Die Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen auszeichnet. Eine präzise Diagnose ist entscheidend, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen und eine gezielte Therapie einzuleiten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne-Diagnose, von den typischen Symptomen und Diagnosekriterien bis hin zu innovativen Methoden zur Messung des Schmerzgedächtnisses.
Die Migräne Diagnose: Ein Überblick
Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf der Anamnese, also der ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte durch den Arzt. Dabei werden die spezifischen Symptome, wie Art, Dauer und Häufigkeit der Kopfschmerzen, sowie mögliche Begleiterscheinungen wie Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit erfasst. In Vorbereitung auf den Arztbesuch kann es hilfreich sein, über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen ein Migränetagebuch zu führen, in dem die Kopfschmerzen genau dokumentiert werden.
Das Kopfschmerz-Tagebuch: Ein wichtiges Hilfsmittel
Ein Kopfschmerz-Tagebuch ist ein wertvolles Instrument für die Diagnose und Therapie von Migräne. Betroffene sollten darin Zeitpunkt, Art, Stärke, Dauer, Begleiterscheinungen, mögliche Auslöser und eventuelle Medikation der Kopfschmerzen genauestens dokumentieren. Diese Informationen helfen dem Arzt, die Migräne besser zu verstehen und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.
Die Rolle des Arztgesprächs
Das ausführliche Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) reicht oft aus, um eine Diagnose zu stellen. Der Arzt wird Fragen stellen, um die Krankheit einzugrenzen, u. a. wie sich die Schmerzen anfühlen und wie stark sie sind, ob es bestimmte Auslöser gibt und welche Begleiterscheinungen auftreten.
Neurologische Untersuchung
Neben dem Arzt-Patienten-Gespräch ist meist außerdem eine neurologische Untersuchung Bestandteil der Migräne-Diagnose. Damit soll geprüft werden, ob die Beschwerden tatsächlich durch Migräne verursacht werden oder ob eine andere Erkrankung dahinterstecken könnte.
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Typische Symptome und Phasen einer Migräne
Es ist nicht immer einfach, die Symptome einer Migräne eindeutig einzugrenzen, da jede Migräneattacke unterschiedlich verlaufen kann. Neben den Kopfschmerzen berichten viele Betroffene z.B. auch von Migräne-Symptomen in den Augen oder im Nacken, andere erleben Übelkeit und Erbrechen. Auch wenn eine einheitliche Migräne Diagnose schwerfällt, gibt es dennoch einige typische Migräne-Anzeichen und Phasen, die sich von den Symptomen anderer Kopfschmerzarten unterscheiden und eine Diagnose durch den Arzt ermöglichen.
Die Hauptmerkmale
Meist äußern sich die Beschwerden auf folgende Weise:
- Pochende und pulsierende Kopfschmerzen, die meist einseitig auftreten
- Die Schmerzen und Symptome erscheinen in Form einer Migräneattacke
- Beschwerden verschlimmern sich bei körperlicher Aktivität
- Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Erbrechen treten auf
- Eine deutliche Lärm- oder Licht- und Geruchsempfindlichkeit ist zu bemerken
- Visuelle Beeinträchtigungen, das Gefühl einer „Aura“ oder Bewegungs- bzw. Sprachstörungen sind möglich
Die für die Migräne typischen einseitigen Kopfschmerzen können im Verlauf eines Migräneanfalls auch die Kopfseite wechseln. Die starken körperlichen Migräne-Symptome während eines Migräneanfalls haben oft auch einen negativen Effekt auf den psychischen Zustand. Betroffenen ist es in diesen Phasen unmöglich, am normalen Alltag teilzunehmen. Aus dem anhaltenden Leiden heraus ergeben sich deshalb auch manchmal depressive Verstimmungen.
Die vier Phasen eines Migräneanfalls
Ein Migräneanfall kann in vier Phasen unterteilt werden:
- Migräne Vorphase (Prodromalphase): Etwa 30 Prozent der Migränepatienten nehmen Migräne-Vorboten bereits 4 bis 48 Stunden vor der eigentlichen Migräneattacke wahr. Während der Frühphase treten verschiedene Vorboten auf. Dazu zählen Symptome wie: Müdigkeit, Geräuschempfindlichkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Heißhunger auf hochkalorische Nahrungsmittel.
