Die Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt, ist eine chronisch-entzündliche Systemerkrankung, die sich primär an der Haut manifestiert, aber auch Gelenke, Gefäße und andere Organe betreffen kann. Die Erkrankung ist durch rote, schuppende und juckende Hautstellen gekennzeichnet und kann für Betroffene sowohl körperlich als auch psychisch sehr belastend sein.
Psoriasis: Mehr als nur eine Hauterkrankung
Lange galt die Psoriasis als reine Hauterkrankung. Davon ist man heute weg. Die Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte Systemerkrankung, die sich primär an der Haut manifestiert, aber auch Gelenke, Gefäße und andere Organe betreffen kann. Für viele Betroffene sind Scham, Unsicherheit, Stress, Schlafstörungen oder Angst vor Ablehnung ständige Begleiter. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Psoriasis eine um 1,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit haben, depressive Symptome zu entwickeln, und Angstsymptome häufiger auftreten als bei Menschen ohne Psoriasis.
Ursachen und Auslöser der Psoriasis
Die genauen Ursachen für Schuppenflechte sind nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass es nicht nur einen Auslöser für Psoriasis gibt, sondern mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Sie tragen dazu bei, dass es zu einer Fehlleitung des Immunsystems und einer Beschleunigung des Erneuerungsprozesses der Haut kommt, die sich durch Plaques zeigt.
Genetische Veranlagung
Haben auch andere Familienangehörige Psoriasis, ist die Wahrscheinlichkeit, selbst zu erkranken, erhöht. Aber auch mit der erblichen Veranlagung tritt die Erkrankung nicht zwingend auf. Die heute zur Verfügung stehenden Daten zeigen eindeutig, dass in 50-65 % der Psoriasis-Fälle (Typ 1) eine genetische Disposition vorliegt, die man mit den sogenannten genetischen Blutmarker-Systemen (Antigene der Lewis-Blutgruppen, der HLA- und MHC-Systeme) feststellen kann. Interessant ist aber die Tatsache, dass sowohl in diesen Fällen, als auch bei einer Vielzahl von Patienten, bei denen weder eine familiäre Veranlagung noch genetische Merkmale erkennbar waren (Psoriasis Typ 2), die Krankheit erst relativ spät (meist im 2.
Triggerfaktoren
Ein auslösender Reiz, ein sogenannter Trigger, entfacht die Schuppenflechte. Er kann sowohl die Ursache dafür sein, dass Psoriasis erstmals auftritt, als auch dafür, dass es zu einem neuen Schub kommt. Ob auf Trigger reagiert wird und wenn ja, auf welche, ist jedoch verschieden. Häufige Trigger für Schuppenflechte sind:
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- Stress und starke körperliche oder psychische Belastungen
- Hautverletzungen oder Hautreizungen (etwa Sonnenbrand, Reibung oder Operationen)
- Rauchen sowie übermäßiger Alkoholkonsum
- Infektionserkrankungen (insbesondere Streptokokken, die zur Mandelentzündung führen)
- Übergewicht oder extreme Gewichtsschwankungen
- Hormonelle Umstellungen (etwa die Wechseljahre oder die Pubertät)
- Medikamente (z. B. bestimmte Wirkstoffe gegen Bluthochdruck oder Depression)
- Die langfristige Einnahme verschiedener Medikamente wie Anti-Malaria-Mittel, -Blocker, Lithium, Penizilline, Sulfonamide, Cimetidin, -Interferon.
- Der Konsum von Alkohol und bestimmten Nahrungsmitteln.
- Die negative Wirkung verschiedener psychogener Faktoren wie z. B. Konfliktsituationen, Prüfungsangst, Verlust des Arbeitsplatzes, Unfälle, Operationen, Scheidung, Tod von Angehörigen u. a.
