Migräne betrifft etwa 10 % der Bevölkerung, und die Tendenz ist steigend. Diese Erkrankung ist oft eng mit modernen Lebensweisen und veränderten Umweltbedingungen wie Stress, Fehlernährung, Schichtarbeit, Schlafmangel, Wetterfühligkeit und Umweltgiften verbunden. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Migräne, der auf Kräutertherapie, Akupunktur, Ernährung und Lebensstil basiert.
Ursachen und Symptome der Migräne aus Sicht der TCM
In der TCM wird Migräne als eine Störung des Energieflusses (Qi) im Körper betrachtet. Es wird zwischen Fülle- und Leere-Formen unterschieden, die jeweils unterschiedliche Ursachen haben können:
- Fülle-Formen:
- Leber-Qi-Stagnation: Stress und innere Anspannung führen zu einer Kontraktion des Gallenblasen-Qi, was zu Stagnation und Hitzeentwicklung führt.
- Hitze in der Gallenblase: Der Konsum von erhitzenden Nahrungsmitteln wie Lammfleisch, scharfen Gewürzen, Knoblauch und Alkohol kann zu einer Überhitzung des Körpers und der Gallenblase führen.
- Leere-Formen:
- Milz-Qi-Mangel: Befeuchtende Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Süßigkeiten und raffinierte Kohlenhydrate können zu innerer Nässe und Schleimstagnation führen, was die Energie des Verdauungstrakts schwächt.
- Leber-Blut-Mangel: Eine Schwäche des Leber-Blutes kann zu einem Aufstieg der Hitze in der Gallenblase führen, oft begleitet von Blutarmut, trockener Verstopfung, brüchigen Haaren und Nägeln, trockenen Augen und spärlicher Menstruation.
- Nieren-Yin-Mangel: Eine chronische Form des Leber-Blut-Mangels, bei der die Substanz und die Körperflüssigkeiten (Yin) so geschwächt sind, dass der Yang-Anteil nicht mehr gehalten werden kann, was zu Leere-Hitze-Symptomen führt.
Die Symptome der Migräne können je nach Ursache variieren. Typische Symptome sind:
- Halbseitige Kopfschmerzen, oft pulsierend oder pochend
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Verspannungen der Nackenmuskulatur
- Aura mit optischen oder sensiblen Wahrnehmungsstörungen
Chinesischer Tee als Teil der TCM-Behandlung
In der TCM spielt die Kräutertherapie eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Migräne. Chinesischer Tee, der aus einer Kombination verschiedener Kräuter besteht, kann helfen, das energetische Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und die Symptome der Migräne zu lindern.
Die Kräuterzubereitung Chuanxiong
Eine systematische Übersichtsstudie und Metaanalyse hat gezeigt, dass die traditionell-chinesische Kräuterzubereitung Chuanxiong Migränepatienten Linderung verschaffen kann. Die Wirksamkeit konnte im Vergleich zu Placebo und in einigen Studien auch im Vergleich zur Behandlung mit Flunarizin gefunden werden. Die Behandlung war zudem generell gut verträglich. Insgesamt wurden in den 19 Studien 21 Vergleiche zwischen Chuanxiong und einer aktiven (Behandlung) oder passiven (Placebo) Kontrolle durchgeführt. In der Metaanalyse der gesamten Studienergebnisse deutete sich an, dass die Chuanxiong-Zubereitung die Häufigkeit und Dauer von Migräneattacken reduzieren konnte. Auch die Schmerzintensität war mit der Behandlung messbar verbessert.
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Weitere Kräuter und ihre Wirkung
Es gibt eine Vielzahl von Kräutern, die in der TCM zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden können. Einige Beispiele sind:
- Mutterkraut: Wirkt bei Kopfschmerzen und fördert Entspannung.
- Grüner Tee: Enthält Antioxidantien und kann helfen, Stress abzubauen.
- Silberweide: Wirkt bei hormonellem Ungleichgewicht und zur Entspannung.
- Zitronenmelisse: Fördert positive Stimmung und Entspannung.
- Pfefferminze: Wirkt erfrischend und kann Kopfschmerzen lindern.
- Echter Lavendel: Wirkt beruhigend und entspannend.
Eine Kräuterkomposition aus Mutterkraut, Grünem Tee, Silberweide, Zitronenmelisse, Pfefferminze und Echtem Lavendel kann bei häufigen Kopfschmerzen und Migräne helfen. Zusammen in der Mischung der verwendeten Kräuter hilft es auch, den Wechseljahreskomfort und das hormonelle Ungleichgewicht zu induzieren. Der harmonische Geschmack und Duft von Kräutern befreit den Körper von Spannungsgefühlen, fördert die Entspannung und das allgemeine seelische Wohlbefinden.
