In der Handchirurgie ist die Behandlung von verletzten oder durchtrennten Fingernerven ein wichtiger Aspekt, um die Funktionalität der Hand wiederherzustellen. Nervenausfälle in den Händen können viele alltägliche Tätigkeiten beeinträchtigen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, die Funktionsfähigkeit ganz oder teilweise wiederherzustellen. Die Spezialisten für Handchirurgie verfügen über viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen, auch bei jungen Patienten. Bei Handverletzungen oder Tumoren an den Händen ist es ratsam, sofort einen Facharzt für Handchirurgie zu konsultieren, um die Handnerven zu retten.
Ursachen und Diagnose von Finger-Nerv-Verletzungen
Durchtrennte Fingernerven können durch verschiedene Ursachen entstehen, darunter Traumata, Unfälle mit scharfen Gegenständen (Messer, Glasscherben, Kreissägen, Spaltwerkzeuge), Prellungen, Quetschungen, Erfrierungen, Strahlungseinwirkungen, Elektrounfälle, Verbrennungen und Unfälle mit Chemikalien. Auch Tumoroperationen können Nervenläsionen verursachen. Die Diagnose erfordert eine gründliche klinische Untersuchung. Anhand der Funktionseinschränkungen an der Hand kann sich der Spezialist für Handchirurgie bereits einen Überblick verschaffen, welche Nerven betroffen sind. Für die Feindiagnostik stehen moderne Hochleistungsgeräte zur Verfügung.
Wichtige Nerven in der Hand
Die drei wichtigsten Nerven in der Hand sind:
- Nervus medianus (Mittelhandnerv): Er verläuft durch den Karpaltunnel in die Hohlhand und versorgt die Daumenmuskeln (ermöglicht das Gegenüberstellen des Daumens, Beugen, Strecken und Drehen) sowie die tiefe Beugemuskulatur von Mittel- und Zeigefinger. Seine sensiblen Äste versorgen die Innenfläche der Hand an der Daumenseite sowie Mittel- und Zeigefinger (Berührungsreize und Tastempfindungen). Bei Ausfall kann der Patient keine Faust machen oder nach einer Flasche greifen.
- Nervus radialis (Radialisnerv): Er bildet die Fortsetzung der hinteren Nervenwurzeln des Armgeflechts und verläuft an der Rückseite des Oberarmknochens zur Ellenbeuge. Er versorgt sensibel den Daumen und Teile des Handrückens und motorisch die Strecker des Oberarms und die Streckmuskulatur des Daumens. Eine Verletzung führt zu motorischen Ausfällen und Sensibilitätsstörungen wie der Fallhand.
- Nervus ulnaris (Ellbogennerv): Er verläuft innen am Oberarm, schlingt sich um den Ellbogenknochen und läuft auf der Seite des kleinen Fingers am Unterarm entlang zur Hand. Er versorgt Muskeln des Daumen- und Kleinfingerballens sowie den größten Teil der Mittelhandmuskulatur (ermöglicht Schließen und Spreizen der Finger) und sorgt für Sensibilität in der Haut des kleinen Fingers und der Hälfte des Ringfingers. Ein Ausfall zeigt sich an der Krallenhand.
Diagnosemöglichkeiten
- Elektroneurographie: Bestimmung der Läsionshöhe.
- Elektromyographie: Feststellung der Schädigung der Muskulatur im Bereich des betroffenen Nervs.
- Traktographie: Magnetresonanztomographieverfahren mit sehr hoher Auflösung zur dreidimensionalen Darstellung funktionsfähiger Nervenfasern in peripheren Nerven (wichtig bei Tumor-Entfernungen).
- Dynamischer Ultraschall: Beurteilung des Gleitvermögens eines Nervs.
Es ist entscheidend, frühzeitig eine genaue Diagnose zu stellen, um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.
Konservative Behandlungsmöglichkeiten
In Fällen, in denen ein Fingernerv durchtrennt ist, spielen konservative Behandlungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle bei der Genesung. Die Wahl zwischen konservativen Behandlungsmöglichkeiten und chirurgischen Eingriffen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Schwere der Verletzung und die individuellen Bedürfnisse des Patienten.
Lesen Sie auch: Was tun bei einer Schnittverletzung am Daumen mit Nervenbeteiligung?
Ruhe und Vermeidung von Belastung
Nach einer Fingernervverletzung ist es wichtig, dem betroffenen Finger ausreichend Ruhe zu gönnen. Durch das Vermeiden von Belastung und Bewegung wird die Heilung gefördert und das Risiko für weitere Komplikationen minimiert.
