Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die sowohl Hunde als auch Katzen betreffen kann. Sie ist durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet, die durch abnorme elektrische Entladungen im Gehirn verursacht werden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Epilepsie bei Hunden und Katzen.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung bei Hunden und Katzen. Ungefähr 1 % aller Hunde sind betroffen. In Deutschland sind etwas mehr als eine halbe Million Menschen von Epilepsie betroffen. Epilepsie hat viele Gesichter und viele mögliche Ursachen. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer abnormen elektrischen Entladung bestimmter Nervenzellen (Neuronen). Je nachdem, welche Neuronen betroffen sind, treten unterschiedliche Kombinationen aus motorischen, kognitiven und vegetativen Beeinträchtigungen auf.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie können vielfältig sein. Tiermediziner unterscheiden bei der Epilepsie zwischen der angeborenen bzw. idiopathischen Form und der sekundären oder auch erworbenen Epilepsie.
Idiopathische Epilepsie
Die idiopathische Epilepsie ist eine Form der Epilepsie, bei der keine zugrunde liegende Ursache gefunden werden kann. Die genetische Veranlagung spielt auch bei der idiopathischen Epilepsie eine große Rolle. Inzwischen nimmt man an - bzw. konnte bei einigen Rassen sogar schon nachweisen - dass es sich hierbei um eine genetische, also häufig vererbte, Erkrankung handelt. Die idiopathische Epilepsie tritt meistens erstmals zwischen dem 1 und 6 Lebensjahr auf. Einige Rassen wie Australian Shepherd, Border Collie, Deutscher und Belgischer Schäferhund, Boxer, Beagle, Labrador Retriever und Cane Corso sind prädisponiert. Aufgrund der Komplexität der Erkrankung, bei der verschiedene Risikofaktoren als gemeinsame Auslöser eine Rolle spielen können, stehen Gentests für solche Rassen aber nicht zur Verfügung.
Strukturelle oder erworbene Epilepsie
Die erworbene Epilepsie entsteht als Folge einer unzureichenden Sauerstoffversorgung oder durch Schäden im Nervengewebe. Die strukturelle oder symptomatische Epilepsie liegt vor, wenn den Anfällen eine andere Erkrankung zugrunde liegt. Dazu zählen z.B. Erkrankungen anderer Organe wie Niere oder Leber, angeborene Missbildungen, Infektionen, Gehirntumore oder Vergiftungen. Liegt die Ursache für die Krampfanfälle außerhalb des Gehirns, so wird dies auch als extrazerebrale Epilepsie bezeichnet. Zu den möglichen Ursachen zählen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen, Diabetes mellitus oder Schilddrüsenüberfunktion. Auch Vergiftungen, zum Beispiel durch Medikamente, lösen häufig Krampfanfälle aus.
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Seltene, monogen vererbte Epilepsien
Anders sieht es für seltene, monogen vererbte Epilepsien aus. Für einige Epilepsieformen stehen inzwischen Gentests zur Verfügung, z. B. für die Lafora-Epilepsie bei verschiedenen Rassen, die juvenile Epilepsie beim Lagotto Romagnolo, die juvenile myoklonische Epilepsie beim Rhodesian Ridgeback, sowie die juvenile Enzephalopathie beim Parson und Jack Russel Terrier. Auch andere Anfallsleiden können ihre Ursache in Veränderungen bestimmter Gene haben. Beispielhaft zu nennen wären Bewegungsstörungen wie das Episodic Falling des Cavalier King Charles Spaniels, Enzephalopathien wie die nekrotisierende Meningoenzephalitis beim Mops, Speicherkrankheiten wie die neuronale Ceroidlipofuszinose, die bei verschiedenen Rassen vorkommen kann und die Narkolepsie bei Dackel, Dobermann und Labrador.
Formen von epileptischen Anfällen
Es gibt unterschiedliche Formen von Krampfanfällen. Prof. Volk zeigt auf, wie die Einordnung von epileptischen Anfällen gelingt.
