Die Trigeminusneuralgie ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Konventionelle Behandlungen bieten nicht immer die gewünschte Linderung, weshalb viele Patienten alternative Therapieansätze suchen. Die chinesische Medizin, insbesondere die Akupunktur und die chinesische Arzneimitteltherapie, hat sich als vielversprechende Option zur Behandlung von Trigeminusneuralgie erwiesen.
Einführung in die chinesische Medizin
Die chinesische Medizin (CM) ist ein über 2000 Jahre altes Heilverfahren, das sich als Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) auf die Philosophie und Kultur Chinas gründet. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung der Behandlung stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und geht auf den chinesischen Historiker Sima Qian zurück, der Steinnadeln verwendete. Das erste historische Werk über diese Methode mit Terminologie, Topologie sowie Wirkungsbeschreibung stammt von Huang Fumi (215-282 n. Chr.). Bis zum 19. Jahrhundert entwickelte sich die Kunst der Behandlung in China stetig weiter. Seit dem 20. Jahrhundert kamen zusätzliche, neue Formen hinzu.
Ein wichtiger Aspekt dieser Therapieform ist das ganzheitliche Konzept von Gesundheit und Krankheit. Im Gegensatz zur westlichen Medizin, die sich oft auf die Behandlung einzelner Symptome konzentriert, betrachtet die chinesische Medizin den Menschen als ein komplexes System, in dem Körper, Geist und Seele untrennbar miteinander verbunden sind. Ziel der Behandlung ist es, das Gleichgewicht dieser Elemente wiederherzustellen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
Was ist Trigeminusneuralgie?
Schmerzsyndrome werden unter dem Begriff Neuralgie zusammengefasst. Diese Schmerzen sind in der Regel auf die Stelle rund um den Nerv beschränkt, es können aber auch mehrere Nerven gleichzeitig beeinträchtigt sein. Bei allen Neuralgien ist der wiederkehrende, starke Schmerz gleich. Bei einer Trigeminusneuralgie leiden die Betroffenen unter sehr starken Schmerzen im Gesicht. Der Schmerz tritt bei vielen Betroffenen kurz und heftig auf und kann schon durch Zugluft ausgelöst werden. Bei diesen plötzlich auftretenden Gesichtsschmerzen wird der Trigeminusnerv, der zu den zwölf Hirnnerven gehört, gereizt. Auf einer Schmerzskala von null bis zehn klagen viele Patienten über die höchste Stufe.
Ältere Menschen sind häufiger von der Trigeminusneuralgie betroffen, denn die Krankheit tritt meist nach dem 40. Lebensjahr auf. Eine Schmerzattacke dauert in der Regel nur ein paar Sekunden, höchstens zwei Minuten. Die Anfälle können jedoch immer wieder auftreten. Am Anfang der Erkrankung sind die Phasen zwischen den Schmerzschüben komplett schmerzfrei. Im Laufe der Jahre klagen viele Patienten jedoch über dumpfe Dauerschmerzen. Schon eine einfache Berührung im Gesicht, Sprechen, Kauen, Schlucken oder Zähneputzen kann den Schmerz auslösen.
Lesen Sie auch: Parkinson lindern mit TCM
Die Ursache für eine Trigeminusneuralgie liegt wohl in einer Quetschung oder Reizung des Trigeminusnervs. Auch eine Schädigung der Nervenscheide kann die Ursache sein. Der Nerv kann seine Aufgabe nicht mehr erfüllen und Signale nicht mehr korrekt übertragen. Schmerzen sind die Folge.
Formen der Trigeminusneuralgie
Ärzte können mit einer Kernspintomografie abklären, ob es sich in der Tat um eine Trigeminusneuralgie handelt. Schulmediziner unterscheiden zwischen der symptomatischen und der klassischen Trigeminusneuralgie. Bei der symptomatischen Form ist die Ursache der Krankheit bekannt. Dies kann eine Erkrankung wie Multiple Sklerose oder auch ein Tumor sein. Die klassische Form tritt allerdings häufiger auf. Bei dieser Form treten die Schmerzen ohne eine andere Erkrankung, die den Nervenschmerzen zugrunde liegt, auf. Die Ursache kann hier ein direkter Kontakt des Nervs mit einer Arterie, die das Kleinhirn mit Blut versorgt, oder eine Reizung des Nervs sein.
