Die Nutzung von Computern und Videospielen ist heutzutage ein fester Bestandteil des Lebens vieler Menschen. Doch für Personen mit Epilepsie oder einer Veranlagung zu lichtempfindlichen Anfällen (photosensitive Epilepsie) ist Vorsicht geboten. Dieser Artikel soll umfassende Sicherheitshinweise geben, um Risiken zu minimieren und eine sichere Nutzung zu gewährleisten.
Was ist photosensitive Epilepsie?
Photosensitive Epilepsie ist eine Form der Epilepsie, bei der Anfälle durch visuelle Reize wie flackerndes Licht, sich schnell ändernde Muster oder bestimmte Farben ausgelöst werden können. Diese Reize können im Gehirn eine Übererregung verursachen, die zu einem epileptischen Anfall führt. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Epilepsie photosensitiv sind und dass auch Personen ohne bekannte Epilepsie durch solche Reize einen Anfall erleiden können.
Risiken bei der Computernutzung
Bei der Nutzung von Computern und insbesondere beim Spielen von Videospielen können verschiedene Faktoren das Risiko eines Anfalls erhöhen:
- Flackerndes Licht und schnelle Bildwechsel: Viele Videospiele und auch Computeranwendungen enthalten schnelle Bildwechsel, flackerndes Licht oder blinkende Effekte, die potenziell Anfälle auslösen können.
- Bestimmte Muster und Farben: Auch geometrische Muster oder sich wiederholende Strukturen sowie bestimmte Farben können bei manchen Menschen Anfälle provozieren.
- Räumliche Tiefe und Virtual Reality: Der Einsatz von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) Technologien kann durch die immersive Natur und die visuellen Reize zusätzliche Risiken bergen.
- Ermüdung und Stress: Müdigkeit, Stress und Schlafmangel können die Anfallsschwelle senken und die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls erhöhen.
Allgemeine Sicherheitshinweise für die Computernutzung
Um das Risiko eines Anfalls bei der Computernutzung zu minimieren, sollten folgende allgemeine Sicherheitshinweise beachtet werden:
- Arzt konsultieren: Wenn Sie an Epilepsie leiden oder eine Veranlagung zu Anfällen haben, sollten Sie vor der Nutzung von Computern und Videospielen unbedingt Ihren Arzt konsultieren.
- Helle Umgebung: Nutzen Sie den Computer in einer gut beleuchteten Umgebung, um die Kontraste zwischen Bildschirm und Umgebung zu verringern.
- Abstand zum Bildschirm: Achten Sie auf einen ausreichenden Abstand zum Bildschirm, um die Augen nicht zu überanstrengen und die Intensität der visuellen Reize zu reduzieren.
- Pausen einlegen: Machen Sie regelmäßig Pausen, um die Augen zu entlasten und Ermüdung vorzubeugen. Empfohlen werden 15 Minuten Pause pro Stunde.
- Bildschirmeinstellungen anpassen: Reduzieren Sie die Helligkeit und den Kontrast des Bildschirms und vermeiden Sie flackernde oder blinkende Effekte.
- Spieldauer begrenzen: Beschränken Sie die Zeit, die Sie mit Videospielen verbringen, und vermeiden Sie übermäßiges Spielen.
- Vermeiden Sie Müdigkeit: Spielen oder nutzen Sie den Computer nicht, wenn Sie müde oder gestresst sind.
- Symptome beachten: Achten Sie auf Symptome wie Augenschmerzen, Sehstörungen, Migräne, Muskelzucken, Krämpfe, Ohnmacht, Bewusstseinsverlust oder Verwirrung. Beenden Sie die Nutzung sofort, wenn solche Symptome auftreten, und suchen Sie gegebenenfalls einen Arzt auf.
- Software und Spieleinstellungen: Passen Sie die Einstellungen von Software und Spielen an, um flackernde Effekte, schnelle Bildwechsel und grelle Farben zu reduzieren oder zu deaktivieren. Viele Spiele bieten Optionen zur Anpassung der Grafik und zur Reduzierung visueller Effekte.
- Sicherheitsvorkehrungen bei VR/AR: Beachten Sie die speziellen Sicherheitshinweise für VR/AR-Headsets. Diese sind in der Regel nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet. Überprüfen Sie vor der Nutzung die Umgebung und beseitigen Sie Hindernisse. Achten Sie auf Symptome wie Kinetose (Reisekrankheit), Übelkeit, Orientierungsverlust oder Sehstörungen und beenden Sie die Nutzung sofort, wenn solche Symptome auftreten.
