Zopiclon ist ein weit verbreitetes Schlafmittel, das zur Gruppe der Z-Substanzen gehört. Es wird zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Wechselwirkungen von Zopiclon mit anderen neurologischen Medikamenten, seine Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Risiken und Alternativen.
Einführung in Zopiclon
Zopiclon ist ein Hypnotikum, das zur Gruppe der Nicht-Benzodiazepine gehört, obwohl es benzodiazepinähnliche Eigenschaften aufweist. Es wirkt, indem es an den GABA-A-Rezeptor im Gehirn bindet und dessen hemmende Funktion verstärkt. GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist ein Neurotransmitter, der eine "bremsende" Wirkung auf die Nervenzellen hat. Durch die Verstärkung dieser Wirkung wirkt Zopiclon schlafanstoßend, sedierend und angstlösend.
Pharmakodynamik und Wirkungsweise
Zopiclon interagiert mit der α- und γ-Untereinheit des GABAA-Rezeptors. Es wird nach oraler Einnahme schnell resorbiert und erreicht maximale Plasmaspiegel nach 1,5 bis 2 Stunden. Die Plasmaeiweißbindung ist mit ca. 45 Prozent relativ niedrig, was das Risiko von medikamentösen Interaktionen aufgrund der Plasmaeiweißbindung gering erscheinen lässt.
Der genaue Wirkungsmechanismus von Zopiclon ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass es mit hoher Affinität an Bindungsstellen im zerebralen Kortex, Hippocampus und Cerebellum bindet, den GABA-A-Rezeptor-Komplex moduliert und so die durch GABA hervorgerufene Chlorid-Leitfähigkeit erhöht. Dies führt zu einer neuronalen Hyperpolarisation, wodurch die neuronale Transmission gehemmt und Schlaf induziert wird.
Unterschiede zwischen Zopiclon und Eszopiclon
Eszopiclon ist das rechtsdrehende Stereoisomer von Zopiclon. Zopiclon ist ein Racemat, also eine Mischung aus gleichen Anteilen des linksdrehenden R-(-)-Zopiclon und des rechtsdrehenden S-(+)-Zopiclon (Eszopiclon). Nur S-(+)-Zopiclon wirkt als Hypnotikum.
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Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Arzneimitteln besteht darin, dass in der Fachinformation von Eszopiclon als höchste Behandlungsdauer für „spezielle Fälle, beispielsweise bei Patienten mit chronischen Schlafstörungen“ sechs Monate angegeben werden können. Die Grundlage dafür sind zwei randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studien, die zeigten, dass während fortwährender nächtlicher Behandlung von Patienten mit Insomnie mit 3 mg Eszopiclon über diesen Zeitraum die Wirksamkeit erhalten blieb und sich keine Toleranz entwickelte.
Anwendungsgebiete von Zopiclon
Zopiclon wird zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt, insbesondere bei Ein- und Durchschlafstörungen. Es kann die Einschlafzeit verkürzen, die Durchschlafzeit verlängern, nächtliches und frühmorgendliches Erwachen vermindern und die Schlafeffizienz verbessern.
Wechselwirkungen mit neurologischen Medikamenten
Zopiclon kann mit verschiedenen neurologischen Medikamenten interagieren. Es ist wichtig, diese Wechselwirkungen zu berücksichtigen, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.
Topamax (Topiramat)
Einige Anwender berichten von der Einnahme von Topamax (Topiramat) in Kombination mit Benzodiazepinen ohne Probleme. Es ist jedoch wichtig, jegliche Nebenwirkungen von Topamax zu melden und mit dem Arzt zu besprechen.
Antidepressiva und Neuroleptika
Im Bereich der Antidepressiva und Neuroleptika wurden bei einigen Patienten bereits verschiedene Medikamente ausprobiert, die jedoch aufgrund von Nebenwirkungen abgesetzt werden mussten. Bei der Einnahme von Zopiclon in Kombination mit Antidepressiva oder Neuroleptika ist Vorsicht geboten, da es zu einer Verstärkung der sedierenden Wirkung kommen kann.
