiegels.
Hormonersatztherapie (HRT) und Migräne
Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann die Beschwerden der Wechseljahre lindern, indem sie dem Körper die fehlenden Hormone zuführt. Allerdings kann die HRT auch Auswirkungen auf die Migräne haben.
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Einfluss der HRT auf Migräne
Eine HRT kann die Migräne beeinflussen. Zykliche Hormonpräparate können Migräne verstärken. Eine kontinuierliche, transdermale Hormonverabreichung, die weniger Hormonschwankungen verursacht, scheint keine negativen Einflüsse auf die Häufigkeit und/oder Intensität der Migräneattacken zu haben. Eine aktuelle Studie zeigte, dass unterschiedliche HRT-Schemata die Frequenz und Dauer der Migräne sowie den Verbrauch von Analgetika verschlechterten, jedoch die klimakterische Symptomatik verbesserten. Die Parameter wurden am wenigsten durch eine kontinuierlich-kombinierte HRT verstärkt, am meisten durch das sequenziell-zyklische Schema. Querschnittstudien wiesen außerdem darauf hin, dass jede Art der HRT mit Migräne assoziiert war. Laufende systemische Hormonbehandlungen waren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Migräne assoziiert als vorhergehende und lokale Therapien.
Östrogen und Migräne
Vor allem Estradiol kann Migräneattacken verstärken, besonders dann, wenn ein Ungleichgewicht zwischen Estrogen und Gestagen vorliegt. Treten während der Hormonersatztherapie migräneartige Kopfschmerzen auf, sollte Rücksprache mit dem Gynäkologen gehalten werden. Physiologische Dosen von natürlichem Estrogen können bei Migräne mit Aura angewandt werden, nicht jedoch Ethinylestradiol in kontrazeptiver Dosierung.
Progesteron und Migräne
Progesteron wird grundsätzlich eine schützende Funktion vor Migräne zugeschrieben. Es kann aber auch zu Migräneattacken führen. In der Hormonersatztherapie kann das Gestagen Progesteron als Kapsel kombiniert werden und ist zur Endometriumprotektion bei Frauen mit peri- oder postmenopausalen Beschwerden durch einen Estrogenmangel zugelassen.
Vaginale Anwendung von Progesteron
Die vaginale Anwendung von Progesteron kann helfen, Nebenwirkungen zu verhindern, da es vaginal besonders gut aufgenommen wird. Während einer Blutung kann für eine Woche pausiert und dann die Anwendung wieder begonnen werden. Bei weiterhin auftretenden Blutungen empfiehlt sich zunächst eine zyklische Hormonanwendung mit 200 mg Progesteron.
Kontraindikationen
Echte Migräne zählt zu den Kontraindikationen gegen eine Hormonanwendung, schlecht eingestellter Bluthochdruck ebenfalls.
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Migräne und Bluthochdruck in den Wechseljahren
Eine aktuelle Studie zeigte, dass Migräne mit einem erhöhten Hypertonierisiko bei Frauen in den Wechseljahren assoziiert ist. Die Migräne war assoziiert mit einem zunehmenden Hypertonierisiko, welches auch in Bezug auf gängige Migränemedikamente konsistent war. Die Assoziationen waren mit und ohne Aura ähnlich. Leicht stärker erwies sich der Zusammenhang bei Frauen, die schon einmal eine Hormonersatztherapie (HRT) erhalten hatten.
Behandlungsansätze bei Migräne in den Wechseljahren
Die Behandlung von Migräne in den Wechseljahren erfordert einen individuellen Ansatz, der die spezifischen Beschwerden und Risikofaktoren der Patientin berücksichtigt.
Ärztliche Beratung
Vor dem Beginn einer HRT sollten die Frauen mit ihren behandelnden Ärzten die Vor- und Nachteile der Behandlung ausführlich diskutieren. Bei der HRT gibt es immer Ausschlusskriterien. Ein wichtiger Punkt ist das Schlaganfallrisiko. Bei bestimmten Formen der Migräne ist das erhöht. Daher stellt sich die Frage, ob Frauen, die eine Migräne mit Aura (Sinnesstörungen, meist Sehstörungen) haben, eine HRT bekommen dürfen. Für die hormonelle Verhütung gilt Migräne mit Aura als Kontraindikation. Bei der HRT scheint das Schlaganfallrisiko, insbesondere wenn die Hormone transdermal verabreicht werden, jedoch nicht erhöht zu sein.
Lebensstiländerungen
Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung können helfen, Migräneattacken zu reduzieren. Auch der Abbau von Stress kann eine positive Wirkung haben.
Medikamentöse Therapie
Zur Akutbehandlung von Migräneattacken stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, wie z.B. Schmerzmittel, Triptane und Antiemetika. Zur Vorbeugung von Migräne können Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt werden.
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Alternative Therapien
Einige Frauen berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Therapien wie Akupunktur, Yoga oder Entspannungsverfahren.
Magnesium
Die tägliche Einnahme von Magnesium kann bei Augenmigräne hilfreich sein.
Bedeutung der Nachsorge
Auch nach der Menopause können Migräneattacken auftreten, allerdings bessern sich die Beschwerden bei vielen Frauen, wenn die Hormonspiegel dauerhaft niedrig und stabil sind. Es ist wichtig, die Migräne weiterhin im Auge zu behalten und gegebenenfalls die Behandlung anzupassen.