Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Menschen gelegentlich oder regelmäßig betrifft. Während vorübergehende Kopfschmerzen meist harmlos sind, können dauerhafte oder chronische Kopfschmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen dauerhafter Kopfschmerzen und stellt Therapieansätze vor.
Arten von Kopfschmerzen
Es gibt über 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die in primäre und sekundäre Kopfschmerzen unterteilt werden. Primäre Kopfschmerzen sind eigenständige Erkrankungen, während sekundäre Kopfschmerzen Symptome einer anderen Erkrankung oder Verletzung sind.
Primäre Kopfschmerzen
Zu den häufigsten primären Kopfschmerzarten gehören:
- Spannungskopfschmerzen: Diese sind die häufigste Art von Kopfschmerzen. Sie werden als dumpf, drückend und ziehend beschrieben, oft beidseitig am Kopf auftretend. Sie können den gesamten Kopf, den Stirnbereich oder den Nacken betreffen und sich wie ein "zu enger Hut" anfühlen. Die Schmerzen sind leicht bis mittelstark und werden bei körperlicher Betätigung nicht verstärkt.
- Migräne: Eine neurologische Erkrankung, die häufig pulsierende Kopfschmerzen auf einer Seite des Kopfes verursacht. Oft werden sie von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit oder visuellen Aura-Symptomen begleitet. Bei chronischer Migräne treten Kopfschmerzen mindestens 15 Tage pro Monat auf, davon sind mindestens acht Tage migräneartig.
- Cluster-Kopfschmerzen: Extrem schmerzhafte Kopfschmerzen, die in Clustern (Gruppen) über einen Zeitraum von Wochen oder Monaten auftreten, gefolgt von schmerzfreien Perioden. Sie äußern sich im Bereich der Schläfe und des Auges und treten immer nur auf einer Kopfhälfte auf. Begleitet wird der Kopfschmerz von Augentränen, einer laufenden Nase oder einem hängenden Augenlid.
Sekundäre Kopfschmerzen
Sekundäre Kopfschmerzen sind Symptome einer anderen Krankheit oder eines anderen Gesundheitszustandes. Mögliche Ursachen sind:
- Infektionen: Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder Meningitis können Kopfschmerzen auslösen.
- Kopfverletzungen: Ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine Gehirnerschütterung können Kopfschmerzen verursachen.
- Gefäßanomalien: Aneurysmen oder Arteriitis sind abnormale Veränderungen in Blutgefäßen, die Kopfschmerzen verursachen können.
- Sehstörungen: Unkorrigierte Sehstörungen oder Augenmuskelungleichgewichte können Spannungskopfschmerzen hervorrufen.
- Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen der Schilddrüse (Über- oder Unterfunktion) oder Diabetes mellitus können mit Kopfschmerzen einhergehen.
- Druck im Schädelinneren: Ein gestörter Druck im Schädelinneren (zu hoch oder zu niedrig) kann zu intensiven Kopfschmerzen führen.
- Erkrankungen der Halswirbelsäule: Beschwerden oder Verletzungen der Halswirbelsäule wie Verspannungen, Bandscheibenvorfälle oder Arthritis können Kopfschmerzen verursachen.
- Neurologische Erkrankungen: Hirntumore, Schlaganfall, Epilepsie oder Multiple Sklerose können mit Kopfweh einhergehen.
- Trigeminusneuralgie: Eine seltene Ursache für Gesichtsschmerzen, die oft fälschlich als Kopfschmerzen wahrgenommen werden.
- Zahnprobleme: Funktionsstörungen im Kiefergelenk (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) können Kopfschmerzen auslösen.
- Hormonelle Schwankungen: Schwankungen im Hormonhaushalt während der Menstruation, Schwangerschaft, Stillzeit oder in den Wechseljahren können Kopfschmerzen begünstigen.
- Schlafstörungen: Schlafapnoe oder ein stark gestörter Schlafrhythmus können morgendliche Kopfschmerzen verursachen.
- Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen: Übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln kann paradoxerweise zu Kopfschmerzen führen.
- Substanzen: Alkohol, Koffeinentzug, Nikotinentzug oder Drogenentzug können Kopfschmerzen auslösen.
- Psychische Erkrankungen: Depressionen oder Angststörungen gehen häufig mit Kopfweh einher.
