Das Wichtigste über die Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer genannt, ist die bekannteste und häufigste Form der Demenz. In Deutschland sind derzeit rund 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei der Großteil an Alzheimer erkrankt ist - mit steigender Tendenz. Die Krankheit manifestiert sich meist im Alter, selten vor dem 60. Lebensjahr, obwohl die pathobiologischen Prozesse im Gehirn bereits Jahrzehnte vor den ersten Gedächtnisdefiziten beginnen.

Was ist Demenz?

Der Begriff „Demenz“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „Weg vom Geist“ oder „ohne Geist“. Dies beschreibt den Kern der Erkrankung: ein fortschreitender Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Betroffen sind Gedächtnis, Denken, Konzentration, aber auch andere Hirnleistungen und das Verhalten. Grund für den Verlust der geistigen Fähigkeiten ist bei allen primären Demenzen ein fortschreitender Untergang von Nervenzellen im Gehirn. Die Ursachen dafür sind vielfältig und Gegenstand intensiver Forschung. Sogenannte sekundäre Demenzen können als Folge von Erkrankungen, aber auch durch Medikamente oder Alkoholmissbrauch entstehen. Primäre Demenzen sind nicht heilbar. Geeignete Therapien können jedoch ihren Verlauf verzögern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Symptome der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit schleicht sich langsam ein. Die Erkrankung beginnt bereits lange Zeit, bevor die ersten Symptome einsetzen. Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Gedächtnisverlust
  • Orientierungslosigkeit
  • Unruhezustände
  • Sprachstörungen
  • Aggression und Enthemmung (herausforderndes Verhalten)

Diese Probleme sind bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt und verstärken sich im Verlauf der Erkrankung. Mit der Zeit kommen weitere Beschwerden hinzu.

Die drei Phasen der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit verläuft in verschiedenen Phasen, die durch unterschiedliche Symptome und Beeinträchtigungen gekennzeichnet sind.

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Frühe Phase

In der ersten Phase machen sich vermeintlich harmlose Aussetzer bemerkbar. Die betroffene Person wirkt fahrig und schusselig, wird vergesslich, verlegt Dinge, bringt Sätze nicht zu Ende und kann sich schlecht konzentrieren. Betroffene sind häufig bedrückt, da die Veränderungen Kummer, Angst und Scham auslösen. In diesem Stadium ist die Alzheimer-Erkrankung nicht immer klar von einer Depression zu unterscheiden.

Mittlere Phase

In der mittleren Phase leidet das Sprachverständnis zunehmend. Fähigkeiten wie Autofahren, berufliche Fertigkeiten oder das Orientierungsvermögen gehen nach und nach verloren. Neben dem Kurzzeitgedächtnis ist nun auch zunehmend das Langzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen. Die Persönlichkeit der Betroffenen verändert sich verstärkt: Sie sind häufig nervös und rastlos, aber auch misstrauisch, gereizt und zuweilen enthemmt oder aggressiv.

Späte Phase

Gegen Ende der dritten Phase gesellt sich eine große motorische Unruhe zu den Auffälligkeiten. Im Spätstadium der Erkrankung sind solche Wanderungen nicht mehr möglich. Betroffene werden mehr und mehr zu bettlägerigen Pflegebedürftigen, können nur noch wenige Worte sprechen oder verstummen ganz.

Ursachen der Alzheimer-Krankheit

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht. Die Symptome sind die Folge eines massiven Nervensterbens im Gehirn. Zunächst sind vor allem die Synapsen betroffen, die Verbindungsstellen, über die Informationen von einer Nervenzelle an die nächste weitergeleitet werden.

Eiweißablagerungen im Gehirn

Wissenschaftler sehen auffällige Eiweißablagerungen im Gehirn der Betroffenen im Zusammenhang mit diesem Nervenzellsterben. Sogenannte Beta-Amyloid-Proteine verklumpen und sammeln sich zwischen Nervenzellen an. Sie formieren sich zu Plaques, die bereits Alois Alzheimer im Gehirn von Auguste Deter entdeckt hatte. Diese Ablagerungen führen zu einer entzündlichen Reaktion umgebender Immun- und Gliazellen, die die Krankheitsprozesse vorantreiben. Schließlich kommt es zur Bildung von Tau-Fibrillen in den Nervenzellen, welche die Nervenzellen in ihrer Funktion beeinträchtigen und zu ihrem Zelltod beitragen.

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Genetische Ursachen

Die Alzheimer-Krankheit kann genetisch bedingt sein, was jedoch äußerst selten ist (nur rund drei bis fünf Prozent aller Fälle). Bisher sind drei Gene bekannt, die für diese Form verantwortlich sind. Sind sie verändert, bricht die Alzheimer-Erkrankung in jedem Fall aus - und zwar in der Regel sehr früh, zwischen dem 30. und 65. Lebensjahr. Dazu zählt vor allem der sogenannte ApoE4-Genotyp.

