Hirnhautentzündung im Kindergarten: Risikofaktoren und Prävention

Die Hirnhautentzündung (Meningitis) ist eine Entzündung der Hirnhäute, die vor allem durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird. Typische Beschwerden sind Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteife. Die Erkrankung ist lebensgefährlich und muss im Krankenhaus behandelt werden. Besonders im Kindergartenalter ist es wichtig, die Risikofaktoren zu kennen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Was ist eine Hirnhautentzündung?

Bei einer Meningitis entzünden sich die Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Meist wird diese Entzündung durch Viren oder Bakterien verursacht. Das Gehirn und das Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem, wo Sinneswahrnehmungen weitergeleitet und verarbeitet, Bewegungen koordiniert und wichtige Funktionen wie die Atmung und der Herzschlag gesteuert werden. Gehirn und Rückenmark sind von schützenden Häuten umgeben, den Meningen. Bei einer Meningitis entzünden sich diese Hirn- und Rückenmarkshäute. Greift die Entzündung zusätzlich auf das Gehirn über, spricht man von einer Meningoenzephalitis.

Ursachen einer Hirnhautentzündung

Die Auslöser der Meningitis sind vielfältig, meist verursachen Bakterien oder Viren die Entzündung.

Bakterielle Meningitis

Mögliche Erreger einer bakteriellen Meningitis sind zum Beispiel:

  • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Vorausgehen kann eine Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung.
  • Meningokokken (Neisseria meningitidis): Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Menschen mit einer Meningokokken-Meningitis müssen deshalb schnell isoliert werden.
  • Haemophilus influenzae: Dank Impfungen ist die Zahl der Erkrankungen durch bestimmte Bakterien wie Haemophilus influenzae und Meningokokken in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.
  • Listerien: Listerien sind weniger häufige Auslöser.
  • Escherichia coli: Bei Neugeborenen kann das Darmbakterium Escherichia coli eine Hirnhautentzündung verursachen.

Bakterien können außerdem bei schweren Entzündungen im Kopfbereich (z. B. des Ohrs) oder über eine nicht erkannte Schädelbasisverletzung direkt zu den Hirnhäuten gelangen.

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Virale Meningitis

Mögliche Erreger einer viralen Meningitis sind zum Beispiel:

  • Enteroviren: Sie sind die häufigste Ursache für virale Hirnhautentzündungen. Zum Beispiel Coxsackieviren (Auslöser der Hand-Fuß-Mund-Krankheit).
  • Herpesviren: Insbesondere das Herpes-simplex-Virus (HSV) und das Varizella-Zoster-Virus (der Erreger von Windpocken und Gürtelrose) können eine schwere Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns) verursachen.
  • FSME-Virus: Das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen.
  • Parechoviren: Parechoviren verursachen Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen.
  • Epstein-Barr-Viren: Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers.
  • SARS-CoV-2: Erreger von COVID-19.
  • Arboviren: Dazu zählen Viren, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden.
  • Grippe-, Masern- und Mumpsviren.

Seltene Ursachen

Seltener kann eine Hirnhautentzündung auch durch Pilzinfektionen verursacht werden, vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem. Daneben sind auch nicht-infektiöse Hirnhautentzündungen bekannt. Hirnhautentzündungen durch Infektionen mit Würmern oder anderen Parasiten kommen hierzulande selten vor. Weitere mögliche Ursachen sind ein fehlgeleitetes Immunsystem (autoimmune Reaktion), Krebserkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Eine nicht durch Bakterien verursachte Hirnhautentzündung wird auch als aseptische Meningitis (abakterielle Meningitis) bezeichnet.

Wie gelangen die Krankheitserreger zu den Hirnhäuten?