Die Trigeminusneuralgie in der chinesischen Medizin
In der chinesischen Medizin wird bei einer Trigeminusneuralgie von einer Blockade der Lebensenergie gesprochen. Bei der Behandlung mit Akupunktur werden Gesicht, Hände und Füße punktiert. Das Ziel der Behandlung ist es, den Energiefluss anzuregen. Im Rahmen der Behandlung mit Akupunktur werden die betroffenen Stellen im Gesicht allerdings erst nach einigen Sitzungen behandelt. So wird vermieden, dass sich die Schmerzen vergrößern. Auch während einer akuten Schmerzattacke ist von einer Akupunktur abzuraten. Bei vielen Patienten tritt nach etwa drei bis fünf Sitzungen eine Linderung ein. Diese Geduld muss man im allgemeinen Aufbringen, wenn man eine chronische Erkrankung mit Chinesischer Medizin oder Akupunktur behandelt.
Patienten sprechen häufig von „Schmerzen wie Stromschläge“. Die Erkrankung gehört zu den schmerzhaftesten überhaupt. Oft tragen herkömmliche Schmerzmittel nicht zu einer Linderung der Symptome bei. Wer auf schwere Schmerzmittel oder gar eine Operation verzichten möchte, für den ist Akupunktur eine Alternative. Viele Betroffene haben über Jahre verschiedenste Methoden der Schulmedizin erfolglos ausprobiert, die Akupunktur hat jedoch bereits vielen Patienten dauerhaft geholfen. So auch Chinesische Medizin bzw. TCM allgemein.
Bei Nervenschmerzen im Gesicht kann Akupunktur dabei helfen, die Schmerzen zu lindern oder gar ganz verschwinden zu lassen. Dies trägt dazu bei, dass die Patienten wieder mehr Lebensfreude verspüren und ihre Lebensqualität verbessert wird. Der Verlauf der Erkrankung ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Bei chronischen Nervenschmerzen können natürliche Verfahren die Heilung unterstützen. Vor allem die Akupunktur hat sich als ideale Behandlung bei chronischen Schmerzen bewährt und wird zunehmend auch von der Schulmedizin anerkannt. Bei der Akupunktur schüttete der Körper körpereigene Schmerzmittel, sogenannte Endorphine, aus. Bei den Kräutern der Chinesischen Medizin konnte man auch häufig schon nachweisen, daß bestimmte Stoffe schmerzlindernd sind. Allerdings ist Chinesische Medizin völlig anders als Schulmedizin und keine Naturwissenschaft. Wir sollten die Chinesische Medizin nicht mit Schulmedizin vergleichen oder daran messen, dann kann man ihr Potential nicht ausschöpfen.
Lesen Sie auch: Überblick: Chinesische Kräuter
Akupunktur: Ein zentraler Bestandteil der Behandlung
Akupunktur stellt eine in vielen Fällen gut wirksame alternative Behandlungsmethode für Trigeminusneuralgie dar. Es handelt sich um eine traditionelle chinesische Medizinpraxis, bei der feine Nadeln an bestimmten Punkten des Körpers platziert werden, um die Energieflüsse im Körper auszugleichen.
Viele Patienten berichten von deutlicher Schmerzlinderung oder nahezu kompletter Schmerzfreiheit nach Akupunktur. Akupunktur kann helfen, die Muskelentspannung zu fördern, Entzündungen zu reduzieren und den Energiefluss im Körper zu regulieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass die individuelle Reaktion auf Akupunktur variieren kann. Manche Menschen berichten von einer signifikanten Schmerzlinderung, während andere möglicherweise nur geringe oder gar keine Verbesserung erfahren. Die Wirkung der Akupunktur kann auch zeitlich begrenzt sein und regelmäßige Sitzungen erforderlich machen.
Bei der Entscheidung, Akupunktur als Teil der Behandlung für Trigeminusneuralgie in Betracht zu ziehen, ist es ratsam, dies in Absprache mit einem qualifizierten Akupunkteur oder einem Arzt zu tun. Es ist wichtig, dass die Behandlung von einem erfahrenen Fachmann durchgeführt wird, der über Kenntnisse der Anatomie und der spezifischen Punkte verfügt, die bei der Behandlung von Gesichtsschmerzen verwendet werden.