Physiotherapie
Physiotherapie spielt eine essentielle Rolle im Prozess der Heilung nach einer Fingernervverletzung. Durch gezielte Übungen und Techniken werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die sensorische Wahrnehmung im betroffenen Bereich wiederhergestellt.
Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten
Die Entscheidung für einen chirurgischen Eingriff hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Operation kann in Betracht gezogen werden, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen oder wenn bestimmte Symptome oder Umstände vorliegen, die eine chirurgische Korrektur erfordern.
Chirurgische Techniken
Bei der Operation eines durchtrennten Fingernervs stehen unterschiedliche chirurgische Techniken zur Verfügung, die je nach Art und Schwere der Verletzung angewendet werden.
- Nervenrekonstruktion: Bei komplexen Nervenverletzungen kann eine umfassendere Rekonstruktion erforderlich sein, um die Funktion des Nervs wiederherzustellen.
- Nerventransplantation: Falls ein längerer Nervendefekt vorliegt, kann eine Nerventransplantation erforderlich sein. Dabei wird ein anderer Nerv verpflanzt, um die Distanz zu überbrücken.
Die Wahl der geeigneten chirurgischen Technik richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie der Lokalisation der Verletzung, dem Ausmaß des Nervenschadens und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. An erster Stelle steht eine Operation, bei der der Spezialist für Handchirurgie die verletzten Nerven vernäht bzw. rekonstruiert. Dies erfordert viel Fingerspitzengefühl und Kenntnisse, um die dünnen Nervenfasern zu orten und zusammenzufügen.
Lesen Sie auch: Funktionen des Mediannervs im Detail
Heilungsprozess und Rehabilitation
Der Heilungsprozess nach einer Nervendurchtrennung im Finger ist individuell und kann je nach Schwere der Verletzung variieren. In der Regel kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Nervenfasern wieder zusammenwachsen und die Funktion des Nervs teilweise oder vollständig wiederhergestellt ist.
Rehabilitationsmaßnahmen
Die Rehabilitationsmaßnahmen sind entscheidend für eine erfolgreiche Genesung. Dazu gehören gezielte physiotherapeutische Übungen, die darauf abzielen, die Beweglichkeit des betroffenen Fingers zu verbessern und die Kraft in der Hand wiederherzustellen. Die regelmäßige Nachsorge und Kontrolluntersuchungen beim Handchirurgen sind ebenfalls wichtig, um den Fortschritt der Heilung zu überwachen und potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Durch die konsequente Einhaltung der Rehabilitationsmaßnahmen und der empfohlenen Nachsorge können Patienten mit einem durchtrennten Fingernerv optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Genesung schaffen. Nach der OP schließt sich eine längere Ergo- und Physiotherapie an, die den Nerv unterstützen soll, wieder vollständig zusammenzuwachsen. Es dauert einige Zeit und Geduld, bis die Funktionswiederherstellung abgeschlossen ist.
Mögliche Komplikationen
Nach einer Fingernervbehandlung können bestimmte Komplikationen auftreten, die den Heilungsprozess beeinflussen können.
Risiken und Komplikationen
Bei der Behandlung von durchtrennten Fingernerven können verschiedene Komplikationen auftreten, die den Genesungsprozess verlängern oder beeinträchtigen können. Um diese Komplikationen zu minimieren, ist eine sorgfältige Nachsorge und regelmäßige Kontrolle der Heilung essenziell. Bei starken Schmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollten Betroffene umgehend ihren Arzt konsultieren. Chirurgische Eingriffe zur Behandlung von durchtrennten Fingernerven sind nicht frei von Risiken. Es ist wichtig, dass Patienten sich über potenzielle Risiken im Klaren sind, bevor sie sich für eine Operation entscheiden. Vor einer Operation sollten Patienten mit ihrem Chirurgen ausführlich über mögliche Risiken und Nebenwirkungen sprechen. Ein fundiertes Verständnis der Risiken kann dazu beitragen, informierte Entscheidungen zu treffen und den Erfolg des Eingriffs zu optimieren.
Nervenkompressionssyndrome
Nervenkompressionssyndrome entstehen, wenn die Nerven der Hand und des Arms durch einen vermehrten Druck gestört und in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Starke, mechanische Belastungen, rheumatische Prozesse und vorangegangene Verletzungen begünstigen das Entstehen der Beschwerden. Taubheit und Kribbeln in den unterversorgten Körperpartien können bei dauerhafter Schädigung des Nervs in Muskelschwund übergehen. Wenn konservative Methoden wie Ruhigstellung und Injektionen nicht den gewünschten Erfolg erzielen, kann der Nerv chirurgisch entlastet werden.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl im linken Daumen
Karpaltunnelsyndrom
Ein bekanntes Beispiel ist das Karpaltunnelsyndrom, bei dem der Nervus medianus im Karpaltunnel eingeengt wird.
