Das gehackte Gehirn: Definition, Gefahren und Zukunftsperspektiven

Die Vorstellung, dass das menschliche Gehirn gehackt werden könnte, mag wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film wirken. Doch die Realität holt diese Vorstellung zunehmend ein. Mit dem Fortschritt der Technologie, insbesondere im Bereich der Brain-Computer-Interfaces (BCIs), rückt das Konzept des "gehackten Gehirns" oder "Brainjacking" in den Fokus von Wissenschaftlern, Ethikern und Sicherheitsexperten. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, die potenziellen Gefahren und die ethischen Implikationen dieser neuen Realität.

Was bedeutet "das gehackte Gehirn"?

Der Begriff "das gehackte Gehirn" oder "Brainjacking" beschreibt den unbefugten Zugriff auf und die Manipulation von Gehirnaktivitäten durch externe Einflüsse. Dies kann durch verschiedene Technologien ermöglicht werden, insbesondere durch Brain-Computer-Interfaces (BCIs). BCIs sind Geräte, die eine direkte Kommunikationsverbindung zwischen dem Gehirn und einem externen Gerät, wie einem Computer oder Smartphone, herstellen.

Es gibt bereits mehrere Ausdrücke dafür: Brain Spyware, Hirnwellen-Hacken oder eben Brainjacking.

Die Idee dahinter ist, dass durch das Auslesen von Hirnströmen Computer oder Smartphones gesteuert werden können. Die ersten serienreifen Produkte existieren bereits. Sie messen grob gesagt die Hirnaktivität, und geübte Nutzer können mit ihrer Hilfe einfache Kommandos geben (Hoch/Runter, An/Aus - etwas auf diesem Niveau).

Wie funktioniert Brainjacking?

Brainjacking kann auf verschiedene Arten erfolgen, abhängig von der Art der verwendeten BCI-Technologie:

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  • Ausnutzung von Sicherheitslücken in BCIs: Wie jede andere Technologie können auch BCIs Sicherheitslücken aufweisen, die von Hackern ausgenutzt werden können. Dies könnte es ermöglichen, die Kontrolle über das Gerät zu übernehmen und die Gehirnaktivität des Benutzers zu manipulieren.
  • Entlocken von Informationen: Sicherheitsexperten haben gezeigt, dass man mit BCIs dem Gehirn auch Geheimzahlen entlocken kann, ohne dass die Nutzer es merken. Leicht könnten Schurken so eine Spionagefunktion verfeinern und in einer scheinbar harmlosen, gedankengesteuerten App verstecken. Die Geheimzahl würde regelrecht aus dem Hirn des Nutzers entführt.
  • Manipulation von Emotionen und Gedanken: Fortgeschrittene BCIs könnten in Zukunft in der Lage sein, Emotionen und Gedanken direkt zu beeinflussen. Dies könnte für therapeutische Zwecke genutzt werden, birgt aber auch das Risiko der Manipulation durch unbefugte Dritte.

Die Gefahren des Brainjackings

Die potenziellen Gefahren des Brainjackings sind vielfältig und beunruhigend:

  • Diebstahl von persönlichen Informationen: Durch das Auslesen von Gehirnaktivitäten könnten sensible Informationen wie Passwörter, Bankdaten oder persönliche Gedanken gestohlen werden.
  • Manipulation von Entscheidungen: Hacker könnten die Gehirnaktivität einer Person so manipulieren, dass sie Entscheidungen trifft, die sie normalerweise nicht treffen würde.
  • Verursachen von körperlichem Schaden: In extremen Fällen könnte Brainjacking dazu verwendet werden, körperlichen Schaden zu verursachen, indem beispielsweise die Steuerung von Prothesen oder anderen Geräten manipuliert wird.
  • Psychologische Auswirkungen: Die Angst vor Brainjacking und der Verlust der Kontrolle über die eigenen Gedanken könnten erhebliche psychologische Auswirkungen haben.

Beispiele aus der Fiktion und der Realität

Die Vorstellung des gehackten Gehirns ist nicht nur ein Thema für Science-Fiction-Filme. Die Science-Fiction-Serie "Black Mirror" zeigt, wie ein freiwilliger Proband ein neues Spiel ausprobiert, das sich komplett aus seinen eigenen Ängsten speist. Diese werden im Gehirn abgelesen und dann in einer virtuellen Projektion zurückgespiegelt.

Auch in der realen Welt gibt es bereits Beispiele für die potenziellen Gefahren von Brain-Computer-Interfaces. Tamara Bonaci hat in einem eigenen Experiment die Möglichkeiten von solcher Gehirn-Schadsoftware ausprobiert. Als Beispiel wählte sie ein Spiel, in dem man mit einem virtuellen Wal durch ein Meer und an Küsten vorbeischwimmen kann − gesteuert natürlich über ein Brain-Computer-Interface. Während des Spiels wurden dann für wenige Sekundenbruchteile Symbole von Caféhaus-Ketten, berühmten Personen, Nummern oder Fotos von Orten eingeblendet. Bewusst nimmt ein Mensch dies nicht wahr − zu schnell für das Auge. "Man sieht deutlich: Die Person hat reagiert. Das gezeigte Logo hat einen Bedeutung für die Person. So kann man private Informationen herausfinden".