Das Immunsystem als Motor der Psoriasis
Motor im Krankheitsprozess der Schuppenflechte ist das Immunsystem. Es hat die Aufgabe, Eindringlinge wie Viren und Bakterien oder Schäden im Körper zu erkennen und zu bekämpfen. Dies geschieht durch ein komplexes Zusammenspiel von Immunzellen, Botenstoffen und anderen Faktoren. Eine Abwehrreaktion zeigt sich durch eine Entzündung. Bei Psoriasis gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht. Es kommt zu einem Fehlalarm. Immunzellen beginnen Botenstoffe auszuschütten, die eine Entzündung anfachen und vorantreiben. Der Abwehrprozess klingt nicht wieder ab und die Entzündung bleibt bestehen. Eine Folge sind die Plaques.
Formen der Psoriasis
Das typische Merkmal der Schuppenflechte sind Hautveränderungen, sogenannte Plaques. Sie treten bei der Psoriasis vulgaris oder Plaque-Psoriasis, der häufigsten Form der Erkrankung, auf. Wo und wie ausgeprägt sie sind, ist entscheidend für den Schweregrad der Schuppenflechte und damit für die Therapiewahl. Neben der Größe der Plaques wiegt es besonders schwer, wenn etwa die Kopfhaut, der Genitalbereich oder die Nägel betroffen sind.
Psoriasis-Plaques
Plaques sind scharf begrenzte, gerötete Hautareale, die mit glänzenden, silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Sie können überall am Körper auftreten. Besonders häufig betroffen sind:
- Die Außenseiten der Ellenbogen und Knie
- Hände und Füße
- Die behaarte Kopfhaut
- Die Steißbeinregion
Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Beschwerden:
- Trockene Haut, häufig mit Spannungsgefühl und leichten Blutungen, manchmal begleitet von Brennen, Stechen oder Schmerzen
- Juckreiz ist häufig und besonders belastend
- Kopfhautpsoriasis, oft auch über die Haargrenze hinaus sichtbar
- Nagelpsoriasis an Hand- und Fußnägeln
- Genitalpsoriasis kann Männer wie Frauen betreffen
Weitere Formen der Schuppenflechte
Neben der Plaque-Psoriasis gibt es noch weitere, seltenere Formen der Schuppenflechte. Sie unterscheiden sich in erster Linie durch ihr Aussehen, es kommt nicht zu den typischen Plaques.
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- Psoriasis inversa: Die Hautveränderungen treten in Körperfalten bzw. an Stellen auf, an denen die Haut aufeinanderliegt. Häufig betroffen sind Arm- und Beinbeugen, Achselhöhlen, die Gesäßfalte, der Nabel und bei Frauen die Haut unter der Brust. Eine Schuppung tritt bei Psoriasis inversa meist nicht auf.
- Psoriasis guttata: In vielen Fällen geht sie in eine Plaque-Psoriasis über. Es bilden sich stecknadelkopf- bis centstückgroße Hautveränderungen, die über den ganzen Körper verteilt sein können. Die Schuppung ist bei Psoriasis guttata in der Regel nur gering ausgeprägt und wird oft durch Infektionserkrankungen, insbesondere Streptokokken, ausgelöst.
- Psoriasis pustulosa: Es bilden sich gerötete Hautbereiche mit kleinen Pusteln, die mit Eiter gefüllt sind. Betroffen sind häufig die Handinnenflächen und Fußsohlen. Sie kann zusammen mit Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl auftreten und ist häufig schmerzhaft.
- Psoriasis-Arthritis: Bei Schuppenflechte kann es zusätzlich zu den Hauterscheinungen zu Gelenkbeschwerden kommen. Sie tritt bei etwa einem Drittel der Menschen mit Schuppenflechte auf. Die Psoriasis schlägt sich im Krankheitsverlauf häufig auch auf die Gelenke nieder. Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickelt im Laufe der Zeit eine Psoriasis der Gelenke, die sogenannte Psoriasis-Arthritis. Die Psoriasis-Arthritis tritt meistens zusammen mit der Psoriasis der Haut auf. Meist folgt sie der Psoriasis der Haut, tritt also zeitlich verzögert auf. Eine Psoriasis-Arthritis ohne Hautbeteiligung kommt relativ selten vor.
