Schlaglöcher: Auswirkungen auf Anwohner und Lösungsansätze

Schlaglöcher sind ein allgegenwärtiges Problem auf vielen Straßen und haben erhebliche Auswirkungen auf Anwohner, Verkehrsteilnehmer und die kommunale Infrastruktur. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Schlaglöchern, ihre Auswirkungen auf Anwohner, die Gefahren für Verkehrsteilnehmer, die finanziellen Belastungen für Kommunen und mögliche Lösungsansätze.

Schlaglöcher als alltägliches Ärgernis und Gefahr

Mehrere Zentimeter tief lauern sie im Asphalt, tauchen manchmal innerhalb weniger Tage auf der Straße auf: Schlaglöcher sind nicht nur hässlich, sie können auch zu einer echten Gefahr für Auto- und vor allem Radfahrer werden. Die Waltroper Straße in Henrichenburg, nördlich der A2, ist ein Beispiel für eine Straße, die von Schlaglöchern übersät ist. Anwohner berichten von Löchern, die einen halben Meter breit und über zehn Zentimeter tief sind. Auch auf dem Altstadtring sind mehrere Schlaglöcher kurz hintereinander zu sehen. Die Schlaglöcher in der Verbindung zwischen Herner Straße und Altstadtring sind ziemlich markant und zahlreich. Über diese Schlaglöcher fahren auch die schweren Linienbusse der DSW21.

Walter von Hacht, ein Anwohner des Ochsenwerder Elbdeichs, fährt regelmäßig Brötchen aus. Seine Tour führt ihn über den Ochsenwerder Elbdeich, an dem er auch wohnt. "Der Zustand der Straße ist unmöglich", sagt der 76-Jährige, der Angst um seinen Lieferwagen hat. Denn zwischen den Hausnummern 145 und 219 weist die Straße zahlreiche tiefe Löcher auf.

Ursachen von Schlaglöchern

Schlaglöcher entstehen durch eine Kombination von Faktoren, wobei Wasser eine zentrale Rolle spielt. Egal, wie gut eine Straße auch asphaltiert ist, die Oberfläche ist irgendwann anfällig für Risse. Vor allem Wasser ist dann der größte Feind der Straßendecke, erklärt André Winkel. Selbst durch kleinste Risse dringt Flüssigkeit in die Tragschicht ein. Drunter bilden sich kleinste Wasserlinsen. Gefriert es, dehnt sich das Wasser aus und setzt dem Asphalt zu. Ein Kreislauf beginnt, der den Asphalt aufbricht und Schlaglöcher nach sich zieht, so der SÖR-Sprecher.

Weitere Ursachen sind:

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  • Starke Beanspruchung: Auf Deutschlands Straßen herrscht viel Verkehr. So waren laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hierzulande 56,5 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen. Die starke Beanspruchung der Straßen durch Fahrzeuge, insbesondere Lkw mit hoher Achslast, trägt zur Entstehung von Schlaglöchern bei.
  • Wechselnde Temperaturen: Die wechselnden Temperaturen von Sommer und Winter können die Entstehung von Schlaglöchern fördern. Strenge Winter lassen den Asphalt aufbrechen, während hohe Temperaturen im Sommer zu sogenannten Blow-ups führen können.
  • Fehler beim Straßenbau: Fehler bzw. Einsparungen beim Straßenbau können entsprechende Schäden begünstigen. Haben sich bereits Risse oder kleinere Schlaglöcher im Asphalt gebildet, sind diese Stellen besonders anfällig.
  • Mangelnde Instandhaltung: Oft fehlt Städten und Gemeinden das Geld für umfassende Reparaturen bzw. die Instandhaltung der Straßen.

Auswirkungen auf Anwohner

Schlaglöcher beeinträchtigen das Leben der Anwohner auf vielfältige Weise:

  • Gefahr für Verkehrsteilnehmer: Schlaglöcher können vor allem auf vielbefahrenen Straßen für Verkehrsteilnehmer gefährlich werden. Sie können zu Unfällen führen, insbesondere für Radfahrer und Motorradfahrer.
  • Beschädigung von Fahrzeugen: Schlaglöcher können zu Schäden an Fahrzeugen führen, wie z.B. beschädigte Reifen, Felgen oder Aufhängungen.
  • Lärmbelästigung: Fahrzeuge, die durch Schlaglöcher fahren, verursachen Lärmbelästigung für die Anwohner.
  • Eingeschränkte Mobilität: Schlaglöcher können die Mobilität von Anwohnern einschränken, insbesondere für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen.
  • Wertverlust von Immobilien: Der schlechte Zustand von Straßen mit vielen Schlaglöchern kann den Wert von Immobilien in der Umgebung mindern.
  • Ärger und Frustration: Anwohner ärgern sich über den schlechten Zustand der Straßen und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten. Walter von Hacht ärgert sich auch über Büsche und Sträucher, deren Zweige in Höhe des Hauses Ochsenwerder Elbdeich Nummer 15 weit in die Fahrbahn hineinragen. "Wenn sich hier zwei Autos begegnen, muss einer zurücksetzen. Hinzu kommt, dass hier oft Autos auf der anderen Straßenseite parken. Dann wird es richtig eng", sagt er.

