Ein guter Chef ist von unschätzbarem Wert. Gudrun Happich, eine Führungskräftecoachin, betont, dass der Satz "Mitarbeiter verlassen keine Unternehmen, sondern Führungskräfte" absolut zutrifft. Doch was tun, wenn der Chef zur Belastung wird? Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Strategien, um mit nervigen oder schwierigen Vorgesetzten umzugehen und die Situation am Arbeitsplatz zu verbessern.
Die Bedeutung einer guten Führungskraft
Eine gute Führungskraft zeichnet sich durch Klarheit und Konsequenz aus, nicht durch Härte und Dominanz. Happich betont, dass Klarheit und Konsequenz langfristig erfolgreicher sind. Ein Beispiel: Ein Chef, der ein Meeting von 10 bis 12 Uhr ansetzt und pünktlich beginnt, signalisiert Respekt gegenüber den Mitarbeitern. Wer zu spät kommt, muss sich selbstständig um die fehlenden Informationen kümmern.
Feedback als Schlüssel zur Verbesserung
Mitarbeiter können aktiv zur Verbesserung der Situation beitragen, indem sie Feedback geben. Anstatt sich hinter dem Rücken des Vorgesetzten zu beschweren, sollten sie ihre Anliegen direkt und freundlich ansprechen. Zum Beispiel: "Mir ist aufgefallen, dass einige Leute zu den Meetings zu spät kommen. Ich fände es besser, wenn wir pünktlich starten könnten." Ein guter Chef ist offen für solches Feedback und bereit, sein Verhalten anzupassen.
"Love it, Leave it, Change it" - Drei Handlungsoptionen
Der bekannte Spruch "Love it, leave it, change it" kann auch auf die Beziehung zum Vorgesetzten angewendet werden.
- Change it: Knackpunkte ansprechen und versuchen, Veränderungen zu bewirken.
- Love it: Das Gesamtpaket annehmen und die positiven Eigenschaften des Chefs wertschätzen.
- Leave it: Die Stelle verlassen, wenn die Situation unerträglich ist. Dies ist besonders dann ratsam, wenn der Chef jähzornig und unfair ist.
Wichtig ist, sich ehrlich zu fragen, ob man dem Chef bereits mitgeteilt hat, wie schwierig man die Zusammenarbeit empfindet. Oftmals gehen wir davon aus, dass andere unsere Gedanken lesen können.
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Konstruktive Kritik üben
Wer seine Gefühle und Erlebnisse artikuliert, hat die Chance, gehört und verstanden zu werden. Bei der Kritik ist es wichtig, die Worte gut zu wählen, klar und ich-bezogen zu bleiben und keine generelle Anklage zu erheben.
Nervige Mitarbeitereigenschaften aus Sicht der Vorgesetzten
Auch Vorgesetzte können von bestimmten Mitarbeitereigenschaften genervt sein. Während einige Verhaltensweisen (wie Lügen oder Gemeinheit) inakzeptabel sind, gibt es auch andere (wie Abwehrhaltung oder das Ausplaudern intimer Details), die die Grenze überschreiten.
Der Schatten: Ursachen für Genervtheit erkennen
Intensive Reaktionen auf das Verhalten des Chefs können darauf hindeuten, dass die Ursache des Problems in uns selbst liegt. Nach C. G. Jung besteht unser Selbst aus dem Ich und dem Schatten. Der Schatten enthält unterdrückte, unerwünschte Wesenszüge. Wenn wir uns über bestimmte Verhaltensweisen des Chefs aufregen, kann dies ein Hinweis auf unverarbeitete Themen in unserem Schatten sein.
Projektion des Schattens
Wir projizieren unseren Schatten oft auf andere Personen. Wenn wir uns beispielsweise über die Besserwisserei des Chefs aufregen, sollten wir uns fragen, wie es um unser eigenes Bedürfnis nach Recht haben bestellt ist.
Vorgesetzte als Projektionsfläche für Kindheitsmuster
Vorgesetzte können heftige Reaktionen auslösen, weil sie uns unbewusst an das Verhältnis von Kind zu Eltern erinnern. So wie unsere Eltern uns dazu "gezwungen" haben, bestimmte Verhaltensweisen zu unterdrücken, sind wir in gewisser Weise auch dem Chef gegenüber verpflichtet, unerwünschte Aspekte unserer Persönlichkeit in den Schatten zu verbannen.
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Typische Verhaltensweisen und ihre Bedeutung
- Der Chef nimmt sich viel raus und präsentiert sich dominant: Dies kann auf ein eigenes, unbewusstes Machtstreben hinweisen.
- Der Chef vergisst Termine und ist unorganisiert: Dies kann entweder auf eine zu strenge Selbstkontrolle oder die Ablehnung des eigenen "verpeilten" Anteils hindeuten.
Es ist wichtig, sich allen möglichen Interpretationen der Schattenthemen zu öffnen.
