Eine psychische Erkrankung, eine seelische Behinderung oder Multiple Sklerose können das Leben grundlegend verändern. Um Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, gibt es vielfältige Wohn- und Unterstützungsangebote. Diese reichen von ambulanter Betreuung in der eigenen Wohnung bis hin zu stationären Wohnformen mit intensiver Betreuung. Ziel ist es, die individuellen Potenziale zu stärken, den Alltag zu strukturieren und die soziale Integration zu fördern.
Ursachen und Formen psychischer Erkrankungen
Es gibt viele Ursachen, warum ein Mensch aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, sein Leben selbstständig zu gestalten. Seelische Erkrankungen treten in verschiedenen Formen auf, darunter:
- Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
- Affektive Störungen
- Belastungs- und somatoforme Störungen
- Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen sind sehr häufig und können Betroffene lange begleiten.
Individuelle Unterstützung und Stärkung der Potenziale
Die individuelle Betreuung, Unterstützung und die Stärkung der eigenen Potenziale können Klient*innen behutsam zurück in ein eigenständiges Leben führen. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass jeder Mensch genau die Hilfe bekommt, die er braucht, und selbst bestimmt, was für ihn wichtig ist. Die Betreuungsleistungen werden individuell abgestimmt, um den Alltag zu erleichtern und zu bereichern. Im Mittelpunkt steht die selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.
Wohnformen für Menschen mit psychischer Behinderung und Multipler Sklerose
Lange Zeit war die Vorstellung von Wohnen für Menschen mit Behinderung überwiegend durch klassische Wohnheime geprägt. Inzwischen können Menschen mit Teilhabe-Einschränkungen je nach Unterstützungsbedarf aus vielfältigen Wohnangeboten wählen. Die Angebote reichen von ambulanter Assistenz in der eigenen Häuslichkeit bis zu externen Wohneinheiten sowie Kleinstgruppen in Appartementform. Durch den systematischen Aufbau der Wohnformen (Stufenkonzept) kann die passende Wohnform angeboten werden, in der der größte Assistenzbedarf gedeckt wird.
Lesen Sie auch: Ratgeber: Betreutes Wohnen bei Demenz
Ambulant Betreutes Wohnen
Das Ambulant Betreute Wohnen richtet sich an Menschen, die gerne selbstständig leben und in ihrem eigenen Umfeld wohnen möchten, aber gleichzeitig die Sicherheit brauchen, zu bestimmten Zeiten oder in kritischen Phasen ihrer Erkrankung Unterstützung und Hilfe zu bekommen. Die Betreuung erfolgt in der eigenen Wohnung, wobei die Mitarbeiter*innen bei der Bewältigung des Alltags unterstützen. Dies ermöglicht es den Betroffenen, ihre Freiheit, Eigenständigkeit und Selbstständigkeit weitgehend zu erhalten und am Leben in ihrer Gemeinde teilzunehmen.
In Ludwigshafen-Maudach und in Frankenthal Eppstein findet die ambulante Assistenz im Betreuten Wohnen im Rahmen einer Hausgemeinschaft statt. An beiden Standorten stehen Wohnhäuser mit jeweils sechs Appartement-Wohnungen à 41 qm zur Verfügung. Ziel der psychosozialen Begleitung ist es, die Eigenverantwortung der Klient*innen zu fördern, um ihnen ein möglichst selbständiges Leben in einer eigenen Wohnung zu ermöglichen. Gleichzeitig können sie in den Hausgemeinschaften auf den schützenden Rahmen zurückgreifen.
Wohngruppen
Für Menschen, die Unterstützung brauchen und nicht alleine wohnen können oder möchten, aber auch nicht in einer größeren Einrichtung, sind Wohngruppen eine gute Alternative. Diese befinden sich außerhalb von Förderzentren und sind unterschiedlich groß. Es stehen Wohnungen für zwei, drei und vier Bewohner in Einzelzimmern zur Verfügung. Es handelt sich um "ganz normale" Mietwohnungen. In der Nacht ist ein Nachtdienst erreichbar, der in Krisensituationen zur Verfügung steht. Bewohner*innen von Wohngruppen können alle Angebote des jeweiligen Förderzentrums nutzen und an tagesstrukturierenden Angeboten teilnehmen.
Wohnen im Förderzentrum
In Förderzentren gibt es die Möglichkeit, in Einzelzimmern zu wohnen und ein hohes Maß an Hilfe und ständige Unterstützung zu erhalten. Auch hier ist ein Nachtdienst in Krisensituationen erreichbar. Bewohner*innen können an tagesstrukturierenden Angeboten teilnehmen und ihren persönlichen Lebensbereich selbst gestalten. Bei Bedarf ist ein Wechsel in eine Wohngruppe oder eine eigene Wohnung möglich.
