Chlamydien-Infektionen sind eine Gruppe von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien der Familie der Chlamydiaceae verursacht werden. Die drei Arten, die den Menschen infizieren können, sind Chlamydia trachomatis, C. pneumoniae und C. psittaci. Diese Bakterien sind unbewegliche, gramnegative Organismen, deren Zellwand keine Peptidoglykanschicht, aber Lipopolysaccharide enthält und die obligat intrazellulär leben.
Chlamydien: Eine Übersicht
Eine gemeinsame Eigenschaft aller Chlamydien ist ihr komplexer Reproduktionszyklus. Sie kommen in zwei Formen vor: als extrazelluläre und infektiöse Elementarkörperchen sowie als intrazelluläre, stoffwechselaktive, aber nicht infektiöse Retikularkörperchen. Chlamydien sind auf die intrazelluläre Vermehrung in Wirtszellen angewiesen, wodurch sie bestimmten Formen der wirtseigenen Abwehr entgehen.
Chlamydia trachomatis
Chlamydia trachomatis ist die häufigste Ursache für sexuell übertragbare Infektionen (STI) weltweit. Die häufigste Infektion ist eine durch C. trachomatis verursachte Gonorrhö (Tripper), die den Urogenitaltrakt befällt. Andere Arten verursachen hauptsächlich Atemwegsinfektionen.
Chlamydia pneumoniae
Cp. pneumoniae verursacht Infektionen des oberen Respirationstrakts und ist eine sehr häufige, weltweit verbreitete Ursache respiratorischer Infektionen des Menschen.
Chlamydia psittaci
Cp. psittaci ist für Vögel pathogen, kann jedoch auch bei Säugetieren vorkommen. Beim Menschen verursachen diese Bakterien die Ornithose (Synonym: Psittakose).
Lesen Sie auch: Ursachen neurologischer Symptome bei Chlamydien
Übertragung und Risikofaktoren
Chlamydien-Infektionen können auf verschiedene Weise übertragen werden:
- Sexueller Kontakt: Vaginaler, analer oder oraler Sexualverkehr oder direkter Kontakt mit infiziertem Gewebe, wie z. B. bei Gonorrhö.
- Von der Mutter auf das Kind: Während der Geburt kann eine Mutter die Infektion auf ihr Neugeborenes übertragen, was zu Konjunktivitis oder Pneumonie führen kann.
- Atemwege: C. pneumoniae und C. psittaci werden hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Cp. psittaci kommt bei infizierten Vögeln in respiratorischen Sekreten, Exkrementen und Federn vor und kann bei Raumtemperatur selbst bei Austrocknung ca. 4 Wochen infektiös bleiben.
Zu den Risikofaktoren für Chlamydien-Infektionen gehören:
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr
- Mehrere Sexualpartner
- Frühere STI
- Kontakt zu infizierten Vögeln (für C. psittaci)
Symptome und klinische Manifestationen
Die Symptome einer Chlamydien-Infektion können je nach Art der Chlamydien und dem betroffenen Körperteil variieren. Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch, was die Diagnose erschwert.
Chlamydia trachomatis-Infektionen
- Urogenitaltrakt:
- Bei Frauen: Zervizitis (Entzündung des Gebärmutterhalses), Urethritis (Entzündung der Harnröhre), Entzündliche Erkrankungen des Beckens (Pelvic Inflammatory Disease, PID), Extrauteringravidität
- Bei Männern: Urethritis, Epididymitis (Entzündung des Nebenhodens), Prostatitis (Entzündung der Prostata)
- Augen:
- Trachom: Rezidivierende Infektionen mit den Serovaren A-C von Chlamydia trachomatis verursachen bei Kindern eine Konjunktivitis. Mögliche Folgen sind Vernarbungen und Erblindung im Erwachsenenalter.
- Einschlusskonjunktivitis: Wird durch die Serovare D-K verursacht.
- Atemwege:
- Neugeborenenpneumonie: Diffuse Verschattungen auf einem Röntgenthorax.