Die Psoriasis-Arthritis hat unterschiedliche Verlaufsformen. Grundsätzlich können alle Gelenke betroffen sein - typischerweise auch die Finger- und Zehenendgelenke und oft auch alle Gelenke eines Fingers oder einer Zehe. Die Erkrankung kann sich mit flächigen Gelenkbeschwerden und Schwellungen sowie mit sprunghaftem Auftreten bemerkbar machen. Die Schwellungen sind nicht zwangsläufig dauerhaft, sondern können auch wieder völlig zurückgehen. Um die betroffenen Gelenke herum kann es zur Verknöcherung kommen, wodurch sich die Beweglichkeit der Gelenke stark vermindert.
Diagnose der Psoriasis
Eine Psoriasis ist unübersehbar: Auf der Haut erscheinen stark durchblutete und gerötete Stellen, auf denen sich silbrig-weiße Schuppen bilden. Auch minimale Veränderungen sind möglich, zum Beispiel im Gehörgang, Bauchnabel und in der Analregion. Die typischen Schuppen lassen sich mit dem Fingernagel abheben. Befallen sind oft Hautpartien, die viel gedehnt werden, wie Ellenbogen oder Knie, oder Stellen, an denen Kleidung reibt: Schienbein und Waden, Gürtelgegend, Gesäß, Nacken. Auch die Kopfhaut ist oft betroffen. Keine Hautregion ist ausgenommen. Die Flecken können punktartig verstreut sein oder großflächig ganze Körperteile bedecken.
Eine leichte Schuppenflechte kann Pilzinfektionen oder Ekzemen ähneln - anhand einer Blutuntersuchung, der typischen Hautbefallsmuster und notfalls mit Gewebeproben lassen sich diese Krankheiten ausschließen. Erkennungsmerkmal der Psoriasis ist das Auspitz-Phänomen (auch "blutiger Tau" genannt): Der Arzt kratzt eine Schuppe ab, darunter bleibt ein dünnes, glänzendes Häutchen.
Bei Verdacht auf Psoriasis-Arthritis werden die betroffenen Gelenke mit bildgebenden Verfahren (Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanztomografie oder Szintigrafie) untersucht. Die Bilder können einen Hinweis auf das Stadium der Erkrankung liefern. Zur Einstufung der Schuppenflechte gibt es den PASI (Psoriasis Area and Severity Index). Der Schweregrad der Schuppenflechte wird mit Hilfe des PASI (Psoriasis Area and Severity Index) bestimmt. Der PASI ist eine Zahl, mit der neben dem Schweregrad der Schuppenflechte auch die Wirksamkeit von Psoriasis-Medikamenten bewertet werden kann.
Therapieansätze bei Psoriasis
Psoriasis ist nicht heilbar. Doch lassen sich mit verschiedenen Mitteln die Schübe abmildern und das Abheilen beschleunigen. Bei Psoriasis-Arthritis besteht die Therapie immer aus mehreren Elementen: moderne Medikation, gezielte Bewegung und antientzündliche Ernährung. Nicht wenige Patienten leben fast beschwerdefrei, wenn diese Faktoren gut aufeinander abgestimmt sind.
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Konventionelle Therapien
Die Analyse des Therapiespektrums bei Psoriasis in den Industrieländern in den letzten 30 Jahren zeigt immer wieder diesselben Verfahren wie:
- Die Bestrahlungstherapie: UV-Behandlung unter stationären oder ambulatorischen Bedingungen, oft kombiniert mit Chemotherapeutika wie Psoralen (PUVA-Therapie). Bei der Phototherapie besteht eine verstärkte Sonnenbrandneigung. Selbst die geschlossenen Augen (!) sind bei fehlendem Schutz über eine entsprechende Brille massiv gefährdet. Darüber hinaus kann die Therapie eine Pigmentverschiebung, Überpigmentierung, Verdickung der Haut sowie eine aktinische Keratose (eine Frühform von Hautkrebs ) verursachen.