Spezifische Sicherheitshinweise für Virtual und Augmented Reality (VR/AR)
Der Einsatz von Virtual und Augmented Reality (VR/AR, kurz XR) bietet neue Möglichkeiten, Unterricht lebendig, anschaulich und erfahrungsorientiert zu gestalten. Diese XR-Technologien ermöglichen es, in virtuelle Lernwelten einzutauchen oder die reale Welt um digitale Informationen zu erweitern.
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Chancen des XR-Einsatzes im Unterricht:
Virtual und Augmented Reality können den Unterricht spannender und anschaulicher machen. Kinder erleben Themen interaktiv und realitätsnah - zum Beispiel eine Reise in den Weltraum oder eine Simulation im Chemielabor. So werden auch komplexe Inhalte greifbarer. Die Technik unterstützt zudem individuelles Lernen, z. B. durch ein eigenes Lerntempo. In virtuellen Umgebungen kann gefahrlos experimentiert und gemeinsam gearbeitet werden. Studien zeigen, dass XR das Verständnis und die langfristige Erinnerung an Lerninhalte fördert.
Risiken des XR-Einsatzes im Unterricht:
Wie bei jeder neuen Technologie sind auch beim Einsatz von XR gesundheitliche Aspekte zu beachten. Langfristige Auswirkungen sind bislang nicht bekannt und bei kurzer Nutzungsdauer (unter 15 Minuten) eher unwahrscheinlich. Dennoch können vorübergehende Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Augenbelastung auftreten.
Bestimmte gesundheitliche Bedingungen können ein Risiko darstellen. Deshalb dürfen Kinder mit folgenden Voraussetzungen nicht oder nur nach Rücksprache mit der Lehrkraft teilnehmen:
- Epilepsie oder Neigung zu epileptischen Anfällen
- laufende Krebstherapie oder Einnahme entsprechender Medikamente
- medizinische Geräte wie Herzschrittmacher, Defibrillator oder einstellbares Cerebralshunt-Ventil
- Verletzungen oder Erkrankungen am Kopf, Innenohr, Gleichgewichtsorgan oder Bewegungsapparat (v. a. Hand, Arm, Knochen, Gelenke, Muskeln)
- akute Migräne
- psychische Erkrankungen wie AD(H)S, Depressionen oder Angststörungen
- Augenvorerkrankungen oder Entwicklungsstörungen im Autismus-Spektrum
Eltern sollten Lehrkräfte vor dem Einsatz informieren, falls einer dieser Punkte auf Ihr Kind zutrifft. Nur so kann eine sichere Teilnahme gewährleistet werden. Gegebenenfalls bietet sich zuvor eine ärztliche Abstimmung an.
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Einsatz von XR im Unterricht ist der Schutz persönlicher Daten. XR-Brillen sind grundsätzlich in der Lage, bestimmte Nutzungsdaten zu erfassen - z. B. wie lange eine Anwendung genutzt wurde oder welche Bewegungen gemacht wurden. Im schulischen Einsatz wird daher darauf geachtet, dass keine persönlichen Accounts angelegt werden und alle Geräte gemeinsam genutzt werden, wodurch eine eindeutige Zuordnung der Daten zu einzelnen Kindern nicht erfolgt.
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Bitte beachten Sie auch die sicherheitsbezogenen Hinweise der jeweiligen Hersteller von XR-Brillen.
Spezifische Hinweise für Videospiele
Videospiele können aufgrund ihrer schnellen Bildwechsel, flackernden Lichter und intensiven visuellen Effekte ein besonderes Risiko für Menschen mit photosensitiver Epilepsie darstellen. Daher ist es wichtig, zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:
- Warnhinweise beachten: Lesen Sie vor dem Spielen die Warnhinweise und Sicherheitshinweise des Spiels sorgfältig durch. Viele Spiele enthalten spezifische Warnungen bezüglich potenzieller Anfallsrisiken.
- Spieleauswahl: Wählen Sie Spiele, die weniger intensive visuelle Effekte und weniger schnelle Bildwechsel enthalten. Vermeiden Sie Spiele mit starkem Flackern, Blinken oder sich schnell ändernden Mustern.
- Einstellungen anpassen: Nutzen Sie die Optionen des Spiels, um die Grafik anzupassen und potenziell gefährliche Effekte zu reduzieren oder zu deaktivieren. Dies kann beispielsweise das Reduzieren der Helligkeit, des Kontrasts oder der Partikeleffekte umfassen.
- Spielpausen: Machen Sie regelmäßig Pausen, um die Augen zu entlasten und Ermüdung vorzubeugen. Stehen Sie auf, bewegen Sie sich und schauen Sie in die Ferne, um die Augen zu entspannen.