Viele Krankheitserreger werden über Tröpfcheninfektion übertragen - also beim Sprechen, Husten oder Niesen. Zu einer Ansteckung kommt es, wenn man diese erregerhaltigen Tröpfchen einatmet. Die Erreger siedeln sich meist zuerst in anderen Körperregionen an. Über verschiedene Wege erreichen sie dann die Hirnhäute. Bakterien besiedeln zum Beispiel häufig die Schleimhäute des Nasen-Rachenraums, dringen in Blutgefäße ein und gelangen über die Blutbahn an die Hirnhäute. Bei Entzündungen in der Nachbarschaft der Hirnhäute wie dem Mittelohr oder der Nasennebenhöhlen kann sich die Erkrankung direkt auf das Nervenwasser (Liquor) und die Hirnhäute ausbreiten. Als Nervenwasser bezeichnen Mediziner die Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt. Viren können auch entlang der Nerven bis zu den Hirnhäuten wandern. Bei einigen Viren wie dem FSME-Virus oder dem West-Nil-Virus erfolgt die Ansteckung über Zecken oder Mücken. Meist steht ein scheinbar harmloser Racheninfekt oder eine Lungenentzündung am Anfang des Geschehens. Die Erreger gelangen ins Blut und mit ihm in alle Organe des Körpers. Bei einem kleinen Teil der Erkrankten setzen sich die Erreger aus unbekannten Gründen in den Hirnhäuten fest und führen dort zu einer Entzündung.

Risikofaktoren im Kindergartenalter

Kinder bis zu drei Jahren weisen ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Meningitis auf. Sehr anfällig sind Säuglinge und Kleinkinder, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist und daher weniger Schutz bietet. Auch Jugendliche tragen ein erhöhtes Risiko, weil sie in dem Alter eine besonders hohe Zahl von Sozialkontakten haben und mehr Menschen treffen, die möglicherweise Erreger wie Meningokokken in sich tragen, ohne selbst erkrankt zu sein.

Alter

Vor allem Säuglinge, Kleinkinder und sehr alte Menschen sind anfällig für eine Meningitis. Die höchsten Inzidenzen werden im 1. und 2. Lebensjahr beobachtet, mit einem zweiten, kleineren Inzidenzgipfel bei 15- bis 19-jährigen Jugendlichen.

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Immunsystem

Menschen mit einem noch nicht voll entwickelten oder einem geschwächten Immunsystem sind anfälliger für eine Hirnhautentzündung - Säuglinge, Kleinkinder, alte Menschen und chronisch Kranke. Sie haben den Erregern eine nicht ausreichend schlagkräftige Abwehr entgegenzusetzen. Neben dem Alter gibt es weitere Risikofaktoren für eine Hirnhautentzündung. Dazu gehören:

  • Angeborene oder erworbene Immundefekte
  • Therapie mit C5-Komplement-Inhibitoren
  • Hypogammaglobulinämie
  • Asplenie

Gemeinschaftseinrichtungen

Kinder, die eine Gemeinschaftseinrichtung wie einen Kindergarten besuchen, haben ein erhöhtes Risiko, sich mit Meningitis-Erregern anzustecken.

Andere Infektionskrankheiten

Meist steht ein scheinbar harmloser Racheninfekt oder eine Lungenentzündung am Anfang des Geschehens. Andere Infektionskrankheiten (z.B. intrakranielle Ansammlungen) können das Risiko einer Hirnhautentzündung erhöhen.

Symptome einer Hirnhautentzündung

Die Anzeichen einer Meningitis können sich schnell entwickeln. Anzeichen einer Meningitis sind zum Beispiel:

  • Starke Kopfschmerzen
  • Hohes Fieber
  • Nackensteifigkeit (Meningismus): Das wichtigste Krankheitszeichen, das auf eine Meningitis hinweist, ist Nackensteifigkeit. Das Köpfchen deines Kindes wird sich nicht wie zum Nicken nach vorne bewegen lassen.
  • Bewusstseinsstörungen: (von leichter Verwirrtheit bis zum Koma)

Allerdings treten nicht immer alle vier Symptome gemeinsam auf. Weitere häufige Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Lichtscheu) sowie epileptische Anfälle. Bei einer durch Meningokokken verursachten Meningitis ist ein Warnsignal ein typischer Hautausschlag, der als kleine, rote oder violette Flecken (Petechien) beginnt. Sie können sich zu größeren Einblutungen entwickeln (Purpura fulminans) und deuten darauf hin, dass die Blutgerinnung durch die Infektion gestört ist. Das kann Zeichen einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) sein.

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Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft untypisch. Bei Verdacht auf eine Meningitis sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Achten Sie auf diese Warnzeichen:

  • Plötzliche starke Kopfschmerzen,
  • Fieber
  • Nackensteifigkeit, das bedeutet Sie können den Kopf nicht mehr nach vorne zur Brust beugen.