Ursachen und Symptome
Ausgelöst werden die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom durch einen andauernden Druck auf den Nervus medianus. Um die Hand motorisch und sensorisch zu versorgen, muss der Mittelarmnerv den Karpaltunnel - eine anatomische Engstelle auf der Innenseite des Handgelenks - passieren. Neben dem Nerven verlaufen im Karpaltunnel die Sehnen der Fingerbeuger und des Daumenbeugers. Durch verschiedene Ursachen kann es im Karpaltunnel zu eng werden. Gerät dabei der Nerv unter Druck, resultieren Schmerzen und Missempfindungen. Das Karpaltunnelsyndrom ist weit verbreitet. Am häufigsten tritt es im Alter von etwa 40 bis 70 Jahren auf. Vor allem Frauen ab dem 35. Lebensjahr sind von einem schmerzhaften Karpaltunnelsyndrom betroffen. Dabei kommt es zu einer Einengung des Nervus medianus an der Innenseite des Handgelenks. Im Verlauf des Lebens kann es sehr eng werden im Karpaltunnel. Das liegt z. B. daran, dass die Sehnenscheiden der dort verlaufenden Beugesehnen oder das darüber liegende Karpalband (Ligamentum carpi transversum) dicker werden. Die verdickten Strukturen drücken dann auf den darunter liegenden Mittelarmnerv (Nervus medianus). Aber auch knöcherne Fehlstellungen nach einem Bruch der Hand können dazu führen, dass es im Karpaltunnel enger und der Nerv komprimiert wird.
Betroffene leiden in der Folge unter Handschmerzen, Gefühlsstörungen und sogar Lähmungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers. Der Mittelarmnerv (Nervus medianus) versorgt den Daumen und verschiedene Bereiche der Hand. Wird er eingeklemmt, kommt es dort zu Schmerzen und Gefühlsstörungen. Zu Beginn der Erkrankung treten die Symptome immer nur zeitweise unter Belastung auf und verschwinden dann wieder. Betroffene verspüren oft ein Kribbeln in den Fingern, ähnlich wie bei "eingeschlafenen" Körperteilen. Je länger das Karpaltunnelsyndrom unbehandelt bleibt, desto mehr wächst die Gefahr einer dauerhaften Nervenschädigung. In späteren Krankheitsstadien nehmen die Schmerzen zu und treten auch in Ruhe auf (Ruheschmerzen). Dann kommt es zu Missempfindungen und Kraftverlust, wodurch alltägliche Tätigkeiten wie das Schließen eines Hosenknopfes oder das Drehen des Autolenkrads zur Herausforderung werden. Feinmotorische Aufgaben gestalten sich für Betroffene schwieriger und die Hand wird insgesamt ungeschickter. Das Nervenkompressionssyndrom kann in Einzelfällen sogar zu Lähmungen im Bereich der Hand und der Finger führen.
Diagnose
Neben dem klinischen Befund bietet eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG) dem Arzt eine objektive Diagnosemöglichkeit. Dafür klebt der Untersucher Elektroden an zwei Hautstellen des Patienten, die vom Medianusnerv versorgt werden. Nun stimuliert er den Nerv mit einem schwachen elektrischen Impuls. Bei einer Druckschädigung des Nerven zeigt sich eine verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur normalen Nervenfunktion.
