CRP-Wert bei Meningitis: Bedeutung, Diagnostik und klinische Relevanz

Einführung

Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein Akute-Phase-Protein, das bei Entzündungen im Körper eine wichtige Rolle spielt. Bei Verdacht auf Meningitis, einer Entzündung der Hirnhäute, ist die Bestimmung des CRP-Werts ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung des CRP-Werts bei Meningitis, seine diagnostische Aussagekraft und seine klinische Relevanz.

Was ist CRP?

CRP ist ein Plasmaprotein, das in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben wird. Es gehört zur Gruppe der Akute-Phase-Proteine, zu denen auch Ferritin, Fibrinogen, Haptoglobin oder Caeruloplasmin gehören. Im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen steigt seine Konzentration im Blut an. Bakterielle Infektionen stellen den stärksten Stimulus für die Akute-Phase-Reaktion dar.

Struktur und Funktion von CRP

Als C-reaktives Protein (CRP) wird ein Protein bezeichnet, das aus fünf identischen, nichtglykosylierten Untereinheiten mit jeweils einer Polypeptidkette aus 206 Aminosäureresten besteht und ein Molekulargewicht von 23.017 Dalton aufweist. Aufgrund seiner charakteristischen Struktur gehört es zur Familie der Pentraxine. CRP besteht aus kalziumbindenden Proteinen mit Immunabwehreigenschaften und gehört somit zum Immunsystem. Als Opsonin-Protein kann es das Komplementsystem aktivieren. Die Expression des CRP in der Leber wird am stärksten durch Interleukin‑6 (IL-6) angeregt.

CRP bindet an Phosphocholin, welches sich an der Oberfläche von toten oder absterbenden Zellen (und einigen Arten von Bakterien) findet. Das gebundene CRP aktiviert das Komplementsystem, bindet an Fresszellen und setzt so humorale und zelluläre Effektormechanismen des unspezifischen Immunsystems in Gang. Mit diesem Mechanismus bindet sich CRP auch an ischämische/hypoxische Zellen, so dass sich Zellen ohne CRP-Befall mit mehr Zeit regenerieren könnten.

Messung von CRP

Die Turbidimetrie hat sich als Methode der Wahl zur Bestimmung der CRP-Konzentration etabliert. Dabei agglutiniert humanes CRP mit Latexpartikeln, die mit Anti-CRP-Antikörpern beschichtet sind. Die Aggregate werden turbidimetrisch bestimmt. Ein Beispiel für ein verwendetes Gerät ist das vollautomatische Analysensystem Cobas 8000 c502-Modul.

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Es ist wichtig zu beachten, dass Bilirubinwerte über 5 mg/dl im CRP-Konzentrationsbereich über 10 mg/l zu hohe Werte vortäuschen können. Hämolytische Seren täuschen falsch-niedrige und ikterische falsch-hohe Werte vor.

CRP bei Meningitis

Meningitis ist eine meist durch Bakterien oder Viren ausgelöste Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Leitsymptome sind Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Bewusstseinseintrübung und Fieber. Jede bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der schnellstmöglich intensivmedizinisch behandelt werden muss.

Bakterielle vs. virale Meningitis

Bei bakteriellen Entzündungen steigt die Konzentration des CRP innerhalb von Stunden stark an. Bei Virusinfektionen hingegen verändert sich die CRP-Konzentration sehr langsam. Der steile und rasche Anstieg der CRP-Konzentration bei bakteriellen Entzündungen prädestiniert den Parameter als Suchtest und Verlaufskontrolltest.

Diagnostische Bedeutung von CRP bei Meningitis

Das CRP als Akute-Phase-Parameter hat eine fundamentale Bedeutung in der Diagnostik von Infektionen. Die CRP-Konzentration steigt vor der Leukozytenzahl und Fieber an und ist der wichtigste akute Entzündungsparameter bei Verdacht auf Appendizitis, Cholezystitis, Harnweginfektionen sowie Atemwegsinfekt. Die CRP-Konzentration normalisiert sich nach dem Abklingen der Infektion schneller als andere Laborparameter, aber dennoch ist er im Blut länger nachzuweisen.

Für die Diagnostik empfiehlt sich ein klinisches Bild, die CRP-Bestimmung und ein Differenzialblutbild. Im Blut finden sich entzündungstypische Veränderungen wie erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Leukozytenanzahl, C-reaktives Protein, Procalcitonin und Interleukin-6. Bei bakterieller Meningitis sind eine Leukozytose mit Neutrophilie und Linksverschiebung sowie erhöhte CRP- und Procalcitoninkonzentrationen zu erwarten.