Bei Babys und Säuglingen können zusätzlich auch abweichende Symptome auftreten, so kann die typische Nackensteife fehlen. Es mag nicht trinken, ist schlaff, reagiert berührungsempfindlich, ist lichtempfindlich, die Fontanelle ist vorgewölbt oder verhärtet.

Diagnose einer Hirnhautentzündung

Um eine Meningitis schnell und sicher festzustellen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Neben der körperlichen Untersuchung wird Blut abgenommen und unter anderem auf Entzündungswerte und mögliche Erreger untersucht. Außerdem wird Nervenwasser aus dem Lumbalbereich, dem Bereich der unteren Lendenwirbelsäule, entnommen (Lumbalpunktion). So kann der Arzt oder die Ärztin feststellen, ob Bakterien oder Viren die Meningitis verursacht haben - was entscheidend für die weitere Behandlung ist. In manchen Fällen kann auch ein CT oder MRT erforderlich sein, um einen erhöhten Druck im Gehirn auszuschließen.

Die wichtigsten Schritte zur Meningitis-Diagnose sind:

  • Krankengeschichte (Anamnese): Im Gespräch wird der Arzt zunächst Ihre Krankengeschichte bzw. die Ihres kranken Kindes erheben (Anamnese). Mögliche Fragen des Arztes dabei sind:
    • Besteht aktuell eine Erkältung (Halsschmerzen, Husten, chronischer Schnupfen)?
    • Treten Kopfschmerzen, Fieber und/oder eine schmerzhafte Nackensteifigkeit auf?
    • Sind irgendwelche Grund- oder Vorerkrankungen bekannt (HIV, Sarkoidose, Borreliose etc.)?
    • Nehmen Sie bzw. nimmt Ihr Kind regelmäßig Medikamente?
    • Haben Sie bzw. hat Ihr Kind eine Allergie gegen Medikamente (zum Beispiel gegen Antibiotika)?
    • Hatten Sie bzw. hatte Ihr Kind Kontakt zu anderen Personen mit Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit?
    • Waren Sie bzw. war Ihr Kind kürzlich im Ausland (zum Beispiel in einem afrikanischen Land)?
  • Körperliche Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt zunächst die klassischen Anzeichen einer Meningitis überprüfen. Dazu versucht er, den Kopf des auf dem Rücken liegenden Patienten mit dem Kinn zum Brustkorb zu führen. So lässt sich eine schmerzhafte Nackensteifigkeit (Meningismus) feststellen. Außerdem ziehen die Patienten bei dieser Kopfneigung typischerweise reflexartig die Beine an (Brudzinski-Zeichen) - eine unwillkürliche Reaktion auf die Schmerzen, die durch die leichte Dehnung der Hirn- und Rückenmarkshäute beim Kopfneigen entstehen. Das Brudzinski-Zeichen ist ein guter Hinweis auf eine Hirnhautentzündung). Ein weiteres Zeichen für eine Meningitis ist, wenn der Erkrankte im Sitzen das Bein nicht gerade strecken kann, weil dies zu schmerzhaft ist (Kernig-Zeichen). Auch das sogenannte Lasègue-Zeichen kann bei der Hirnhautentzündung auffällig sein: Der Arzt bewegt beim liegenden Patienten jeweils ein gestrecktes Bein langsam nach oben - er führt also eine Hüftgelenksbeugung bei durchgestrecktem Knie durch. Wenn der Patient dabei vom Rücken in das Bein einschießende Schmerzen verspürt (positives Lasègue-Zeichen), deutet dies auf eine Reizung der Gehirnhäute hin. Sehr wichtig ist auch die genaue Untersuchung der gesamten Haut des Patienten. Bei einer schweren bakteriellen Meningitis können kleine Einblutungen an der Haut (Petechien) auftreten. Sie sind für den Arzt ein Alarmsignal! Er wird umgehend weitere Untersuchungen und eine Behandlung einleiten. Die Einblutungen sehen zunächst aus wie kleine blaue oder bräunliche Pünktchen. Diese werden im Verlauf zu größeren Flecken und lassen sich typischerweise mit einem durchsichtigen Gegenstand (Glas) nicht wegdrücken (Glas-Test).
  • Weitere Untersuchungen: Durch das Anamnesegespräch und die körperliche Untersuchung kann der Arzt bereits gut einschätzen, ob eine behandlungsbedürftige Meningitis vorliegt. Gibt es auch nur den geringsten Hinweis darauf, dass es sich tatsächlich um eine Meningitis handelt, wird der Mediziner weitere Untersuchungen veranlasst. Wegen der möglichen schweren Komplikationen einer Meningitis sollten die weiteren Untersuchungen sowie die Behandlung besser im Krankenhaus erfolgen.
    • Abnahme von Blut für Blutkulturen: Durch sogenannte Blutkulturen kann man versuchen, einen Erreger nachzuweisen und zu identifizieren - vor allem Bakterien. Der Arzt kann dann für die bakterielle-Meningitis-Therapie ein geeignetes Antibiotikum auswählen, das gegen den betreffenden Bakterientyp wirksam ist.
    • Entnahme von Nervenwasser (Liquorpunktion): Bei der Liquorpunktion wird mit einer feinen Hohlnadel etwas Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal auf Höhe der Lendenwirbel entnommen. Das Ganze dauert nur wenige Minuten und wird meist als nicht besonders schmerzhaft empfunden. Die entnommene Liquorprobe wird im Labor auf mögliche Erreger der Hirnhautentzündung untersucht. Gegebenenfalls wird vor der Liquorpunktion noch eine Computertomografie (CT) durchgeführt, um einen erhöhten Hirndruck auszuschließen. Bei erhöhtem Hirndruck sollte nämlich keine Liquorpunktion durchgeführt werden.
    • Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT): Diese bildgebenden Verfahren liefern weitere Informationen über den Zustand des Gehirns. Sie können manchmal auch Hinweise darauf geben, woher der Erreger ursprünglich kam (beispielsweise aus vereiterten Nasennebenhöhlen).