- Migräne Auraphase: Die Auraphase tritt nur bei ungefähr 10 Prozent der Patienten auf und nicht bei jeder Migräne. Die Aura-Symptome erscheinen im Migräne-Verlauf meist vor der Schmerzphase, und halten ca. 15 bis 30 Minuten an. Es handelt sich dabei um Störungen in der Sinneswahrnehmung. Viele Betroffene erleben beispielsweise: Lichtblitze, Sichtfeldeinschränkungen, Schwindel, Sprachstörungen, Taubheitsgefühl.
- Migräne Kopfschmerzphase: In der akuten Kopfschmerzphase erleben Patienten äußerst starke Schmerzen, die durch Übelkeit und Erbrechen begleitet werden können. Bei Erwachsenen beträgt die Migräne-Dauer zwischen 4 und 72 Stunden. Bei Kindern ist die Dauer der Migräne in der Regel kürzer.
- Migräne Erholungsphase: In der Erholungsphase, auch oft als Rückbildungsphase bezeichnet, klingen die Migräne-Beschwerden langsam ab. Der Patient ist nach den starken Schmerzen oft erschöpft und fühlt sich müde. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit kann noch bis zu zwei Tage nach der Attacke nachwirken.
Verschiedene Formen der Migräne
Durch eine fachliche Diagnostik beim Arzt können die Migräne-Symptome häufig einer Migräne-Form zugeordnet werden. Davon ausgehend lassen sich eine passende Therapie, vorbeugende Maßnahmen oder auch praktische Hausmittel gegen Migräne bestimmen.
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- Migräne mit Aura Symptomen: Nach Angaben der Schmerzklinik Kiel erleben ca. 10 % der Migräniker besondere Migräne-Symptome: Man spricht hier von einer Migräne mit Aura. Sie tritt vor dem eigentlichen Migräneanfall für eine Dauer von ca. 15-30 Minuten auf und ist durch eine allmähliche Zunahme und durch ein langsames Abklingen gekennzeichnet. Dauert die Auraphase länger an, sollten Sie mit Ihrem Arzt über diese Auffälligkeit sprechen. Die Migräne mit Aura umfasst sowohl optische als auch sensible Wahrnehmungsstörungen: Optische Wahrnehmungsstörungen: Die visuellen Beschwerden werden auch Augenmigräne genannt. Hier treten die Migräne-Symptome der Augen meist einseitig links oder rechts im Sichtfeld auf. Typisch sind Flimmererscheinungen, Zickzacklinien, Lichtblitze oder Sichtfeldeinschränkungen. Sensible Wahrnehmungsstörungen: Taubheitsgefühl oder Kribbeln, das sich von einer Hand über den Arm bis zum Gesicht ausbreitet. Seltener sind auch Füße und Beine betroffen. Auch Lähmungs- und Sprachstörungen treten in einigen seltenen Fällen auf. Sowohl die optischen als auch die sensiblen Wahrnehmungsstörungen sind im Normalfall reversibel, das heißt sie bleiben nicht dauerhaft bestehen.
- Migräne ohne Aura Symptome: Als häufigste Migräne-Form gilt die Migräne ohne Aura, also Migräne ohne auffällige Vorboten. Bei Frauen tritt die Migräne ohne Aura häufig im Zusammenhang mit der Regelblutung, also vor oder während der Periode auf.
Egal um welche Form der Migräne es sich handelt, wir empfehlen bei wiederkehrenden Beschwerden das Gespräch mit Ihrem Arzt.
Apparative Diagnostik: MRT, EEG und CT
In einigen Fällen können zusätzliche Untersuchungen erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern oder andere Erkrankungen auszuschließen. Zu den häufigsten apparativen Verfahren gehören die Magnetresonanztomographie (MRT), die Elektroenzephalographie (EEG) und die Computertomographie (CT).
