Dein Gehirn vs. Chrome: Ein Vergleich der kognitiven Leistungsfähigkeit und digitaler Werkzeuge

Die moderne Welt ist geprägt von Technologie. Smartphones, Computer und das Internet sind allgegenwärtig und beeinflussen unser Leben in vielfältiger Weise. Dies wirft die Frage auf, wie unser Gehirn mit dieser digitalen Reizüberflutung umgeht und welche Auswirkungen die Nutzung digitaler Werkzeuge auf unsere kognitiven Fähigkeiten hat. In diesem Artikel werden wir einen Vergleich zwischen unserem Gehirn und dem Webbrowser Chrome ziehen, um die Stärken und Schwächen beider Systeme zu beleuchten und Strategien für einen gesunden Umgang mit digitalen Medien aufzuzeigen.

Die Widerstandsfähigkeit unseres Gehirns: Kognitive Reserve

Unser Gehirn ist ein unglaublich anpassungsfähiges Organ. Es besitzt die Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen und Schäden zu kompensieren. Diese Fähigkeit wird als "kognitive Reserve" bezeichnet. Menschen mit einer hohen kognitiven Reserve sind oft besser in der Lage, mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson umzugehen, wie Verena Dzialas in ihrem Science-Slam-Vortrag verdeutlicht.

Dzialas erklärt anhand von persönlichen Erfahrungen, wie einschneidend diese Erkrankungen sind und warum es bis heute kaum Medikamente gibt, die den Krankheitsverlauf stoppen können. Stattdessen rückt sie ein Konzept in den Mittelpunkt, das Hoffnung macht: die sogenannte Reserve. Am Beispiel von Parkinson wird verständlich, warum manche Menschen trotz fortgeschrittener Hirnveränderungen weniger Symptome zeigen als andere.

Verena veranschaulicht, wie flexibel unser Gehirn arbeitet, warum gut vernetzte Strukturen widerstandsfähiger sind und wie sich diese Reserve über das Leben hinweg aufbauen lässt. Studien zeigen, dass Menschen mit hoher Reserve oft über viele Jahre besser mit der Erkrankung umgehen können.

Bewegung, Bildung und geistige Abwechslung spielen eine zentrale Rolle, um das eigene Gehirn langfristig zu schützen.

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Multitasking und die Aufmerksamkeitsspanne

Jeder kennt es: Der Fernseher läuft, nebenher erledigt man noch etwas am Computer, antwortet Freunden auf dem Smartphone und studiert auf dem Tablet das kommende Fernsehprogramm. Für viele Menschen ist das Alltag - und das nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Fähigkeit, sich zu erinnern, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Doch woran liegt das?

Eine Studie, die im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, untersuchte die Auswirkungen von Medien-Multitasking auf das Gedächtnis. Die Probanden mussten unterschiedliche Gedächtnisübungen machen, während ihre Hirnströme per EEG gemessen wurden. Unter anderem wurden den Teilnehmern in einem Abstand von zehn Minuten die gleichen Bilder gezeigt. Sie mussten erkennen, ob sich an den Motiven etwas verändert hat oder nicht. Die Forscher nutzten bestimmte Merkmale, um zu erkennen, ob sich jemand konzentriert, erinnert oder abschweift.

Das Ergebnis der Studie: Diejenigen, die zeitgleich verschiedene Medien konsumieren und Geräte nutzen, haben eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne. Außerdem vergessen sie schneller. Die Forscher betonen, dass sich Medien-Multitasking und das schwache Erinnerungsvermögen bedingen. Allerdings könne man nicht mit Sicherheit sagen, dass Multitasking andauernde Unaufmerksamkeit auslöst.

Visuelle Unordnung und mentale Belastung

Der Laptop surrt, dein Kopf auch. Du setzt dich hin, eigentlich nur für fünf Minuten. Kurz die Papiere sortieren, die Stifte weg, die Oberfläche freiräumen. Deine Hände arbeiten fast automatisch, der Kopf beschwert sich noch leise - bis er dann plötzlich stiller wird. Was in diesem Moment in deinem Gehirn passiert, lässt sich messen.

