Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Während die Ursachen komplex und multifaktoriell sind, deuten Studien darauf hin, dass biomechanische Funktionsstörungen bei 30-40 % der Migränepatienten eine Rolle spielen können. Die chiropraktische Behandlung zielt darauf ab, solche Funktionsstörungen zu korrigieren und somit die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Dieser Artikel beleuchtet die Kosten, den Nutzen und die verschiedenen Aspekte der chiropraktischen Behandlung von Migräne in Deutschland.
Was ist Chiropraktik?
Chiropraktik ist eine manuelle Therapiemethode aus der Alternativmedizin, die sich mit Funktionsstörungen des Bewegungsapparates befasst, insbesondere der Wirbelsäule, und deren Auswirkungen auf das Nervensystem. Chiropraktiker betrachten den Körper als ein integriertes System, in dem die Wirbelsäule eine zentrale Rolle spielt, da sie das Rückenmark schützt, das zusammen mit dem Gehirn das zentrale Nervensystem bildet.
Funktionsweise der Chiropraktik
Chiropraktiker korrigieren Fehlstellungen der Wirbelsäule, um den Informationsfluss zwischen Gehirn und Körper zu verbessern. Diese Fehlstellungen, auch Subluxationen genannt, können Blockaden verursachen, die zu Symptomen wie Schmerzen, Schwindel oder Migräne führen. Durch gezielte manuelle Techniken, wie sanfte, schnelle Impulse, können Chiropraktiker Gelenkblockaden lösen und so die Beschwerden lindern.
Anwendungsgebiete der Chiropraktik
Chiropraktiker können bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen, darunter:
- Kopf- und Nackenschmerzen
- Rückenschmerzen
- Schwindel
- Verdauungsprobleme
- Bluthochdruck
Chiropraktische Behandlung bei Migräne
Kopfschmerzen, einschließlich Migräne, lassen sich mit Chiropraktik oft effektiv und sanft behandeln. Häufig entstehen diese durch Verspannungen und Blockaden im Nacken-, Hals- oder Schulterbereich. Durch die Lösung von Blockaden und die Korrektur von Fehlstellungen kann die Muskulatur entspannt und somit die Kopfschmerzen gelindert werden. In der Regel ist innerhalb der ersten 1-2 Behandlungswochen eine spürbare Besserung zu erwarten.
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Ablauf einer chiropraktischen Behandlung
Eine typische chiropraktische Behandlung umfasst mehrere Schritte:
- Anamnese: Der Chiropraktiker nimmt sich Zeit, um die Krankengeschichte des Patienten aufmerksam anzuhören und ein umfassendes Verständnis für seinen Zustand zu erlangen. Dabei werden aktuelle Beschwerden, die Krankengeschichte und Vorgeschichte, besondere Dispositionen wie Allergien, die Lebensumstände und das genetische Risiko des Patienten erfasst.
- Untersuchung: Es folgt eine gründliche Untersuchung, die neurologische, orthopädische und chiropraktische Bewertungen umfassen kann. Ziel ist es, die Ursachen von Beschwerden oder Schmerzen zu identifizieren.
- Diagnose und Behandlungsplan: Der Chiropraktiker bespricht die Ergebnisse der Untersuchung verständlich mit dem Patienten und bietet einen personalisierten Behandlungsplan an, der auf die spezifischen Bedürfnisse und Ziele des Patienten zugeschnitten ist. Dabei kann auch die Notwendigkeit zusätzlicher Tests/Bildgebung erörtert werden.
- Justierung: Sobald die Ergebnisse ausgewertet wurden, kommt es zur Justierung. Der Chiropraktiker achtet auf Subluxationen und löst diese gezielt und ohne großen Kraftaufwand, indem das blockierte Gelenk durch einen kleinen Impuls in eine bestimmte Position geführt wird.
- Stabilisierung und Kräftigung: Ein wesentlicher Bestandteil der chiropraktischen Behandlung sind Übungen und Krankengymnastik, die der Patient selbstständig zuhause durchführt. Sie dienen der Stabilisierung und Kräftigung des Bewegungsapparates.
Folgetermine
Bei einem Folgetermin wird der Chiropraktiker mit dem Patienten über dessen Empfindungen nach der ersten Behandlung sprechen und eventuelle Bedenken oder Fragen klären. Es werden die festgestellten Verbesserungen oder auch Verschlechterungen seit dem letzten Besuch bewertet, wie beispielsweise eine Veränderung von Schmerzen, eine verbesserte Beweglichkeit, gesteigerte Leistung oder ein allgemein gesteigertes Wohlbefinden. Basierend auf diesen Beobachtungen kann der Chiropraktiker den Behandlungsplan entsprechend anpassen, zusätzliche Übungen, Therapien oder eine kombinierte Betreuung mit anderen Gesundheitsspezialisten empfehlen, um den fortlaufenden Fortschritt des Patienten zu unterstützen.