- Lymphogranuloma venereum: Verursacht durch die invasiven Serovare L1, L2 oder L3 von Chlamydia trachomatis. Akut empfindliche, vergrößerte Lymphknoten in beiden Leisten.
Chlamydia pneumoniae-Infektionen
Das klinische Spektrum von Cp.-pneumoniae-Infektionen umfasst akute und chronische Infektionen des oberen Respirationstraktes (Pharyngitiden, Sinusitiden, Bronchitiden) und die ambulant erworbene Pneumonie. Häufig verlaufen Cp.-pneumoniae-Infektionen asymptomatisch. Grundsätzlich können alle Symptome auftreten, die auch durch Cp.-psittaci-Infektionen verursacht werden. Sehr selten werden Endokarditis, Myokarditis, Meningoradikulitis, Erythema nodosum oder reaktive Arthritiden durch Cp. pneumoniae verursacht.
Chlamydia psittaci-Infektionen (Ornithose/Psittakose)
Die durch Cp. psittaci verursachte Ornithose beginnt meist abrupt als grippeähnliche Krankheit mit Schüttelfrost, hohem Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und einem uncharakteristischen Exanthem. Bei vielen Patienten entwickelt sich als Zeichen einer interstitiellen Pneumonie ein trockener, anhaltender und nicht produktiver Reizhusten, der gelegentlich von pleuralen Schmerzen begleitet wird. Röntgenologisch findet sich meist eine ein- oder beidseitige Pneumonie mit fleckförmigen, später konfluierenden Infiltraten. Bei bis zu 70% der Patienten besteht eine Splenomegalie. Ein MALT-Lymphom im Bereich der Tränenkanäle sollte an eine Ornithose denken lassen. Uncharakteristische Verläufe sind möglich.
Lesen Sie auch: Symptome der Chlamydien-Neuropathie erkennen
Diagnostik
Die Diagnostik von Chlamydien-Infektionen umfasst verschiedene Methoden:
- Nukleinsäure-Amplifikationstests (NAAT): Diese Tests sind sehr sensitiv und spezifisch für den Nachweis von Chlamydien-DNA oder -RNA in Proben wie Urin, Abstrichen oder Gewebe.
- Kulturen: Der kulturelle Nachweis gilt als Goldstandard zur Diagnostik von Chlamydien.
- Mikroskopischer Nachweis: Papanicolaou-Färbung eines zervikovaginalen Abstrichs mit 3 intranukleären Chlamydieneinschlüssen in Plattenepithelzellen, die neben mehreren normalen Epithelzellen liegen.
- Antikörpernachweis: Die Diagnose wird häufig durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Serum gestellt.
Therapie
Die Therapie von Chlamydien-Infektionen erfolgt mit Antibiotika. Die Wahl des Antibiotikums und die Behandlungsdauer hängen von der Art der Chlamydien, dem Schweregrad der Infektion und dem Vorliegen von Komplikationen ab.
Empfohlene Antibiotika
- Azithromycin: Eine Einzeldosis von 1 g oral ist oft ausreichend für unkomplizierte C. trachomatis-Infektionen.
- Doxycyclin: 100 mg zweimal täglich über 7 Tage ist eine weitere Option für C. trachomatis-Infektionen.
- Tetrazykline (Doxycyclin): Mittel der Wahl für Cp. psittaci und Cp. pneumoniae über einen Zeitraum von 10-21 Tagen.
- Cephalosporine i.v. oder i.m. plus Azithromycin p.o.: Mehrere Schemata, z.B. bei Entzündlichen Erkrankungen des Beckens.
Wichtige Hinweise zur Therapie
- Partnerbehandlung: Es ist wichtig, dass alle Sexualpartner des Patienten ebenfalls behandelt werden, um eine Reinfektion zu verhindern.
- Kontrolluntersuchungen: Nach der Behandlung sollten Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig ausgeheilt ist.