- Fokale Anfälle: Bei sogenannten fokalen Anfällen handelt es sich um die mildeste Form, bei der nur eine der beiden Hirnhälften betroffen ist. Schwerer fällt die Beurteilung bei fokalen Anfällen. Dazu kann z.B. lediglich das Zucken mit dem Mundwinkel oder Fliegenschnappen zählen. Symmetrische, fokale Anfälle, die mit Veränderungen im MRT im Bereich des Hypocampus und Befunden im Liquor einhergehen, können auf eine Enzephalitis hindeuten. Typisch seien Serienanfälle, Verhaltensänderungen und die Nicht-Ansprache auf eine antiepileptische Therapie.
- Generalisierte Anfälle: Die schwerste Form stellen generalisierte Anfälle dar. Ein generalisiertes tonisch-klonisches Krampfgeschehen wird dabei am ehesten einer Epilepsie zugeordnet. Dabei verliert das Tier i.d.R. das Bewusstsein und fällt häufig unter Krämpfen zu Boden. Auch der unbewusste Verlust von Harn und Kot sowie übermäßiges Speicheln können auftreten. Der häufigste Anfallstyp ist der tonisch-klonische Grand-mal-Anfall. Dies ist der eigentliche Anfall. Er beginnt in der Regel mit Zuckungen, dann folgen generalisierte Krämpfe, Kieferschlagen, Harn- und Kotabsatz, Speicheln, massive Zuckungen der Gliedmaßen und Muskulatur.
- Cluster- oder Serienanfall: Als Cluster- oder Serienanfall bezeichnet der Mediziner das Auftreten von zwei oder mehr epileptischen Anfällen innerhalb von 24 Stunden.
- Status epilepticus: Der Status epilepticus definiert einen epileptischen Anfall, bei dem die Katze mehr als fünf Minuten das Bewusstsein verliert. Prof. Volk gibt als Definition für den Status epilepticus eine Anfallsdauer ab fünf Minuten an und definiert Clusteranfälle als das Auftreten von mehr als einem Anfall innerhalb von 24 Stunden. Wie oben erwähnt kann auch aus einem Serienanfall ein Status epilepticus werden, wenn die Katze zwischen den einzelnen Anfällen das Bewusstsein nicht wiedererlangt.
Ablauf eines epileptischen Anfalls
In der Regel verläuft ein epileptischer Anfall in 3 Phasen:
- Vor dem Anfall (präiktal, „Aura“): In dieser Phase zeigen viele Katzen ein stärkeres Verlangen nach Nähe zum Besitzer. Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Verwirrtheit, Speicheln, besondere Anhänglichkeit.
- Während dem Anfall (iktal): Versteifung der Muskulatur, zu Boden fallen, Rudern, paddelnde Bewegungen, Speicheln, Zittern, Lautäußerungen, Verlust von Harn/Kot.
- Nach dem Anfall (postiktal): Sie wird als Erholungsphase bezeichnet. Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Drangwandern, Blindheit. Dieses Stadium geht von einigen Minuten bis zu Tagen, das Tier zeigt Erschöpfungszustände, Desorientierung und manchmal unbegründete Aggressivität.
Diagnose von Epilepsie
Um Ihrem Tier die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen ist es unerlässlich, die Ursache und damit Form der Epilepsie zu kennen. Hat Ihre Katze einen Krampanfall erlitten, sollten Sie sie anschließend unbedingt einem Tierarzt vorstellen. Versuchen Sie aber bitte nicht, die Katze noch während des Anfalls zu Ihrem Veterinär zu transportieren. Sie werden diesen in der Regel nicht vor Ende des Anfalls erreichen.
Anamnese und klinische Untersuchung
Besonders wichtig für den Tierarzt ist immer das Gespräch mit Ihnen als Besitzer, gefolgt von einer gründlichen allgemeinen und neurologischen Untersuchung. Während der Besitzerbefragung (Anamnese) sammelt der Tierarzt bereits wichtige Hinweise und schließt mögliche Ursachen aus. Dokumentieren Sie genau, wann Ihr Tier Anfälle hat, wie lange diese dauern, wie sie ablaufen und was sie vorher und hinterher beobachtet haben (Anfallstagebuch). Sowohl Ihrer Katze auch als Ihrem Tierarzt helfen Sie am meisten, wenn Sie den Anfall möglichst als Video dokumentieren. Häufig wird er nach einer gründlichen Untersuchung schon einen Verdacht haben, ob es sich eher um eine idiopathische oder strukturelle Epilepsie handelt.
