Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die in der westlichen Medizin als Autoimmunerkrankung gilt. Fehlgeleitete Entzündungsprozesse im Körper verursachen die vielfältigen Symptome. Die chinesische Medizin (TCM) bietet einen komplementären Ansatz zur Behandlung von MS, der auf einer ganzheitlichen Sichtweise des Körpers und seiner Funktionen basiert.
Das Verständnis von Multipler Sklerose in der Chinesischen Medizin
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) existiert seit Jahrhunderten, jedoch findet sich der Begriff Multiple Sklerose in der klassischen Literatur nicht. Durch die Diagnosemethoden der TCM (Betrachten, Befühlen, Riechen und Befragen) kann jedoch eine differenzierte Diagnose über den Zustand des Patienten gestellt werden.
In der TCM wird MS oft den sogenannten Wei-Syndromen zugeordnet. Dies bedeutet, dass die subtilen Kanäle, durch die Qi (Energie) und Blut zirkulieren sollen, durch Feuchtigkeit und Schleim verlegt sind. Dies führt zu einer unzureichenden Versorgung des Körpers mit Blut und Qi.
Die Rolle von Infekten
Aus Sicht der TCM spielen nicht ausreichend abgewehrte Virusinfekte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von MS. Diese Sichtweise deckt sich mit Beobachtungen von MS-Betroffenen, bei denen Erkältungen oft Schüben vorausgehen. Infekte der Nasen-, Bronchial- oder Blasenschleimhaut, die nicht konsequent ausgeheilt werden, können die immunologische Fehlentwicklung befeuern. Ein gutes Infektmanagement mit produktiver Schleimausleitung kann den MS-Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Die Bedeutung von Po
MS liegt oft eine Schwäche des Po zugrunde, einer psychischen Komponente, die der Wandlungsphase Metall zugeordnet ist. Po hat die Aufgabe, die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten und vor Unfällen zu bewahren. Ein schwach ausgeprägtes Po kann zu weniger flüssigen lebenserhaltenden Reflexen und Bewegungen führen. Menschen mit einer Po-Schwäche benötigen oft eine Aufgabe oder Berufung im Leben, ein Ziel, das für jeden anders definiert sein kann.
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Therapieansätze der Chinesischen Medizin bei Multipler Sklerose
Die TCM bietet verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, den Körper ins Gleichgewicht zu bringen und die Symptome von MS zu lindern. Ziel der alternativen Behandlung nach chinesischen Leitkriterien ist es, MS-Patienten zu befähigen, Infekte frühzeitig abzufangen, um Entzündungsimpulse zu verringern und Krankheitsschübe zu verhindern.
Die fünf Säulen der TCM
Die traditionelle chinesische Medizin beruht auf fünf therapeutischen Säulen:
- Akupunktur: Die Akupunktur zielt darauf ab, den Energiefluss (Qi) im Körper zu regulieren und Blockaden zu lösen. Studien haben gezeigt, dass Akupunktur Schmerzen hemmen, Entzündungen reduzieren, die Stimmung aufhellen, die Durchblutung verbessern, die Sauerstoffversorgung des Gehirns erhöhen, das Immunsystem ausgleichen und Muskeln entspannen kann.
- Chinesische Arzneimitteltherapie (Phytotherapie): Hier werden individuell zusammengesetzte Rezepturen aus chinesischen Arzneimitteln eingesetzt, um das Immunsystem zu unterstützen und den Körper bei der Entsorgung von „Altlasten“ zu helfen. Die am häufigsten verwendeten Zutaten in der Kräutermedizin sind Chinesische Engelwurz, Uralsüßholzwurzel, Rote Pfingstrosenwurzel, Rehmannia-Wurzelknolle und Seidenraupenlarven.
- Diätetik (Ernährungslehre): Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von MS. Die TCM empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit warmen, gekochten Speisen, die das Nieren-Qi und die Mitte (Milz) stärken. Kuhmilchprodukte sollten vermieden werden, da sie zur Schleimbildung beitragen.
- Tuina (Manuelle Therapie): Tuina ist eine Form der chinesischen Massage, die darauf abzielt, Muskelverspannungen zu lösen und den Energiefluss im Körper zu verbessern.
- Qigong (Heilgymnastik): Qigong ist eine Bewegungsform, die Körper, Geist und Atem vereint. Es kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Taubheitsgefühle zu reduzieren und den Fluss des Qi zu spüren.
Individuelle Behandlung
Die TCM betrachtet jeden Patienten als einzigartig und passt die Behandlung entsprechend an. Eine ausführliche Anamnese, Zungen- und Pulsdiagnose sind entscheidend für die Erstellung eines individuellen Therapieplans. Dabei werden sowohl körperliche als auch psychische Symptome berücksichtigt.
Die Rolle des Patienten
Ein wesentlicher Bestandteil des Genesungsprozesses ist die aktive Mitarbeit des Patienten. MS-Patienten neigen oft dazu, ihre Leistungsgrenzen zu überschreiten. Es ist wichtig, dass sie lernen, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und sich nicht zu überfordern. Akupunktur und Physiotherapie können dabei helfen, muskuläre und psychische Spannungen zu regulieren.
Forschung und Evidenz
Es gibt zunehmend wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit der TCM bei der Behandlung von MS untersuchen. Eine Meta-Analyse von 20 Studien mit insgesamt 1100 Patienten ergab, dass die zusätzliche Einnahme chinesischer Kräutermedizin im Vergleich zur konventionellen westlichen Behandlung allein zu einer durchschnittlichen Verbesserung des Krankheitszustands führte. Die Patienten berichteten über eine verbesserte krankheitsbedingte Beeinträchtigung, eine reduzierte Häufigkeit von Krankheitsschüben und eine längere Dauer zwischen den Schüben.
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Allerdings bemängeln die Studienautoren die schlechte methodische Qualität einiger Studien und geben keine klare Empfehlung für die chinesische Kräutermedizin. Es sind weitere, besser durchgeführte Studien erforderlich, um die Wirksamkeit der TCM bei MS zu bestätigen.
Die Grenzen der Chinesischen Medizin
Trotz der potenziellen Vorteile der TCM ist es wichtig zu erkennen, dass sie in manchen Situationen an ihre Grenzen stoßen kann. Die TCM sollte nicht als Ersatz für die konventionelle medizinische Behandlung betrachtet werden, sondern als ergänzende Therapie.
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