Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Sie können plötzlich auftreten und sehr schmerzhaft sein. Obwohl sie meist harmlos sind, können sie in manchen Fällen auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen. Ein möglicher Zusammenhang besteht zwischen Muskelkrämpfen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere im Kontext von Diabetes mellitus.
Was ist ein Muskelkrampf?
Ein Muskelkrampf ist ein plötzliches, schmerzhaftes und unkontrollierbares Zusammenziehen eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Meistens ist die Wadenmuskulatur betroffen, aber auch andere Muskeln wie im Schulter- und Nackenbereich, in den Beinen, Füßen, im Gesäß, in den Händen und Fingern können betroffen sein. Der Muskel verhärtet sich und versteift sich für kurze Zeit. Muskelkrämpfe dauern in der Regel nur wenige Sekunden bis Minuten.
Diabetes mellitus und Muskelkrämpfe
Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch „Zuckerkrankheit“ genannt, ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch einen Mangel an Insulin und/oder eine verminderte Insulinwirkung gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer erhöhten Konzentration von Zucker im Blut.
Welche Rolle spielt Insulin?
Insulin ist ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Es sorgt dafür, dass der aus der Nahrung gewonnene Zucker aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird, wo er zur Energiegewinnung genutzt wird. Bei Menschen mit Diabetes ist dieser Prozess gestört, was zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führen kann.
Wie verbreitet ist Diabetes mellitus?
In Deutschland ist bei etwa 7,2 % der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren ein Diabetes mellitus bekannt. Circa 90 bis 95 % davon sind an Typ-2-Diabetes erkrankt.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Muskelkrämpfen
Welche Diabetes-Formen gibt es?
Die am häufigsten auftretenden Diabetestypen sind:
- Diabetes mellitus Typ 1
- Diabetes mellitus Typ 2
- Schwangerschaftsdiabetes
Warum kann Diabetes Krämpfe verursachen?
Es gibt verschiedene Mechanismen, durch die Diabetes Muskelkrämpfe verursachen kann:
- Überzuckerung (Hyperglykämie): Wenn die Blutzuckerwerte einen bestimmten Schwellenwert überschreiten, beginnt der Körper, den Zucker über die Nieren auszuscheiden. Dies führt zu einem Flüssigkeitsverlust von mehreren Litern pro Tag, verbunden mit häufigem Harndrang und starkem Durst. Durch den vermehrten Wasserverlust gehen wichtige Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium und Magnesium verloren, was zu einem gestörten Elektrolythaushalt und somit zu Krämpfen führen kann.
- Nervenschädigungen (Polyneuropathie): Diabetes kann zu dauerhaften Schädigungen der Nerven führen, insbesondere der peripheren Nerven in den Füßen und Beinen. Diese Nervenschädigungen können die Reizweiterleitung beeinträchtigen und zu Krämpfen führen. Die Polyneuropathie kann durch eine Schädigung kleinster Nerven, die die Blutgefäße versorgen, entstehen, oder durch den überreichlich vorhandenen Blutzucker, der die Nerven direkt beeinträchtigt.
- Durchblutungsstörungen: Diabetiker leiden häufiger und früher an Durchblutungsstörungen als Nichtdiabetiker. Zu viel Zucker im Blut schädigt die Arterienwände und führt zu Ablagerungen in den Blutgefäßen, wodurch sich die Durchblutung verschlechtert. Dies kann zu Krämpfen führen, insbesondere in den Beinen.
Was tun bei Überzuckerung?
Eine dauerhafte Überzuckerung kann langfristige negative Auswirkungen auf den Körper haben. Um Überzuckerung und deren Folgen zu vermeiden, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Bei Symptomen wie vermehrtem Wasserlassen, verstärktem Durstgefühl, trockener Haut und Juckreiz, Müdigkeit, Sehstörungen oder schlechter Wundheilung einen Arzt aufsuchen.
- Ausreichend Wasser trinken, um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren.
- In regelmäßigen Abständen den Blutzucker messen und die Ketonausscheidung im Urin überprüfen lassen.
- Medikamente regelmäßig einnehmen.