Finanzielle Belastung für Kommunen

Die Reparatur von Schlaglöchern stellt eine erhebliche finanzielle Belastung für Kommunen dar. Allein in Nürnberg hat der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) im Jahr 2023 rund 8.800 sogenannte Straßenaufbrüche verzeichnet, so werden Schlaglöcher im Fachjargon bezeichnet. Kosten für die Stadt: Rund 2,34 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es nur 6.000 Fälle, weil der Winter etwas milder war.

Die "Lochflickschusterei" ist jedoch oft nur eine kurzfristige Lösung. Die gesamte Straßenoberfläche neu zu machen statt der "Lochflickschusterei" sei nicht so einfach. Das sei in erster Linie eine Kosten- und auch Zeitfrage. Um eine Straße neu zu asphaltieren, braucht es Vorlauf. Anwohner müssten informiert, Umleitungen geplant und Baustellen abgesperrt werden. Das sei ein großer Aufwand, so Straßenkontrolleur Jörg Kannewurf. Das Flicken sei oftmals die praktikablere, schnellere Lösung. Stark beschädigte Straßen würden aber auf lange Sicht in die Planungen aufgenommen.

Lösungsansätze

Um das Problem der Schlaglöcher zu bekämpfen, sind verschiedene Lösungsansätze erforderlich:

  • Regelmäßige Straßenkontrollen: Straßenkontrolleure sind das ganze Jahr über in den bayerischen Städten und Kommunen unterwegs, um Schlaglöcher zu finden. Der zuständige Wegewart hat den Zustand des Ochsenwerder Elbdeichs in dem Abschnitt bisher allerdings nicht als dringend ausbesserungswürdig an das Fachamt Management des öffentlichen Raums des Bezirksamtes gemeldet. "Der Ochsenwerder Elbdeich wird regelhaft im Vier-Wochen-Rhythmus begangen", sagt Dr. Andreas Aholt, Sprecher des Bezirksamtes. "Bei der jüngsten Begehung sind die Schäden noch nicht festgestellt worden.
  • Schnelle Reparatur: Findet der Kontrolleur auf einer Hauptstraße ein massives Loch, verständigt er kurzfristig die Kollegen der Asphaltiertruppe. Das Loch muss möglichst schnell beseitigt werden. Denn Schlaglöcher können vor allem auf vielbefahrenen Straßen für Verkehrsteilnehmer gefährlich werden. Sind die Löcher tiefer als drei bis vier Zentimeter, so der Servicebetrieb Öffentlicher Raum, besteht akuter Handlungsbedarf. Am Freitag, 19. Februar 2021, wurden die Schlaglöcher auf Höhe der Holzstraße 88 und 99 in Castrop-Rauxel von EUV repariert, damit die Verkehrssicherheit wieder hergestellt ist. Die Mängel-Meldung an die CasApp war nur einen Tag zuvor durch einen Anwohner abgesetzt worden.
  • Verwendung hochwertiger Materialien: Um die Haltbarkeit der Reparaturen zu erhöhen, sollten hochwertige Materialien wie Heißasphalt verwendet werden. Im frostigen Winter meist kein Heißasphalt Um das Loch zu stopfen, wird es erst gereinigt, dann mit Blähton-Spray für eine bessere Haftung besprüht. Anschließend schütten die Arbeiter Kaltasphalt aus Säcken auf die Vertiefungen, streichen alles glatt und plätten das einstige Loch. In wenigen Minuten ist der Straßenschaden behoben - allerdings nur provisorisch. Denn der Kaltasphalt ist zwar schnell einsetzbar, hält aber nicht so lang, sagt Jörg Kannewurf. Heißasphalt wäre langlebiger. Aber der lässt sich im frostigen Winter generell schlecht einsetzen. Zudem gibt es ein organisatorisches Problem: Viele Asphaltwerke haben seit Ende Dezember geschlossen, um sich auf die Hauptsaison mit wärmeren Temperaturen vorzubereiten. Man kriege aktuell schlichtweg keinen Heißasphalt, so SÖR-Sprecher André Winkel.
  • Präventive Maßnahmen: Um die Entstehung von Schlaglöchern zu verhindern, sollten präventive Maßnahmen wie die regelmäßige Versiegelung von Rissen im Asphalt durchgeführt werden.
  • Erhöhung der finanziellen Mittel: Städte und Gemeinden benötigen mehr finanzielle Mittel für die Instandhaltung und Reparatur von Straßen. Laut NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer erhalte das Bundesland jährlich rund 100 Millionen Euro für den Unterhalt der Bundesstraßen. Dieser Posten werde nun um zwei Prozent gekürzt. Grund dafür sind gestiegene Personal- und Sachkosten, durch die NRW bis zu zehn Prozent weniger Arbeiten durchführen kann als bisher. Hoffnung gibt jetzt ein Antrag der Verkehrsministerkonferenz.
  • Bürgerbeteiligung: Bürgerinnen und Bürger, die reparaturbedürftige Löcher vor ihrer Haustür feststellen, können diese ihrer Stadt oder Gemeinde melden. Die Stadt Nürnberg hat dafür sogar einen digitalen "Mängelmelder" eingerichtet. Straßen-, Rad- und Gehwegschäden können hier mit genauer Ortsangabe beanstandet werden. Aktuell erreichen die Stadt viele Meldungen zu Schlaglöchern durch die Melde-App: Diese Meldungen werden an den Kommunalbetrieb weitergeleitet und dort entsprechend einer Priorisierung (z.B. nach Fahrzeugaufkommen) abgearbeitet. Natürlich ist es nicht möglich, alle Problemstellen gleichzeitig zu beheben, dafür bittet die Stadt um Verständnis. Wer Straßenschäden wahrnimmt, muss diese aber nicht zwangsläufig melden: Auch ein Streckenkontrolleur nimmt Straßen- und Gehwegschäden auf und gibt diese in die Bearbeitung.