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Pregabalin
Pregabalin, das zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt wird, kann die Wirkung von Lorazepam verstärken. Da Zopiclon ähnliche Wirkmechanismen wie Benzodiazepine aufweist, ist Vorsicht geboten, wenn es zusammen mit Pregabalin eingenommen wird. Es ist ratsam, einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren, um mögliche Wechselwirkungen zu klären.
CYP3A4-Inhibitoren und -Induktoren
Zopiclon wird hauptsächlich von Cytochrom P450 (CYP) 3A4 metabolisiert. CYP3A4-Inhibitoren wie Cimetidin, Erythromycin, Ketoconazol, Ritonavir und Grapefruitsaft können die Plasmaspiegel von Zopiclon erhöhen und dessen hypnotische Wirkung verstärken. Umgekehrt können CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Johanniskraut die Wirkung von Zopiclon abschwächen.
Alkohol
Während der Behandlung mit Zopiclon sollte kein Alkohol getrunken werden, da hierdurch die Wirkung von Zopiclon in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärkt werden kann.
Opioide
Die gleichzeitige Anwendung von Zopiclon mit Opioiden kann zu Sedierung, Atemdepression und Tod führen. Daher ist bei der Kombination von Zopiclon mit Opioiden besondere Vorsicht geboten.
Risiken und Nebenwirkungen von Zopiclon
Wie bei allen Medikamenten kann die Einnahme von Zopiclon mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein.
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Häufige Nebenwirkungen
Eine sehr häufige Nebenwirkung nach Einnahme von Zopiclon ist ein unangenehmer Geschmack.
Weitere mögliche Nebenwirkungen
- Halluzinationen
- Depressionen
- Verwirrtheit
- Gedächtnisstörungen
- Albträume
- Schlafwandeln
- Müdigkeit am Folgetag
Abhängigkeitspotenzial
Die Behandlung mit Benzodiazepinen und Benzodiazepin-ähnlichen Arzneimitteln einschließlich Zopiclon kann zu physischer und psychischer Abhängigkeit führen. Zopiclon darf bei Patienten mit aktuellem oder früherem Alkohol-, Drogen- oder Arzneimittelmissbrauch oder -abhängigkeit nur mit äußerster Vorsicht angewendet werden.
Anterograde Amnesie
Das Risiko des Auftretens anterograder Amnesien wird bei Zopiclon beschrieben. Um es zu verringern, wird empfohlen, dass die Patienten unmittelbar nach der Einnahme zu Bett gehen und ausreichend lange ununterbrochen schlafen.
Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit
Nach Einnahme von Zopiclon können neben Amnesien Sedierung, verschwommenes Sehen, eingeschränkte Konzentration und eingeschränkte Muskelfunktion auftreten. Dadurch kann die Fähigkeit, Fahrzeuge zu führen und Maschinen zu bedienen, eingeschränkt sein. Um die genannten Auswirkungen zu minimieren, wird ein Abstand von zwölf Stunden zwischen der Einnahme von Zopiclon und dem Führen von Fahrzeugen, dem Bedienen von Maschinen und dem Arbeiten in Höhe empfohlen.
Schlafwandeln und andere Verhaltensweisen
Wie auch nach Benzodiazepinen und nach anderen Benzodiazepin-artigen Arzneimitteln wurden nach der Einnahme von Zopiclon Schlafwandeln und andere damit zusammenhängende Verhaltensweisen berichtet wie „Schlaf-Fahren“, Zubereiten und Essen von Nahrung, Telefonanrufe oder Geschlechtsverkehr im nicht vollkommen wachen Zustand und ohne dass die Patienten sich anschließend daran erinnern konnten. Alkohol und andere zentral dämpfende Medikamente sowie die Anwendung von Zopiclon in Dosen oberhalb der empfohlenen Maximaldosis scheinen das Risiko für solches Verhalten zu erhöhen.
Suizidgefahr
Bei Patienten, die Symptome einer Depression zeigen, ist Zopiclon mit Vorsicht anzuwenden. Wie alle Benzodiazepin-artigen Arzneimittel soll die Substanz nicht ohne angemessene Behandlung der Depression oder der Angstzustände, die mit Depression einhergehen, angewendet werden. Bei diesen Patienten kann durch Zopiclon die Suizidgefahr erhöht werden.