Zubereitung und Anwendung
Ein Aufgussbeutel, von der oberen Papierhülle befreit, mit 0,25 l kochendem Wasser übergießen und 5-10 Minuten ziehen lassen. Der Tee wird warm getrunken und immer kurz vor dem Gebrauch frisch zubereitet. Erwachsenen wird empfohlen, täglich 2-3 Tassen Tee zu trinken.
Wichtiger Hinweis: Nicht für Kinder unter drei Jahren, schwangere und stillende Frauen bestimmt. Es ist nicht als Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung gedacht.
Weitere TCM-Methoden zur Behandlung von Migräne
Neben der Kräutertherapie gibt es weitere TCM-Methoden, die bei der Behandlung von Migräne eingesetzt werden können:
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- Akupunktur: Durch das Setzen von Nadeln an bestimmten Akupunkturpunkten kann der Qi-Fluss reguliert und Schmerzen gelindert werden.
- Moxibustion: Bei dieser Technik wird getrocknetes Beifußkraut (Moxa) über bestimmten Akupunkturpunkten verbrannt, um den Qi-Fluss zu fördern und den Körper zu erwärmen.
- Ernährungstherapie: Die TCM empfiehlt, kühlende, nährende und Qi-stärkende Lebensmittel zu sich zu nehmen, um das energetische Gleichgewicht zu fördern.
- Qi Gong und Tai-Chi: Diese sanften Bewegungs- und Atemübungen regen den Qi-Fluss im Körper an und helfen, Stress abzubauen.
Ernährungsempfehlungen
Die Ernährung spielt eine wesentliche Rolle bei der Behandlung von Kopfschmerzen. Die TCM empfiehlt, kühlende, nährende und Qi-stärkende Lebensmittel zu sich zu nehmen, um das energetische Gleichgewicht zu fördern.
- Bei Stirnkopfschmerz, der mit einem Mi-Qi/Yang-Mangel einhergeht, sollten gekochte Speisen und Getreide bevorzugt werden. Ein Congee (Wasserreis) ist leicht verdaulich, tonisiert Qi und Blut, stärkt und harmonisiert den Mittleren Wärmer und wirkt dazu diuretisch.
- Bei dumpfen, immer wiederkehrenden Kopfschmerzen hinter der Stirn, die durch Feuchtigkeit verursacht werden, sind klare Suppen wie eine Rinderkraftbrühe empfehlenswert.
- Bei einem Magen-Feuer, das sich im Stirnbereich manifestiert, sollte die Ernährung kühlend und den Magen befeuchtend sein. Gerste kann als Brei- bzw. Suppengrundlage dienen.
- Bei Nacken-Kopfschmerzen, die durch eine Schwäche des Nieren-Yang verursacht werden, eignen sich wärmende Zutaten wie chinesischer Lauch und Huhn. Kolbenhirse und Walnuss sind hervorragende Nieren-Tonika.
Akupunkturpunkte
Einige wichtige Akupunkturpunkte zur Behandlung von Kopfschmerzen sind:
- GB20 (Feng Chi): In der Vertiefung zwischen dem Muskel Sternocleidomastoideus und dem Trapeziusmuskel. Dieser Punkt eliminiert inneren und äußeren Wind, vor allem wenn er sich in Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen äußert.
- LG16 (Feng Fu): In der Mitte des 2. Halswirbels. Er ist ein wichtiger Punkt, weil er den Übergang von Wirbelsäule zu Gehirn bildet.
- Di 04 (He Gu): Hat einen starken Bezug zur Psyche und kann deshalb zur Beruhigung des Geistes und bei Angstzuständen genadelt werden.
- MP12 (Chong Men): 6 Querfinger (4 cun) oberhalb des Nabels. Dieser Punkt ist in der TCM ein herausragender Punkt, weil er das Nach-Himmels-Qi stärkt.
- KG 4,5,6: Diese Punkte stärken die Niere und damit das Ursprungs-Qi.
- Le 03 (Tai Chong): Auf dem Fußrücken zwischen 1. Und 2. Zehe. Er hat eine tiefgreifende und beruhigende Wirkung auf die Psyche und ist bei sehr angespannten, ungeduldigen und gestressten Menschen ein wichtiger Punkt.
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