Chefarzt Neurologe Thomas Brand: Ein Leben für die Neurologie und Rehabilitation

Einführung

Dr. Thomas Brand ist ein bekannter Name in der deutschen Neurologie. Seine lange und erfolgreiche Karriere führte ihn durch verschiedene renommierte Kliniken, in denen er als Chefarzt und Experte für neurologische Erkrankungen und Rehabilitation tätig war. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Stationen seines beruflichen Werdegangs und seine Verdienste um die neurologische Versorgung und Forschung.

Frühe Karriere und Spezialisierung

Dr. Thomas Brand begann seine medizinische Laufbahn mit dem Studium der Humanmedizin an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Nach seiner Promotion erlangte er im Jahr 1987 die Facharztanerkennung für Neurologie und Psychiatrie (damals Nervenheilkunde). Umfassende Zusatzqualifikationen im Rehabilitationswesen und der Sozialmedizin ergänzten seine Expertise.

Langjährige Tätigkeit als Chefarzt in Bad Driburg

Ein bedeutender Abschnitt in Dr. Brands Karriere war seine 26-jährige Tätigkeit als neurologischer Chefarzt in der Marcus Klinik in Bad Driburg. Während dieser Zeit trug er maßgeblich zur Entwicklung und Etablierung der Klinik als Zentrum für neurologische Rehabilitation bei.

Wechsel nach Nümbrecht und Engagement für die Frührehabilitation

Nach seiner Zeit in Bad Driburg übernahm Dr. Brand die Leitung der Neurologie in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement für den Aufbau der neurologischen Frührehastation. Dr. Brand setzte sich dafür ein, dieses neue Segment der Klinik in der Region bekannt zu machen und zu etablieren. Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik erhielt im September 2017 den Versorgungsauftrag über 20 neurologische Frührehabetten von der nordrhein-westfälischen Landesregierung und wurde damit in den Krankenhausplan NRW aufgenommen.

Dr. Ursula Becker, geschäftsführende Gesellschafterin der Dr. Becker-Klinikgruppe, betonte die Bedeutung von Dr. Brands Expertise und seinen guten Kontakten für die Klinik, insbesondere in der Aufbauphase der Frührehastation.

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Unterstützung der Dr. Becker Burg-Klinik in Thüringen

Auch nach seinem Ausscheiden als Chefarzt in Nümbrecht blieb Dr. Brand der Dr. Becker Klinikgruppe erhalten. Ab Ende Januar unterstützte er die Dr. Becker Burg-Klinik in Thüringen als Oberarzt.

Das Deutsche Schwindel- und Gleichgewichtszentrum in München

Prof. Thomas Brandt ist Neurologe und Gründer des Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrums in München.

Schwindel als Symptom

Zunächst muss man sagen, dass Schwindel keine Krankheit ist wie Diabetes oder Bluthochdruck. Schwindel ist ein Symptom, das bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen auftreten kann, wie zum Beispiel bei Krankheiten des Innenohrs, wo das Gleichgewichtsorgan sitzt, aber auch bei neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) oder einem Schlaganfall.

In Zahlen lässt sich sagen, dass 13 Prozent aller Menschen, die in die Notaufnahme eines Krankenhauses kommen, den Schwindel als Leitsymptom haben, das ist neben Kopfschmerzen eines der häufigsten Symptome überhaupt. Eine grobe Einteilung würde lauten: 30 Prozent der Schwindelerkrankungen kommen vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr, 30 Prozent durch neurologische Erkrankungen und bei 30 Prozent handelt es sich um einen funktionellen Schwindel.

Früher nannte man das psychosomatisch: Organisch ist alles gut, es liegen nur subjektiv Beschwerden vor. Diese Patienten würden nie zum Psychiater gehen, sondern immer zum Arzt ihres Symptoms. Am häufigsten glauben die Patienten ohnehin, dass der Schwindel von der Wirbelsäule kommt, das spielt aber gar keine Rolle.

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Interdisziplinäre Herausforderung

Einerseits, weil der Schwindel interdisziplinär ist, also bei unterschiedlichen Erkrankungen auftauchen kann. Nur ist heutzutage kaum ein Arzt interdisziplinär ausgebildet, alle sind Experten ihres Faches. Das reicht aber oft nicht, um den Schwindel zuzuordnen. Die Symptome von Schwindelerkrankungen, die zum Beispiel durch Innenohrerkrankungen ausgelöst wurden, lassen sich von denen, die durch neurologische Erkrankungen wie MS oder Schlaganfällen entstanden sind, nicht sofort unterscheiden. Da muss man mehrere Disziplinen gelernt haben.

Zuerst sollte man die Schwindelattacke charakterisieren: Handelt es sich um eine Benommenheit, einen Drehschwindel oder ein Schwanken? Benommenheit kennen wir alle, wenn wir nach längerem Sitzen plötzlich aufstehen und uns schummrig im Kopf wird. Das ist sehr wahrscheinlich ein Blutdruckabfall, der ist völlig harmlos. Wenn aber ein heftiger Drehschwindel mit Fallneigung auftritt, mit Übelkeit und Erbrechen über Minuten oder Stunden, dann ist es etwas Ernsthaftes, dann sollte man unverzüglich einen spezialisierten Arzt aufsuchen. In der Klinik kann sehr schnell festgestellt werden, ob der Drehschwindel aus dem Gleichgewichtsorgan kommt oder aus dem Hirn. Die dritte Form, der Schwankschwindel, wird am häufigsten durch neurologische Erkrankungen des Hirnstammes und des Kleinhirns ausgelöst. Das sind zum Beispiel die Multiple Sklerose, kleine Schlaganfälle, aber auch degenerative Erkrankungen des Kleinhirns.