Rechtliche Aspekte

Durch die Verkehrssicherungspflicht müssen Städte und Gemeinden dafür Sorge tragen, dass sich die Straßen in einem genügenden Zustand befinden. Daher sind sie grundsätzlich dazu verpflichtet, auf die Gefahren von Straßenschäden aufmerksam zu machen. Daher werden vielerorts Warnschilder aufgestellt und Tempolimits verhängt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass ein fehlendes Straßenschäden-Schild automatisch Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadensersatz rechtfertigt. Vielmehr muss der Geschädigte nachweisen, dass keine Warnung erfolgte und der Schaden tatsächlich auf das Schlagloch zurückzuführen ist. Daher sollten noch vor Ort entsprechende Beweisfotos vom Schlagloch bzw. der Unfallstelle und den Schäden am Fahrzeug angefertigt werden.

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Das Landgericht Heidelberg entschied am 07.04.2011 (Az. 5 O 269/10), dass für die durch ein 70 x 30 cm großes Schlagloch entstandenen Schäden und die daraus resultierenden Reparaturkosten in Höhe von 1.000 Euro kein Anspruch auf Schadensersatz besteht. Auch das Landgericht Osnabrück sprach sich am 14.06.2007 (Az. 5 O 793/07) gegen einen Anspruch auf Schadensersatz aus. Ein Motorradfahrer hatte aufgrund des desolaten Zustands der Straße die Kontrolle über sein Kfz verloren, war auf die Gegenfahrbahn gerutscht und mit einem Pkw kollidiert. Anschließend forderte er vom Land eine Entschädigung in Höhe von knapp 9.600 Euro. Laut einem Urteil von 21.02.2013 des Landgerichts Magdeburg (Az. 10 O 1675/13) muss eine Straße innerhalb geschlossener Ortschaften bei Schrittgeschwindigkeit gefahrlos zu befahren sein, ohne dass dabei das Fahrzeug beschädigt wird. Möchten Sie für die durch Straßenschäden verursachten Beeinträchtigungen einen Anspruch auf Schadensersatz geltend machen, sollten Sie sich dafür ggf. an einen Anwalt wenden.

Anpassung der Fahrweise

Wer bei Straßenschäden Beeinträchtigungen an seinem Fahrzeug vermeiden möchte, sollte seine Fahrweise entsprechend anpassen. Darüber hinaus müssen Autofahrer gemäß § 3 StVO die Geschwindigkeit an die vorherrschenden Straßenverhältnisse anpassen. Dies gilt auch bei Schlaglöchern.

Kreative Protestaktionen

Die Straßen in der Stadt Krefeld sind in einem erbärmlichen Zustand. Deshalb suchen die Anwohner nach kreativen Wegen, um mit den Schlaglöchern umzugehen. Doch eine langfristige Lösung muss her. Auf den Straßen Krefelds gibt es einiges zu sehen: Blau besprühte Schlaglöcher mit Modellfischen im Aquarium-Stil, angepflanzte Blumen oder "Schlagloch-Minigolf". Die Krefelder haben einen kreativen Weg gefunden, um mit den von Schlaglöchern übersäten Straßen umzugehen. Obwohl die Belastung durch die maroden Straßen alltäglich ist. "Buckelpiste" statt Straße "Mit dem Fahrrad - das ist lebensgefährlich hier. Gerade, wenn man auch abends im Dunkeln hier lang fährt. Das ist eine Buckelpiste", so Anwohnerin Gabi Becker. Es sei vieles versäumt worden. Laut Becker bräuchte es eine grundlegende Erneuerung der Straßen statt eines andauernden Flickens.

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