Behandlung einer Hirnhautentzündung

Die Therapie hängt entscheidend vom Erreger ab.

Behandlung der bakteriellen Meningitis

Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis werden sofort im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation, aufgenommen. Sie erhalten Antibiotika über die Vene und zusätzlich wird oft ein Kortisonpräparat gegeben. Es kann bei Pneumokokken-Meningitis die Sterblichkeit und bei einer Meningokokken-Meningitis das Risiko für Folgeschäden wie einen Hörverlust senken. Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis beginnen Ärztinnen und Ärzte die Therapie mit mehreren Antibiotika sofort, auch wenn die Ergebnisse der Laboruntersuchungen noch nicht vorliegen. Sind Pneumokokken die Ursache, kann entzündungshemmend wirkendes Kortison Komplikationen vorbeugen. Kortison dämpft die Entzündungsreaktion, die durch die Erreger verursacht wird. Ist bei einer Meningokokken-Meningitis der Hörnerv betroffen, kann die Gabe von Kortison ebenfalls sinnvoll sein.

Behandlung der viralen Meningitis

Die meisten viralen Hirnhautentzündungen werden symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt. Eine wichtige Ausnahme ist die durch Herpesviren (Herpes-simplex-Virus, Varizella-Zoster-Virus) verursachte Enzephalitis. Hier ist eine sofortige intravenöse Therapie mit dem antiviralen Medikament Aciclovir lebensrettend und muss bereits bei Verdacht begonnen werden. Bei Verdacht auf eine virale Infektion durch Herpesviren kann vorsorglich ein Medikament gegen Herpesviren verabreicht werden. Sobald Herpesviren durch Laboruntersuchungen als Ursache ausgeschlossen wurden, kann das Medikament abgesetzt werden. Ist der auslösende Erreger bekannt, wird dieser gezielt behandelt. Wenn keine Bakterien oder Herpesviren nachgewiesen wurden, lassen sich nur die Beschwerden lindern.

Weitere therapeutische Maßnahmen

Beim Auftreten von Komplikationen sind weitere therapeutische Maßnahmen unter intensivmedizinischen Bedingungen erforderlich.