Dein Gehirn ist nicht neutral gegenüber dem, was um dich herum liegt. Jeder Zettel, jede offene App, jedes Kabel auf dem Tisch ist wie ein kleiner Hinweis: „Da ist noch etwas zu tun.“ Dein visueller Kortex nimmt das alles wahr, ob du willst oder nicht. Das fühlt sich an wie ein Browser mit 27 offenen Tabs. Jede einzelne Sache zieht ein paar Prozent Aufmerksamkeit ab. Nicht genug, um dramatisch zu wirken, aber genug, um dich müde, zerrissen und innerlich unruhig zu machen.

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Eine Studie der Universität Princeton hat gezeigt, dass visuelle Unordnung direkt mit weniger Fokus und höherer Fehlerquote einhergeht. Das Gehirn muss permanent zwischen Reizen filtern. Es kämpft gegen das Chaos im Blickfeld, bevor es überhaupt mit der eigentlichen Aufgabe anfangen darf. Ein praktisches Bild: Stell dir vor, du willst ein ruhiges Gespräch führen - in einer Bar mit lauter Musik, Klappern, Stimmen. Das ist Unordnung für dein Gehirn. Es hört nicht nur dich, sondern alles.

Viele Psychologen und Coaches beobachten im Alltag: Ein kurzer, klar begrenzter Aufräum-Block wirkt wie ein Reset für das Nervensystem. In dieser Zeit trennst du Relevantes von Irrelevantem, schließt offene Schleifen und reduzierst „mentales Rauschen“. Fünf Minuten sind oft zu kurz, um wirklich „durchzuatmen“, eine Stunde klingt schon wieder stressig. 15 Minuten treffen diesen Sweet Spot: überschaubar, aber spürbar. Dein Gehirn akzeptiert den Deal, weil das Ende klar ist.

Eine einfache Methode: Stell dir einen Timer auf 15 Minuten. Wähle einen konkreten Bereich - nur den Schreibtisch, nur den Couchtisch, nur den digitalen Desktop. In diesen 15 Minuten wird nichts bewertet, nichts perfektioniert. Das Entscheidende ist nicht der Perfektionseffekt, sondern der Erleichterungseffekt. Du schaltest vom „Ich müsste mal alles im Griff haben“ in einen konkreten, klar umrissenen Modus. Dein Gehirn liebt das, weil es endlich einen Rahmen und ein Ende spürt.

Nehmen wir eine typische Szene im Homeoffice. Anna, 34, arbeitet in einer Agentur, der Küchentisch ist ihr Schreibtisch. An einem Mittwoch beschließt sie, vor dem nächsten Meeting 15 Minuten „nur Tisch“ zu machen. Sie stapelt Post in eine Mappe „später“, legt alle Stifte in ein Glas, sortiert Unterlagen in drei kleine Haufen. Die Kinderbilder kommen an die Wand, nicht auf die Arbeitsfläche. Als der Timer klingelt, ist der Tisch nicht instagrammable. Später am Tag merkt sie etwas Überraschendes: Das Meeting wirkt weniger anstrengend. Ihre Notizen sind geordneter, sie verliert den Faden nicht ständig. Eine Woche später wiederholt sie das Ritual fast automatisch.

Das Muster dahinter ist simpel: Weniger Reize, weniger innerer Lärm. Neurobiologisch gesehen passiert in diesen 15 Minuten Aufräumen mehr als nur „Kram verschieben“. Dein Gehirn betreibt aktives „Closing of open loops“. Alles, was offen herumliegt, wird unbewusst als begonnene, aber nicht abgeschlossene Aufgabe registriert. Indem du Dinge wegsortierst, gibst du ihnen eine Entscheidung: später, Müll, Archiv, heute. Du entlastest damit deinen präfrontalen Kortex und dein limbisches System. Weniger offene Schleifen, weniger Alarmzeichen.

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Ordnung wirkt wie ein externes Arbeitsgedächtnis. Was vorher chaotisch im Raum verstreut lag, bekommt eine feste „Adresse“. Dein Gehirn muss sich nicht mehr alles „merken“, wo was liegt. Das reduziert unbewusste Überwachung.

