Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die zu starken Behinderungen und negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität führt. Die Therapie konzentriert sich darauf, den motorischen Störungen entgegenzuwirken, die Lebensqualität zu verbessern und idealerweise die Progression der motorischen Symptome und der neuronalen Degeneration zu verlangsamen.
Einführung
Morbus Parkinson (MP) ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen. Sie ist durch einen fortschreitenden Verlust dopaminproduzierender Neuronen in der Substantia nigra gekennzeichnet, was zu einem Dopaminmangel im Striatum führt. Dieser Dopaminmangel ist die Hauptursache für die charakteristischen motorischen Symptome der Krankheit.
Ursachen der Dekonditionierung bei Parkinson
Dekonditionierung, definiert als ein Zustand verminderter physiologischer Funktion, kann bei Parkinson-Patienten aus verschiedenen Gründen auftreten:
- Motorische Einschränkungen: Die Kardinalsymptome von Parkinson, Bradykinese (Verlangsamung der Bewegung), Rigor (Steifheit) und Tremor (Zittern), schränken die körperliche Aktivität ein und führen zu Muskelatrophie und verringerter kardiovaskulärer Fitness.
- Inaktivität: Patienten vermeiden oft körperliche Anstrengung aufgrund von Müdigkeit, Schmerzen oder Angst vor Stürzen, was den Teufelskreis der Dekonditionierung verstärkt.
- Autonome Dysfunktion: Erkrankungen des autonomen Nervensystems zeigen sich durch neurovegetative Überfunktion oder Unterfunktion. Dabei treten autonome Funktionsstörungen isoliert auf oder im Rahmen einer neurologischen Erkrankung. Die Beschwerden können das sympathische, parasympathische oder enterische Nervensystem isoliert oder in Kombination betreffen. Die sorgfältige Anamnese der neurovegetativen Funktionen ist für die Diagnose von Erkrankungen des autonomen Nervensystems entscheidend. Gezielt sollte nach Störungen des Kreislaufs, der Verdauung, des Stoffwechsels inklusive Gewichtsveränderungen, sekretomotorischen Störungen inklusive Schwitzen, aber auch Störungen der Blasenfunktion, Darmentleerung und der Sexualfunktionen gefragt werden.
- Medikamentennebenwirkungen: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können Müdigkeit und Apathie verursachen, was die körperliche Aktivität weiter reduziert.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Kognitive Defizite, die bei Parkinson häufig vorkommen, können die Motivation und die Fähigkeit zur Teilnahme an körperlichen Aktivitäten beeinträchtigen.
- Depression und Angst: Psychische Probleme wie Depressionen und Angstzustände sind bei Parkinson häufig und können zu sozialem Rückzug und Inaktivität führen.
Symptome der Dekonditionierung
Die Dekonditionierung bei Parkinson manifestiert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die die motorische Funktion, die kardiovaskuläre Gesundheit und die Lebensqualität beeinträchtigen:
- Verminderte Muskelkraft und Ausdauer: Dies führt zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten wie Gehen, Aufstehen und Treppensteigen.
- Erhöhte Müdigkeit: Patienten fühlen sich schneller erschöpft und benötigen längere Erholungszeiten.
- Verminderte kardiovaskuläre Fitness: Dies äußert sich in Kurzatmigkeit bei leichter Anstrengung und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Posturale Instabilität und erhöhtes Sturzrisiko: Dekonditionierung beeinträchtigt die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten, und erhöht das Risiko von Stürzen.
- Eingeschränkte Mobilität: Die allgemeine Beweglichkeit ist reduziert, was die Unabhängigkeit und die Teilnahme am sozialen Leben einschränkt.
- Reduzierte Lebensqualität: Die genannten Symptome führen zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität, einschließlich sozialer Isolation und Depressionen.
Therapieansätze zur Behandlung der Dekonditionierung
Die Behandlung der Dekonditionierung bei Parkinson erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl pharmakologische als auch nicht-pharmakologische Interventionen umfasst:
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Pharmakologische Interventionen
- Dopaminerge Medikamente: Diese Medikamente verbessern die motorischen Symptome und können die körperliche Aktivität erleichtern. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung muss die medikamentöse Behandlung im Verlauf immer wieder durch erfahrene Neurolog:innen angepasst werden.
- Andere Medikamente: Medikamente zur Behandlung von Müdigkeit, Depressionen und Schmerzen können ebenfalls hilfreich sein, die körperliche Aktivität zu steigern.
Nicht-pharmakologische Interventionen
- Physiotherapie:
- Krafttraining: Gezieltes Krafttraining kann die Muskelkraft und Ausdauer verbessern.
- Ausdauertraining: Aerobe Übungen wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen verbessern die kardiovaskuläre Fitness.
- Gleichgewichtstraining: Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts und der Koordination reduzieren das Sturzrisiko.
- Gangtraining: Spezifische Übungen zur Verbesserung des Gangbildes und der Ganggeschwindigkeit.
- Ausreichende Bewegung ist wichtig, um die für das Parkinson-Syndrom typische allmähliche Verminderung der Mobilität so lange wie möglich hinauszuzögern. Bei fortgeschrittener Krankheit ist dafür eine regelmäßige und speziell darauf ausgerichtete Physiotherapie nötig.