Neurohacking und Biohacking: Weitere Dimensionen der Manipulation

Neben dem direkten Hacken des Gehirns gibt es weitere Formen der Manipulation, die als "Neurohacking" und "Biohacking" bezeichnet werden.

  • Biohacking: Biohacking zielt darauf ab, durch chemische Produkte Schwachstellen der menschlichen Neurobiologie auszubeuten, etwa durch die Produktion von Rausch- und Suchtmitteln. Beispiele hierfür sind die Tabakindustrie, die Herstellung von Industriezucker als Geschmacks- und Suchtmittel und die Opioid-Krise in den USA.
  • Neurohacking: Neurohacking zielt darauf ab, durch mediale Produkte Schwachstellen der menschlichen Psychologie auszubeuten, etwa durch Werbung und Propaganda bis hin zur thymotisierenden Empörungssucht. Beispiele hierfür sind feindselige Propaganda, die Manipulation von Kaufentscheidungen durch Amazon und die Optimierung von Algorithmen in sozialen Medien, um die Nutzer abhängig und empörungssüchtig zu machen.

Ethische und gesellschaftliche Implikationen

Die Entwicklung von BCIs und die potenziellen Gefahren des Brainjackings werfen eine Reihe von ethischen und gesellschaftlichen Fragen auf:

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  • Privatsphäre: Wie können wir die Privatsphäre der Gedanken und Emotionen schützen, wenn BCIs immer weiter verbreitet sind?
  • Autonomie: Wie können wir sicherstellen, dass Menschen die Kontrolle über ihre eigenen Entscheidungen behalten, wenn die Möglichkeit besteht, ihre Gehirnaktivität zu manipulieren?
  • Verantwortung: Wer ist verantwortlich, wenn ein Mensch aufgrund von Brainjacking Schaden anrichtet?
  • Gleichheit: Werden BCIs nur für eine privilegierte Elite zugänglich sein, oder werden sie für alle verfügbar sein?

Die Notwendigkeit von Forschung und Regulierung

Um die potenziellen Gefahren des Brainjackings zu minimieren und die ethischen Implikationen zu bewältigen, ist es unerlässlich, dass Forschung und Regulierung Hand in Hand gehen.

  • Sicherheitsforschung: Es ist wichtig, in die Forschung zu investieren, um BCIs sicherer zu machen und sie vor Hackern zu schützen.
  • Ethische Richtlinien: Es müssen ethische Richtlinien für die Entwicklung und den Einsatz von BCIs entwickelt werden, um sicherzustellen, dass sie zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden.
  • Gesetzgebung: Es ist notwendig, Gesetze zu erlassen, die Brainjacking unter Strafe stellen und die Rechte der Menschen schützen, deren Gehirne gehackt wurden.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Wissenschaftler, Ethiker, Juristen und politische Entscheidungsträger müssen zusammenarbeiten, um die Herausforderungen des Brainjackings zu bewältigen. Mark Zuckerberg zeigte sich schon 2015 begeistert von zukünftigen Möglichkeiten von Brain Computer Interfaces. Und natürlich forscht sein datenhungriges Unternehmen längst selbst an solchen Schnittstellen. "Wir müssen jetzt darüber nachdenken, während der Forschung direkt mit Rechtswissenschaftlern, Soziologen und Ethikern zusammenzuarbeiten.

Die Zukunft des gehackten Gehirns

Die Zukunft des gehackten Gehirns ist ungewiss. Einerseits bieten BCIs das Potenzial, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern und neue Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion zu eröffnen. Die Steuerung von Prothesen körperlich beeinträchtigter Menschen wäre so möglich. In Japan waren Necomimi-Ohren vor ein paar Jahren Verkaufsschlager. Kleine plüschige Ohren, die durch Sensoren rudimentär Gehirnwellen ablesen und sich nach Gemütslage aufstellen, anliegen oder wackeln.

Andererseits bergen sie auch erhebliche Risiken, die nicht ignoriert werden dürfen. Es zeigt sich, dass diese Signale durchaus gefährlich sein können, sie verraten viel über uns. Schadsoftware für das Gehirn? Tamara Bonaci gibt selbst zu, das klingt nach einer Sci-Fi-Horror-Story.

Es ist wichtig, dass wir uns den Herausforderungen des Brainjackings stellen und sicherstellen, dass diese Technologie verantwortungsvoll und zum Wohle der Menschheit eingesetzt wird.

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