Generell sollte eine Schwindelattacke immer von einem spezialisierten HNO-Arzt oder besser noch von einem Neurologen abgeklärt werden. In die Deutsche Schwindelambulanz kommen Patientinnen und Patienten, denen bisher nicht geholfen werden konnte. Zu uns kommen nur die „Fälle“, die bisher wegen ihres Schwindels bei einem HNO-Arzt oder einem Neurologen waren, aber keine Diagnose bekommen haben. Wir verstehen uns als interdisziplinäres Zentrum, unsere Mediziner sind in mehreren Fächern ausgebildet. Im Jahr sehen wir etwa 3500 neue Patientinnen und Patienten, natürlich auch Kinder. Zunächst versuchen wir durch Befragung und Untersuchung herauszubekommen, was für eine Art von Schwindel vorliegt. Handelt es sich zum Beispiel um einen gutartigen Lagerungsschwindel, der übrigens am häufigsten vorkommt, behandeln wir sofort. Entdecken wir eine MS, überweisen wir zu einem Neurologen, der die Therapie beginnt.

Forschung zum Thema Höhenschwindel

Menschen glauben oft, Höhenschwindel sei ein rein psychisches Problem. Über 30 Prozent der Erwachsenen leiden unter Höhenschwindel, z.B. auf Brücken oder Türmen. Sie haben dazu geforscht. Mich hat der Höhenschwindel immer interessiert, weil die Menschen oft glauben, er sei ein rein psychisches Problem. Nach dem Motto: „Reiß Dich zusammen, dann hast Du auch keinen Schwindel.“ Das ist aber nicht so. Menschen und Tiere haben ein angeborenes Vermeidungsverhalten, wenn es um Höhe geht. Wenn Sie Kleinkinder über einen Tisch krabbeln lassen, der eine massive Platte hat und plötzlich zum Glastisch wird, krabbelt das Kind nicht weiter, wenn es den Abgrund sieht. Das hat die Natur so vorgesehen. Zum Glück verschwindet der kindliche Höhenschwindel irgendwann. Bei Erwachsenen nicht. Nun könnte man den Betroffenen sagen, dass diese irrationale Angst vor der Höhe keinen Sinn macht. Aber das nützt nichts. Wir haben herausgefunden, dass Erwachsene, die einen Höhenschwindel haben, dazu neigen, die Muskulatur von Beinen und Nacken zu versteifen, ihr Blick friert förmlich ein. Deshalb glauben wir, dass diese Komplettversteifung ein angeborener Primitivreflex des Menschen ist, der bei Angst auftritt. Den finden Sie auch im gesamten Tierreich. Legen Sie einen Vogel auf den Rücken und er bewegt sich nicht mehr. Das so genannte Dual Tasking. Betroffene sollten zum Beispiel beim Überqueren einer Brücke eine zweite Aufgabe übernehmen, wie das Lösen einer Rechenaufgabe oder das Aufzählen von Blumennamen. Das lenkt das Hirn ab und hilft.

Hertie-Senior-Forschungsprofessur in Neurowissenschaften

Sie haben eine Hertie-Senior-Forschungsprofessur in Neurowissenschaften inne, mit der die Hertie-Stiftung das herausragende Forschungspotenzial älterer Forschender ab 60 Jahren erhalten und fördern möchte. Ich habe im Jahr 2008 die Leitung der Neurologischen Klinik am Klinikum Großhadern in München (LMU) übergeben, da war ich 65 Jahre alt. Ich habe meine Arbeit gern gemacht, war über 30 Jahre Leiter von neurologischen Kliniken. Aber die Forschung war mir immer etwas sehr Wichtiges, deshalb habe ich, anstatt bis 67 weiterzuarbeiten, die Hertie-Senior-Professur angetreten, es war die Erste damals. Da hat die Hertie-Stiftung wirklich etwas ganz Tolles gemacht, was bis heute an vielen Universitäten kopiert wird. Ich kann sagen: Ohne die Hertie-Professur hätte ich niemals die Aufgabe übernommen, beim Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Antrag auf ein Integriertes Forschungs-und Behandlungszentrum für Schwindel, Gleichgewichts- und Okulomotorikstörungen (IFB) zu stellen. Dafür hätte ich als Klinikleiter nicht die Zeit gehabt. Dann bekamen wir den Zuschlag und wurden über 10 Jahre mit 50 Millionen Euro gefördert. Danach haben wir es geschafft, dass das IFB zu einer eigenen klinischen Einrichtung der Medizinische Fakultät und des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) verstetigt wurde. Nur durch die Hertie-Stiftung ist dies möglich geworden. Genauso wie unser Projekt PoiSe, mit dem wir Schwindelpatienten besser versorgen wollen, und das vom Gemeinsamen Bundesausschuss mit 4,5 Millionen Euro gefördert wird.

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