Es ist auch wichtig zu beachten, dass Akupunktur in der Regel als Ergänzung zur konventionellen medizinischen Behandlung verwendet wird und nicht als Ersatz dafür.
Lesen Sie auch: Moderne Perspektiven auf Chinesische Medizin Likör
Wissenschaftliche Studien beweisen, dass durch die Behandlung im Rückenmark Schmerzreize gehemmt werden. Desweiteren werden im Gehirn absteigende, schmerzhemmende Bahnen aktiviert. Durch diese Methode werden körpereigene, schmerzhemmende Substanzen (Endorphine), der Neurotransmitter Serotonin und körpereigenes Cortisol ausgeschüttet.
Die Behandlung wird mit speziellen Nadeln durchgeführt. Dabei kommen sterile Einmal-Akupunkturnadeln aus rostfreiem Edelstahl mit Spezialschliff zum Einsatz. Diese Nadeln sind auch für Allergiker geeignet. Die Behandlung ist schonend und weitgehend schmerzlos.
Chinesische Arzneimitteltherapie: Ergänzung zur Akupunktur
Die Chinesische Arzneimitteltherapie wird erst nach Einverständnis der Patienten eingesetzt, wenn durch die bisherige Medikation nicht geholfen und durch die übrigen Behandlungsmethoden keine Linderung der Symptomatik erreicht werden konnte. Da jeder Körper unterschiedliche Reaktion auf die Wirkung von Arzneimitteln zeigt und man die Interaktion zwischen den Medikamenten vermeiden will, werden die übrigen unten aufgeführten Behandlungsmethoden vorgezogen. Diese haben den Vorteil, kaum Nebenwirkungen zu zeigen.
Weitere Behandlungsmethoden der chinesischen Medizin
Neben Akupunktur und chinesischer Arzneimitteltherapie gibt es weitere Behandlungsmethoden in der chinesischen Medizin, die bei Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können:
- Stimulation der Meridiane (Energiebahnen) durch Fingerdruck.
- Über Akupunkturpunkte werden mittels Abbrennen von Beifuß-Kraut mit einem Abstand von ca.
- Individuelle Ernährungsberatung.
- Massage entlang der Meridiane.
- Qi Gong ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Übungsformen. Sie dienen dazu, den Körper und Geist (Bodymind) wieder in Einklang zu bringen, die Organe zu stärken, Selbstheilungskräfte anzuregen und die Vitalität zu steigern. Bei allen Formen des Qi Gongs spielen Atmung, Haltung, innere Aufmerksamkeit und die Vorstellung eine wesentliche Rolle.
Ursachen aus Sicht der chinesischen Medizin
So vielfältig die verschiedenen Krankheitsbilder mit Nervenschmerzen sind, ist auch die Sicht der Chinesischen Medizin auf zugrundeliegende Ursachen. So sieht die alternative Heilmethode bei Neuralgien nach Herpes zoster beispielsweise eine immunologische, stoffwechselbedingte oder psychische Dauerüberforderung als ursächlich an. Diese führt zu einer „Bluthitze-Entwicklung“. Kennzeichnend dafür sind meist über Jahre gehende Immunprozesse, die durch hitzig-trockene Schädigung der Schleimhautebene in tiefere Schichten des Organismus getragen werden und nach chinesischer Vorstellung die Blut und Lymph-Ebene betreffen. Auf aktuelle Belastungen reagiert nicht mehr das Schleimhautsystem mit Abwehrleistungen, sondern tiefere Strukturen: Bei Herpes zoster sind beispielweise die durch Herpes-Viren beeinträchtigten Nerven von den die Entzündungsprozesse begleitenden eitrigen Bläschen betroffen.