- Resistenzen: Aufgrund zunehmender Antibiotikaresistenzen sollten Kulturen und Antibiogramme angelegt werden.
Prävention
Die Prävention von Chlamydien-Infektionen umfasst folgende Maßnahmen:
- Verwendung von Kondomen: Kondome sind ein wirksamer Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, einschließlich Chlamydien.
- Regelmäßige Tests: Sexuell aktive Personen, insbesondere Frauen unter 25 Jahren, sollten sich regelmäßig auf Chlamydien testen lassen.
- Vermeidung von Risikoverhalten: Der Verzicht auf ungeschützten Geschlechtsverkehr und die Begrenzung der Anzahl von Sexualpartnern können das Risiko einer Chlamydien-Infektion verringern.
- Hygienische Maßnahmen: Häufige und hygienische Beseitigung der Einstreu (Fäkalien) in verschlossenen Beuteln ist erforderlich um Cp.-psittaci-Erkrankungen vorzubeugen.
Chlamydien und das zentrale Nervensystem (ZNS)
Infektionen des zentralen Nervensystems (ZNS) sind mannigfaltig und sowohl vom Erregerspektrum als auch von den unterschiedlichen Symptomen hochkomplex. Es gibt Hinweise darauf, dass Chlamydien in seltenen Fällen das ZNS befallen können, was zu Meningitis oder Meningoenzephalitis führen kann.
Mögliche Mechanismen
Es wird angenommen, dass Chlamydien das ZNS auf folgenden Wegen erreichen können:
Lesen Sie auch: Nervenbehandlungsmethoden erklärt
- Hämatogene Streuung: Die Bakterien gelangen über den Blutweg ins Gehirn.
- Direkte Ausbreitung: Bei Infektionen im Kopf- und Halsbereich (z. B. Sinusitis) können sich die Bakterien direkt auf die Hirnhäute ausbreiten.
- Entzündungsreaktionen: Chlamydien können im Körper Entzündungsreaktionen auslösen, die das ZNS beeinträchtigen.
Symptome einer Chlamydien-Meningitis/Meningoenzephalitis
Die Symptome einer Chlamydien-Meningitis oder -Meningoenzephalitis können denen anderer Formen von Hirnhautentzündung ähneln:
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Nackensteifigkeit (Meningismus)
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtscheu
- Bewusstseinsstörungen
- Verwirrtheitszustände
- Epileptische Anfälle
Diagnostik bei Verdacht auf ZNS-Beteiligung
Bei Verdacht auf eine Chlamydien-Infektion des ZNS sind folgende diagnostische Maßnahmen erforderlich:
- Lumbalpunktion: Entnahme von Liquor (Hirnwasser) zur Untersuchung auf Entzündungszeichen und Erreger.
- Liquordiagnostik:
- Zellzahl und -zusammensetzung (Pleozytose)
- Protein- und Glukosegehalt
- Erregernachweis (PCR, Kultur)
- Antikörpernachweis
- Bildgebung: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns, um andere Ursachen auszuschließen und Komplikationen zu erkennen.
Therapie einer Chlamydien-ZNS-Infektion
Die Therapie einer Chlamydien-ZNS-Infektion erfolgt mit hochdosierten Antibiotika, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. In der Regel werden Cephalosporine der dritten Generation (z. B. Ceftriaxon) in Kombination mit anderen Antibiotika eingesetzt. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel mehrere Wochen.
Differenzialdiagnosen
Bei der Diagnose einer Chlamydien-ZNS-Infektion müssen andere mögliche Ursachen für Meningitis oder Meningoenzephalitis ausgeschlossen werden, wie z. B.:
- Bakterielle Meningitis (z. B. durch Meningokokken, Pneumokokken)
- Virale Meningitis (z. B. durch Enteroviren, Herpesviren)
- Tuberkulöse Meningitis
- Lyme-Borreliose
- Syphilis
- Autoimmunerkrankungen
- Meningeosis carcinomatosa
tags: #chlamydien #entzundung #zns