Eine wirksame Technik wirkt fast lächerlich simpel: die „Eine Fläche, ein Ziel“-Methode. Such dir eine einzige Stelle aus - dein Schreibtisch, dein Nachtkästchen, die linke Hälfte deines Sofatischs. Stell den Timer. Alles, was nicht dahin gehört, wird in drei Behälter gesplittet: „Müll“, „anderer Raum“, „braucht Platz“. Kein Grübeln, kein Sentimentalitäts-Marathon, nur schnelle Entscheidungen. So entsteht ein kleines Ritual, das dein Gehirn als Startsignal für Fokus lernt. Nach einigen Wiederholungen reicht oft schon der Blick auf die freie Fläche, und dein Körper schaltet automatisch in einen ruhigeren Modus.

Viele Menschen scheitern nicht daran, Ordnung zu machen, sondern an der Erwartung, sie dauerhaft halten zu müssen. Hier hilft ein Perspektivwechsel: Ordnung ist kein Endzustand, sondern ein Rhythmus. Und ein Rhythmus darf Wellen haben. Das killt die Wirkung. Die 15 Minuten brauchen einen klaren Rahmen, wie ein kleines Meeting mit dir selbst. Sei sanft mit dir, wenn du merkst, dass du ausweichst. Ordnung berührt oft Themen wie Überforderung, Scham, alte Gewohnheiten. Da steckt viel mehr Gefühl drin, als man von außen sieht.

„Unsere Umgebung ist das physische Echo unserer Gedanken." Diese wenigen Punkte reichen oft schon, um Ordnung nicht als Strafe, sondern als stille, wiederkehrende Einladung zu einem ruhigeren Kopf zu erleben. Wenn du das ein paarmal ausprobierst, fällt dir vielleicht etwas Unerwartetes auf: Ordnung ist weniger „schön aussehen“ als „anders denken können“. Plötzlich entstehen Ideen, für die vorher kein Platz war. Gespräche fühlen sich präsenter an. On a tous déjà vécu ce moment où man spätabends durch einen halbwegs aufgeräumten Raum geht und denkt: „Okay, morgen krieg ich das hin.“ Diese stille Zuversicht ist kein Zufall, sie ist ein körperliches Signal. Dein Nervensystem registriert: Hier ist kein Angriff, kein Durcheinander, das sofort gelöst werden muss.

Vielleicht wirst du nicht zum Ordentlichkeits-Menschen. Vielleicht bleiben manche Ecken chaotisch, manche Schubladen verbotenes Terrain. Das ist okay. Entscheidend ist die Erfahrung: Schon 15 bewusste Minuten können die Lautstärke im Kopf spürbar senken.

  • Wie oft sollte ich diese 15 Minuten einplanen? Starte mit zwei- bis dreimal pro Woche und beobachte, wie sich dein Kopf dabei anfühlt.
  • Was, wenn ich in 15 Minuten kaum etwas schaffe? Der messbare Fortschritt ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass dein Gehirn „Ordnung“ als wiederkehrenden, überschaubaren Prozess erlebt.
  • Hilft digitale Ordnung genauso wie physische? Ja, chaotische Desktops, Benachrichtigungsfluten und Ordnerwildwuchs erzeugen denselben mentalen Lärm.
  • Was mache ich mit Dingen, von denen ich mich nicht trennen kann? Gib ihnen zunächst einen klar begrenzten Ort: eine Box, ein Fach, ein Ordner.
  • Wie merke ich, ob mein Gehirn wirklich ruhiger arbeitet? Achte ein, zwei Stunden nach deiner 15-Minuten-Session auf Zeichen wie weniger Abschweifen, besseres Erinnern, weniger Gereiztheit.

Digitale Demenz vs. digitale Kompetenz

Inzwischen haben wir unsere Gehirne zum Großteil an unsere Smartphones ausgelagert und digitale Assistenten sind unsere täglichen Begleiter. Und immer öfter taucht da dieser beunruhigend klingende Begriff auf: “Digitale Demenz”. Was klingt wie ein dystopischer Buchtitel, ist eine seit einigen Jahren ernsthaft geführte Debatte in der Neurowissenschaft. Doch was steckt hinter diesem Schlagwort? Und ist unser digitaler Lebensstil tatsächlich eine Bedrohung für unsere kognitiven Fähigkeiten, oder eröffnet er uns vielmehr neue Horizonte des Lernens und der geistigen Entwicklung für unsere Merkfähigkeit?