Weitere Risikofaktoren

  • Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für Alzheimer. Je älter man wird, umso größer ist auch das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre, nur in seltenen Fällen beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr.
  • Geschlecht: Studien deuten darauf hin, dass Männer ein höheres Alzheimer-Risiko haben als Frauen.
  • Durchblutungsstörungen: Weitere Risikofaktoren sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, hoher Blutdruck und hohe Cholesterinwerte.
  • Umwelt und Lebensweise: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend körperlicher Aktivität und geistiger Stimulation kann das Risiko für eine Alzheimer-Demenz verringern.

Diagnose der Alzheimer-Krankheit

Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden. Bei Warnsignalen wie Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, nach Absprache mit dem Hausarzt einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.

Frühtests

Forschende arbeiten an der Entwicklung sicherer Frühtests, die bereits vor Eintritt der Demenz Hinweise auf die Alzheimer-Krankheit geben, wenn das Gehirn noch nicht stark geschädigt ist. Der sogenannte Precivity-Bluttest aus den USA kann bei ersten Symptomen nachweisen, ob es sich um eine Alzheimer-Demenz handelt, indem er das Verhältnis von zwei Amyloid-Proteinen zueinander ermittelt. Der Elecsys pTau181-Test misst das chemisch veränderte Tau-Protein, das als Alzheimer-Indikator gilt. Beide Bluttests haben inzwischen eine EU-Zulassung.

Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist bisher nicht heilbar, und die Abbauprozesse im Gehirn können derzeit nicht wesentlich verlangsamt oder aufgehalten werden. Es gibt aber Demenzformen, bei denen andere Grunderkrankungen die Ursache für die Beschwerden sind. Das können Hirnverletzungen sein, Depressionen, Durchblutungsstörungen, Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch. Vor allem im Frühstadium sind Symptome und Begleiterscheinungen wie Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome jedoch behandelbar. Dazu gehören Depressionen, Angst, Unruhe, Aggression, Teilnahmslosigkeit, Wahnvorstellungen und Halluzinationen.

Medikamentöse Behandlung

Zur Behandlung der Alzheimer-Demenz stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Zum einen sogenannte Cholinesterase-Hemmer wie die Wirkstoffe Donepezil, Galantamin oder Rivastigmin, die die Botenstoffe im Gehirn vermehren und dadurch die geistige Leistungsfähigkeit steigern, zum anderen Glutamat-Antagonisten, wie Memantin, die bei weiter fortgeschrittener Demenz eingesetzt werden. Diese Medikamente können Symptome lindern und das Fortschreiten leicht verzögern. Auf den Untergang der Nervenzellen haben diese Mittel aber keinen Einfluss. Häufig leiden Alzheimer-Erkrankte auch an Depressionen, die mit Antidepressiva behandelt werden.

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Mittlerweile gibt es erste Medikamente, die die schädlichen Prozesse im Gehirn direkt beeinflussen und die Alzheimer-Erkrankung im Entstehungsprozess bremsen sollen. Der Antikörper-Wirkstoff Lecanemab ist seit September 2025 in Deutschland auf dem Markt. Für den Antikörper Donanemab hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA im Juli eine Zulassungsempfehlung erteilt. Die Antikörper richten sich gegen die Amyloid-Stückchen, so dass diese vom Immunsystem beseitigt werden können, bevor sie Schaden anrichten. So zeigt eine Studie von 2023, dass Donanemab das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung um 35 Prozent verlangsamen kann. Bereits eingetretene Symptome können nicht beeinflusst werden.

Die neue Antikörper-Therapie bei Alzheimer-Demenz ist nicht unumstritten. Zum einen ist sie sehr aufwendig: Der Wirkstoff muss den Erkrankten alle zwei bis vier Wochen über die Dauer von zwei Stunden intravenös verabreicht werden. Zum anderen können erhebliche Nebenwirkungen auftreten wie Blutungen und Schwellungen (Ödeme) im Gehirn, die sogar tödlich verlaufen können. Auch die Kosten sind sehr hoch: So wird der Antikörper Lecanemab pro behandelter Person voraussichtlich etwa 20.000 bis 30.000 Euro im Jahr kosten. Hinzu kommen Kosten für die engmaschigen Untersuchungen aufgrund der möglichen Nebenwirkungen. Keine Einnahme von stark wirkenden Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung (zum Beispiel Marcumar oder Apixaban), da das Risiko für Blutungen im Gehirn zu groß ist.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern. Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen.

