Dankbarkeit, Nerven und Oberschenkel: Aktuelle Forschung und chirurgische Innovationen

Einführung

Die Plastische Chirurgie hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Neben ästhetischen Eingriffen gewinnt vor allem die rekonstruktive Chirurgie zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, Menschen nach Verletzungen, Unfällen oder Krebserkrankungen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Forschungsergebnisse und innovative Behandlungsmethoden im Bereich der Plastischen Chirurgie, insbesondere im Hinblick auf Nervenrekonstruktion und Oberschenkelchirurgie.

Die Bedeutung der Plastischen Chirurgie

Die Plastische Chirurgie ist ein interdisziplinäres Fach, das ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten bietet. Dazu gehören Hautstraffungen, Brustverkleinerungen, die Behandlung von Verletzungen und Fehlbildungen sowie Haut-, Muskel- und Knochentransplantationen.

Ästhetische und rekonstruktive Chirurgie:

Prof. Dr. Anja M. Boos betont die große Bedeutung eines ästhetischen Erscheinungsbilds für das Selbstwertgefühl und die Außendarstellung. Sie erklärt, dass Menschen mit Verletzungen im Gesicht oder am Körper oft stark leiden, wenn beispielsweise nach einem Unfall oder einer Tumorentfernung nicht mehr alles so aussieht und funktioniert wie früher. Daher ist es das Ziel der Plastischen Chirurgie, nicht nur die Funktion, sondern auch die Ästhetik wiederherzustellen.

Handwerkliches Geschick und Präzision:

Die Arbeit in der Plastischen Chirurgie erfordert ein hohes Maß an manueller Präzision und handwerklichem Geschick.

Breites Spektrum an Behandlungen:

Das Spektrum der Plastischen Chirurgie ist breit gefächert und umfasst unter anderem:

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  • Handverletzungen nach Arbeitsunfällen
  • Narbenkorrekturen
  • Sarkome im Muskel- oder Fettgewebe
  • Kriegsverletzte mit Schuss- oder Explosionsverletzungen

Schwerpunkte in der rekonstruktiven Chirurgie

Ein Schwerpunkt der Plastischen Chirurgie liegt in der rekonstruktiven Chirurgie. Hierbei werden komplexe Eingriffe durchgeführt, um beispielsweise eine Brust nach einer Mastektomie wiederherzustellen.

Brustrekonstruktion nach Mastektomie:

Bei der Brustrekonstruktion wird Gewebe aus dem Unterbauch oder dem Oberschenkel verpflanzt und geformt. Im Idealfall werden auch Blutgefäße und Nerven rekonstruiert, um eine natürliche Funktion und Sensibilität wiederherzustellen.

Behandlung von Lymphödemen:

Ein weiteres Spezialgebiet ist die Behandlung von Lymphödemen im Arm, die häufig nach Brustkrebsoperationen auftreten. Früher konnte der Lymphabfluss nur durch Lymphdrainage oder Kompressionsstrümpfe verbessert werden. Heute gibt es mikrochirurgische Möglichkeiten, Querverbindungen zwischen Lymphgefäßen und Venen herzustellen oder Lymphknoten von einer Körperstelle an eine andere zu verpflanzen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Plastische Chirurgie ist ein interdisziplinäres Fach, das eng mit anderen Fachbereichen zusammenarbeitet. Dazu gehören:

  • Unfall- und Gefäßchirurgie
  • Neurochirurgie
  • Viszeralchirurgie
  • Innere Medizin
  • Infektiologie und Hygiene

Die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen ist besonders wichtig, da Patientinnen und Patienten aufgrund der demografischen Entwicklung älter und kränker werden und zunehmend mit multiresistenten Keimen zu kämpfen haben.

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Ästhetische Eingriffe und ihre Problematik

Neben rekonstruktiven Eingriffen werden auch ästhetische Eingriffe durchgeführt, für die es keinen zwingenden medizinischen Grund gibt. Diese Eingriffe sind jedoch teilweise problematisch.

Boom der Schönheitschirurgie:

Die Schönheitschirurgie boomt, und schon junge Menschen lassen sich die Lippen aufspritzen, Fett absaugen oder die Brüste vergrößern.

Überzogene ästhetische Ideale:

Viele ästhetische Patienten haben ein überzogenes ästhetisches Ideal und riskieren manchmal ihre Gesundheit, um diesem Ideal näher zu kommen. Ein Beispiel sind Füllmaterialien, die ins Gesicht gespritzt werden: Sie sind nicht harmlos, sondern können sich einkapseln und entzünden und im schlimmsten Fall zur Schädigung der Gesichtsnerven und zur Erblindung führen.

Mangelnder Schutz der Berufsbezeichnung:

Ein weiteres Problem ist, dass die Berufsbezeichnung „Schönheitschirurg“ in Deutschland nicht geschützt ist. Im Prinzip kann sich jeder Arzt so nennen. Und ein unseriöser Behandler wird einer jungen Patientin vor einer Brustvergrößerung nicht unbedingt sagen, dass im Laufe ihres Lebens wahrscheinlich mehrere Wechseloperationen nötig werden, weil die Prothese irgendwann einkapselt.