- Bluthochdruck: Hypertonie kann Kopfschmerzen verursachen.
Spannungskopfschmerzen: Symptome, Ursachen und Diagnose
Spannungskopfschmerz ist eine der häufigsten Kopfschmerzarten in Deutschland. Es handelt sich um dumpf-drückende beidseitige Kopfschmerzen, die auch den Hinterkopf, Schläfen, Stirn und den Bereich um die Augen betreffen können.
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Symptome
- Dumpfe, drückende Schmerzen, die den gesamten Kopf betreffen können.
- Die Schmerzen können sich vom Nacken über den Kopf bis in die Stirn ausbreiten.
- Leichte bis mittelstarke Schmerzen, die den Alltag fortzusetzen erlauben.
- Keine Verschlimmerung der Schmerzen bei körperlicher Aktivität.
- Mögliche leichte Überempfindlichkeit für helles Licht oder Geräusche, aber keine Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen.
- Betroffene beschreiben den Schmerz oft so, als sei der Kopf in einen Schraubstock eingespannt.
Ursachen
Die genauen Mechanismen, die zu Spannungskopfschmerzen führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich ist eine Verspannung der Nacken-, Hals- und Schultermuskulatur an der Entstehung der Schmerzen beteiligt. Doch gilt vor allem psychischer Stress als Hauptauslöser. Psychischer Stress können Konflikt- und Stresssituationen sein, Existenz- und Verlustängste, Depressionen und Überforderung. Die Belastung reizt die Schmerzfilter im Gehirn, Schmerzen werden eher wahrgenommen.
Auch eine falsche Haltung, nächtliches Zähneknirschen sowie fiebrige Infekte können zu Spannungskopfschmerzen führen. Bei chronischen Beschwerden gibt es Hinweise auf eine genetische Komponente.
Diagnose
Für die Diagnose beschreiben Betroffene zunächst genau die Schmerzen und wie oft sie vorkommen. Nach einer neurologischen Untersuchung kann die Diagnose bereits mit hoher Sicherheit gestellt werden. Treten Spannungskopfschmerzen erstmalig auf, besonders nach dem sechzigsten Lebensjahr, sollte eine weiterführende neurologische Untersuchung erfolgen. Dabei wird zusätzlich nach anderen Erkrankungen als Ursache für die Kopfschmerzen gesucht, wie zum Beispiel Entzündungen oder sehr selten einem Hirntumor.
Um den Spannungskopfschmerz von anderen Kopfschmerzarten abzugrenzen, ist die Anamnese sehr wichtig: In einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt gilt es, die Beschwerden möglichst genau zu beschreiben. Wie bei anderen Kopfschmerzformen auch kann hier ein Kopfschmerztagebuch sehr hilfreich sein. In dieses Buch tragen Sie ein, unter welchen Umständen das Kopfweh jeweils auftritt und wie lange die Schmerzen anhalten.
Um andere Erkrankungen auszuschließen, sind manchmal bildgebende Verfahren nötig.
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Ärzte unterscheiden bei Spannungskopfschmerzen zwischen zwei Formen:
- Episodischer Spannungskopfschmerz: Die Beschwerden treten mindestens zehnmal im Jahr auf, aber an weniger als 180 Tagen.
- Chronischer Spannungskopfschmerz: Die Person leidet über mehr als drei Monate lang an mindestens 15 Tagen im Monat. Diese sollten unbedingt ärztlich behandelt werden.
Diagnostik bei dauerhaften Kopfschmerzen
Wenn Kopfschmerzen oft auftreten und nicht durch eine vergleichsweise einfache Ursache erklärbar sind, ist eine bildgebende Diagnostik notwendig. Folgende Verfahren können eingesetzt werden:
- Computertomographie (CT): Kann detaillierte Querschnittsbilder des Gehirns und der Schädelstruktur liefern. Mit dieser bildgebenden Technik können strukturelle Probleme wie Tumoren oder Blutungen im Gehirn erkannt werden.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Kann hochauflösende Bilder des Gehirns liefern.
- Röntgenuntersuchungen: Können Knochenveränderungen der Halswirbelsäule wie Frakturen oder Anomalien erkennen.