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Weiterführende Diagnostik
Das weitere Vorgehen hängt von den Symptomen des Patienten ab. Zur Abklärung einer Epilepsie gehören Blutuntersuchungen (großes Blutbild, Organwerte, ggf. Funktionstests), Bildgebung (i.d.R. CT oder MRT, ggf. auch Ultraschall) und eine Untersuchung des Hirnwassers. Bei der Labordiagnostik legen Prof. Fischer und Prof. Volk Wert auf die Hämatologie und Biochemie. Es geht um den Ausschluss anderer Ursachen für epileptische Anfälle sowie die Detektion von möglicherweise im Hinblick auf die Therapie mit Antiepileptika relevanten Begleiterkrankungen. Es gibt keine typischen Marker für die Epilepsie im Blut, allerdings können nach einem Anfall die CK-Werte für etwa zwei Tage erhöht sein. Eine weiterführende Diagnostik mittels MRT (und Liquoruntersuchung) dient der Überprüfung struktureller Veränderungen oder Entzündungsprozesse im Gehirn. Sie sind insbesondere bei weniger typischer klinischer Präsentation und älteren Patienten (Hund über sechs Jahre, Katze über sieben Jahre) wichtig. Erst wenn alle diese Untersuchungen abgeschlossen sind, kann man die Diagnose einer idiopathischen Epilepsie stellen (Ausschlussdiagnose).
Differenzialdiagnose
Prof. Volk zeigt auf, wie die Einordnung von epileptischen Anfällen gelingt. Bei Synkopen hingegen kommt es eher zu einem einmaligen, kurzen Myoklonus mit sehr schneller Erholung. Der Epilepsie ähnlich kann die paroxysmale Dyskinesie sein. Prof. Fischer erklärt sie als eine nicht epileptische Gehirnerkrankung, die episodisch auftritt und durch bestimmte Reize ausgelöst wird. Patienten mit dyskinetischem Anfall bleiben bei Bewusstsein.
Behandlung von Epilepsie
Allgemein gilt, dass Epilepsie eine nicht heilbare Erkrankung ist. Deshalb sind engmaschige Kontrollen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Besitzer immens wichtig. Welche Therapieform zum Einsatz kommt, richtet sich hier immer nach der zugrundeliegenden Ursache.
Behandlung der Grunderkrankung
Handelt es sich um eine strukturelle Epilepsie wird die Grunderkrankung behandelt, welche die Anfälle auslöst. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, erst eine Diagnose zu stellen. Wenn es sich um eine sekundäre Epilepsie handelt, besteht die einzige Chance in der Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung. So erfordern bakterielle Infektionen beispielsweise die Gabe eines wirksamen Antibiotikums.
Medikamentelle Therapie
Bei einer idiopathischen Epilepsie erfolgt i.d.R. die Therapie mit antikonvulsiven (antiepileptischen) Medikamenten. Nicht jede Epilepsie muss aber behandelt werden. Mit der Therapie sollte begonnen werden, wenn das Tier mehr als 2 Anfälle in 6 Monaten gezeigt hat oder ein Cluster oder Status aufgetreten ist (Notfall!). Wichtig ist: Epilepsie ist NICHT heilbar. Das Tier wird i.d.R. lebenslang behandelt werden müssen. Dennoch ist die Lebenserwartung eines Epileptikers nicht eingeschränkt. Abgewägt werden sollte, ob die Nebenwirkungen tolerierbar sind oder nicht. Sind die Nebenwirkungen des Medikaments lebensbedrohlich, so bedrohen diese das Leben des betroffenen Tieres gegebenenfalls mehr als die Epilepsie, was dazu führen sollte, andere Therapiemethoden auszuprobieren. Auch ist die Gefahr gegeben, dass sich der Organismus an die tägliche Unterdrückung der Krampfanfälle durch Medikamente gewöhnt, so dass keine bzw.
