Das pilozytische Astrozytom ist eine spezielle Form von Hirntumoren, die zu den Gliomen gehören. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das pilozytische Astrozytom, einschließlich seiner Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und Prognose. Ziel ist es, Patienten, Angehörigen und medizinischem Fachpersonal detaillierte und verständliche Informationen bereitzustellen.
Einleitung
Hirntumoren sind komplexe Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen. Das pilozytische Astrozytom stellt eine vergleichsweise gutartige Form dar, die vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt. Um die Erkrankung besser zu verstehen, werden im Folgenden die wichtigsten Aspekte detailliert erläutert.
Was ist ein Astrozytom?
Ein Astrozytom ist ein Hirntumor, der aus den Gliazellen des Gehirns entsteht. Gliazellen sind Stützzellen des Nervensystems und umfassen verschiedene Typen, darunter Astrozyten. Der Name "Astrozytom" leitet sich von den Astrozyten ab, den spezifischen Gliazellen, aus denen sich dieser Tumor entwickelt. Astrozytome machen über 60 Prozent aller Gliome aus und sind somit die häufigste Form dieser Hirntumoren. Bei Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren gehören sie zu den am häufigsten diagnostizierten Hirntumoren.
Formen und Schweregrade von Astrozytomen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Astrozytome in verschiedene Formen und Schweregrade, die für die Behandlungsplanung und Prognose relevant sind:
Gutartige bis niedrigmaligne Astrozytome:
Lesen Sie auch: Behandlungserfolge beim pilozytischen Astrozytom
- WHO-Grad 1: Pilozytisches Astrozytom
- WHO-Grad 2: Diffuses Astrozytom
Hochmaligne Astrozytome:
- WHO-Grad 3: Anaplastisches Astrozytom
- WHO-Grad 4: Glioblastom
Das Glioblastom ist mit drei Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern jährlich die häufigste und aggressivste Form der Astrozytome. Es tritt etwa sechsmal häufiger auf als das diffuse Astrozytom und zehnmal häufiger als das anaplastische oder pilozytische Astrozytom.
Pilozytisches Astrozytom im Detail
Dieser Tumortyp tritt vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auf und wächst meist im Bereich der Sehbahn, des Hypothalamus oder im Kleinhirn. Er grenzt sich gut vom gesunden Hirngewebe ab und wächst langsam. Daher gilt er als gutartig und geht nur sehr selten in eine bösartige Form über.
Andere Astrozytomtypen
Diffuses Astrozytom: Tritt vor allem bei Erwachsenen zwischen 30 und 40 Jahren auf und findet sich meist im Marklager des Großhirns. Es wächst unregelmäßig in das benachbarte Gewebe ein, jedoch ebenfalls langsam. Es gilt als eingeschränkt gutartig oder niedriggradig bösartig und kann sich im Laufe der Zeit in einen anaplastischen Typ oder ein Glioblastom entwickeln.
Anaplastisches Astrozytom: Betrifft meist Erwachsene zwischen 35 und 45 Jahren und besteht aus entarteten Zellen, die relativ schnell wachsen. Dieser Tumor kann aus dem diffusen Typ hervorgehen oder direkt entstehen. Häufig entartet er weiter und geht in ein Glioblastom über.
Lesen Sie auch: Aktuelle Erkenntnisse zum anaplastischen Astrozytom
Glioblastom: Der häufigste Astrozytom-Typ, der entweder aus einem anderen Astrozytom hervorgeht (Altersgipfel zwischen 50 und 60 Jahren) oder als primäres "de novo"-Glioblastom auftritt, vorwiegend bei älteren Menschen im sechsten bis siebten Lebensjahrzehnt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Astrozytoms sind weitgehend unbekannt. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die das Auftreten dieser Tumoren begünstigen können:
- Genetische Veranlagung: Erkrankungen wie Neurofibromatose Typ 1, tuberöse Sklerose, Li-Fraumeni-Syndrom und Turcot-Syndrom erhöhen das Risiko.
- Ionisierende Strahlung: Eine direkte radioaktive Bestrahlung des Nervensystems, beispielsweise im Rahmen einer Strahlentherapie, kann das Risiko erhöhen.
- Sporadische Tumoren: Bei den meisten Patienten treten Astrozytome ohne erkennbare auslösende Faktoren auf.
Symptome
Die Symptome eines Astrozytoms hängen von der Lage und Größe des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen.
- Neurologische Störungen: Seh-, Bewegungs- und Hormonstörungen sind möglich.
- Sehstörungen: Insbesondere bei Tumoren entlang der Sehbahn.
- Hormonelle Störungen: Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen können auftreten, insbesondere bei Beschädigung des Thalamus.
- Koordinationsprobleme: Bei Tumoren im Kleinhirn.
- Erhöhter Hirndruck: Führt zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
- Epileptische Anfälle: Krampfanfälle können auftreten.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl oder Kribbeln, insbesondere bei Tumoren im Rückenmark.
Diagnose
Die Diagnose eines Astrozytoms umfasst verschiedene Schritte:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Neurologe erfragt die Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensumstände des Patienten.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Das wichtigste bildgebende Verfahren, das detaillierte Schnittbilder des Gehirns liefert. Kontrastmittel kann verwendet werden, um die Tumoren besser sichtbar zu machen.
- Computertomografie (CT): Wird eingesetzt, wenn eine MRT nicht möglich ist.
- Gewebeuntersuchung (Biopsie): Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung, um den genauen Tumortyp und WHO-Grad zu bestimmen.