Abgrenzung: Schutz vor "Bossing"
Nicht bei jedem Verhalten des Chefs muss der Fehler bei uns selbst gesucht werden. In Fällen von "Bossing", dem systematischen Mobbing durch Vorgesetzte, ist es wichtig, sich zu schützen und Grenzen abzustecken.
Tipps für den Umgang mit schwierigen Chefs
Mathias Fischedick, ein Jobcoach, gibt fünf Tipps für den souveränen Umgang mit schwierigen Chefs:
- "Mein Chef redet vor Kollegen schlecht über andere": Dies sollte angesprochen werden. Bei wiederholtem Lästern kann man den Raum verlassen.
- "Mein Chef glaubt nur, er kann was. Und die anderen sind alle Pfeifen": In diesem Fall hilft Aussitzen. Keine Energie investieren und den Chef nicht bewundern.
- "Mein Chef lobt selbst eine Spitzenleistung nie!": Nach den Maßstäben des Chefs fragen. Wenn die Maßstäbe unrealistisch sind, dies ansprechen.
- "Mein Chef lässt mir überhaupt keine Freiheit und kontrolliert pedantisch meine Arbeit": Das Thema offen ansprechen und gemeinsam mit dem Vorgesetzten nach Lösungen suchen.
- "Mein Chef hält sich für super schlau und hört sich gerne reden. Er doziert den ganzen Tag und ist total besserwisserisch": Den Chef nicht überbieten oder anhimmeln. Freundlich lächeln und reden lassen. Wenn das nicht hilft, fragen, warum ihm das so wichtig ist.
Die Typologie des Chefs verstehen
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass unser Gegenüber ähnlich tickt wie wir selbst. Verschiedene Typologien von Vorgesetzten erfordern unterschiedliche Verhaltensweisen.
Schlechte Chefs als Hindernis für Unternehmen
Ein schlechter Chef kann nicht nur enttäuschen, sondern auch für das Unternehmen ein Hindernis sein. Mitarbeiterleistungen hängen von den Fähigkeiten der Führungskräfte ab.
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Merkmale eines schlechten Chefs
- Arrogantes Verhalten
- Kein Feedback
- Unklare Anweisungen
- Kontrollsucht
- Fehlende Soft Skills wie Empathie oder Selbstvertrauen
- Mobbing
Folgen schlechter Führung
- Demotivation der Mitarbeiter
- Sinkende Produktivität
- Verschlechterung des Betriebsklimas
- Kündigungen
- Erhöhte Krankenstände
- Stress
Handlungsoptionen bei einem schlechten Chef
- Kündigen: Erfordert Mut, ist aber eine Option, um sich der Situation zu entziehen.
- Ärger Luft machen und auf Veränderungen warten: Kritik ansprechen, erfordert Vorbereitung und eine objektive Darstellung der Situation.
- Gespräch suchen: Bei Kontrollsucht oder unqualifiziertem Verhalten.
- Stressbewältigung: Techniken wie Meditation, Yoga und autogenes Training können helfen, die seelische Belastung zu reduzieren.
Konfliktlösung
- Win-Win-Lösung suchen: Beide Konfliktpartner erzielen ein geeignetes Ergebnis.
- Personalabteilung einschalten: In größeren Unternehmen.
- Mediation: Ein unabhängiger Berater schlichtet im Streit.
Alternative: Jobwechsel
Wenn alle Bemühungen umsonst sind, kann ein interner Wechsel oder ein neuer Job die Lösung sein.
Was tun, wenn der Chef schreit?
Ruhe bewahren und Blickkontakt halten. Unabhängig davon, ob ein Chef seinem Ärger Luft machen möchte, darf er seine Angestellten nicht persönlich beleidigen.
Gaslighting am Arbeitsplatz
Gaslighting ist eine Form der Manipulation, bei der versucht wird, eine andere Person an ihrer eigenen Wahrnehmung der Realität zweifeln zu lassen. Es kann verschiedene Formen annehmen, z.B. das Behaupten, dass bestimmte Ereignisse nie stattgefunden haben, oder das Weitergeben verwirrender Informationen.
Folgen von Gaslighting
- Schlechtes Klima im Team
- Geschädigtes Vertrauen
- Angst, Entscheidungen zu treffen
- Stress
- Angstzustände
- Gefühl der Isolation
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
- Magenbeschwerden
- Burnout
Maßnahmen gegen Gaslighting
- Dokumentieren: Alles niederschreiben.
- Unterstützung suchen: Mit Kollegen, Freunden oder Familienmitgliedern austauschen oder professionelle Hilfe suchen.
- Grenzen setzen: Fehlverhalten klar benennen.
- Verhalten melden: Intern die Personalabteilung einschalten.
Rechtliche Aspekte
Rufschädigung am Arbeitsplatz ist strafbar. Gaslighting kann rechtliche Folgen haben, wenn es zu Mobbing, Diskriminierung oder anderen Formen des Missbrauchs im Büro kommt. Arbeitgeber haben die Pflicht, für ein sicheres und respektvolles Arbeitsumfeld zu sorgen.