Zusammenhang zwischen Zystitis, Parkinson und Miktionsstörungen

Miktionsbeschwerden sind ein weit verbreitetes Problem, das Männer und Frauen gleichermaßen betrifft und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Sie können sich in verschiedenen Formen äußern, wie z.B. häufigen Toilettengängen mit geringer Urinmenge (Pollakisurie), nächtlichem Wasserlassen (Nykturie), Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie), erschwerter oder schmerzhafter Miktion (Dysurie) oder einem schwachen Harnstrahl. In manchen Fällen können Betroffene ihre Blase nicht mehr vollständig entleeren, was zur Restharnbildung führt.

Ursachen von Miktionsbeschwerden

Die Ursachen für Miktionsbeschwerden sind vielfältig und können sowohl mechanische als auch neurologische Ursachen haben.

  • Mechanische Ursachen: Eine häufige Ursache bei Männern ist die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH), bei der die Prostata die Harnröhre einengt und den Urinabfluss behindert. Auch Blasensteine können den Blasenauslass oder die Harnröhre blockieren.
  • Infektiöse Ursachen: Schmerzen beim Wasserlassen sind meist infektiös bedingt, wobei entzündete Schleimhäute in der Harnröhre und/oder Blase auf den Kontakt mit Urin mit Schmerzen reagieren. Auslöser sind in den meisten Fällen Escherichia-coli-Bakterien.
  • Neurologische Ursachen: Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose können die Nervenübertragung stören und zu einer neurogenen Blasenfunktionsstörung führen. Dabei ist die Koordination zwischen der Kontraktion der Blase und der Entspannung des Schließmuskels gestört.
  • Interstitielle Zystitis (IC): Eine chronische Entzündung der tieferen Blasenwandschichten, bei der keine Erreger nachweisbar sind. Kennzeichnend sind stechende Unterleibsschmerzen und sehr häufiger Harndrang.
  • Überaktive Blase (OAB): Ein Ungleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Reizen, die auf die Blasenwand und den Blasenausgang einwirken, kann zu einer überaktiven Blase führen, die sich durch häufigen, plötzlichen und kaum beherrschbaren Harndrang, Pollakisurie und Nykturie äußert.
  • Beckenbodeninsuffizienz: Bei Frauen kann eine Schwächung des Beckenbodens, z.B. durch Estrogenmangel nach der Menopause oder nach Schwangerschaften und Geburten, zu einer Senkung von Harnblase, Gebärmutter oder Scheide führen und die Funktion des Blasenverschlusses beeinträchtigen.

Zusammenhang zwischen Parkinson und Miktionsbeschwerden

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch das Absterben von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu den typischen motorischen Symptomen wie Zittern, Steifigkeit, Bewegungsverlangsamung und Gleichgewichtsstörungen. Neben diesen motorischen Symptomen gibt es jedoch auch eine Vielzahl nicht-motorischer Symptome, die häufig übersehen werden, aber wesentlich zur Beeinträchtigung der Lebensqualität betroffener Personen beitragen. Inkontinenz ist eines dieser nicht-motorischen Symptome.

Neurologische Ursache

Die Parkinson-Krankheit beeinflusst das autonome Nervensystem, das für die Steuerung vieler unwillkürlicher Körperfunktionen verantwortlich ist, einschließlich der Kontrolle der Blase. Eine gestörte Kommunikation zwischen dem Gehirn und der Blase kann dazu führen, dass die Fähigkeit zur Regulierung der Blasenentleerung gestört ist. Dysfunktionelle Nervenimpulse können eine überaktive Blase verursachen, die häufiges Wasserlassen (Pollakisurie), starken Harndrang (Dranginkontinenz) und unfreiwilligen Harnverlust zur Folge hat.

Medikamentennebenwirkungen

Die zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzten Medikamente, insbesondere Anticholinergika, können Auswirkungen auf die Blasenkontrolle haben. Diese Medikamente wirken auf das Nervensystem und können sowohl eine Überaktivität der Blase verstärken als auch eine Blasenentleerungsstörung verursachen. Unter der Anwendung von Cabidopa/Levodopa wurden Fälle von schwerwiegenden Harnwegsinfektionen gemeldet. Eine retrospektive Beobachtungsstudie aus Deutschland soll zudem ein signifikant erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen bei Carbidopa/Levodopa im Vergleich zu Benserazid/Levodopa ergeben haben.

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Motorische Einschränkungen

Die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit, wie Bradykinesie und Rigor, können die Bewegung erschweren und den Gang verlangsamen. Dies kann dazu führen, dass betroffene Personen Schwierigkeiten haben, rechtzeitig zur Toilette zu gelangen, was ebenfalls zu Inkontinenzproblemen beitragen kann.