Magnetresonanztomographie (MRT)
Um detailliertere Einblicke in das Gehirn zu bekommen und die Diagnose Migräne zu festigen, verordnen Mediziner in manchen Fällen ein MRT (Magnetresonanztomographie; auch Kernspintomographie). Damit können sie krankhafte Veränderungen oder Blutungen ausschließen.
- Ablauf: Patienten mit Kopfschmerzen legen sich beim MRT auf einen Untersuchungstisch. Dieser wird eine Röhre gefahren, in der sich ein Magnetfeld befindet. Mithilfe der magnetischen Wellen lassen sich Schnittbildaufnahmen des Körperinneren von hoher Qualität erzeugen. Die Untersuchung dauert 15 bis 50 Minuten. Sogenannte Kontrastmittel werden über die Armvene in den Blutkreislauf verabreicht. Dadurch lassen sich beim MRT Blutgefäße und Muskeln besser darstellen.
- Wichtig zu wissen: Ob ein Mensch Migräne-Patient ist oder nicht, kann der Mediziner mit einem MRT nicht direkt sehen. Zunächst gilt es, mittels der Diagnostik andere Störungen oder Erkrankungen auszuschließen.
- Sollten Personen mit Klaustrophobie zu kämpfen haben, können sie vorher ein Beruhigungsmittel verabreicht bekommen. Wenn Kontrastmittel zum Einsatz kommen, muss vorab angegeben werden, ob Probleme mit den Nieren vorliegen. In der Regel erfolgt deswegen eine Bestimmung der Blutwerte, bevor Migräne-Patienten zum MRT gehen. Manchen Menschen wird es bei dem Gedanken eines MRTs etwas mulmig zumute. Doch das muss es nicht. Sie verspüren während der Untersuchung keinerlei Schmerzen. Eine Kernspintomographie macht mittels Schnittbildern Strukturen des Körpers erkennbar, indem sie Magnetwellen nutzt - die Person wird keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.
Elektroenzephalographie (EEG)
Die EEG (Elektroenzephalographie) ist ebenso nicht Teil der Basisuntersuchungen einer Migräne. Manchmal ist sie jedoch sinnvoll, zum Beispiel wenn der Arzt mehr über die elektrische Aktivität des Gehirns wissen möchte. Die Mediziner messen die Hirnströme, wodurch eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachgewiesen werden kann - das ist bei einer Migräne im EEG oft auffällig.
- Ablauf: Patienten erhalten dafür eine Art Haarnetz aus Haltebändern. Darauf werden Elektroden angebracht, die Hirnströme messen können. Für die Messung bekommen Patienten ein Netz mit Elektroden auf den Kopf gesetzt.
- Nutzen: Bei bestimmten Kopfschmerzen kann ein EEG bei der Diagnose und Therapie behilflich sein - z. B. bei Migräne. Denn dabei ist oft die Erregbarkeit des Nervensystems erhöht, was ein Auslöser von Kopfschmerzen sein kann. Mithilfe des EEGs lässt sich dies nachweisen. Dafür werden Betroffene während der Untersuchung mit akustischen oder visuellen Reizen konfrontiert. Die Aufzeichnung der Hirnströme lässt dann erkennen, ob eine erhöhte Reizbarkeit der Nerven vorliegt. Bei Spannungskopfschmerzen kann ein EEG außerdem eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Eine Studie konnte mittels EEG-Messung darstellen, dass Migräne-Patienten Probleme besser lösen als gesunde Probanden. In dem Experiment mussten die Teilnehmer eine hilflose Situation bewältigen.
Computertomographie (CT)
Im Gegensatz zu den beiden anderen bildgebenden Verfahren, die bei Patienten mit Migräne eingesetzt werden können, kommt es durch ein CT (Computertomographie) zu einer Strahlenbelastung (Röntgenstrahlen). Deswegen ist dieses Verfahren seltener das Mittel der Wahl, um eine Migräne zu diagnostizieren.
