Cordula Stratmann ist eine vielseitige Persönlichkeit, die sowohl als Komikerin als auch als Familientherapeutin tätig ist. Bekannt wurde Stratmann als eine der wenigen weiblichen Komikerinnen, die es früh im Fernsehen geschafft haben, auch dank ihrer Improvisationskunst in der Serie "Schillerstraße" und der Rolle als Annemie Hülchrath in "Zimmer frei!". Im Jahr 2023 war Stratmann in der Erfolgsserie "LOL" zu sehen. Nun hat sie ihr Buch "Wo war ich stehen geblieben?" veröffentlicht.
Die Doppelrolle: Komikerin und Therapeutin
Cordula Stratmann vereint zwei scheinbar unterschiedliche Berufe: den der Komikerin und den der Familientherapeutin. In ihrer hellen Praxis im Süden von Köln empfängt sie regelmäßig Menschen, vor allem Mütter, Väter oder Paare, die ihr von familiären Problemen berichten.
Auf die Frage, was der Beruf der Therapeutin mit dem der Komikerin gemeinsam hat, antwortet Stratmann: "Für mich ist das eins. Beides gehört zu mir. Ohne Humor ist für mich kein gesundes Leben möglich." Auch während ihrer Zeit als Komikerin hielt sie Kontakt zu ihren Therapeuten-Kollegen und begleitete einzelne Prozesse, wenn sie darum gebeten wurde.
Humor als Rettungsanker
Schon früh verstand Stratmann die Beziehungsdynamik ihrer Eltern und wusste immer, wie es jedem in ihrer Familie geht, weil sie sie beobachtete. "Dabei hat mich der Humor oft gerettet", sagt sie. In ihrer Familie, die von den Erfahrungen des Krieges geprägt war, sammelte sie unterhaltsame Beobachtungen, kleine Dinge oder Angewohnheiten von Menschen, die sie amüsierten. "Dadurch fühlte ich mich weniger verloren und stattdessen verbunden mit der Welt."
Die Bedeutung von Unglück und Verantwortung
Stratmann betont, dass das Komische das Normale ist. Es sei normal, sich in einer Familie auch mal einsam, missverstanden und unzufrieden zu fühlen. "Wir versuchen ständig, einen Glückszustand herzustellen, das halte ich für falsch. Manches Unglückliche muss man selbst verändern, häufig muss man aber Unglück ins Leben integrieren."
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Eine wichtige Erkenntnis, die sie in all den Jahren als Familientherapeutin gewonnen hat, ist, dass die Menschen das Glück von Verantwortung unterschätzen. "Wer für sein eigenes Handeln und sein Leben die Verantwortung übernimmt, befreit sich aus der Opferhaltung und hört auf, die anderen zu Tätern zu machen." Sie selbst habe lernen müssen, dass sie selbst verantwortlich für ihr Leben ist und dass Verantwortung etwas Gutes ist. "Es bedeutet, dass wir nicht Opfer sind, sondern unser Sein gestalten, jeder an seinem Platz."
Selbstfürsorge und der Blick über den Tellerrand
Um sich etwas Gutes zu tun, nimmt sich Stratmann Zeit für sich, indem sie sich nicht so ernst nimmt oder mal etwas anderes ins Auge fasst als sich. "Es geht darum, nicht immer Ich-fixierter zu werden." Sie habe mal gesagt, dass sie froh sei, mit 42 noch einen Sohn bekommen zu haben, sonst wäre sie "ein um sich selbst kreisendes Arschloch" geworden. Sie räumt ein, dass wir alle fehlerhaft sind und dass dies Teil unseres Daseins ist.
Mit ihrem Temperament und ihrer Meinungsstärke möchte sie bewusst umgehen. "Herummeinen ist in meinen Augen eher ein reflexhafter Ordnungsversuch."
Cordula Stratmann über Gesundheit im Alltag
Im Interview mit der "Apotheken Umschau" spricht Cordula Stratmann über Gesundheitsfallen im Alltag und wie man mit ihnen umgehen kann. Sie selbst bezeichnet sich scherzhaft als Hypochonderin, betont aber, dass sie zu faul für eine umfassende Selbstbeobachtung sei.
Aktuell leidet sie unter allergischem Geschehen und hofft, dass Antihistamine ausreichen, um eine Desensibilisierung zu vermeiden. "Als ich mich damit beschäftigt habe, wurde mir klar, was das für ein Aufwand ist: Man muss sich ständig belauern, alles bei Google eingeben. Das ist mir zu viel Selbstbeobachtung."
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In ihrem neuen Buch stellt sie scherzhaft eine Triggerwarnung voran, da es zunehmend zarte Seelen gebe, denen man sagen müsse: "Vorsicht vor Zugluft, bevor du die nächste Seite umblätterst!" Sie selbst komme aus einer Zeit, in der die Welt noch nicht so überfordernd unübersichtlich auf uns eingestürmt sei.
Die Auswirkungen der Pandemie
In ihrer Praxis nimmt Stratmann die Auswirkungen der Pandemie wahr: "An manifestierten Störungen, Ratlosigkeiten. Kinder und Jugendliche haben drei Jahre in erwachsene Gesichter geguckt und sahen Selbstmitleid. Das nehme ich der Erwachsenenwelt sehr übel." Sie kritisiert, dass Kinder und Jugendliche permanent keinen Stress machen sollen, aber wenn sie uns brauchen, gucken wir doof. "Jeder, der sich beruflich oder privat für Kinder entschieden hat, muss wissen: Ich übernehme eine Mammutaufgabe."
Sie betont, dass in der Pandemie plötzlich ganz viel Geld da war, um zu retten. "Wir lernen also: Geldausgeben ist eine Entscheidung. Warum sind dann Alleinerziehende so belastet, warum steigt Kinderarmut in unserem reichen Deutschland?"
Die Bedeutung von Humor und Großzügigkeit
Trotz aller Widrigkeiten betont Stratmann die Bedeutung von Humor und Großzügigkeit: "Wir brauchen den so dringend wie Wasser. Ohne Heiterkeit kriegen wir dieses Leben nicht gelebt. Und ohne Großzügigkeit auch nicht." Auch wenn die Welt gerade unlustig erscheint, dürfen wir das nicht zulassen. "Es lohnt schon, sich umzugucken: Da sind meine Freundin, mein Bruder, meine Kollegin - wer auch immer. All die guten Leute, die gestern auch schon da waren. Und dann hochrechnen: Von uns gibt’s noch mehr! Das kann doch erfreuen."
Cordula Stratmanns Ratschläge für ein erfülltes Leben
- Verantwortung übernehmen: Wer für sein eigenes Handeln und sein Leben die Verantwortung übernimmt, befreit sich aus der Opferhaltung.
- Unglück integrieren: Manches Unglückliche muss man selbst verändern, häufig muss man aber Unglück ins Leben integrieren.
- Sich nicht zu ernst nehmen: Sich selbst nicht immer im Fokus haben und den Blick über den Tellerrand wagen.
- Humor bewahren: Humor ist wichtig, um das Leben zu meistern.
- Großzügig sein: Menschen brauchen einander, und wir machen einen Fehler, wenn wir ständig Gegnerschaften aufbauen.
- Die guten Leute sehen: Es lohnt sich, sich umzusehen und die positiven Aspekte im Leben zu erkennen.
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