Therapie von Kopfschmerzen
Die Therapie von Kopfschmerzen richtet sich nach der Art und Ursache der Kopfschmerzen.
Therapie von Spannungskopfschmerzen
Am wichtigsten ist es, die Ursachen der Spannungskopfschmerzen zu erkennen und verändern - auch um zu verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden. Betroffene können dazu viel mit ihrem Lebensstil beitragen.
- Akute Behandlung:
- Rezeptfreie Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol können gut behandelt werden. Wichtig ist: Schmerzmedikamente sollte man höchstens zehn Tage pro Monat nehmen. Bei häufigerer Einnahme können Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen auslösen, die sich dann ähnlich anfühlen, wie der Spannungskopfschmerz.
- Etwas Pfefferminzöl an den Schläfen oder im Nacken kann ebenfalls lindernd auf die Spannungskopfschmerzen wirken.
- Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen oder Nacken tupfen.
- An der frischen Luft spazieren gehen oder das Raumklima verbessern, indem man mehrmals täglich auf Durchzug lüftet.
- Ausreichend Wasser trinken.
- Eine Tasse schwarzen Filterkaffee oder einen Espresso trinken. Allerdings kann das dann wiederum den Nachtschlaf beeinträchtigen und Schlafmangel ist ein häufiger Grund für Kopfschmerzen.
- Dehnungsübungen können dabei helfen, Muskelverkürzungen und -verhärtungen zu beheben.
- Wärme- oder Kälteanwendungen
- Vorbeugung:
- Weniger Stressbelastung bzw. Stress reduzieren: Nehmen Sie sich im Alltag Zeit für Entspannungsübungen. Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Meditation oder Yoga können Kopfschmerzen vorbeugen.
- Ausdauersport in den Alltag integrieren: Es ist nachgewiesen, dass regelmäßiger leichter Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Joggen Kopfschmerzen vorbeugen können.
- Ausreichend schlafen: Der durchschnittliche Erwachsene benötigt sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht. Je regelmäßiger die Schlafenszeiten, desto mehr Erholung verschafft der Schlaf.
- Koffein reduzieren: Auch wenn Koffein kurzfristig gegen Kopfschmerzen helfen kann, geht man davon aus, dass zu viel Kaffee Kopfschmerzen auslösen kann.
- Gezieltes Haltungs- und Muskelaufbautraining.
- Psychotherapie, wenn seelische Belastungen die Ursache sind.
- Medikamentöse Prophylaxe: Wenn das nicht hilft, kann mit Medikamenten eine Kopfschmerzprophylaxe begonnen werden. Dazu wird beim Spannungskopfschmerz vor allem der Wirkstoff Amitriptylin eingesetzt, der bei regelmäßiger Einnahme die Kopfschmerzhäufigkeit reduziert. Der Effekt tritt, anders als bei den üblichen Schmerzmitteln, erst nach einigen Wochen regelmäßiger Einnahme auf.
- Verhaltenstherapie oder multimodale Schmerztherapie: Manchmal ist eine Verhaltenstherapie oder eine sogenannte multimodale Schmerztherapie angebracht. Das gilt besonders für sehr häufige Spannungskopfschmerzen mit starker Einschränkung im Alltag oder wenn man oft weitere Kopfschmerzen wie Migräne hat. Die Verhaltenstherapie hilft, Auslöser für den Kopfschmerz zu erkennen und vermeiden. Eine multimodale Kopfschmerztherapie kombiniert ausführliche Information über die Erkrankung mit Bewegung, Entspannungstechniken und Behandlung mit Medikamenten.
Therapie von chronischen Kopfschmerzen
Chronische Kopfschmerzen erfordern oft eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Ansätzen.
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- Medikamentöse Therapie:
- Schmerzmittel: Rezeptfreie oder verschreibungspflichtige Schmerzmittel können zur Linderung akuter Schmerzen eingesetzt werden. Allerdings ist Vorsicht geboten, da ein übermäßiger Gebrauch zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen führen kann.
- Triptane: Diese Medikamente werden speziell zur Behandlung von Migräne eingesetzt.
- Prophylaktische Medikamente: Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika können zur Vorbeugung von Migräne oder Spannungskopfschmerzen eingesetzt werden.
- Nicht-medikamentöse Therapie:
- Entspannungsverfahren: Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Biofeedback können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen.