Therapie
Der erste Schritt zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms erfolgt immer über konservative Therapiemaßnahmen. Physikalische Behandlungen mittels Kälte dämpfen Entzündungen des Nerven und wirken auf diese Weise schmerzlindernd. Auch Schienen (Orthesen), die das Handgelenk in einer neutralen Position ruhigstellen, entlasten den Nervus medianus. Spezielle orthopädische Schienen entlasten den Handnerven und können die Beschwerden lindern. Diese Maßnahme hilft vor allem bei nächtlichen Schmerzen, indem der Druck auf das Handgelenk reduziert wird. Auch physiotherapeutische Maßnahmen wie Tapen, Koordinations- und Dehnungsübungen oder das Training mit einer Faszienrolle können die Beschwerden eines beginnenden Karpaltunnelsyndroms lindern. Die Schienen bringen den meisten Patienten nach 4-6 Wochen eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Sie können entweder nur nachts oder auch am Tag getragen werden. Im Anfangsstadium des Karpaltunnelsyndroms können Schienen bereits eine Ausheilung bewirken. Die Infiltration des Karpaltunnels zählt ebenfalls zu den konservativen Therapiemöglichkeiten. Dafür injiziert der Arzt ein lokal wirkendes Schmerzmittel oder Kortison in die betroffene Stelle auf der Innenseite des Handgelenks. Diese Maßnahme wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und abschwellend. Unserer Erfahrung nach bessern sich bei vielen Patienten innerhalb der ersten 6 Wochen nach Kortison-Behandlung die Beschwerden, aber die Langzeitprognose ist nicht erfolgsversprechend: nach einem Jahr ist nur jeder 5. Eine lokale Infiltration von Schmerzmitteln oder Kortison in den Karpaltunnel lindert die Schmerzen und wirkt abschwellend.
Operation
Für die endoskopische Operation des Karpaltunnelsyndroms (Neurolyse) sind nur minimale Hautschnitte notwendig. J. Um den Nerv zu entlasten, führt der Operateur eine sogenannte Neurolyse durch. Dabei entfernt der Arzt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant. Er wird entweder als offene Operation oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt. Die Orthopäden der Gelenk-Klinik bevorzugen die endoskopische Operation, da sie für die Patienten schonender und mit einer sehr kleinen Narbe verbunden ist. Die offene Operationsmethode benötigt einen größeren Schnitt, der meist 2 bis 6 cm lang ist. Sie bietet Vorteile, wenn umfassendere Erkrankungen der Sehnenscheiden oder anderer Weichteile vorliegen. Vergleichende Studien zwischen operativen und konservativen Therapien beim Karpaltunnelsyndrom zeigen die Überlegenheit der Karpaltunneloperation (Neurolyse): Die Patienten werden durch Medianus-Neurolyse zu 99 % zuverlässig und dauerhaft von ihren Schmerzen befreit. Bei konservativer Behandlung ist die Erfolgsrate geringer und der Heilungsverlauf deutlich langwieriger. Bei vielen Patienten wird nach mehrmonatigen, konservativen Behandlungen mit unklaren Ergebnissen und leichter Symptomlinderung die Neurolyse später noch nachgeholt. Nach einer operativen Behandlung des Karpaltunnelsyndroms ist die operierte Hand nach etwa 3 Wochen wieder eingeschränkt belastbar. Nach 6 Wochen kann der Patient auch körperlich anspruchsvolle Arbeiten wieder verrichten. Ab dann ist die Hand wieder uneingeschränkt belastbar.
Kubitaltunnelsyndrom (Ulnarisnerv-Kompression)
Der Ellennerv läuft in Höhe des Ellenbogens in einer Knochenrinne, über die ein festes Band ausgespannt ist, dem Sulcus nervi ulnaris (Rinne des Ellennervens). Er ist für den Gefühlsinn des Klein- und ellenseitigen Ringfingers, des ellenseitigen Handrückens, für einige Muskeln des Unterarmes und der Hand verantwortlich. Die Knochenrinne am Ellenbogen stellt eine natürliche Engstelle für den Ellennerv dar, an der es anlagebedingt zur Einklemmung kommen kann. Weitere Einengungen durch bindegewebige Stränge sind am Unterarm sowie knapp über der Ulnarisrinne beschrieben. Beginnend werden oft unspezifische Beschwerden, wie Kraftverlust des Armes, Druckschmerz des Unterarmes oder manuelle Ungeschicklichkeit angegeben. Bei zunehmender Kompression des Nervs kommt es zum typischen Einschlafen des Kleinfingers und des hälftigen Ringfingers sowie zu einer Taubheit des ellenseitigen Handrückens. Mit zunehmender Dauer und fortgeschrittener Einengung des Nervens kommt es auch zum Muskelschwund an der Hand mit folgender Schwäche des Heranführens des kleinen