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Liquor-CRP bei Meningitis

Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein etablierter systemischer Entzündungsmarker bakterieller Infektionen. Frühere Untersuchungen zeigten, dass CRP auch im Liquor detektierbar ist und potenziell zur Unterscheidung zwischen bakteriellen und viralen ZNS-Infektionen beiträgt.

Eine multizentrische Studie der Universität Amsterdam validierte die Liquor-CRP-Bestimmung prospektiv und prüfte deren Umsetzbarkeit im klinischen Alltag. Die Liquor-CRP-Werte wurden mittels standardisiertem quantitativem Assay gemessen. Der diagnostische Cut-off lag bei 0,3 mg/L.

Die Liquor-CRP-Bestimmung zeigte in allen Kohorten eine hohe diagnostische Genauigkeit. Besonders bei niedriger Leukozytenzahl im Liquor (< 1.000/mm³) zeigte sich ein diagnostischer Zusatznutzen. Die Kombination aus CRP- und Leukozytenbestimmung erhöhte die diagnostische Aussagekraft signifikant.

Die Liquor-CRP-Messung ließ sich problemlos in bestehende Laborroutinen integrieren, insbesondere dort, wo bereits Blut-CRP bestimmt wird. Der Test ist mit rund 5 € pro Analyse kostengünstig und liefert Ergebnisse innerhalb von 30-60 Minuten - ein deutlicher Vorteil in der Akutdiagnostik.

Es ist jedoch Vorsicht bei Liquor mit Blutkontamination geboten, da eine Kontamination des Liquors mit Blut zu falsch-positiven CRP-Werten führen kann, da systemisches CRP in die Probe gelangt. Die Bewertung solcher Befunde erfordert besondere Sorgfalt.

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Die Studienergebnisse unterstreichen das Potenzial von CRP im Liquor als validem, rasch verfügbarem Biomarker zur Unterstützung der Diagnostik der bakteriellen Meningitis. Besonders in Fällen mit Leukozytenzahlen unter dem Cut-off kann CRP eine wertvolle Entscheidungshilfe darstellen.

Differenzialdiagnostik

Auch ohne klinische Symptomatik müssen erhöhte CRP-Konzentrationen immer abgeklärt werden. Grundsätzlich folgt die CRP-Konzentration im Plasma der Krankheitsaktivität mit einer Verzögerung von 12 bis 24 h.

Es ist wichtig zu beachten, dass erhöhte CRP-Werte nicht spezifisch für Meningitis sind. Sie können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, wie z. B.:

  • Andere Infektionen: Appendizitis, Cholezystitis, Harnweginfektionen, Atemwegsinfektionen, Pneumonie
  • Ischämische Ereignisse: Herzinfarkt, Schlaganfall
  • Chronisch-entzündliche Erkrankungen: Rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis, Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
  • Tumoren: Lymphom, Sarkom
  • Gicht

Interpretation des CRP-Werts

Die CRP-Konzentration bei gesunden Menschen liegt bei Werten bis 5 mg/l (0,5 mg/dl) im Blut vor. Der Referenzwert kann durch Einflüsse, wie Patientenpopulation, Medikamente, Analysemethode und -geräte, beeinflusst werden, weshalb prinzipiell jedes Labor eigene Referenzwerte angibt. CRP-Konzentrationen bis und über 100 mg/l kommen bei schweren Infektionen vor.

CRP-Wert bei bakterieller Meningitis

Bei bakteriellen Infektionen ist der CRP-Wert oft viel zu hoch, da er durch die Bindung von CRP an Mikroorganismen resultiert.

CRP-Wert bei viraler Meningitis

Eine virale Meningitis ist 3‑ bis 4‑mal so häufig wie die akute bakterielle Meningitis, verläuft allerdings in der Regel viel milder und entwickelt sich nicht so schnell.

Therapie

Für die Therapie der bakteriellen Meningitis sollte eine Antibiotikatherapie und sofortige Krankenhauseinweisung eingeleitet werden. Die antibiotische Therapie der bakteriellen Meningitis wird von den epidemiologischen Gegebenheiten, insbesondere dem Alter des Patienten, den zugrunde liegenden Vorerkrankungen und der regionalen Resistenzsituation der jeweiligen Erreger bestimmt.

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