- Klima-Therapie: In hohen Gebirgen oder am Meer kombiniert die positive Wirkung der Sonne (UV-Bestrahlung) mit der Mineral- und Spurenelementeinwirkung des Meerwassers. Besonders heilsam kann die Kombination von Sonne und Salzwasser sein. Ein Grund, warum Sonnenlicht der Haut so gut tut, ist sicher auch sein Einfluss auf das Vitamin-D-Spiegel. Denn Vitamin D wird in der Haut unter Einwirkung von UV-Strahlung gebildet.
- Topische Therapien: In der schulmedizinischen Therapie wird die Schuppenflechte meist - insbesondere bei leichtem und mittelschwerem Verlauf - mit äusserlichen Anwendungen behandelt. Diese bekämpfen zwar die Symptome der Erkrankung, nicht aber deren Ursachen. Salicylsäure wird äusserlich beispielsweise zum Ablösen der Schuppen eingesetzt. Auch hat die Salicylsäure eine antimikrobielle, entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung. Leider ist sie jedoch gleichzeitig auch potentiell gewebeschädigend und entfaltet bei dauerhaftem Gebrauch schädliche Wirkungen, was sich in Nerven- und Nierenschäden äussern soll. Teersalben hemmen die übermässige Zellteilung, wirken entzündungshemmend und lindern den Juckreiz. Ihnen wird jedoch bei längerem Gebrauch eine kanzerogene (krebserregende) Wirkung nachgesagt, daher sollte eine langfristige bzw. Auch Salben mit dem Wirkstoff Tacalcitol werden empfohlen. Der Handelsname der entsprechenden Salbe heisst Curatoderm®. Es handelt sich um eine synthetische Form des aktiven Vitamin D3 (Calcitriol). Der Vorgängerwirkstoff von Tacalcitol hiess Calcipotriol, der jedoch Nebenwirkungen wie Hautreizungen hatte, was bei Tacalcitol seltener der Fall ist.
- Systemische Therapien: Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis (und auch bei Akne) werden die sog. Retinoide eingenommen. Dabei handelt es sich um Verbindungen, die dem Vitamin A ähnlich sind. Fumarsäureester werden erst bei einer schweren Schuppenflechte verordnet, da es zu Magen-Darm-Beschwerden und etlichen weiteren Nebenwirkungen kommen kann.
- Biologika: Biologika (oder Biologics) sind relativ neuartige Medikamente, die bei Autoimmunerkrankungen (z. B. auch bei Rheuma) direkt gegen die entzündungsfördernden Botenstoffe vorgehen. Allerdings können sie anfällig für Virusinfekte machen, so dass vor einer Therapie mit Biologika z. B. Biologika wirken hocheffektiv am Ort des Geschehens. Statt des ganzen Immunsystems blockieren sie nämlich nur einzelne Entzündungszellen, erklärt von Kiedrowski. Dadurch seien die Nebenwirkungen im Vergleich zu den klassischen Immunsuppressiva geringer. Gemäß Leitlinien dürfen Biologika erst dann verschrieben werden, wenn die Entzündung mit herkömmlichen Mitteln nicht zu stoppen ist. Die ersten in Europa verfügbaren Biopharmazeutika - sogenannte TNF-α-Inhibitoren - wurden 2004 zugelassen, gefolgt von mehreren ihrer Klasse. Später kamen die IL-12/23-Inhibitoren und schließlich die IL-17- und IL-23-Inhibitoren hinzu. Sie setzen auf eine gezielte Regulation der Entzündungsprozesse, haben deshalb ein deutlich günstigeres Nebenwirkungsprofil und ermöglichen eine dauerhafte Therapie.
Alternative und ergänzende Therapien
In den letzten Jahren hört man von dem Einsatz der einen oder anderen biologischen Mittel, meistens als Ergänzung zu den klassischen Therapieformen. Hierzu gehören z. B. mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie z. B. verschiedene Diätempfehlungen, die ebenfalls eine Linderung der Beschwerden bringen sollen. Auch hier sind die Ansätze und die Therapieerfolge kontrovers diskutiert, da bisher keines dieser neuen Mittel im Alleingang eine dauerhafte Beschwerdefreiheit für sich verbuchen konnte.