Bei der Trigeminus-Neuralgie, eine Form des Gesichtsschmerzes, sieht die alternative Heilmethode andere Ursachen. Nach chinesischer Medizin ist der Kopf ein bevorzugtes Angriffsziel für Wind und Kälte, welche Entzündungen verursachen. Entzündungen im Kopfbereich wiederum sind oftmals der Nährboden, auf dem sich eine Neuralgie entwickelt. Patienten mit Gesichtsneuralgien neigen auch zu Migräne und Spannungskopfschmerzen. Migräne, Trigeminus-Neuralgie und Spannungskopfschmerz treten manchmal gemeinsam auf.
Die TCM unterscheidet folgende Ursachen: Wind-Kälte als äußerer pathogener Faktor greift das Gesicht an; dies kann sich auch in Wind-Hitze wandeln. Des Weiteren kommen verschiedene Syndrome, z. B. Magen- und Leber-Feuer oder Nieren-Yin Mangel vor.
- Wind-Kälte: Der Patient hat häufig eine Abneigung gegen Wind und Kälte, die Zunge ist meist unauffällig, der Puls ist gespannt. Das Behandlungsprinzip ist, Wind-Kälte auszuleiten.
- Magen- und Leber-Feuer: Die Hitzesymptomatik steht im Vordergrund, der Patient hat Durst, häufig kommt es zu starker Reizbarkeit. Die Zunge ist gerötet und hat einen dicken gelben Belag, der Puls ist schnell und saitenförmig. Das Behandlungsprinzip ist, die Hitze auszuleiten.
- Nieren-Yin Mangel: Der Patient zeigt eher Mangelsymptome wie Schwäche und leichte Schmerzen im unteren Rücken, er hat gerötete Wangen und schwitzt nachts. Die Zunge ist rot und hat keinen oder nur wenig Belag, der Puls ist schnell und dünn. Das Behandlungsprinzip ist, das Nieren-Yin zu nähren.
Bei Fülle-Muster Wind-Kälte oder Magen- und Leber-Feuer werden alle Punkte sedierend genadelt. Zeigt der Patient einen Nieren-Yin-Mangel, werden alle Punkte tonisierend genadelt.
Fallbeispiele und Studien
Die Autoren beschreiben eine kleine randomisierte, kontrollierte Studie, die unter der Leitung der Charité Berlin zur Akupunkturbehandlung von Trigeminusneuralgie durchgeführt wurde und als ACUTRIG-Studie bezeichnet wird. Dabei wurden einige obligatorische Akupunkturpunkte eingesetzt, und je nach betroffenem Trigeminusast kamen weitere Foramina dazu. Neben der rein therapeutischen Wirkung der Akupunktur beleuchtet die Studie auch die psychische und emotionale Belastung der Patienten durch die Trigeminusneuralgie und die Effekte durch die Akupunktur.
Tatsächlich konnte in einer klinischen Studie gezeigt werden, dass eine Standardakupunktur genauso wirksam ist wie die Behandlung mit Carbamazepin, dem Mittel der ersten Wahl in der schulmedizinischen Therapie. Sowohl die klinische Erfahrung als auch die Studienlage bestätigen, dass die Trigeminusneuralgie häufig erfolgreich mit Chinesischer Medizin behandelt werden kann. Die Erfolge rangieren zwischen vollkommener Scherzfreiheit und deutlicher Besserung in der Mehrzahl der Fälle.
Anthroposophische Medizin
Aus Sicht der Anthroposophischen Medizin liegt der Trigeminusneuralgie ein gestörtes Verhältnis zwischen Empfindungs- und Lebensorganisation zugrunde. Der Seelenleib greift übermäßig stark in die Prozesse des Lebensleibs ein und „verhakt“ sich (sympathische Hyperreagibilität mit gleichzeitig verminderter Vagusausprägung). Dies führt zu einer muskulären, vaskulären, neurologischen und emotionalen Grundtonuserhöhung: z. B. Spasmen in den Hohlorganen, Muskeln (Myogelosen u. ä.) und Gefäßen (Migräne etc.), erhöhter emotionaler Reizbarkeit und Angespanntsein sowie schmerzhaften Reizungen der Nerven. Diese spastische Diathese verstärkt die Auskühlung des Nervensystems, das oft durch rationelle-analytische Überforderungssituationen bereits per se stark unterkühlt ist; degenerative Veränderungen im Gewebe bilden sich.
tags: #chinesische #medizin #bei #trigeminusneuralgie