- Bei erhöhten Werten eine vorher mit dem Arzt besprochene Menge Insulin spritzen, um den Blutzuckerspiegel zu senken.
Bauchspeicheldrüse und Muskelkrämpfe
Die Bauchspeicheldrüse spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung und der Regulation des Blutzuckerspiegels. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse können daher indirekt zu Muskelkrämpfen führen.
Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann akut oder chronisch verlaufen. Die häufigsten Ursachen sind Gallensteine und übermäßiger Alkoholkonsum. Bei einer Pankreatitis werden Verdauungsenzyme vorzeitig aktiviert und schädigen das Gewebe der Bauchspeicheldrüse. Dies kann zu starken Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und weiteren Symptomen führen.
Lesen Sie auch: Ursachen von Muskelkrämpfen
Wie kann eine Pankreatitis zu Muskelkrämpfen führen?
Eine Pankreatitis kann auf verschiedene Weise zu Muskelkrämpfen beitragen:
- Elektrolytstörungen: Durch Erbrechen und Durchfall, die häufig bei einer Pankreatitis auftreten, können Elektrolyte wie Kalium, Magnesium und Kalzium verloren gehen. Ein Mangel dieser Elektrolyte kann Muskelkrämpfe verursachen.
- Mangelernährung: Eine chronische Pankreatitis kann zu einer Mangelernährung führen, da die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme produziert. Dies kann ebenfalls zu Elektrolytstörungen und Muskelkrämpfen führen.
- Schmerzen: Die starken Schmerzen, die mit einer Pankreatitis einhergehen, können zu Muskelverspannungen und Krämpfen führen.
Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)
Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz produziert die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme. Dies führt zu Verdauungsstörungen, Mangelernährung und Gewichtsverlust.
Wie kann eine EPI zu Muskelkrämpfen führen?
Eine EPI kann auf ähnliche Weise wie eine Pankreatitis zu Muskelkrämpfen beitragen:
- Elektrolytstörungen: Durch die Verdauungsstörungen können Elektrolyte nicht richtig aufgenommen werden, was zu einem Mangel und somit zu Krämpfen führen kann.
- Mangelernährung: Die Mangelernährung kann ebenfalls zu Elektrolytstörungen und Muskelkrämpfen führen.
- Vitaminmangel: Menschen mit chronischer Pankreatitis weisen oft einen Vitaminmangel auf. Besonders häufig kommt es zu einem Mangel an Folsäure, Vitamin B1, Vitamin B12, sowie an den Vitaminen A, D, E und K. Ein Mangel an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E und K) kann eine schlechtere Blutgerinnung, eine herabgesetzte Infektabwehr, Nachtblindheit, Muskelschwäche sowie ein erhöhtes Osteoporose- und Frakturrisiko zur Folge haben.
Diabetes Typ 3c
Als Folge einer Operation, bei der die gesamte Bauchspeicheldrüse entfernt werden muss, kann ein Diabetes Typ 3c entstehen. Dieser ist sehr schlecht einstellbar, weil die beiden Botenstoffe Insulin und Glukagon fehlen.
Weitere Ursachen von Muskelkrämpfen
Neben Diabetes und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gibt es noch weitere Ursachen für Muskelkrämpfe:
Lesen Sie auch: Behandlung von Bauchmuskelkrämpfen
- Flüssigkeitsmangel: Ein Mangel an Flüssigkeit kann zu Elektrolytstörungen und Muskelkrämpfen führen.
- Überanstrengung: Überanstrengung der Muskeln kann ebenfalls zu Krämpfen führen.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente, wie Diuretika, Betablocker und Statine, können Muskelkrämpfe als Nebenwirkung haben.
- Neurologische Erkrankungen: In seltenen Fällen können Muskelkrämpfe auf eine neurologische Erkrankung hinweisen, wie z. B. Multiple Sklerose oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Das Restless-Legs-Syndrom ist durch Missempfindungen in den Beinen und einen starken Bewegungsdrang gekennzeichnet, der vor allem abends und nachts auftritt.
Was tun bei Muskelkrämpfen?