- Ernährung: Die richtige Ernährung sollte neben der modernen Medikation eine wichtige Säule der Behandlung darstellen. Besonders entscheidend ist dabei das Anstreben des Normalgewichts. Denn das viszerale Fettgewebe im Bauchraum sendet selbst Entzündungsstoffe aus und befeuert so die Hautentzündungen. Zucker und Weizenprodukte sollten Betroffene reduzieren, stattdessen den Gemüseanteil deutlich erhöhen. Nach aktueller Studienlage kann ein Einschränken des Fleischkonsums die Schuppenflechte bessern. Fetter Seefisch hingegen wie Lachs, Hering und Makrele darf öfter auf den Teller kommen.
- Darmgesundheit: Wiederherstellung einer gesunden Darmflora und Darmfunktion, z. B. Identifizierung und Ausleitung relevanter Schadstoffe wie Pestizide, Holzschutzmittel, Schwermetalle aus Dentallegierungen u. Aktivierung von Entgiftungsmechanismen der Leber und des Blutes (Alkohol/Aldehyddehydrogenasen, Phenoloxydasen, Mono- und Diaminoxydasen, Glutathion-S-Transferasen und andere).
- Nahrungsergänzung: Ersatz fehlender Vitamine, Spurenelemente, ungesättigter Fettsäuren (Omega-3,6 und 9) und energetisch wirksamer Stoffe (Fumarsäure, ATP).
- Psychologische Betreuung: Die konsequente, individuelle psychologische Betreuung der Patienten wird in Neukirchen durch einen sehr engen Kontakt zu unseren Ärzten und Psychologen sowie durch zusätzliche Entspannungstherapien wie autogenes Training, Yoga und Bio-Feedback gewährleistet. Hierzu kommen auch regelmäßige Einzel- und Gruppengespräche zur Erläuterung der Therapieprinzipien und verhaltenstherapeutische Einweisungen (z. B.
- Naturheilkundliche Ansätze: Naturheilkundler setzen bei der Behandlung von Psoriasis-Arthritis unter anderem auf den Einsatz von extremer Kälte in Kältekammern. Patienten betreten die Kammer lediglich in Badebekleidung, mit Bade- und Handschuhen. Sie verharren darin zum Beispiel drei Minuten bei minus 110 Grad, um die Durchblutung anzuregen. Bei Weizenkleie handelt es sich um Rückstände, die beim Mahlen von Weizen zu Mehl anfallen. Bei Patienten mit Schuppenflechte kann Weizenkleie als Badezusatz wohltuend zum Einsatz kommen. Dazu einfach 100 Gramm Weizenkleie aus dem Supermarkt oder dem Naturkostladen ins warme Badewasser geben und die entstehenden Flöckchen immer wieder gleichmäßig auf dem Körper und auf von Schuppenflechte betroffene Hautstellen verteilen. Der sich beim Kleiebad bildende Schleim ist erwünscht: Dieser soll sich auf die trockenen Hautschuppen legen, Entzündungen reduzieren und die Haut beruhigen. Ein weiteres Mittel zur Behandlung von Psoriasis-Arthritis sehen Naturheilkundler in der reflektorischen Atemtherapie. Bei der Behandlung üben Physiotherapeuten durch spezielle Griffe Druck auf den Körper des Patienten aus, um das Atmen zu erleichtern und Atemzüge zu vertiefen.
Individuelle Therapieansätze
Bei der o. g. zahlreichen Provokationsfaktoren psoriatischer Schübe ist es leicht verständlich, dass nur eine individuelle ganzheitliche Therapie langfristig Erfolg haben kann. Ziel dieser Therapie ist es, die sichtbare Psoriasis in eine erscheinungsfreie Form umzuwandeln und diesen Zustand langfristig zu stabilisieren. Erfahrungsgemäß müssen die meisten Psoriatiker auf die Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel verzichten, die allergische oder pseudoallergische Reaktionen auslösen können oder eine ungünstige Wirkung auf den intermediären Stoffwechsel entfalten.