Kosten einer chiropraktischen Behandlung
Die Kosten für eine chiropraktische Behandlung können variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. dem Standort der Praxis, der Erfahrung des Chiropraktikers und der Art der Behandlung. In der Regel orientieren sich die Kosten am Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH).
Preisbeispiele
- Erstbehandlung: Eine erste Sitzung, die eine ausführliche Anamnese und Voruntersuchung umfasst, kann etwa 140 EUR kosten.
- Folgebehandlungen: Jede weitere Justierung wird mit etwa 80 EUR berechnet.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Chiropraktiker in der Regel nicht nach Zeit oder pro Stunde abrechnen, sondern pro Behandlung. Eine chiropraktische Behandlungssitzung dauert im Durchschnitt rund 20 Minuten. Wichtig ist dabei weniger die Länge der Sitzung, sondern die Effektivität der Behandlung.
Bezahlmöglichkeiten
Nach der Behandlung stehen in der Regel verschiedene Bezahlmöglichkeiten zur Verfügung:
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- Bargeld
- Kartenzahlung (außer Amex)
- Paypal
- Echtzeit-Überweisung
Kostenerstattung durch Krankenkassen
Die Kostenerstattung für chiropraktische Behandlungen hängt von der Art der Krankenversicherung ab:
- Private Krankenversicherung: Private Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten ganz oder teilweise, abhängig vom individuellen Versicherungsplan. Es ist ratsam, dies im Zweifelsfall vor der Behandlung abzuklären.
- Gesetzliche Krankenversicherung: Gesetzlich Versicherte tragen die Kosten in der Regel selbst, da die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland keine Heilpraktiker-Leistungen übernehmen. Es gibt jedoch einige wenige gesetzliche Versicherungen, die chiropraktische und osteopathische Behandlungen mit bis zu 80% im Jahr erstatten können. Es empfiehlt sich, sich diesbezüglich bei der eigenen Kasse zu informieren.
Es ist übliche Praxis, dass Patienten zunächst selbst die Behandlungskosten bezahlen und die Rechnung dann bei ihrer Versicherung einreichen, um den Betrag erstattet zu bekommen.
Vorteile einer privaten Krankenversicherung (PKV) gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
- Günstigerer Beitrag: In bestimmten Fällen können Versicherte bis zu 3.000 € im Jahr einsparen.
- Mehr Leistungen: Die PKV übernimmt bei vielen Behandlungen mehr Kosten als die GKV, insbesondere bei alternativen Behandlungsmethoden wie der Chiropraktik.
Zusatzversicherungen
Einige Versicherungen bieten spezielle Zusatzversicherungen an, die die Kosten für alternative medizinische Behandlungen abdecken. Diese Zusatzversicherungen können eine gute Option sein, wenn Sie sich für alternative Behandlungsmethoden entscheiden und sicherstellen möchten, dass diese von Ihrer Versicherung abgedeckt sind.
Wann ist ein Besuch beim Chiropraktiker sinnvoll?
Ein Besuch beim Chiropraktiker kann sinnvoll sein, wenn Sie unter folgenden Beschwerden leiden:
- Chronische Rücken- oder Nackenschmerzen
- Spannungskopfschmerzen oder Migräne
- Eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit
Risiken und Kontraindikationen
Auch wenn die Chirotherapie für viele eine Top-Alternative zur Schulmedizin darstellt, ist sie nicht ganz unumstritten. Einigen fehle der wissenschaftliche Beweis der Wirksamkeit, dennoch erstatten einige Krankenkasse zumindest einen Teil der Kosten. Ist der Bewegungsapparat gesund, sind die Risiken gering und die Behandlung nahezu schmerzfrei.
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Wichtig: Ein Chiropraktiker kann nur funktionelle Ursachen beheben, allerdings keine Veränderungen wie einen Bandscheibenvorfall oder Arthrose. Auch bei ungewöhnlichen Normabweichungen der Wirbelkörper sowie bei Knochenbrüchen, Tumoren und akuten Infektionen sollte die Behandlung nicht zum Einsatz kommen. Erkrankungen wie diese können sich durch eine Chirotherapie im schlimmsten Fall sogar verschlechtern.
Wenn der Chiropraktiker die Behandlung unsachgemäß durchführt, können Gefühlsstörungen, Taubheit und Lähmungserscheinungen die Folge sein. Selten auch Schädigungen der Gefäße im Bereich der Halswirbelsäule. Kommt es nach einer Justierung in diesem Bereich zu einem Blutgerinnsel, kann dies im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall führen.
Die Rolle der Selbsthilfe
Chiropraktiker ermutigen Patienten oft zur Selbsthilfe und vermitteln praktische Übungen für den Alltag. Dies fördert das langfristige Wohlbefinden und die Gesundheit. Indem Patienten aktiv an ihrer eigenen Gesundheitserhaltung teilnehmen und den Empfehlungen des Chiropraktikers für Übungen zu Hause und Selbstpflegemaßnahmen folgen, kann der Behandlungserfolg maßgeblich optimiert werden.
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