Einführung
In einer alternden Gesellschaft rückt die Prävention von Demenzerkrankungen wie Alzheimer immer stärker in den Fokus. Neben körperlicher Aktivität und sozialer Interaktion gewinnt das Erlernen von Fremdsprachen zunehmend an Bedeutung als wirksame Maßnahme zur Förderung der kognitiven Gesundheit und zur Verzögerung des Ausbruchs von Demenz. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen positiven Auswirkungen des Fremdsprachenlernens auf das Gehirn und die potenziellen Vorteile für die Alzheimer-Prävention.
Die positiven Auswirkungen des Fremdsprachenlernens auf das Gehirn
Multitasking-Fähigkeiten und Konzentration
Das Beherrschen mehrerer Sprachen schult die Fähigkeit, sich auf relevante Informationen zu konzentrieren und irrelevante Informationen auszublenden. Der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Sprachen trainiert das Gehirn, flexibler zu werden und Prioritäten zu setzen. Dies führt zu einer verbesserten Konzentrationsfähigkeit und Multitasking-Kompetenz. Bilingualität bedeutet, dass das Gehirn vom Training profitiert und mentale Herausforderungen leichter meistern kann.
Zunahme der grauen Zellen
Studien haben gezeigt, dass die Gehirne von mehrsprachigen Menschen eine größere Anzahl grauer Zellen aufweisen. Die graue Substanz des Gehirns enthält zahlreiche Fasern und Zellen, die für die Informationsverarbeitung zuständig sind. Eine Zunahme der grauen Zellen deutet auf eine gesteigerte Gehirnaktivität und eine verbesserte kognitive Leistungsfähigkeit hin. Das Auswählen des richtigen Begriffs mit der korrekten Bedeutung in der richtigen Sprache ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die das Gehirn trainiert und stärkt.
Kognitive Reserve und verzögerte Alterung
Mehrsprachigkeit stärkt die sogenannte kognitive Reserve, die die Fähigkeit des Gehirns beschreibt, Schädigungen und Einbußen durch Alterungsprozesse auszugleichen. Eine neue internationale Studie mit über 86.000 Erwachsenen ergab, dass Menschen, die mindestens eine Fremdsprache sprechen, ein um 43 Prozent geringeres Risiko haben, schneller zu altern. Bei Beherrschung von zwei Fremdsprachen sinkt das Risiko um 49 Prozent und bei drei oder mehr Fremdsprachen sogar um 56 Prozent. Jede zusätzliche beherrschte Sprache scheint die Anforderungen an das Gehirn zu erhöhen, was langfristig die kognitive Reserve stärkt.
Schutz vor Demenz und Alzheimer
Forscher haben herausgefunden, dass das Erlernen und regelmäßige Sprechen einer anderen Sprache die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, reduzieren und den Ausbruch von Demenz um mehrere Jahre verzögern kann. Mehrsprachigkeit kann das Gehirn fit halten und das Risiko für altersbedingte Erkrankungen wie Demenz senken. Das Forschungsteam kam mithilfe der „biobehavioralen Altersuhren“ zu ihren Ergebnissen. Dabei handelt es sich um ein computergestütztes Modell, das die Abweichung zwischen dem tatsächlichen Alter einer Person und ihrem biologischen Alter berechnet - und zwar basierend auf Faktoren, die Alterungsprozesse beeinflussen können.
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Fremdsprachenlernen in jedem Alter
Das Alter spielt keine Rolle
Entgegen der landläufigen Meinung ist das Gehirn auch im höheren Alter noch in der Lage, Sprachen zu lernen. Motivierte Erwachsene, die ausreichend Zeit investieren, können eine Sprache nicht nur in der gleichen Geschwindigkeit lernen wie jüngere Menschen, sondern auch ihr Gehirn wird besser, schneller und stärker werden. Es ist nie zu spät, eine neue Sprache zu lernen und aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
Späteres Lernen vs. frühe Zweisprachigkeit
Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob das frühe Erlernen einer zweiten Sprache einen größeren präventiven Effekt hat als das spätere Erlernen. Einige Forscher gehen davon aus, dass der beste Schutz vor Demenz besteht, wenn man bereits zweisprachig aufgewachsen ist und beide Sprachen im Alltag aktiv nutzt. Andere vertreten die Meinung, dass der Zeitpunkt des Erlernens keine Rolle spielt und man die zweite Sprache auch nicht täglich sprechen muss. Unabhängig vom Zeitpunkt des Erlernens profitiert das Gehirn in jedem Fall von den positiven Auswirkungen des Fremdsprachenlernens.
Mechanismen der präventiven Wirkung
Erhöhte Anzahl von Verknüpfungen im Gehirn
Es wird angenommen, dass das Gehirn bei mehrsprachigen Menschen eine größere Anzahl von Verknüpfungen erstellt hat. Dies führt zu einer Art Reserve, die es dem Gehirn ermöglicht, dem Abbau von Verknüpfungen im Rahmen einer Demenzerkrankung länger zu widerstehen.
Ständige Aktivität des Gehirns
Das Gehirn von mehrsprachigen Menschen ist permanent aktiver, da es im Alltag ständig zwischen verschiedenen Begriffen in unterschiedlichen Sprachen wählen muss. Diese ständige Aktivität trägt zur Aufrechterhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei.
Weitere Faktoren zur Demenzprävention
Ganzheitlicher Ansatz
Neben dem Fremdsprachenlernen ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Demenzprävention wichtig, der folgende Aspekte umfasst:
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- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und unterstützt die Bildung neuer Nervenzellen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und wenig gesättigten Fettsäuren schützt das Gehirn vor Schäden.
- Soziale Kontakte: Der Austausch mit anderen Menschen stimuliert das Gehirn und beugt Einsamkeit vor, die ein Risikofaktor für Demenz ist.
- Geistige Stimulation: Neben dem Fremdsprachenlernen können auch andere geistig anregende Aktivitäten wie Lesen, Musizieren oder das Spielen von Brettspielen die kognitive Reserve stärken.
Mikroabenteuer im Alltag
Kleine Abwechslungen im Alltag, sogenannte Mikroabenteuer, können ebenfalls dazu beitragen, das Gehirn zu trainieren. Dazu gehören beispielsweise neue Routen beim Spazierengehen, das Ausprobieren neuer Rezepte oder der Besuch unbekannter Orte in der Umgebung.
Integration von Fremdsprachenlernen in Bildungs- und Gesundheitsprogramme
Die Forschenden betonen, dass Mehrsprachigkeit ein wichtiger Schutzfaktor sein kann - ähnlich wie körperliche Aktivität oder gesunde Ernährung. Sie empfehlen daher, das Erlernen neuer Sprachen stärker in Bildungs- und Gesundheitsprogramme zu integrieren.
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