Arzneimittelinnovationen und die Psoriasis-Revolution
Verglichen mit heute war die Behandlung der Krankheit vor der Einführung des ersten biopharmazeutischen Arzneimittels (Biopharmazeutikum) zu Beginn der 2000er-Jahre eher von robuster Natur: Mit der Brechstange versuchte die Medizin damals das Immunsystem generell zu unterdrücken - einfach, weil es keine anderen Möglichkeiten gab. Oft waren die Nebenwirkungen so schwer, dass die Patient:innen die Therapie abbrachen.
Das ist heute anders - und das Ergebnis von mehr als zwei Jahrzehnten pharmazeutischer Forschung. Das erste in Europa verfügbare Biopharmazeutikum - ein sogenannter TNF-α-Inhibitor - wurde 2004 zugelassen, ihm folgten mehrere seiner Klasse. Später kamen die IL-12/23-Inhibitoren, schließlich die IL-17- und IL-23-Inhibitoren. Sie setzen auf eine gezielte Regulation der Entzündungsprozesse, haben deshalb ein deutlich günstigeres Nebenwirkungsprofil und ermöglichen eine dauerhafte Therapie. Heute stehen laut Psoriasis-Bund bereits 29 Biopharmazeutika und Biosimilars zur Verfügung. Das Ergebnis der „Psoriasis-Revolution“ kann sich sehen lassen (s. Grafik): Bei mehr als 90 Prozent liegt der Anteil der Patient:innen, bei denen die Symptome zu mehr als 90 Prozent verschwinden.
Psoriasis und die Psyche
Zwischen Haut und Psyche gibt es eine direkte Verbindung. Bezüglich Psoriasis bedeutet das: Einerseits kann Stress akute Krankheitsschübe auslösen, andererseits sind die Krankheitsbeschwerden der Schuppenflechte selbst psychisch extrem belastend für viele Betroffene. Die Weltgesundheitsorganisation ruft deshalb in einer Resolution dazu auf: Nicht nur die körperliche, sondern auch die psychosoziale Situation der weltweit rund 125 Millionen Menschen mit Psoriasis muss sich verbessern!
Wie kommt es zu dem Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und körperlichen Symptomen der Schuppenflechte? Es beginnt noch vor unserer Geburt: Im menschlichen Embryo entstehen die Hautzellen und das Nervensystem aus dem gleichen Zelltyp. Viele Medizinerinnen sehen darin bereits den Ursprung für die enge Verbindung zwischen Psyche und Haut. Außerdem fanden Forscherinnen heraus, dass bestimmte chemische Stoffe psychische Reize von unserem Gehirn bis in die Haut übertragen. Dort kann es dadurch zu entzündlichen Prozessen kommen. Um diese chemischen Stoffe freizusetzen, reicht schon psychischer Stress.
Was kann man gegen Stress tun?
- Stress reduzieren und Ruhephasen einrichten - finde heraus, was dich konkret belastet und versuche, die Ursachen zu meiden oder aktiv anzugehen. Baue feste Entspannungszeiten in deinen Alltag ein.
- Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation, Tai-Chi und progressive Muskelentspannung - viele Krankenkassen bieten Seminare zur Stressbewältigung an, in denen du die Methoden erlernen kannst.
- Gemeinschaftliche Selbsthilfe - der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten in örtlichen Selbsthilfegruppen oder Internetforen hilft vielen Betroffenen und gibt ihnen neuen Lebensmut. Es ist oft hilfreich zu erfahren, wie andere Menschen ihren Umgang mit der Erkrankung gefunden haben.
- Therapie - vor allem für Personen mit sehr starkem Leidensdruck und stressbedingten Schüben ist eine psychosoziale Therapie bei qualifizierten Ärztinnen oder Psychotherapeutinnen zu empfehlen.
- Kur oder Reha - eine mehrwöchige Maßnahme kann helfen, die psychischen Belastungen im Alltag dauerhaft zu verringern.
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