- Beobachtung: Spielen Sie nicht alleine, damit im Falle eines Anfalls jemand helfen kann. Informieren Sie Ihre Mitspieler über Ihre Epilepsie und die entsprechenden Notfallmaßnahmen.
PhotoTAN-Generator: Sicherheitshinweise für Online-Banking
Der photoTAN-Generator ist ein Gerät, das für sicheres Online-Banking verwendet wird. Er erzeugt TANs (Transaktionsnummern) durch das Scannen von Farbgrafiken, die im Online-Banking angezeigt werden. Obwohl der photoTAN-Generator primär ein Sicherheitsinstrument ist, gibt es auch hier einige Aspekte zu beachten, um die Sicherheit und das Wohlbefinden zu gewährleisten:
- Zweckbestimmung: Der ING photoTAN-Generator kann ausschließlich für Ihre Konten bei der ING Bank aktiviert und verwendet werden. Er ist nicht für andere Anbieter des photoTAN-Verfahrens geeignet.
- Aktivierung: Für jeden Kontozugang, für den Sie den Generator als Freigabeverfahren einsetzen möchten, ist eine eigene Aktivierung erforderlich. Ein Kontozugang kann gleichzeitig immer nur auf einem ING photoTAN-Generator aktiviert sein.
- Sicherheit: Das photoTAN-Verfahren entspricht den aktuellen Sicherheitsstandards. Die Daten sind in Form einer Farbgrafik verschlüsselt und werden erst im Zusammenspiel Ihres Computers mit dem photoTAN-Generator entschlüsselt. Der photoTAN-Generator selbst kommt ohne Internet- oder Telefonverbindung aus.
- Verlust oder Diebstahl: Bei Verlust oder Diebstahl des photoTAN-Generators sollten Sie den Generator für jedes Konto einzeln löschen.
- Bedienung: Zum Scannen halten Sie den photoTAN Generator ungefähr 5 bis 20 cm vor die Farbgrafik im Online-Banking, so dass sie innerhalb des Rahmens im Display zu sehen ist. Sobald die Kamera eine Farbgrafik erfasst hat, scannt sie diese automatisch - ohne weiteren Tastendruck.
- Einstellungsmenü: Wenn der photoTAN-Generator ausgeschaltet ist und Sie die orangefarbene Taste für mindestens drei Sekunden gedrückt halten, gelangen Sie in das Einstellungsmenü.
Wichtige Hinweise für Eltern und Erziehungsberechtigte
Eltern und Erziehungsberechtigte spielen eine wichtige Rolle bei der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie oder einer Veranlagung zu lichtempfindlichen Anfällen. Es ist wichtig, dass sie sich über die Risiken der Computernutzung informieren und die notwendigen Vorkehrungen treffen:
- Aufklärung: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Risiken und Sicherheitshinweise und erklären Sie, wie man Anzeichen eines potenziellen Anfalls erkennt.
- Aufsicht: Beaufsichtigen Sie die Computernutzung Ihres Kindes und achten Sie auf Anzeichen von Überanstrengung oder Unwohlsein.
- Kommunikation mit Lehrern: Informieren Sie die Lehrer Ihres Kindes über die Epilepsie und die potenziellen Auslöser, insbesondere im Zusammenhang mit dem Einsatz von VR/AR-Technologien im Unterricht.
- Sichere Umgebung: Schaffen Sie eine sichere Umgebung für die Computernutzung, indem Sie für eine gute Beleuchtung sorgen, den Abstand zum Bildschirm optimieren und regelmäßige Pausen fördern.
Erste Hilfe bei einem Anfall
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es zu einem Anfall kommen. Es ist wichtig, zu wissen, wie man in diesem Fall richtig reagiert:
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- Ruhe bewahren: Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, die Situation zu beruhigen.
- Sicherheit gewährleisten: Sorgen Sie dafür, dass die Person während des Anfalls nicht verletzt wird. Entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus der Umgebung und polstern Sie den Kopf gegebenenfalls ab.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die Person festzuhalten oder die Bewegungen zu unterdrücken.
- Atemwege freihalten: Achten Sie darauf, dass die Atemwege frei sind. Lockern Sie beengende Kleidung und drehen Sie die Person gegebenenfalls auf die Seite, um zu verhindern, dass Erbrochenes in die Atemwege gelangt.
- Notruf: Rufen Sie den Notruf (112), wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, sich wiederholt oder die Person sich verletzt hat.
- Nach dem Anfall: Bleiben Sie bei der Person, bis sie wieder vollständig orientiert ist. Sprechen Sie beruhigend und erklären Sie, was passiert ist.
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen lediglich zu Informationszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Die Nutzung von Computern und Videospielen erfolgt auf eigene Gefahr. Der Autor und der Herausgeber übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen.