Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die Millionen Menschen weltweit betrifft. Während die konventionelle Medizin wichtige Behandlungsansätze bietet, rückt die Naturheilkunde zunehmend als ergänzende Therapieform in den Fokus. Insbesondere Curcumin, der Hauptwirkstoff der Kurkumawurzel, wird auf seine potenziellen positiven Effekte bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson untersucht.
Was ist Curcumin?
Curcumin ist der wichtigste bioaktive Bestandteil der Kurkumawurzel (Curcuma longa), die zur Familie der Ingwergewächse gehört. Es ist ein pflanzlicher Aromastoff und verleiht der Pflanze ihre leuchtend gelbe Farbe. Kurkuma wird vor allem in Indien, China und anderen ostasiatischen Ländern angebaut und dort auch als natürliche Medizin eingesetzt. Curcumin ist ein fettlösliches Polyphenol, das für seine antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt ist.
Wie wirkt Curcumin?
Curcumin greift auf mehreren Ebenen in entzündliche Prozesse ein. Es hemmt Botenstoffe wie den sogenannten NF-κB-Signalweg, der Entzündungen im Körper anregt. Dadurch werden schädliche Entzündungsreaktionen abgemildert, ohne die Abwehrkräfte zu schwächen. Außerdem neutralisiert Curcumin freie Radikale, die für Zellschäden und Alterungsprozesse verantwortlich sind. In der Forschung zeigt sich, dass Curcumin die Durchblutung verbessern, den Stoffwechsel günstig beeinflussen und das Nervensystem vor oxidativem Stress schützen kann.
Die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Curcumin werden größtenteils durch die Steigerung oder Verringerung (der Genexpression und Aktivität) von Regulationsmolekülen verursacht. Dazu zählen Transkriptionsfaktoren (DNA-bindende Proteine, die die Gentranskription regulieren, darunter NF-kappa-B, Nrf2 und PPAR-gamma), proinflammatorische Zytokine (darunter TNF-alpha und verschiedene Interleukine), Enzyme (darunter die proinflammatorischen Enzyme COX-2, 5-LOX und iNOS), Wachstumsfaktoren und Adhäsionsmoleküle (Proteine, die zwei Strukturen/Moleküle binden, z. B. das vaskuläre Zelladhäsionsmolekül 1 (VCAM-1), das Immunzellen an das Gefäßendothel binden). Curcumin wirkt auf mehr als 100 verschiedene Regulations- oder Signalmoleküle.
Curcumin besitzt eine pleiotrope Aktivität: Über mehrere Wirkmechanismen wird eine bestimmte gesundheitliche (z. B. entzündungshemmende oder neuroprotektive) Wirkung erzielt.
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Antioxidative Wirkung
Curcumin ist ein starkes Antioxidans und wirksamer Fänger freier Radikale. Es hemmt die Bildung freier Radikale und schützt biologische Strukturen wie Lipide, Proteine und DNA vor oxidativen Schäden. Oxidativer Stress beschleunigt den Alterungsprozess und erhöht das Risiko für altersbedingte degenerative Erkrankungen wie Krebs, Diabetes mellitus, neurodegenerative Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Aktivierung von Nrf2
Eine wichtige Wirkung von Curcumin ist die Hochregulation (Erhöhung der Aktivität und/oder Menge) des Transkriptionsfaktors Nrf2 (nuclear factor erythroid 2 related factor 2), der als Reaktion auf oxidativen Stress und andere endogene und exogene Stressoren endogene induzierbare Abwehrsysteme aktiviert. Nrf2 aktiviert das antioxidative System (einschließlich der Erhöhung der Synthese von Glutathion und antioxidativ wirkenden Enzymen), hemmt Entzündungen (unter anderem durch die Niederregulation von NF-kappa-B und die Erhöhung des entzündungshemmenden IL-10) und aktiviert Phase-II-Detoxifikationsenzyme.
Hochregulation von HO-1
Durch die Nrf2-Aktivierung bewirkt Curcumin eine starke Hochregulation des induzierbaren Stressproteins HO-1 (Häm-Oxygenase-1), das außer für den Abbau von Häm auch für den Zellschutz, die Reduzierung von oxidativem Stress, die Immunmodulation und die Entzündungshemmung wichtig ist. HO-1 spielt eine zentrale Rolle bei der Beendigung einer akuten Entzündung (Auflösungsphase), damit diese nicht in eine chronische (niedriggradige) Entzündung übergeht.
PPAR-gamma-Agonist
Curcumin ist ein PPAR-gamma-Agonist. Die Hochregulation des Transkriptionsfaktors PPAR-gamma (Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor-gamma) und die gesteigerte Expression von PPAR-gamma-Rezeptoren durch Curcumin führt zu signifikanten entzündungshemmenden Wirkungen - unter anderem durch die Niederregulation von NF-kappa-B.
Curcumin und Parkinson
Mehrere präklinische Studien deuten auf eine neuroprotektive Wirkung von Curcumin bei der Parkinsonschen Krankheit hin. Curcumin schützt vor den endogenen Neurotoxinen Salsolinol und alpha-Synuclein (die bei der Pathogenese von Parkinson eine Rolle spielen) und schützt vor dopaminerger Neurodegeneration, indem es eine mitochondriale Dysfunktion verhindert. Die mitochondriale Dysfunktion wird durch die Hemmung der Überexpression von JNK (c-Jun-N-terminale Kinasen), die zu den MAP-Kinasen zählen, verhindert.