„Digitale Demenz“ ist ein sehr umstrittener Begriff, der erst 2012 vom Hirnforscher Manfred Spitzer mit seinem gleichnamigen Buch geprägt wurde. Spitzer warnt darin vor den negativen Auswirkungen intensiver Nutzung digitaler Medien, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Bei Erwachsenen sieht er die Gefahr, dass mentale und soziale Fähigkeiten beeinträchtigt werden können.

Die These der „digitalen Demenz“ von Spitzer ist in der Fachwelt bis heute höchst umstritten. Eine wegweisende Metaanalyse von Appel und Schreiner (2014) fand nur sehr geringe Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und negativen Auswirkungen wie Wohlbefinden, Übergewicht und Depressivität. Überraschenderweise konnten keine Belege für sozialen Rückzug oder erhöhte Einsamkeit durch digitale Mediennutzung gefunden werden. Im Gegenteil: Lernen mit Computer und Internet, einschließlich Lernspielen, zeigte sogar positive Effekte.

Neurowissenschaftler wie Michael Madeja und Hans-Peter Thier betonen also, dass Veränderungen im Gehirn durch digitale Mediennutzung minimal und keineswegs krankhaft seien. Einige Studien zeigen sogar positive Effekte wie verbesserte Lernfähigkeit und gesteigerte Kreativität. Bei Kindern und Jugendlichen empfehlen Experten durch die Bank eine altersgerechte, begrenzte Nutzung digitaler Medien. Für ältere Menschen können moderne Technologien sogar vorteilhaft werden, indem sie kognitive Fähigkeiten fördern und soziale Kontakte erhalten - digitale Demenz ade!

Insgesamt zeichnet die Forschung ein differenziertes Bild: Während einige negative Effekte übermäßiger Mediennutzung belegt sind, gibt es auch deutliche Hinweise auf positive Wirkungen bei moderater Nutzung. Die Debatte um die „digitale Demenz“ sollte uns also nicht lähmen, sondern uns vielmehr motivieren, digitale Medien und künstliche Intelligenz klug zu nutzen. Der Schlüssel liegt im Übergang vom passiven Konsum zur aktiven, kreativen Gestaltung. Statt endlosen Social-Media-Scrollens und Binge-Watchings könntest du einen eigenen Blog starten, Videos produzieren oder Online-Kurse belegen. Die wahre Gefahr der digitalen Demenz lauert nämlich vermutlich in der Passivität unseres Medienkonsums. Ein aktiver und zielgerichteter Umgang mit digitalen Medien trainiert unser Gehirn, anstatt es zu vernachlässigen.

Zwar beschreibt der sogenannte „Google-Effekt“, wie unser Gehirn sich auf extern gespeicherte Informationen verlässt und so verlernt, zum Beispiel geografische Karten selbst lesen zu können, doch die Lösung liegt nicht in der Medienabstinenz, sondern in der Förderung von Medienkompetenz. Im Vergleich zu früher bietet uns das digitale Lernen heute Optionen, die fantastisch sind. Statt die digitale Demenz zu fürchten, sollten wir lieber die Chancen des digitalen Lernens nutzen. Wir können jederzeit und von überall auf der Welt auf eine riesige Bibliothek zugreifen, die Wissen in jedem Bereich bereithält - das ist doch ein wahr gewordener Traum für wissbegierige Menschen, oder? Aber natürlich ist es auch beim digitalen Lernen wichtig, nicht in die Falle der Passivität zu tappen. Aktives Lernen bedeutet, dass du dich intensiv mit dem Stoff auseinandersetzt, eigene Verbindungen herstellst und das Gelernte anwendest.

Apropos Gehirn fit halten - lass uns über gezieltes Gehirntraining sprechen. Eine der effektivsten Methoden dafür sind die sogenannten “Mnemotechniken”. Das sind unterschiedliche Gedächtnistechniken, die dir dabei helfen, Informationen schneller aufzunehmen, besser zu verarbeiten und langfristig abzuspeichern. Du kannst zum Beispiel die Loci-Methode ausprobieren, bei der du Informationen mit bestimmten Orten verknüpfst. Oder wie wäre es mit einer richtig coolen Methode zum Vokabellernen?