Fingers, und verminderter Druckkraft zwischen Daumen und Zeigefinger. In den meisten Fällen ergibt sich die Diagnose aus dem typischen Beschwerdebild. Das Einschlafen der Finger kann häufig durch starkes Beugen im Ellenbogen provoziert werden. Die Muskelschwäche lässt sich ebenfalls durch eine einfache Untersuchung feststellen. Zusätzlich wird in der Regel eine neurologische Messung des Nervens veranlasst. Ergibt sich der Verdacht einer knöchernen Mitursache der Beschwerden, wird ein Röntgenbild des Ellenbogens erforderlich. Bei leichten Symptomen wird das Kubitaltunnelsyndrom zunächst mithilfe einer Handgelenksschiene oder lokalen Infiltrationen (zum Beispiel mit Kortison) therapiert. Bei leichten Beschwerden oder nur seltenem Auftreten der Taubheit wird zunächst eine konservative Therapie angestrebt. Neben der Schienenlagerung über Nacht kann häufig durch Anpassungen der Arbeitsumgebung oder des Verhaltens die auslösende gebeugte Haltung des Armes oder insbesondere das Aufliegen des Ellenbogens vermieden werden. Neben dem chirurgischen Verfahren hat sich seit einigen Jahren auch die endoskopisch (minimalinvasiv, „Schlüssellochchirurgie“) unterstütze Entlastung des Nervs etabliert. Die Operation kann über einen normal großen Hautschnitt („offen-chirurgisch“) erfolgen, der entlang der Innenseite des Ellenbogens verläuft. Der Nerv wird durch das Durchtrennen der Hauptengstelle über der Ulnarisrinne entlastet. Neben den allgemeinen Operationsrisiken kann es bei der Operation gelegentlich zur Verletzung eines kleineren Hautastes kommen mit nachträglicher Überempfindlichkeit im Ellenbogenbereich. Selten kann es zu anhaltender Druckschmerzhaftigkeit im Narbenbereich beim Aufliegen des Armes kommen. Der Ellenbogen wird die ersten Tage nach der Operation ausreichend gepolstert, um den freigelegten Nerven vor Druck beim Aufliegen zu schützen. Eine Schienenruhigstellung ist meistens nicht erforderlich, so dass frühzeitig mit einer Beugung des Ellenbogens begonnen werden kann. In den meisten Fällen kommt es nach der Operation zu einer deutlichen Beschwerdebesserung bis hin zur Beschwerdefreiheit.
Wichtige Hinweise für Patienten
Entscheidend für die Festlegung der besten Therapie ist die Untersuchung. Deshalb sollte der Patient im Vorgespräch in der Sprechstunde seine Schmerzen bestmöglich schildern und vor allem auslösende Tätigkeiten beschreiben können. Um das Infektionsrisiko so weit wie möglich zu reduzieren, sollte die Haut gut gereinigt und gepflegt sein. Trockene Haut sollte mit Hautschutzcreme im Vorfeld behandelt sein, da trockene Haut eine verminderte Schutzfunktion aufweist. Die Fingernägel sollten so kurz wie möglich geschnitten sein, da die Hautkeime vor allem in diesen Regionen vorkommen. Nagellack und weitere kosmetische Nagelveränderungen müssen vor der Operation aus den oben genannten Gründen entfernt werden. Die Schulterregion und Achsel an der zu operierenden Hand sollte ebenfalls gereinigt und unverletzt sein, weil dort die Betäubung i.d.R. gesetzt wird. Da ein zweitätiger stationärer Aufenthalt erfolgt, sollte entsprechend Kleidung, persönliche Hygieneartikel und vor allem die eigenen Medikamente für z.B. Bluthochdruck, Diabetes, Schilddrüse usw. mitgebracht werden.
Relevante Vorerkrankungen
- Diabetes mellitus: Metformin muss ein bis zwei Tage vor der Operation abgesetzt werden.
- Blutgerinnungstherapie: 100 Milligramm Aspirin zur täglichen Einnahme darf auch während der Operation und danach fortgeführt werden. Alle übrigen Blutgerinnungsmedikamente (z.B. Marcumar, Xarelto usw.) müssen ggf. im Vorfeld abgesetzt und durch andere Präparate ersetzt werden. Da dies immer eine sehr individuelle Entscheidung ist, sollten alle Informationen am Sprechstundentermin vorhanden sein.
Narkoseform und Risiken
In der Regel erfolgt die Operation mit einer schonenden Regionalanästhesie, d.h. der Arm wird betäubt, sodass der Kreislauf nicht sonderlich belastet wird. Danach wird die Schmerztherapie durch dieses Verfahren während des stationären Aufenthalts individuell gesteuert. Dies sorgt für eine sehr wirksame Schmerzausschaltung nach der Operation. Bei dem Eingriff können Sehnen, Bänder, Nerven und Blutgefäße verletzt werden. Dies kann zu einer Funktionsminderung der Hand führen. Zu den möglichen Komplikationen zählen auch Infektionen, Schwellungen, Blutergüsse, Schmerzsyndrome (sog. CRPS).