Vorbeugung einer Hirnhautentzündung

Um die Gefahr einer Hirnhautentzündung zu bannen, gibt es gegen einige Meningitis-Erreger Impfungen. Sie sind zum größten Teil im Rahmen der Kinderschutzimpfungen von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) empfohlen und werden von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Impfungen

Vorbeugend ist es möglich, sich gegen einige Meningitis-Erreger impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt verschiedene Impfungen für alle Kinder. Dazu zählen auch drei Impfungen gegen häufige Erreger einer bakteriellen Meningitis: Meningokokken-Impfung, Pneumokokken-Impfung und Haemophilus influenzae Typ B-Impfung. Das Immunsystem von kleinen Kindern ist noch nicht ausgereift und kann deshalb Erreger nicht so gut abwehren. Darum lässt sich mit diesen drei Impfungen das Risiko einer bakteriellen Hirnhautentzündung deutlich senken:

  • Meningokokken-Impfung: Es gibt verschiedene Untergruppen (Serogruppen) von Meningokokken. In Europa wird eine Meningokokken-Meningitis meist durch die Serogruppen B und C ausgelöst. Eine Hirnhautentzündung durch Meningokokken C ist seltener, verläuft aber oft schwer und mit Komplikationen (wie das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom). Für alle Kinder im Alter von zwölf Monaten ist daher eine Impfung gegen Meningokokken C empfohlen. Wird dieser Impftermin verpasst, sollte die Impfung bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Zudem stehen für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem erhöhten Infektionsrisiko Vierfach-Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y zur Verfügung. Diese sind je nach Impfstoff ab dem Alter von sechs Wochen, zwölf Monaten und ab zwei Jahren zugelassen. Gegen die viel häufigere Meningokokken-B-Meningitis gibt es seit Ende 2013 bzw. 2017 eigene Impfstoffe. Bei Kleinkindern werden sie je nach Impfschema in drei oder zweiverabreicht. Bei älteren Kindern genügen zwei Impfdosen. Bislang liegen der STIKO noch nicht ausreichend Daten vor, um diese Impfung für alle Kinder zu empfehlen. Aktuell wird die Meningokokken-B-Impfung deshalb nur Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko geraten - meist zusätzlich zur kombinierten Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y. Dazu zählen zum Beispiel Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche (etwa bei fehlender Milz), Reisende in Risikogebiete und gefährdetes Laborpersonal. Das Gleiche gilt für Ungeimpfte, die im gleichen Haushalt wie Patienten leben, die eine schwere Infektion mit einer der betreffenden Meningokokken-Serogruppen (A, B, C, W oder Y) durchleben.
  • Pneumokokken-Impfung: Die Pneumokokken-Impfung wird allen Kindern ab dem Alter von zwei Monaten empfohlen. Vorgesehen sind drei Impfdosen: Die erste Dosis sollte im Alter von zwei Monaten gegeben werden, die zweite Dosis im Alter von vier Monaten. Die dritte Impfdosis ist im Alter von elf Monaten empfohlen. Die Pneumokokken-Impfung erfolgt auf drei Mal: Die erste Spritze erhalten Kinder im Alter von 2 Monaten, gefolgt von einer zweiten Impfung im 4. Lebensmonat. Die letzte Dosis sollte zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat verabreicht werden.
  • Haemophilus influenzae Typ B-Impfung: Die Hib-Impfung wird ebenfalls für alle Kinder empfohlen. Sie wird in drei Impfdosen verabreicht - jeweils eine Dosis im Alter von zwei, vier und elf Lebensmonaten. Die Kombinationsimpfung gegen Hib (Haemophilus influenzae) besteht aus drei Teilimpfungen (im zweiten, dritten, vierten sowie zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat).
  • MMR-Impfung: Standardmäßig für alle Kinder empfohlen werden die Mumps-Impfung, Masern-Impfung und Röteln-Impfung (meist kombiniert als MMR-Impfung verabreicht). Darüber hinaus sind auch Impfstoffe gegen eine Mumps-Infektion, die ebenfalls als Auslöser für eine Hirnhautentzündung infrage kommt.
  • FSME-Impfung: Es gibt auch einen Impfstoff gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das ist eine von Zecken übertragene virale Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn. Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung allen Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten (etwa im Urlaub) und von Zecken gestochen werden könnten (durch häufige bzw. lange Aufenthalte in der Natur). Für einen längeren Impfschutz wird eine Grundimmunisierung mit drei Impfdosen empfohlen. Nach drei Jahren kann die FSME-Impfung mit einer weiteren Dosis aufgefrischt werden. Danach werden Auffrischimpfungen im Fünf-Jahres-Abstand für Personen unter 60 Jahren empfohlen, ab dem 60. Lebensjahr alle drei Jahre. So kann man einer kombinierten Meningitis und Enzephalitis durch FSME-Viren vorbeugen.