- Liquordiagnostik: Analyse der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit.
- Elektroenzephalografie (EEG): Messung der elektrischen Hirnströme.
Therapie
Die Therapie eines Astrozytoms hängt vom Tumortyp, WHO-Grad, der Lage des Tumors und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Die wichtigsten Therapieoptionen sind:
Lesen Sie auch: Differenzialdiagnose: Astrozytom oder Schlaganfall?
- Operation: Das Ziel ist die vollständige oder teilweise Entfernung des Tumors. Mikrochirurgische Techniken und intraoperative Hilfsmittel wie Neuronavigation und Fluoreszenzfarbstoffe werden eingesetzt, um den Tumor gezielt aufzufinden und zu entfernen.
- Strahlentherapie: Wird eingesetzt, um verbleibende Tumorzellen abzutöten oder das Wachstum des Tumors zu verlangsamen. Es gibt verschiedene Formen der Strahlentherapie, darunter die Brachytherapie, bei der radioaktive Körnchen in die betroffene Region implantiert werden.
- Chemotherapie: Medikamentöse Behandlung, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen soll. Chemotherapeutika werden oft in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt.
- Tumortherapiefeld-Therapie (TTFields): Eine nicht-invasive Therapie, die elektrische Wechselfelder nutzt, um die Zellteilung der Tumorzellen zu stören. Sie wird nach der Operation und Bestrahlung in Kombination mit der Erhaltungschemotherapie eingesetzt.
- Symptomatische Behandlung: Medikamente gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie psychotherapeutische und seelsorgerische Betreuung.
Neurochirurgische Verfahren
Die Neurochirurgie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Astrozytomen. Moderne neurochirurgische Techniken ermöglichen es, Tumoren präzise und schonend zu entfernen. Zu den wichtigsten Verfahren gehören:
- Mikrochirurgie: Operationen unter optischer Vergrößerung (vier- bis 40-fache Vergrößerung) mit speziellen Instrumenten.
- Neuronavigation: Ein computerbasiertes Schädelmodell, das zur Zugangs- und Resektionsplanung genutzt wird.
- Fluoreszenzgestützte Chirurgie: Verwendung von Fluoreszenzfarbstoffen wie 5-Aminolävulinsäure (5-ALA), um Tumorzellen besser sichtbar zu machen.
- Endoskopie: Einsatz von Endoskopen zur Biopsie und Entfernung von Tumoren, insbesondere in den Hirnkammern.
- Minimalinvasive Verfahren: Durchführung von Operationen über kleine Hautschnitte mit Röntgenunterstützung, um die Wundfläche zu minimieren und die Mobilisation des Patienten zu beschleunigen.
Prognose
Die Prognose eines Astrozytoms hängt maßgeblich vom WHO-Grad des Tumors ab.
- Pilozytisches Astrozytom (WHO-Grad 1): Bei vollständiger operativer Entfernung ist eine langfristige Heilung möglich. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 94 Prozent.
- Astrozytom WHO-Grad 2 und 3: Haben eine schlechtere Prognose und kehren oft wieder (Rezidive).
- Glioblastom (WHO-Grad 4): Hat die schlechteste Prognose. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa fünf Prozent.
Dank verbesserter unterstützender therapeutischer Maßnahmen hat sich die Lebensqualität von Patienten mit Astrozytomen verbessert.
Prävention
Da die Ursachen für die Entstehung von Astrozytomen weitgehend unbekannt sind, gibt es keine gesicherten Maßnahmen zur Vorbeugung. Es wird jedoch empfohlen, unnötige Strahlung und den Kontakt mit krebserregenden Stoffen zu vermeiden. Personen mit genetischen Risikofaktoren sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.
Spezialisierte Zentren und Ansprechpartner
Für die Behandlung von Astrozytomen stehen spezialisierte neurochirurgische Kliniken und Neuroonkologische Zentren (INOZ) zur Verfügung. Diese Zentren bieten eine umfassende Versorgung, die von der Diagnose über die Therapie bis zur Nachsorge reicht. In den Ambulanzen der Schön Kliniken in Rendsburg und Eckernförde treffen Patienten auf feste ärztliche Ansprechpartner, die sie stationär und im Rahmen der Nachsorge betreuen.
Neuroonkologisches Zentrum (INOZ)
In einem Neuroonkologischen Zentrum arbeiten verschiedene Fachbereiche eng zusammen, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten. Dies umfasst die Neurochirurgie, Neurologie, Onkologie, Strahlentherapie und andere Disziplinen. Durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit können die verschiedenen onkologischen Behandlungsformen koordiniert und die bestmögliche Therapie für den Patienten sichergestellt werden.
Neurochirurgische Klinik
Die Neurochirurgische Klinik ist spezialisiert auf die operative Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems. Hier werden moderne mikrochirurgische Techniken und computergestützte Verfahren eingesetzt, um Tumoren präzise und schonend zu entfernen. Die Klinik bietet zudem spezielle Sprechstunden für Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen und Tumorerkrankungen an.
Zusammenfassung
Das pilozytische Astrozytom ist ein gutartiger Hirntumor, der vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt. Eine frühzeitige Diagnose und eineOperation sind entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Die Prognose ist bei vollständiger Tumorentfernung in der Regel gut. Moderne neurochirurgische Techniken und spezialisierte Zentren bieten den Patienten die bestmögliche Versorgung.
tags: #pilozytisches #astrozytom #im #hws