Wie bei so vielen Themen im Leben geht es auch im Umgang mit digitalen Medien letztendlich darum, eine gesunde Balance zu finden. Künstliche Intelligenz und digitale Anwendungen sind weder des Teufels, noch sollten sie kritiklos vergöttert werden - entscheidend ist, wie wir sie einsetzen. Statt die digitale Demenz zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser, sollten wir lieber heute als morgen die Chancen des digitalen Lernens ergreifen und gleichzeitig unser Gehirn durch aktive, kreative Nutzung und gezieltes Training fit halten. Ob du nun einen Blog schreibst, eine neue Sprache mit einer Sprachlern-App lernst oder eine Gedächtnistechnik ausprobierst - wichtig ist, dass du lernst, die digitalen Werkzeuge effektiv für dich zu nutzen und einzusetzen, um up to date zu bleiben und auch in Zukunft von ihren Vorteilen zu profitieren.

Barrierefreiheit im digitalen Raum: Tools und Techniken

Ein wichtiger Aspekt der digitalen Welt ist die Barrierefreiheit. Es ist entscheidend, dass digitale Inhalte für alle Menschen zugänglich sind, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Einschränkungen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Tools und Techniken, die uns dabei helfen können, barrierefreie Webseiten und Anwendungen zu erstellen.

Automatisierte Tools:

Automatisierte Tools können einen ersten Eindruck von der Barrierefreiheit einer Webseite vermitteln. Sie finden allerdings nur 20-30 % aller Fehler. Viele automatische Prüfungen kann man direkt im Browser über Plug-ins durchführen. Diese Browsererweiterungen sind größtenteils kostenlos, schnell installiert und liefern sofort Ergebnisse. Automatisierte Tools können einige Fehler nicht als solche identifizieren oder sie bewerten Dinge als Fehler, die aber keine sind. Die Ergebnisse müssen allerdings manuell analysiert werden, um die falschen Ergebnisse auszusortieren.

Beispiele für automatisierte Tools sind:

  • Axe DevTools: Verfügbar für Chrome, Edge und Firefox. Bietet eine Detailansicht mit Code-Snippet und Hinweisen zur Behebung.
  • Lighthouse: Ein kostenloses Tool von Google, direkt in Google Chrome verfügbar. Liefert eine Punktzahl und listet gefundene Probleme mit Lösungsvorschlägen auf.
  • WAVE (Web Accessibility Evaluation Tool): Eine kostenlose Browser-Erweiterung für Chrome, Firefox und Edge. Bietet Erklärungen, Lösungsvorschläge und Verweise auf die WCAG.

Manuelle Audit-Tools:

Manuelle Audit-Tools helfen dir dabei, eine Webseite strukturiert und vollständig zu testen. Vollständig bedeutet hier, dass man mit ihnen alle Kriterien der WCAG und EN 301 549 testen kann. Die Tools ermöglichen es außerdem, ausführliche Testberichte zu erstellen und großteils auch die Ergebnisse als Tasks für Projektmanagement-Tools zu exportieren. Mit einem Klick lassen sich alle Tests einer Seite starten oder gezielt bestimmte Kategorien prüfen wie Kontraste, interaktive Elemente oder Bilder.

Beispiele für manuelle Audit-Tools sind:

  • Accessibility Center: Eine kostenpflichtige, webbasierte Software von Sitebrunch und Gehirngerecht. Bietet ein Kick-off-Audit (Quick-Check) und ein vollständiges Audit. Begleitet Prüfer*innen Schritt für Schritt durch alle Anforderungen und sorgt dabei für eine klar strukturierte Testumgebung.
  • CAAT (Comprehensive Accessibility Audit Tool): Eine kostenpflichtige webbasierte Software zur Erstellung von manuellen Audits. Enthält integrierte Prüfkataloge für WCAG, EN 301 549 und BIT inklusiv.
  • WCAG-EM Report Tool: Ein kostenfreies Open-Source-Online-Tool. Führt Schritt für Schritt durch die WCAG-Kriterien und verlinkt zu den offiziellen W3C-Dokumenten.
  • A11YPLAN: Bietet ein kostenpflichtiges webbasiertes Tool, das Teams hilft, Projekte zur digitalen Barrierefreiheit zu organisieren, zu testen und nachzuverfolgen.