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- Nutzen: Ob eine Migräne vorliegt, ist mit dem CT direkt nicht nachweisbar. Wenn der Arzt Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüsse sowie Erkrankungen des Schädels und der Nebenhöhlen ausschließen will oder es sich um Akutfälle handelt, ist ein CT oft sinnvoll. Auch die Knochen und knochenähnliche Strukturen können mit dem Verfahren genauer als mit einem MRT dargestellt werden. Aufgrund der Strahlenbelastung wird die Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Auch bei schwangeren Patienten mit Kopfschmerzen ist ein MRT zu bevorzugen. Die Magnetresonanztomographie ist außerdem bei der Diagnose von Entzündungen.
- Ablauf: Du liegst in der Regel in Rückenlage, manchmal auch auf dem Bauch, auf einer schmalen Liege. Um diese befindet sich eine ringförmige Öffnung (keine Röhre), in die du hineingefahren wirst - Personen mit Platzangst müssen hier keine Sorgen haben, da das Gerät einen relativ großen Durchmesser hat. Die Messung ist schmerzfrei, falls es dir doch unangenehm wird, kannst du mit den Arzthelfern über eine Gegensprechanlage reden.
Innovative Ansätze: Das Schmerzgedächtnis messen
Die Behandlung von Kopfschmerzen bringt ein großes Problem mit sich: Es gibt aktuell keine Blutentnahmen oder MRT-Aufnahmen, mit denen man messen kann, dass die Betroffenen eine Migräne haben, welche Art der Migräne es ist oder warum bestimmte Patienten auf eine Therapieform regieren und andere wiederum nicht.
Um diesen Betroffenen künftig besser helfen zu können, hat sich das Greifswalder Kopfschmerzzentrum nun mit Hilfe von europäischen Förderungsmitteln ein neues Gerät angeschafft. Es kann messen, ob sich im schmerzverarbeitenden System des Gehirns ein sogenanntes Schmerzgedächtnis gebildet hat.
Das Schmerzgedächtnis
Das Konzept des Schmerzgedächtnisses besagt, dass wiederholte Schmerzreize im Gehirn Veränderungen hervorrufen können, die zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen. Bei Migränepatienten kann sich ein solches Schmerzgedächtnis entwickeln, wodurch die Schmerzen chronisch werden und schwerer zu behandeln sind.
Die Messung des Schmerzgedächtnisses in Greifswald
Das Kopfschmerzzentrum der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald setzt nun ein neues Gerät ein, das dieses Schmerzgedächtnis messen kann. Das etwa 50.000 Euro teure Gerät wurde mit Hilfe von Zuwendungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert. Bisher ist die Unimedizin Greifswald der einzige Standort in Deutschland, an dem Auswertungen dieser Art durchgeführt werden.
Die Funktionsweise des Geräts
Dafür werden zwei Sensoren über den Austrittspunkt des Nervs geklebt. Diese geben einen Schmerzreiz ab. Normalerweise kneifen Personen ohne Migräne durch den Reiz unwillkürlich die Augen zu, was sich mit jeder Wiederholung schwächer wird, da sich das Gehirn daran gewöhnt und den Reiz als nicht schädlich interpretiert. Bei Betroffenen mit einem Schmerzgedächtnis ist jedoch jeder Reiz anhaltend schmerzhaft. „Das ist wie ein Trampelpfad“, so Fleischmann, „haben Patienten immer wieder Schmerzen, die auf das Gehirn einprasseln, dann entsteht auf der Wiese irgendwann ein Pfad - und jeder neue Schmerz, der da kommt, hat es dann leicht rüberzugehen.“
Ziele und Perspektiven
In den kommenden fünf Jahren soll damit getestet werden, ob es als Standard-Diagnostikverfahren auch in den klinischen Alltag überführt werden kann. In einem weiteren Schritt könne dann überprüft werden, wie diese Patienten auf bestimmte Therapien ansprechen. Das Greifswalder Team wurde auf diese Messmethode vor etwa sechs Jahren aufmerksam und führte bereits kleinere Studien dazu durch. „Mit diesem EFRE-Projekt möchten wir das Verfahren nun im großen Stil testen“, betont Fleischmann, „das heißt, wir können in den nächsten Jahren das Monitoring eines Parameters betreiben, den wir bisher noch nicht in der klinischen Routine einsetzen können“. Übergeordnetes Ziel des Projektes ist der translationale Gedanke, dass der Testparameter erfolgreich in seiner Tauglichkeit für den Klinikalltag getestet wird und sich das Verfahren irgendwann als Standarddiagnostik etablieren könnte.