Weitere vorbeugende Maßnahmen

  • Hygiene: Achten Sie auf eine gute Hygiene, um die Ausbreitung von Erregern zu verhindern.
  • Isolation: Um Ansteckungen zu vermeiden, wird der Patient die ersten 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie isoliert.
  • Antibiotische Postexpositionsprophylaxe: Personen, die im Zeitraum von einer Woche vor bis 24 Stunden nach Beginn einer wirkungsvollen antibiotischen Therapie engen Kontakt mit dem Patienten hatten, wird die vorbeugende Einnahme von Antibiotika empfohlen (z. B. Rifampicin über 2 Tage, Schwangeren stattdessen Ceftriaxon intravenös oder intramuskulär).
  • Postexpositionelle Impfung: Auch die Impfung gegen Meningokokken ist als vorbeugende Maßnahme möglich. In Erwägung ziehen sollten das enge Kontaktpersonen, z. B.

Maßnahmen in Gemeinschaftseinrichtungen

In Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 33 IfSG (u.a. Gemäß § 34 Abs. 1 Nr. In Gemeinschaftseinrichtungen Betreute, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume nicht betreten, Einrichtungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht benutzen und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen. Die Einschränkung der Tätigkeit bzw. des Besuchs der Gemeinschaftseinrichtung dauert fort, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist. Das ärztliche Urteil kann das Urteil der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes oder einer Ärztin/eines Arztes des zuständigen Gesundheitsamtes sein. Das ärztliche Urteil kann mündlich erfolgen. Gemäß § 34 Abs. 3 IfSG gelten die oben aufgeführten Regelungen …

Verlauf und Prognose

Die Hirnhautentzündung ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Die Prognose hängt unter anderem davon ab, welcher Erreger die Meningitis verursacht und wie rasch der Patient fachgerecht behandelt wird. Besonders die bakterielle Meningitis ist ein Notfall, der schnellstens mit Antibiotika behandelt werden muss. Unbehandelt endet sie praktisch immer tödlich. Bei rechtzeitiger Behandlung ist aber die Aussicht gut, dass der Patient wieder ganz gesund wird. Wie hoch die Chancen auf vollständige Genesung sind, hängt vom genauen Erregertyp und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Beispielsweise ist die Prognose für Säuglinge und manchmal für Senioren ungünstiger, da ihr Immunsystem oft nicht so leistungsfähig ist wie bei einem gesunden Erwachsenen. Eine virale Meningitis ist meist viel weniger lebensbedrohlich als eine bakterielle Meningitis. Aber auch hier hängt die Prognose vom jeweiligen Virus und vom körperlichen Allgemeinzustand ab. Kritisch sind insbesondere die ersten Tage. Hat der Betroffene diese gut überstanden, sind die Heilungschancen meist gut. Eine virale Meningitis heilt dann im Allgemeinen innerhalb von mehreren Wochen ohne Folgeschäden aus.

Mögliche Komplikationen und Langzeitfolgen

Meningitis ist eine schwere Erkrankung, die sowohl akute Komplikationen als auch bleibende Schäden verursachen kann.

Akute Komplikationen

Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel:

  • Hirnödem: Eine Schwellung des Gehirns, die zu einem lebensbedrohlichen Anstieg des Hirndrucks führen kann.
  • Epileptische Anfälle
  • Schlaganfälle durch Entzündungen der Blutgefäße im Gehirn.
  • Systemische Komplikationen: zum Beispiel eine Blutvergiftung oder Gerinnungsstörungen.

Langzeitfolgen

Auch nach überstandener Krankheit können dauerhafte Beeinträchtigungen zurückbleiben.

  • Hörschäden: Hörverlust bis hin zur Taubheit ist eine der häufigsten Folgen, besonders nach einer Pneumokokken-Meningitis. Eine frühzeitige audiologische Untersuchung nach der Erkrankung ist daher sehr wichtig.
  • Neurologische Defizite: Dazu zählen Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen (Ataxie) und epileptische Anfälle.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Viele Betroffene klagen über Probleme mit der Konzentration und der Merkfähigkeit.
  • Hirnnervenlähmungen
  • Hydrozephalus
  • Hirnabszess

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