Akute Muskelkrämpfe können oft durch Dehnen des betroffenen Muskels gelindert werden. Auch eine Massage kann helfen, die Muskeln zu entspannen.
Vorbeugende Maßnahmen
Um Muskelkrämpfen vorzubeugen, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:
- Ausreichend trinken: Trinken Sie täglich mindestens 1,5 Liter Wasser, bei warmem Wetter oder nach körperlicher Anstrengung entsprechend mehr.
- Elektrolythaushalt ausgleichen: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Elektrolyten wie Kalium, Magnesium und Kalzium.
- Regelmäßige Dehnübungen: Machen Sie regelmäßig Dehnübungen, um die Muskeln flexibel zu halten.
- Bewegung: Bleiben Sie in Bewegung, um die Muskeln im Gleichgewicht zu halten und Krämpfen vorzubeugen.
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost.
- Alkohol und Rauchen vermeiden: Verzichten Sie auf Alkohol und Rauchen.
- Mechanische Reize vermeiden: Vermeiden Sie mechanische Reize wie eine zu schwere Decke auf den Füßen, da diese Krämpfe zusätzlich begünstigen können.
Wann zum Arzt?
Wadenkrämpfe und andere Muskelkrämpfe, die nur gelegentlich auftreten, sind meist harmlos. Gehen Sie aber unbedingt zum Arzt, wenn die schmerzhaften Krämpfe
- häufiger auftreten,
- Nachtruhe oder Tagesablauf stören,
- nicht von allein oder durch Dehnen und sanfte Massage vergehen und/oder
- von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Bewegungseinschränkungen begleitet werden.
Diagnose
Um die Ursache von Muskelkrämpfen aufzudecken, ist zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) nötig. Danach folgen eine körperliche Untersuchung, eine Blutanalyse und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder eine Computertomografie. In einigen Fällen ist auch eine Muskelbiopsie nötig, um eine (vermutete) Ursache von Muskelkrämpfen zu bestätigen oder auszuschließen.
Leben mit Diabetes: Wertvolle Tipps
Vor allem Aufklärung und Vorbeugung sind entscheidend für die Bekämpfung von Diabetes mellitus. Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung können helfen, diese Erkrankung im Vorfeld zu vermeiden. Oder - im Fall eines bereits diagnostizierten Diabetes - die Insulinempfindlichkeit zu verbessern, so die Lebensqualität zu steigern, möglichen Krämpfen vorzubeugen oder diese im Akutfall zu lindern.
Polyneuropathie (PNP)
Polyneuropathie schädigt das periphere Nervensystem, d. h. den Teil des Nervensystems, der nicht zum Gehirn und zum Rückenmark, dem zentralen Nervensystem, gehört. Das periphere Nervensystem liegt außerhalb des Schädels und des Wirbelkanals und spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Bewegungsablaufs. Durch die Polyneuropathie können Bewegungsabläufe des Körpers gestört werden. Betroffene berichten über Empfindungsstörungen, die sie meistens in den Füßen und Beinen, Händen und Fingern, seltener in den Armen spüren. Berührungen mit Kälte und Wärme tun ihnen weh, sie empfinden diese als sehr unangenehm und belastend.
Ursachen der Polyneuropathie
- Diabetes mellitus
- Alkoholmissbrauch
- Gift, Medikamente und Schadstoffe, z. B. Zytostatika (die vorwiegend beim Pankreaskarzinom eingesetzt werden und oft Platin enthalten)
Behandlung der Polyneuropathie
Betroffene mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, die an einem Taubheitsgefühl sowohl an Händen und Füßen leiden, können mit Hilfe von Ölbädern, Krankengymnastik, Massagen, Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie eventuell eine Linderung bekommen. Ob Vitamine B1, B6, B12, Folsäure, L-Carnitin oder alpha Liponsäure oder verschiedene Medikamente, die man heute zur Verfügung hat, sinnvoll sind, sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Wichtig ist es zu wissen, dass die Wirksamkeit aller von mir erwähnten Therapieansätze zur Behandlung der PNP nicht eindeutig und wissenschaftlich bewiesen ist.
tags: #muskelkrampfe #durch #bauchspeicheldr