Umgang mit der Diagnose

Die Diagnose Alzheimer-Demenz zu erhalten, ist für die meisten Menschen ein Schock. Manchmal macht die Diagnose jedoch auch zuvor unerklärliche Veränderungen des Verhaltens oder der Persönlichkeit begreiflich. Wie ein Mensch auf die Krankheit reagiert und mit ihr umgeht, hängt nicht nur von Veränderungen im Gehirn ab, sondern auch von seinem Charakter, seiner Lebensgeschichte, der aktuellen Lebenssituation und den Beziehungen zu anderen Menschen. Manchen Menschen gelingt es, auch mit der Alzheimer-Demenz ein aktives und zufriedenes Leben zu führen. Anderen fällt dies schwer. Unterstützung benötigen die meisten. Und auch für Angehörige und Freunde ist die Erkrankung eine große Herausforderung. Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen - etwa in Selbsthilfegruppen - wird von vielen als wertvoll erlebt. Im Laufe der Zeit müssen viele Entscheidungen getroffen werden: zur Unterstützung im Alltag genauso wie zur Behandlung, zur späteren Versorgung und zur passenden Wohnform (häusliches Umfeld, Pflegeheim, Wohngruppe). Menschen mit Demenz wollen sich dabei aktiv an Entscheidungen über ihre Belange beteiligen, solange es ihnen möglich ist. Ihnen ist es wichtig, dass viel mit ihnen und weniger über sie gesprochen wird. Für Angehörige ist es wichtig, in die Behandlungspläne einbezogen zu werden und Angebote zu erhalten, die zur persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen passen. Darunter fallen neben Schulungen auch praktische Hilfen, zum Beispiel zu finanzieller Unterstützung und Beratung bei Antragsstellung.

Pflege und Betreuung

Wenn eine Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist und eine immer umfassendere Betreuung nötig macht, stoßen Angehörige irgendwann an ihre Grenzen. Dann kann der Umzug in eine Einrichtung, in der Pflege, Betreuung und medizinische Versorgung durch Fachkräfte möglich ist, für alle Beteiligten die bessere Lösung sein. Die Entscheidung zum Umzug in ein Pflegeheim oder eine betreute Wohngemeinschaft fällt oft nicht leicht - zumal es eine Weile dauern kann, bis eine geeignete Einrichtung gefunden ist. Die Pflege von Menschen mit Alzheimer erfordert viel Geduld, Verständnis und spezialisierte medizinische Betreuung, um die Lebensqualität der Betroffenen so gut wie möglich zu erhalten.

Vorbeugung

Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken. Von den empfohlenen Impfungen zur Vorbeugung von Entzündungen im Gehirn scheint vor allem die Impfung gegen Herpes Zoster (Gürtelrose) gute Ergebnisse zu erzielen. Laut einer Studie sank das Demenz-Risiko mit der Impfung um etwa 20 Prozent.

Lebenserwartung bei Alzheimer

Die Lebenserwartung bei Alzheimer variiert individuell. Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann individuell stark abweichen. Demenzerkrankungen wie Alzheimer selbst sind nicht direkt tödlich, führen jedoch zu einem fortschreitenden Abbau körperlicher und geistiger Funktionen, einschließlich der motorischen Fähigkeiten. Im späten Stadium ist der Körper meist stark geschwächt, sodass das Risiko für Infektionen, wie beispielsweise Lungenentzündungen, steigt.

Forschung zum Thema Alzheimer

Forscher des DZNE widmen sich der Alzheimer-Erkrankung aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Sie suchen nach den genauen Ursachen für die Veränderungen im Gehirn der Betroffenen und wollen aufklären, in welcher Weise die auffälligen Eiweißablagerungen die Nervenzellen schädigen. Andere Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit den möglichen genetischen Ursachen der Erkrankung. Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld am DZNE ist die Suche nach Ansatzpunkten für neue Therapien. Nicht zuletzt fahnden Forschende des DZNE nach sogenannten Biomarkern, typischen messbaren Veränderungen z. B. im Blut oder Nervenwasser, die als frühe Warnzeichen dafür dienen können, dass eine Person später an Alzheimer erkranken wird. Dr. Anne Pfitzer-Bilsing hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert.

Alois Alzheimer und Auguste Deter

Es war 1901, als Alois Alzheimer, zu diesem Zeitpunkt Oberarzt in der „Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt am Main, erstmals Auguste Deter begegnete, eine der bekanntesten Patientinnen in der Medizingeschichte. Die Frau war erst 51 Jahre alt, litt jedoch an einer ausgeprägten Verwirrtheit, wie sonst eher von sehr alten Menschen bekannt war. „Ihr ganzes Gebaren trug den Stempel völliger Ratlosigkeit“, sagte Alzheimer später über die Frau. „Beim Lesen kommt sie von einer Zeile in die andere, liest buchstabierend oder mit sinnloser Betonung.“ Oft bekommt sie Schreianfälle, weil sie sich so sehr über ihre eigene Unfähigkeit ärgert. Nach dem Tod der Patientin bekommt Alzheimer die Gelegenheit ihr Gehirn zu sezieren - ein Vorgehen, das damals noch unüblich war. Der „Irrenarzt mit dem Mikroskop“, wie ihn seine Zeitgenossen öfter nannten, erkannte, dass das Gehirn von Auguste Deter stark geschrumpft war.

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