Dankbarkeit und Lebensqualität

Prof. Dr. Anja M. Boos betont, dass es sehr erfüllend ist, Menschen nach einer Verletzung oder Krebserkrankung ein großes Stück Lebensqualität zurückzugeben. Diese Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten ist eine wichtige Motivation für ihre Arbeit.

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Bürokratische Hürden und Innovationshemmnisse

Leider nehmen Prozesse wie Abrechnungsmodalitäten und gesetzliche Vorgaben viel Raum im Alltag ein. Es kann demotivierend sein, wenn einem Patienten eine optimale Therapie nicht angeboten werden kann, weil die Krankenkasse zum Beispiel die Kosten für ein innovatives Material nicht übernimmt.

Zukunftsperspektiven der Plastischen Chirurgie

Die Plastische Chirurgie ist ein Fachgebiet mit Zukunft. Es vereint zahlreiche mikrochirurgische Techniken, die es ermöglichen, in der rekonstruktiven Chirurgie, der Handchirurgie, der Verbrennungschirurgie und der ästhetischen Chirurgie tätig zu sein. Darüber hinaus sind für die Zukunft in allen Bereichen bedeutende technologische, biologische und digitale Innovationen zu erwarten.

Technologische Innovationen:

  • Robotergestützte Mikrochirurgie
  • Verwendung patienteneigener Zellen zur Förderung der Geweberegeneration
  • Behandlung größerer Defekte mit im Labor gezüchteten Transplantaten

Berufliche Möglichkeiten:

Darüber hinaus stehen den plastischen Chirurgen praktisch alle Möglichkeiten offen: Man kann sich niederlassen, in kleineren oder größeren Kliniken arbeiten oder eine universitäre Laufbahn einschlagen.

Fallbeispiele und innovative Therapien

Neben den klassischen chirurgischen Verfahren gibt es auch innovative Therapieansätze, die in der Plastischen Chirurgie eingesetzt werden.

Axomera-Therapie bei Morbus Sudeck (CRPS):

Die Axomera-Therapie ist ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS), auch bekannt als Morbus Sudeck. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Erkrankung, die meist nach Verletzungen oder Operationen auftritt. Die Axomera-Therapie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Schwellung zu reduzieren.

Elektrostimulation im Wasser bei Lähmungen:

An der TU Berlin wird erforscht, wie sich Elektrostimulation im Wasser als Therapie bei Lähmungen einsetzen lässt. Bei dieser Methode werden gelähmte Muskeln künstlich aktiviert, indem Elektroden auf die Beine geklebt und mit kleinen elektrischen Impulsen die Nerven gereizt werden. Das Wasser ermöglicht den Patienten, sich freier zu bewegen und reduziert die Sturzgefahr.

Neuroathletik zur Schmerzbehandlung:

Die Neuroathletik ist ein weiterer innovativer Ansatz zur Schmerzbehandlung. Dabei werden Übungen eingesetzt, die das Nervensystem beeinflussen und so Schmerzen reduzieren können.

Fasziendistorsionsmodell (FDM) bei Beinbeschwerden

Das Fasziendistorsionsmodell (FDM) nach Dr. Stephen Typaldos ist eine medizinische Betrachtungsweise, bei der Beschwerden und Funktionseinschränkungen am Bewegungsapparat auf Verformungen des Bindegewebes zurückgeführt werden.

Diagnose und Behandlung nach dem FDM:

Die Diagnose nach dem FDM wird unter Einbeziehung der Beschwerdegestik, der subjektiven Beschwerden, des Entstehungsmechanismus und der objektiven Befunde gestellt. Das Ziel ist, aus den erhobenen Informationen und Befunden eine individuelle Behandlung für jeden Patienten zu generieren.

Fallbeispiel: Behandlung komplexer Beinbeschwerden:

Ein 29-jähriger Sozialarbeiter litt seit knapp 1,5 Jahren an persistierenden diffusen beidseitigen Beinbeschwerden. Sämtliche medizinischen Untersuchungen blieben ohne Befund. Nach der Behandlung mit dem FDM konnte eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erreicht werden.

Diabetische Neuropathie und ihre Behandlung

Eine häufige Komplikation bei Menschen mit Diabetes ist die diabetische Neuropathie, eine Nervenschädigung, die zu Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in den Beinen führen kann.

Therapiemöglichkeiten:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Schmerzen bei diabetischer Neuropathie zu lindern. Dazu gehören:

  • Medikamente (Antidepressiva, Antiepileptika, Opioide)
  • Infusionen und Tabletten mit Alpha-Liponsäure oder Benfotiamin
  • Schmerzstillende Chili-Pflaster
  • Lindernde Impulse (TENS, Hochtontherapie, elektrische Rückenmarkstimulation)
  • Heilsame Nadeln und Bäder

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