Für schnelle, erste Checks auf Barrierefreiheit sind automatisierte Tools wie Browser-Plugins gut geeignet. Das Accessibility Center unterstützt mit einfachen, detaillierten Anleitungen und Kommentarfunktionen, CAAT bietet maximale Kontrolle für erfahrene Prüfer*innen mit erweiterten Prüfoptionen. Kostenlose Tools wie das WCAG-EM-Report-Tool oder die BITV-Selbstbewertung können zwar hilfreich sein, sind jedoch funktional begrenzt und teilweise nicht für kommerzielle Audits gedacht.

Barrierefreiheits-Tests entwickeln sich dynamisch weiter. Immer mehr Tools setzen auf KI-gestützte Analysen, um Muster und Fehler automatisch zu erkennen.

Die Zukunft der Neurowissenschaften: Gehirnscans und künstliche Intelligenz

Die Neurowissenschaften machen rasante Fortschritte. Dank moderner Technologien wie der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) und künstlicher Intelligenz können wir immer tiefer in die Funktionsweise unseres Gehirns eintauchen.

So nutzen Forscher wie Professor Eickhoff von der Universität Jülich MRT-Bilder von Hirnscans und Daten zu den Personen (wie Alter, Geschlecht, Erkrankungen), um eine selbstlernende Software aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz zu füttern. Dadurch lernt sie und ist in der Lage Voraussagen über andere Personen zu treffen, von denen sie nichts weiter als die Hirnscans vorgesetzt bekommt.

„Mit Gehirnscans können wir Veränderungen der funktionellen Netzwerke im Gehirn feststellen. Damit lassen sich objektiv Aussagen über die individuellen Eigenschaften eines Menschen treffen“, sagt Eickhoff. Oder, um es plakativ zu formulieren: Zeig mir Dein Gehirn und ich sag Dir, wer Du bist.

Das Prinzip funktioniert. Eickhoffs Forschergruppe gelang es beispielsweise, nur anhand von MRT-Scans und der selbstlernenden Software das Alter von Probanden zu bestimmen, wenn auch noch mit einer Abweichung von vier bis fünf Jahren. In einem anderen Forschungsprojekt verglichen die Jülicher Forscher mit Hilfe der Scans das Gehirn von an Parkinson erkrankten Personen mit Probanden, die nicht unter dieser Krankheit leiden. Ergebnis: Das Gehirn der Parkinsonerkrankten ist im Schnitt fünf bis sechs Jahre „älter“ als die Probanden wirklich sind. „Das ist ein interessanter Weg, um objektiv den Stand neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson zu quantifizieren“, sagt Eickhoff.

Interessant ist die Auswertung der Gehirnscans aber auch in der klinischen Anwendung - auf den Gebieten der Frühdiagnose und der Prognose. So versuchen die Neurowissenschaftler anhand der Hirnscans eine postnatale Depression bei jungen Müttern vorherzusagen. Diese mit fünf bis zehn Prozent Wahrscheinlichkeit verhältnismäßig häufige Erkrankung erkennt man heute erst dann, wenn sie sich manifestiert. „Die Phase kurz nach der Geburt gilt als sehr sensible Phase für das Gehirn, viele Hormone verändern sich und die Gefahr der postnatalen Depression ist groß“, sagt er.

Noch aber, auch das betont Eickhoff deutlich, reicht der aktuelle Stand der Forschung nicht zur klinischen Anwendung aus. Aber sehr lange dürfte es wohl nicht dauern, sollte die Entwicklung auf diesem Gebiet weiterhin in so einem rasanten Tempo voranschreiten. Eickhoff: „Das ist keine Frage mehr von Jahrzehnten, sondern eher weniger.“

Zuvor müsse aber noch eine andere Diskussion geführt werden: Was tun mit den Datensätzen der Hirnscans der Probanden, aus denen man in Zukunft dank moderner Technologie Informationen herauslesen kann, von denen man sich heute noch keine Vorstellungen macht? „Das ist ein ethisches und rechtliches Problemfeld“, sagt Eickhoff.

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