Weitere Diagnoseansätze und Differenzialdiagnose
Stellt der Arzt die Diagnose Migräne, analysiert er sie im weiteren Verlauf näher und ist in der Lage, eine bestimmte Migräneform festzustellen. Dadurch ist eine noch spezifischere Behandlung der Beschwerden durchführbar.
- Vestibuläre Migräne: Jeder zweite bis dritte migränekranke Patient hat mindestens einmal Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, die während oder nach einer Kopfschmerzattacke auftreten können, erlebt.
- Menstruelle Migräne: Sie ist eng mit dem Menstruationszyklus verbunden. Die Migräneattacken kommen normalerweise während oder kurz vor der Periode.
- Hemiplegische Migräne: Neben den typischen Aura-Symptomen kann es zu Sprachstörungen, reversiblen motorischen Defiziten (z. B. Kraftverlust) und teils auch (halbseitigen) Lähmungserscheinungen kommen.
- Basilarismigräne: Diese spezielle Form findet sich vor allem unter jungen Erwachsenen.
Die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken entscheidet außerdem darüber, ob es sich um episodische oder chronische Migräne handelt. Die Migräne hat viele Gesichter. Du musst Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten. Wie entsteht eine Migräne überhaupt?
Kogniphobie und Chronifizierung
Die Angst, dass geistige Anstrengung Kopfschmerzen auslösen kann, wird als Kogniphobie bezeichnet. Angst an sich ist mit einem gesteigerten Schmerzbewusstsein und Chronifizierung assoziiert. Dies ist im Kontext muskuloskelettaler Schmerzen und Rückenschmerzen in Bezug auf die Angst vor Bewegung als Schmerzauslöser (Kinesiophobie) bereits gut belegt. Mithilfe der „Tampa Kinesiophobia Scale“ lässt sich die Kinesiophobie der Patienten messen. Analog dazu existiert zur systematischen Erfassung der Kogniphobie bei Kopfschmerzpatienten ein Selbstbeurteilungs-Fragebogen mit 16 Punkten, die „Cogniphobia Scale for Headache Disorders (CS-HD)“. Das Ausmaß der Kogniphobie beeinflusst den Verlauf von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen.
Mainzer Forscher entwickeln deutsche Version der CS-HD
Im Rahmen einer Befragungsstudie zur Optimierung diagnostischer Instrumente bei Migräne (ODIN-Migräne) entwickelten Forscher um Dr. Timo Klan vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine deutsche Version der CS-HD und eine Kurzform des Fragebogens. Die deutsche Version wurde von Experten übersetzt und mit einer Rückübersetzung abgeglichen. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „Headache - The Journal of Head and Face Pain“ publiziert.
Reliabilität und Korrelation mit etablierten Fragebögen
Bei 387 Migräne-Patienten wurde eine Online-Querschnittsbefragung mit dem CS-HD und anderen etablierten Fragebögen durchgeführt. Der Großteil der Teilnehmer war weiblichen Geschlechts (94,1%), knapp 40% litten an Migräne ohne Aura, 22% an Migräne mit Aura und 39% an chronischer Migräne. Die deutsche Version des CS-HD sowie die Kurzform (CS-HD-6) zeigten eine gute Korrelation mit etablierten Fragebögen wie „Headache Impact Test“ (HIT-6), „Depression Anxiety Stress Scales“ (DASS) und „Headache Triggers Sensitivity and Avoidance Questionnaire, Short-Form“ (HTSAQ-SF). Die Reliabilität der Skala zeigte sich exzellent.
CS-HD und CS-HD-6 gut geeignet zum Kogniphobie-Assessment bei Migräne
Die Forscher zeigen sich mit der Prüfung der deutschen Version des CS-HD und seiner Kurzform CS-HD-6 sehr zufrieden.