Besondere Wohnformen
Besondere Wohnformen bieten ein Zuhause für Menschen mit leichten körperlichen, seelischen und geistigen Beeinträchtigungen, die aufgrund ihrer psychiatrischen Erkrankung derzeit nicht in der Lage sind, selbstständig zu wohnen. Hier können sie sich in einem eigenen Zimmer wie zuhause fühlen und werden in allen Lebensbereichen unterstützt, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ziel ist es, die Bewohner*innen dabei zu unterstützen, zukünftig wieder in einer eigenen Wohnung leben zu können.
Lesen Sie auch: Finanzierung Betreutes Wohnen Demenz
Inklusive Wohnprojekte
Neben den traditionellen Wohnformen gibt es auch innovative, integrative und inklusive Wohnkonzepte. Diese Projekte wollen Mut machen, sich von tradierten Vorstellungen zu lösen und neue Wege im Bereich Wohnen für Menschen mit Behinderung zu beschreiten.
Ein Beispiel hierfür ist die Haus- und Hofgemeinschaft, eine neue Form des inklusiven Wohnens, bei der Menschen mit und ohne Behinderungen in einem größeren Anwesen zusammenleben. Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt und unabhängig leben können und gleichzeitig von den anderen Bewohner*innen unterstützt werden.
Ein weiteres Beispiel ist das Wohnprojekt Cerveteristraße, ein intensives, ambulantes Angebot für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Hier wohnen Menschen mit und ohne Behinderung Tür an Tür, ohne die Unterscheidung, wer betreut wird und wer nicht.
Angebote der Caritas-Förderzentren
Die Caritas-Förderzentren bieten eine Vielzahl von Angeboten und Möglichkeiten für Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Erkrankungen, seelischen Behinderungen oder Multipler Sklerose. Angefangen von einer kostenlosen Beratung und Versorgung in sozialen Notlagen bis hin zu längerfristigen Maßnahmen mit den Schwerpunkten Eingliederungshilfe, Jugendhilfe und Resozialisierung.
Caritas-Förderzentrum St. Rafael
Das Caritas-Förderzentrum St. Rafael bietet Betreutes Wohnen für junge Erwachsene zwischen 17 und 21 Jahren, die auf ihrem Verselbständigungsweg noch professionelle pädagogische Unterstützung benötigen. Es gibt 2er- und 3er-Wohngemeinschaften sowie einen Inobhutnahme-Platz. Auch nach dem Umzug in die eigene Wohnung kann eine Nachbetreuung geleistet werden.
Lesen Sie auch: Demenz und Betreutes Wohnen: Ein Überblick
Zudem gibt es eine integrative stationäre Jugendwohngruppe (IJG) für Jugendliche in besonderen Lebenssituationen sowie stationäre Wohngruppen für Kinder, die vorübergehend oder länger nicht in ihren Familien leben können.
Caritas-Förderzentrum Edith Stein
Das Caritas-Förderzentrum Edith Stein bietet ambulant betreutes Wohnen, Wohngruppen außerhalb des Förderzentrums sowie Wohnplätze im Förderzentrum selbst. Die Angebote richten sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie an Menschen im Autismus-Spektrum, die vorübergehend oder dauerhaft Unterstützung bei der Gestaltung ihres Lebens- und Wohnalltags benötigen und wünschen.
Caritas-Förderzentrum St. Christophorus
Das Caritas-Förderzentrum St. Christophorus bietet eine besondere Wohnform im Marienheim für Frauen und Männer ab 18 Jahren mit leichten körperlichen, seelischen und geistigen Beeinträchtigungen. Hier erhalten auch psychisch kranke wohnungslose Menschen verlässliche Unterstützung und fachliche Hilfen.
Caritas-Förderzentrum St. Lukas
Das Caritas-Förderzentrum St. Lukas bietet Betreuung und Wohnen in einer besonderen Wohnform für Menschen, denen das Leben in einer eigenen Wohnung aufgrund ihrer psychiatrischen Erkrankung derzeit nicht möglich ist.
Caritas-Förderzentrum St. Johannes & St. Michael
Das Caritas-Förderzentrum St. Johannes & St. Michael bietet ein breites Spektrum unterschiedlicher Wohnformen, die sich über Ambulante Assistenz in der eigenen Häuslichkeit bis zu externen Wohneinheiten sowie Kleinstgruppen in Appartementform erstrecken. Der Schwerpunkt liegt auf Betreuungsangeboten für Menschen mit Multipler Sklerose und ähnlichen neurologischen Erkrankungen.
Weitere Unterstützungsangebote
Neben den genannten Wohnformen und Förderzentren gibt es weitere Unterstützungsangebote für Menschen mit psychischer Behinderung und Multipler Sklerose, wie beispielsweise:
- Tagesstrukturierende Angebote
- Beschäftigungsmöglichkeiten
- Freizeitgestaltung
- Förderung sozialer Kompetenzen
- Hilfen zur Gesundheitsfürsorge
- Kontakte zu Fachärzten
tags: #wohnen #mit #psychischer #behinderung #so #wie