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Antiepileptika
Zur Verfügung stehen in Deutschland lediglich 3 Medikamente, die im Folgenden kurz vorgestellt werden:
- Phenobarbital: Mittel der Wahl der veterinärmedizinischen Therapie ist Phenobarbital, ein Barbiturat, das in den Produkten Luminal und Luminaletten enthalten ist. Phenobarbital ist meistens die erste Wahl. Es wird i.d.R. zweimal täglich verabreicht. Da die Wirkung von Phenobarbital stark dosierungsabhängig ist, von Beruhigung über eine leichte Dämpfung des Bewusstseins bis zur Betäubung reicht, ist die Dosierung unbedingt vorsichtig vorzunehmen und gezielt einzusetzen. Die möglichen Nebenwirkungen bei falscher Dosierung reichen über Atemlähmung bis zum Kreislaufversagen und Nierenschädigung. Erwähnenswert ist, dass es kein Gegenmittel bei einer Überdosierung gibt. Nicht geeignet ist Phenobarbital bei Erkrankungen der Leber. Aus diesem Grund zählt zur Überwachung eines Epileptikers auch die regelmäßige Kontrolle der Organwerte. Phenobarbital braucht 2 Wochen, um seinen Wirkspiegel zu erreichen. Von da an sollte dieser Spiegel regelmäßig im Blut kontrolliert werden, um das Tier optimal einzustellen (so viel wie nötig, so wenig wie möglich). Im Rahmen des Monitorings wird die Bestimmung von Plasmaspiegeln für Phenobarbital und Kaliumbromid genutzt. Prof. Bröer erklärt, dass dies für Phenobarbital ab zwei Wochen nach Therapiestart sinnvoll ist, während für Kaliumbromid eine Untersuchung frühestens drei Monate nach Beginn der Gabe aussagekräftige Werte liefert.
- Imepitoin (Pexion): Imepitoin und Phenobarbital haben in Studien eine relativ ähnliche Wirksamkeit gezeigt. Imepitoin (Pexion) ist ein noch relativ neues Medikament, welches extra für Hunde entwickelt wurde. Es hat nur wenig Nebenwirkungen, ist aber nicht wirksam bei Clusteranfällen. Imepitoin wird nicht im Blut kontrolliert, die Einstellung erfolgt also rein nach Kontrolle der Anfallshäufigkeit. Auch Imepitoin wird von Katzen gut vertragen und hat seine Wirkung.
- Kaliumbromid: Kaliumbromid ist das 3. zugelassene Medikament. Auch wenn es zur Einzeltherapie zugelassen ist, wird es meistens als Zusatz (Add-on) genutzt, wenn ein Medikament alleine nicht wirksam genug war. Kaliumbromid braucht ca. 3 Monate um einen stabilen Spiegel zu erreichen. Dieser sollte - wie auch bei Phenobarbital - regelmäßig kontrolliert werden. Bei Tieren, die mit Kaliumbromid behandelt werden, ist es wichtig auf einen gleichbleibenden Salzgehalt im Futter zu achten, da Schwankungen bei der täglichen Salzaufnahme Anfälle auslösen können. Eine absolute Kontraindikation besteht bei dieser Tierart für Kaliumbromid.
Sollten die genannten Medikamente nicht ausreichend wirksam sein oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können, darf der Tierarzt Medikamente aus der Humanmedizin umwidmen. Dabei handelt es sich meistens um Levetirazetam. Dieses Medikament hat sehr wenige Nebenwirkungen, ist dafür aber alle 8 Stunden zu verabreichen und zudem recht kostenintensiv. Im Gegensatz zu allen anderen vorgestellten Medikamenten verursacht Levetirazetam keine Abhängigkeit. Es ist deshalb sehr gut geeignet, um durch eine kurzzeitige Zugabe von Levetirazetam Clusteranfälle zu unterbrechen. Außerdem ist es bei strukturellen Epilepsien sehr gut wirksam.
Kombinationstherapie
Beide können auch miteinander kombiniert werden, wobei die Dosis der einzelnen Präparate dabei reduziert werden kann.
Medikament der ersten Wahl bei Clusteranfällen
Bei Patienten mit Clusteranfällen gilt hingegen Phenobarbital als Medikament der ersten Wahl.
Steroidtherapie
Eine Steroidtherapie hingegen kann wirksam sein.
Homöopathische Therapie
Die Erfahrungen einer homöopathischen Therapie sind durchweg gut, wenn die Mittel richtig, das heißt auf das spezielle und individuelle Tier, abgestimmt werden. Ein Hund beispielsweise, welcher vor der Medikation mit Luminal und auch mit Luminal (hier hat Luminal offensichtlich keine Wirkung erzielt, es wurden verschiedene Dosierungen ausprobiert) mehrere Anfälle täglich hatte, was selbstverständlich einen sehr extremen Fall darstellt, hatte unter Nehls individuellen Kräutern und homöopathischer Therapie in den Folgejahren ca. Dieser Erfolg war sehr gut; bedenkt man, dass er vorher ca. 2 Anfälle täglich hatte und diese von einer solchen Schwere, dass er sich immer wieder selbst verletzte; beispielsweise schlug er sich bei einem Krampfanfall mehrere Zähne aus. Die homöopathische Therapie greift in das gesamte Stoffwechselgeschehen ein. Da der Leberstoffwechsel in Zusammenhang mit der Epilepsie zu stehen scheint, ist auf eine stetige leberschonende Entgiftung und Unterstützung der Leber Wert zu legen. Auch die Nierentätigkeit ist unterstützenswert. Daher legen wir in unseren Empfehlungen Wert auf feste Tagesabläufe und eine ruhige und stressfreie Umgebung unseres Patienten. Eine Umgebung, ein Haushalt, welcher dem Tier zusätzlichen Stress bereitet, denn durch beispielsweise häufige Besuche, laute Geräusche, keine festen Tagesabläufe usw. Dies gilt natürlich insbesondere für fremde Umgebungen mit fremden Menschen.
Was tun während eines Anfalls?
So sehr der Anblick Ihrer krampfenden Katze sie schockiert, versuchen Sie unbedingt ruhig zu bleiben. Sie sollten sich außerdem keinesfalls selbst in Gefahr bringen. Ihre Katze hat während des Anfalls weder Kontrolle über ihre Zähne noch über ihre Krallen. Nach einem epileptischen Anfall braucht die Katze unbedingt Ruhe.
Was tun bei einem Status epilepticus oder Clusteranfall?
Stellen Sie Ihre Katze in diesem Fall unbedingt Ihrem Tierarzt vor. Dieser ist immer lebensbedrohend und ein Notfall!
Lebensstil Anpassungen
Die Behandlung von Epilepsie umfasst nicht nur medikamentöse Therapien, sondern auch wesentliche Anpassungen im Lebensstil, die helfen können, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und somit auch die anfallsbedingten Risiken zu reduzieren. Vermeidung von bekannten Anfallsauslösern, ggf. Schlafentzug, Alkohol, u.a., gehört dazu. Ebenso kann geprüft werden, ob eine Umstellung der Ernährung unterstützend wirken kann. Prof. Potschka berichtet, dass die von den Mikroorganismen des Darms produzierten Stoffwechselprodukte (das Metabolom) einen Einfluss zu haben scheinen. Zudem konnten Studien einen Einfluss der Fütterung auf die Epilepsie und deren Therapierbarkeit nachweisen.
Stressreduktion
Auf die Frage, ob Stress einen Anfall auslösen kann, berichtet Prof. Volk, dass bei epileptischen Hunden erhöhte Cortisolspiegel in Blut und Speichel nachgewiesen wurden. Er ist sich mit Prof. Fischer einig, dass stressinduzierte Anfälle am ehesten in der auf das Stressereignis folgenden Ruhephase gesehen werden. Ein geregelter Tagesablauf und Maßnahmen zur Stressreduktion z. B.
Anfallsdetektionsgeräte
Eine Anfallserkennung ist auch über Sensoren möglich, welche elektrische Spannungsänderungen messen. Solche Spannungsänderungen sind im Körper und an der Haut, wenn sich im Gehirn sowie der Skelett- und Herzmuskulatur Aktivitäten ändern. Mit Hautelektroden, die z. B. am Oberarm, auf dem Brustkorb, an der Kopfhaut oder im äußeren Gehörgang angebracht werden, können diese elektrischen Spannungsänderungen gemessen werden. Bspw. Technologien zur Erfassung der elektrischen Spannung sind EMG (Elektromyographie, Messung am Oberarm oder Brustkorb), EKG (Elektrokardiographie, Messung am Brustkorb), EEG (Elektroenzephalographie, an der Kopfhaut oder im äußeren Gehörgang) sowie EDA (elektrodermale Aktivität, Messung der Hautleitfähigkeit). Bei Wearables kommen v.a. EMG-Technologien zum Einsatz.
Epileptische Notfälle
Epileptische Notfälle können vielfältig sein. Es ist wichtig, zwischen verschiedenen Situationen wie dem Status epilepticus, einem drohenden SUDEP (Sudden Death in Epilepsy), akuten Anfällen und Unfällen, die während der Behandlung auftreten können, zu unterscheiden. Für alle, die mit Epilepsie leben, sind Notfalltraining und Reanimationsschulungen essenziell. Spezielle Schulungen, die auf Epilepsie abgestimmt sind, bieten die notwendigen Fähigkeiten, um in kritischen Momenten richtig zu reagieren.
SUDEP (Sudden Unexpected Death in Epilepsy)
Plötzlich und unerwartet sterben - dafür tragen Patienten mit Epilepsie ein besonders hohes Risiko. Bezeichnet wird solch ein Ereignis als SUDEP (sudden unexpected death in epilepsy). SUDEP ist der plötzliche, unerwartete Tod eines Menschen mit Epilepsie, der sich unter gutartigen Bedingungen und ohne ersichtliche Ursache ereignet. Die Mehrheit der plötzlichen Todesfälle ist SUDEP zuzuschreiben, welcher bis zu 17 % aller vorzeitigen Todesfälle bei Erwachsenen ausmachen soll. SUDEP tritt bei 1 von 1000 Personen mit Epilepsie pro Jahr auf, meist als fatale Komplikation tonisch-klonischer Anfälle.
Risikofaktoren für SUDEP
Welche Faktoren das Risiko beeinflussen, haben Dr. Olafur Sveinsson von den Karolinska-Universitätskliniken in Stockholm und Kollegen untersucht. Anhand von Registerdaten identifizierten sie in den Jahren 2006-2011 insgesamt 255 Fälle eines sicheren oder wahrscheinlichen SUDEP. Diese verglichen sie mit rund 1150 lebenden Epilepsiepatienten und fanden heraus, dass v.a. generalisierte tonisch-klonische Krämpfe im Jahr vor dem Tod das SUDEP-Risiko massiv steigerten. Insgesamt lag die Gefahr fast 27-mal höher, bei mindestens vier solcher Anfälle sogar 32-mal. Zu anderen Arten von Krämpfen zeigte sich keine signifikante Assoziation. In Gefahr schwebten auch Kranke, die allein lebten und allein schliefen. Bei ihnen kam ein SUDEP etwa fünfmal so oft vor wie bei Patienten mit (Bett-)Partner. Ganz extrem wurde die Situation, wenn man die Risikofaktoren kombinierte. Die Experten errechneten eine 67-fach erhöhte Gefahr für einen plötzlichen Tod bei Patienten mit generalisiertem tonisch-klonischem Anfall in den zurückliegenden zwölf Monaten, die sich das Schlafzimmer nicht mit einer anderen Person teilten. Schwache SUDEP-Risikofaktoren sind männliches Geschlecht und früher Epilepsiebeginn. Starke Faktoren sind schwer behandelbare Epilepsie, nächtliche Anfälle und Alleinleben. Der stärkste Risikofaktor sind tonisch-klonische Anfälle. Nächtliche Anfälle, allein leben bzw. schlafen und unbeobachtete tonisch-klonische Anfälle sind Risikofaktoren.
Pathophysiologie von SUDEP
Die Mehrzahl der SUDEP-Fälle wird wahrscheinlich unmittelbar durch einen tonisch-klonischen Anfall ausgelöst, bei dem es nach Anfallsende zunächst zu einem zentralen Atemstillstand kommt, gefolgt von einer schweren Hypoxämie und terminalen Asystolie („fatale SUDEP-Kaskade“). Eine frühe kardiopulmonale Reanimation während des zentralen Atemstillstandes kann wahrscheinlich in vielen Fällen einen SUDEP abwenden und erklärt, warum sich die meisten SUDEP-Fälle unbeobachtet ereignen.
Prävention von SUDEP
Diese Zahlen sind klinisch relevant, betonen die Kollegen. Entfernt man nur eine der beiden Faktoren aus der Gleichung, ließen sich mehr als zwei Drittel aller SUDEP-Ereignisse vermeiden, schätzen sie. Eine Möglichkeit dazu könnte etwa eine verbesserte antiepileptische Therapie darstellen, die generalisierte Anfälle gar nicht erst auftreten lässt. Das wollen die Forscher in einer weiteren Analyse nun genauer untersuchen. Eine andere Option bieten möglicherweise Monitoring-Systeme. Diese schlagen Alarm, wenn bei einem Alleinschlafenden ein Anfall auftritt. Den Nutzen des Systems müssen Studien noch beweisen. Eine konsequente und vollständige Anfallskontrolle durch anfallssuppressive Medikamente kann das SUDEP-Risiko senken. Bei unzureichender Anfallskontrolle sollten früh weitere Therapieoptionen an einem spezialisierten Epilepsiezentrum geprüft werden. Alle Menschen mit Epilepsie und deren Angehörige sollen über das SUDEP-Risiko und Maßnahmen zur Risikoreduktion aufgeklärt werden, um ein aktives Management der Epilepsie und der Gestaltung individueller Lebensumstände zu ermöglichen.
Leben mit Epilepsie
Das Leben mit einem Epileptiker kann eine Herausforderung sein - schließlich handelt es sich um eine unheilbare Erkrankung, die lebenslang therapiert werden muss. Zudem ist es für Patient und Besitzer jedes Mal eine Stresssituation, wenn Anfälle auftreten. Egal welche Medikamente eingesetzt werden - wichtig ist die gute Überwachung des Epileptikers. Dafür ist Ihr Tierarzt auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Dokumentieren Sie Anfälle in Ihrem Anfallstagebuch, geben Sie Medikamente immer genau nach Plan und kommen sie regelmäßig zu den vereinbarten Kontrollen. So können wir unser Ziel erreichen und eine maximale Lebensqualität für Ihren Epileptiker und Sie als Besitzer schaffen. Als vollumfänglich informierter Patient oder Patientenangehöriger können Sie selbstbestimmte Abwägungen und Entscheidungen treffen. Dazu gehört es auch, zu überlegen, wie Sie Ihr Leben mit Epilepsie gestalten und welche Risiken Sie eingehen möchten - oder aber nicht. Hierzu gehört bspw. die Frage, ob Sie alleine Schwimmen möchten oder ob Sie ein Wearable tragen oder Ihren Schlaf durch ein Anfallsdetektionsgerät sichern. Sie können selbst entscheiden, welche Risiken Sie vermeiden möchten. Ziel sollte sein, eine gute Balance zu finden zwischen Selbstschutz und Freiheit, damit Sie für sich bzw.
Was tun während eines Anfalls?
Auch wenn es schwer fällt - bleiben Sie ruhig. Ihr Tier bekommt i. d. R. nichts von dem Anfall mit, da es nicht bei Bewusstsein ist.