Alternativen zu Zopiclon
Es gibt verschiedene Alternativen zu Zopiclon, die je nach Ursache und Schweregrad der Schlafstörung in Betracht gezogen werden können. Dazu gehören:
- Nicht-medikamentöse Behandlungen: Schlafhygiene, kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I), Entspannungstechniken
- Pflanzliche Präparate: Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel
- Antihistaminika: Diphenhydramin, Doxylamin (rezeptfrei, aber mit Vorsicht zu verwenden)
- Sedierende Antidepressiva: Trimipramin, Trazodon (insbesondere bei Depressionen oder Angststörungen)
- Melatonin: Ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert
- Daridorexant (Quviviq): Ein neuer Wirkstoff zur Behandlung von Insomnie, der seit Mitte November 2022 in Deutschland erhältlich ist.
Empfehlungen zur Einnahme von Zopiclon
- Zopiclon sollte nur nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden.
- Die niedrigste wirksame Dosis sollte verwendet werden.
- Die Einnahme sollte nur kurzfristig erfolgen (in der Regel nicht länger als vier Wochen).
- Die Medikamente sollten nicht abrupt abgesetzt werden, sondern ausschleichend unter ärztlicher Aufsicht.
- Während der Einnahme von Zopiclon sollte auf Alkohol verzichtet werden.
- Bei Auftreten von Nebenwirkungen sollte ein Arzt konsultiert werden.
- Die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen können beeinträchtigt sein.
Z-Substanzen und Benzodiazepine: Ein Vergleich
Z-Substanzen (Zopiclon, Zolpidem, Eszopiclon) und Benzodiazepine sind chemisch nicht verwandt, wirken aber ähnlich und werden daher oft zusammen genannt. Sie haben folgende zentrale Eigenschaften: Sie können beruhigend, angstlösend, schlaffördernd, krampflösend und muskelentspannend wirken.
Benzodiazepine sind zugelassen für die Behandlung von starker innerer Unruhe, Ängsten, Anspannung und Schlafstörungen.
Halbwertszeit
Die verschiedenen Z-Substanzen und Benzodiazepine haben sehr unterschiedliche Halbwertszeiten:
- Z-Substanzen haben alle eine sehr kurze bis kurze Halbwertszeit (1 bis 5 Stunden).
- Bei den Benzodiazepinen ist die Halbwertszeit, je nach Wirkstoff, sehr unterschiedlich (von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen).
Je nachdem, welche Symptome Sie haben, sollte daher ein passender Wirkstoff ausgewählt werden:
- Bei Einschlafstörungen eignen sich eher Präparate mit „sehr kurzer Halbwertszeit“, da sie nur beim Einschlafen unterstützen sollen.
- Bei Durchschlafstörungen eignen sich solche mit „kurzer Halbwertszeit“, da sie über den gesamten Nachtschlaf hinweg wirken sollen.
- „Langwirkende Benzodiazepine“ werden z.B.
Abhängigkeit
Sowohl Z-Substanzen als auch Benzodiazepine können abhängig machen. Es ist wichtig, die Medikamente nur kurzfristig und unter ärztlicher Aufsicht einzunehmen.
Ältere Menschen und Zopiclon
Menschen im höheren Lebensalter nehmen besonders oft Z-Substanzen und Benzodiazepine ein. Ein Grund dafür ist, dass Schlafstörungen im höheren Lebensalter häufiger vorkommen. Das Problem bei der Einnahme von Z-Substanzen und Benzodiazepinen bei älteren Menschen ist, dass das Risiko für Nebenwirkungen bei ihnen besonders groß ist. Bei der Einnahme von Z-Substanzen und Benzodiazepinen entspannen sich die Muskeln. Bei älteren Menschen kann die Wirkdauer der Medikamente verlängert sein, dadurch kann sich die Wirkung der eingenommenen Medikamente verstärken und in Folge zu stark ausfallen.
Insgesamt sind die Risiken von Z-Substanzen und Benzodiazepinen bei älteren Menschen deutlich größer als bei Jüngeren, weshalb die Einnahme durch Ärzt:innen besonders kritisch geprüft werden sollte. Zudem sollten Sie vor Beginn der Einnahme umfassend bezüglich der erhöhten Risiken und möglicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufgeklärt werden.