Zwanghafte Bewegungsmuster

Bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit kommt es häufig zu periodischen Bewegungsstörungen oder Zwangsmustern, die das rechtzeitige Erreichen der Toilette erschweren können. Diese können die Inkontinenzproblematik weiter verschärfen.

Diagnose von Miktionsbeschwerden

Die Diagnose von Miktionsbeschwerden umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und verschiedene spezielle Untersuchungen.

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Art und Dauer der Beschwerden, die Häufigkeit des Wasserlassens, das Trinkverhalten, die Medikamenteneinnahme und eventuelle Vorerkrankungen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Bauchraum, die Genitalien und bei Männern die Prostata.
  • Urinuntersuchung: Eine Urinprobe wird auf Bakterien, Blut und andere Auffälligkeiten untersucht.
  • Ultraschalluntersuchung: Eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und der Blase kann Aufschluss über die Größe und Form der Organe sowie über eventuelle Restharnbildung geben.
  • Urodynamische Untersuchung: Diese Untersuchung misst die Druckverhältnisse in der Blase und der Harnröhre während des Füllens und Entleerens der Blase. Sie kann helfen, die Ursache der Miktionsbeschwerden zu identifizieren.
  • Zystoskopie: Bei dieser Untersuchung wird eine kleine Kamera in die Blase eingeführt, um die Blasenschleimhaut zu begutachten und eventuelle Veränderungen festzustellen.

Behandlung von Miktionsbeschwerden

Die Behandlung von Miktionsbeschwerden richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

  • Behandlung der BPH: Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung können Medikamente wie Alphablocker oder 5-alpha-Reduktase-Hemmer eingesetzt werden, um die Prostata zu verkleinern oder die Muskelspannung in der Prostata zu reduzieren. In manchen Fällen ist eine operative Verkleinerung der Prostata erforderlich.
  • Behandlung von Harnwegsinfektionen: Harnwegsinfektionen werden mit Antibiotika behandelt.
  • Behandlung der neurogenen Blasenfunktionsstörung: Bei einer neurogenen Blasenfunktionsstörung können Medikamente wie Anticholinergika eingesetzt werden, um die Blase zu beruhigen und den Harndrang zu reduzieren. In manchen Fällen ist eine intermittierende Katheterisierung erforderlich, um die Blase regelmäßig zu entleeren.
  • Behandlung der interstitiellen Zystitis: Die interstitielle Zystitis ist schwer zu behandeln. Mittel der Wahl ist das Natrium-Pentosanpolysulfat. Es ähnelt strukturell dem urothelialen Glukosaminoglykan und kann helfen, die protektive Blasenoberfläche wiederherzustellen.
  • Behandlung der überaktiven Blase: Eine überaktive Blase kann mit Medikamenten wie Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten behandelt werden. Auch Verhaltensänderungen wie Blasentraining und Beckenbodentraining können helfen.
  • Behandlung der Beckenbodeninsuffizienz: Eine Beckenbodeninsuffizienz kann mit Beckenbodentraining, Elektrostimulation oder in schweren Fällen mit einer Operation behandelt werden.

Bewältigungsstrategien und Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson-bedingter Inkontinenz

  • Medikamentöse Behandlung:Es gibt Medikamente, die gezielt gegen eine überaktive Blase wirken und den Harndrang vermindern. Allerdings ist Vorsicht geboten, da diese Medikamente Wechselwirkungen mit Parkinson-Medikationen haben können.
  • Physiotherapie und Blasentraining:Physiotherapie kann sowohl die motorischen Fähigkeiten als auch die Kontrolle über die Blase verbessern. Ganzheitliche Ansätze, die sowohl die motorischen als auch die nicht-motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit berücksichtigen, sind entscheidend für die Verbesserung der Lebensqualität.

Delir bei Parkinson-Patienten

Das Delir ist eine akute Verwirrtheitszustand, der häufig bei Parkinson-Patienten auftritt. Es ist gekennzeichnet durch Störungen der Aufmerksamkeit, des Bewusstseins und der Kognition. Das Delir kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, wie z.B. Infektionen, Medikamente, metabolische Störungen oder Operationen.

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Risikofaktoren für ein Delir bei Parkinson-Patienten

  • Höheres Lebensalter
  • Kognitive Störungen
  • Schwere der Parkinson-Erkrankung
  • Begleitende Erkrankungen
  • Medikamenteneinnahme

Prävention und Behandlung des Delirs bei Parkinson-Patienten

  • Nichtmedikamentöse Maßnahmen: Reorientierungsmaßnahmen, Einhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus, Mobilisierung, ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, ruhige Umgebung
  • Medikamentöse Maßnahmen: Behandlung der auslösenden Ursache, Reduktion oder Absetzen von prodelirogenen Medikamenten, in schweren Fällen симптоматична Behandlung mit Neuroleptika (Quetiapin oder Clozapin)

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