- Physiotherapie: Kann bei muskulären Verspannungen und Fehlhaltungen helfen.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung von chronischen Kopfschmerzen wirksam sein kann.
- Psychotherapie: Kann bei der Bewältigung von Stress, Ängsten und Depressionen helfen, die zu Kopfschmerzen beitragen können.
- Neuromodulationsverfahren.
Psychotherapeutische Behandlung
Wenn hinter Kopfschmerzen psychische Belastungen oder Erkrankungen stecken, eignen sich Psychotherapien zur Behandlung. Bei der Behandlung von Kopfschmerzen geht es vor allem um die psychotherapeutisch fundierte Auf- und Verarbeitung der bestehenden Konflikte und der aktuellen Lebenssituation, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung der körperlichen Beschwerden geführt haben. Um eine erfolgreiche Behandlung der hinter den Kopfschmerzen stehenden psychischen Erkrankungen zu ermöglichen, wird Betroffenen erklärt, wie sich Körper und Psyche gegenseitig beeinflussen.
Es gibt eine Reihe an Behandlungsverfahren, die sich zur Behandlung psychosomatischer Kopfschmerzen eignen. Als effektiv haben sich die Entspannungsverfahren Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation und Biofeedback-Verfahren erwiesen.
- Autogenes Training: Beim Autogenen Training begeben sich die Patienten mithilfe von sogenannten Verhaltensformeln in einen bewussten Zustand der Entspannung. Somit kann Stress abgebaut werden. Patienten, die unter stressbedingten Kopfschmerzen leiden, können so gezielt auf die Stressoren reagieren. Dadurch kann verhindert werden, dass Alltagsbelastungen zu Kopfschmerzen führen oder andere negative Folgen haben.
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson: beruht auf der bewussten Anspannung und anschließenden Entspannung einzelner Muskelgruppen im Körper der Patienten. Über die Zeit hinweg erlernen die Patienten die Fähigkeit, immer größere Muskelgruppen gezielt zu entspannen. Die Ergebnisse der Progressiven Muskelrelaxation sind mit denen des Autogenen Trainings vergleichbar. In einer Studie aus dem Jahr 2019 konnte nachgewiesen werden, dass die Progressive Muskelrelaxation ein effektives Therapieverfahren zur Behandlung von Migräne darstellt.
- Biofeedback: Das Therapieverfahren des Biofeedbacks erlaubt es Patienten, die Prozesse in ihren Körpern nachzuvollziehen und dementsprechend zu beeinflussen. Den Patienten werden dafür Sensoren angelegt, die biologische Signale des Körpers aufnehmen und in Form von audio-visuellen Signalen darstellen. Die Patienten können somit sehen bzw. hören, wie ihre Körper auf bestimmte Einwirkungen reagieren. So erlernen sie anhand der Signale, wie Sie ihren Körper am effektivsten beeinflussen können, um sich gezielt zu entspannen.
Wichtige Hinweise
- Wer zum ersten Mal im Leben Kopfschmerzen hat, sollte zeitnah ärztlichen Rat suchen. Das gilt besonders, wenn man sehr starke Beschwerden hat oder bekannte Schmerzen sich verändern oder verstärken.
- Wenn Sie öfter Kopfschmerzen haben, sollten Sie das mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen. Diese können oft schon aus der Krankengeschichte erkennen, ob es sich um Spannungskopfschmerz handelt und Sie neurologisch untersuchen.
- Spannungskopfschmerz ist nicht heilbar, da seine Ursachen nicht bekannt sind. Er kann aber gut mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen kontrolliert werden.
- Im Alltag und für die Behandlung ist wichtig zu wissen, welche Medikamente helfen, wie oft man Schmerzen hat und was sie auslöst. Dabei kann im Vorfeld ein Kopfschmerzkalender oder eine Handy-App helfen. Apps können auch hilfreiche Tipps zum Umgang mit dem Schmerz geben und warnen, wenn man an mehr als zehn Tagen im Monat Kopfschmerzmedikamente eingenommen hat.
- Kopfschmerz-Medikamente können eine rasche Linderung etwa bei Migräne und Spannungskopfschmerzen bringen. Wichtig ist jedoch, dass eine fachärztliche Diagnose vorliegt und die Schmerzmittel nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden.
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