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Die Arbeitsgruppe um B. Ahmad, Michigan State University/ USA, konnte nachweisen, dass Verklumpungen von sogenannten -Synuclein-Proteinen im Gehirn, der Vorstufe zur Auslösung von Morbus Parkinson, durch Curcumin verhindert werden kann. Diese Proteinverklumpungen lagern sich in den Gehirnzellen ab. Dabei werden Nervenverbindungen unterbrochen, Nervenzellen degenerieren.
Curcumin in der Forschung
An der Johns Hopkins University School of Medicine wird untersucht, ob Curcumin diese degenerativen Prozesse verhindern kann. Ein Zellmodell wurde verwendet, um das Protein Alpha-Synuclein oder A53T herzustellen. Dieses Molekül lagert sich in den Zellen ab und verursacht schädliche biochemische Veränderungen. Die Studie zeigte, dass nur 19 % der mit Curcumin behandelten Zellen abstarben, verglichen mit 50 % der unbehandelten Zellen. Die Schlussfolgerung war, dass Curcumin ein Wirkstoff ist, der dank seiner antioxidativen Wirkung oxidative Schäden hemmen und kontrollieren kann.
Immunzellen und Curcumin
Einem Regensburger Forschungsteam um Prof. Dr. Thomas Langmann ist ein großer Schritt in Richtung einer natürlichen Therapie gelungen. Auf der Suche nach immun-regulierenden Stoffen aus natürlichen Quellen, stießen der Biologe Marcus Karlstetter und die Doktorandin Elena Lippe, aus dem Institut für Humangenetik, auf eine sehr potente immun-dämpfende Substanz, die chronisch aktivierte Mikrogliazellen reguliert. Bei der Substanz handelt es sich um den pflanzlichen Aromastoff Curcumin. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Curcumin entzündlich aktivierte Mikrogliazellen praktisch ruhig stellt. In den Zellen werden dabei bis zu 50 verschiedene Gene angesteuert, um die Sekretion von neurotoxischen Substanzen zu hemmen und die Migration der Zellen stark zu vermindern. Dies hat direkte neuroprotektive Auswirkungen.
Bioverfügbarkeit von Curcumin
Hinderlich für therapeutische Anwendungen sind die geringe Absorption von Curcumin nach oraler Einnahme, die kurze Halbwertszeit und die geringe Verteilung in den Körpergeweben. Um die Bioverfügbarkeit zu verbessern, gibt es verschiedene Formulierungen:
- Piperin: Die Kombination mit Piperin (aus schwarzem Pfeffer) kann die Aufnahme von Curcumin leicht steigern.
- Mizellen: Mizellen sind Partikel, die Inhaltsstoffe in ihrem Inneren einschließen können. Die Mizellentechnologie scheint die Bioverfügbarkeit tatsächlich zu erhöhen.
- Liposomen: Bei der liposomalen Technologie wird das Curcumin in einer Hülle verpackt, die dem Aufbau der Zellmembran stark ähnelt.
- SLCP (Solid Lipid Curcumin Particles): Untersuchungen am Menschen haben gezeigt, dass diese (Lipid-)Form von ungebundenem Curcumin bis zu 65-mal besser absorbierbar und bis zu 285-mal besser bioverfügbar ist als normales Curcumin, so dass eine viel niedrigere Dosierung möglich ist.
Einnahme und Dosierung
Curcumin wird meist in Kapselform eingenommen. Je nach Präparat beträgt die übliche Dosis zwischen 500 und 1000 mg täglich, in speziellen Therapiekonzepten auch mehr. Wichtig ist, die Kapseln zu einer Mahlzeit einzunehmen - am besten mit etwas Fett, da Curcumin fettlöslich ist und so besser aufgenommen wird. Eine regelmäßige Einnahme über mehrere Wochen oder Monate ist erforderlich, da der Wirkstoff schnell abgebaut wird.
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Empfehlungen
- Ich bin ganz klar für flüssiges Curcumin, das auch am verträglichsten ist und in liposomaler Form gut aufgenommen werden kann.
- Wählen Sie ein hochwertiges Produkt mit verbesserter Bioverfügbarkeit (z.B. Meriva®, Curcuma Plus®, Curcumin C3 Complex®, Theracurmin® und BCM-95® oder SLCP).
- Besprechen Sie die Einnahme von Curcumin mit Ihrem Arzt, insbesondere wenn Sie andere Medikamente einnehmen.
Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Curcumin ist in der Regel sehr gut verträglich. Gelegentlich kann es zu leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit oder weichem Stuhl kommen. Sehr selten treten Kopfschmerzen oder allergische Reaktionen auf. Bei Patientinnen und Patienten mit Gallensteinen oder Gallengangsproblemen kann Curcumin Beschwerden verstärken, weil es die Gallensaftbildung anregt.
Wer sollte Curcumin nicht einnehmen?
- Wenn Sie allergisch auf Kurkuma oder Bestandteile des Präparats reagieren, sollten Sie Curcumin meiden.
- Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Curcumin nur nach Rücksprache mit Ihrer behandelnden Ärztin eingenommen werden.
- Bei bestehenden Gallenwegserkrankungen oder Blutgerinnungsstörungen ist besondere Vorsicht geboten.
Wechselwirkungen
Curcumin kann die Wirkung von Antikoagulanzien (z. B. Warfarin, Aspirin) verstärken und damit die Blutgerinnung beeinflussen. Auch bei gleichzeitiger Chemotherapie sind mögliche Wechselwirkungen zu beachten. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, informieren Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie Curcumin einnehmen.