- Ergotherapie: Ergotherapie unterstützt durch feinmotorisches Training für den Alltag, neurokognitives Training arbeitet an der Raumwahrnehmung zur Verbesserung der Bewegung. Hilfsmittel wie z. B.
- Logopädie: Eine logopädische/sprachtherapeutische Unterstützung ist sinnvoll, wenn sich mit Fortschreiten der Erkrankung das Sprechen (leise und unexakte Aussprache, zu leise und zu hohe Stimme, zu schnelles Sprechen) und/oder das Schlucken (Verschlucken meist zunächst bei Flüssigkeiten, evtl. Komplikationen wie Lungenentzündungen) verschlechtert.
- LSVT BIG: Besonders erfolgreich in der Bewegungstherapie sind Übungen, die Bewegungsabläufe und Gleichgewicht trainieren. Dabei spielt der Einsatz großräumiger Bewegungen (s.a. LSVT BIG) und Übungen, die die Gleichgewichtsreaktionen verbessern, eine große Rolle.
- Tanztherapie: Tanztherapie kann die motorische Funktion, das Gleichgewicht und die Lebensqualität verbessern.
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): KVT kann helfen, negative Gedanken und Verhaltensmuster zu ändern, die zu Inaktivität führen.
- Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung kann die Energieversorgung verbessern und Mangelerscheinungen vorbeugen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann die Motivation und das Selbstvertrauen stärken.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die Tiefe Hirnstimulation ist eine seit Anfang der Neunziger Jahre zunehmend sehr erfolgreiche Methode, bei der den Patient:innen ein Impulsgenerator („Hirnschrittmacher“) eingesetzt wird. Er erzeugt elektrische Impulse und leitet sie über dünne Kabel, je nach Lokalisation der Krankheitsursache und entsprechender Platzierung der Stimulationselektroden, in die jeweiligen Basalganglien, Nucleus subthalamicus, Globus pallidus oder den vorderen Thalamus, wodurch dort überaktive Fehlimpulse wirksam unterdrückt werden können. Nach dem Eingriff zur Elektrodenplatzierung ist eine qualitativ hochwertige Anschlussheilbehandlung in einer spezialisierten Neurologischen Rehabilitationseinrichtung notwendig. Zum Behandlungsspektrum der Kliniken Schmieder gehört auch eine solche Anschlussheilbehandlung für Parkinson-Patient:innen.
Prävention
Die Prävention von Dekonditionierung bei Parkinson sollte so früh wie möglich beginnen:
- Frühzeitige Diagnose und Behandlung: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Parkinson kann helfen, die motorischen Symptome zu kontrollieren und die körperliche Aktivität zu erhalten.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Patienten sollten ermutigt werden, regelmäßig körperlich aktiv zu sein, auch wenn sie Schwierigkeiten haben.
- Multidisziplinäre Betreuung: Eine multidisziplinäre Betreuung durch Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und andere Fachkräfte kann helfen, die Dekonditionierung zu verhindern oder zu behandeln.
Autonome Dysfunktion und ihre Behandlung
Autonome Funktionsstörungen können bei Parkinson-Patienten eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Eine sorgfältige Anamnese und Diagnostik sind entscheidend, um behandelbare Ursachen zu identifizieren.
Diagnostik autonomer Funktionsstörungen
- Anamnese: Gezielte Fragen nach Störungen des Kreislaufs, der Verdauung, des Stoffwechsels, der Blasenfunktion, der Darmentleerung und der Sexualfunktionen.
- Klinische Untersuchung: Beurteilung der Pupillengröße und -symmetrie, Blutdruck- und Pulsverhalten beim Wechsel vom Liegen ins Stehen (Schellong-Test).
- Laboruntersuchungen: Blutzucker, HbA1c, TSH, Vitamin B12, Serum- und Urinelektrophorese, Immunfixation.
- Spezifische Antikörper: Bei subakuter Entwicklung autonomer Funktionsstörungen Bestimmung von Antikörpern gegen ganglionäre Acetylcholinrezeptoren, spannungsabhängige Kalziumkanäle, spannungsabhängige Kaliumkanäle sowie Anti-Hu-Antikörper.
- Autonome Funktionsdiagnostik: Untersuchung der sudomotorischen, kardiovagalen und der vasomotorischen Funktionen.
- Kipptischuntersuchung: Beurteilung des Blutdruck- und Pulsverhaltens während des Aufrichtens.
Therapie autonomer Funktionsstörungen
Die Therapie autonomer Funktionsstörungen zielt auf die Behandlung der Grunderkrankung und die Linderung der Symptome ab.
- Nichtmedikamentöse Maßnahmen:
- Kreislaufmaßnahmen: Patientenaufklärung inkl. Ernährung: wenig Fett, ballaststoffarm.
- Verhaltensänderungen: Vermeidung von ungünstigen Faktoren wie Volumenmangel oder Immobilisation.
- Medikamentöse Therapie:
- Orthostatische Hypotonie: Medikamente zur Erhöhung des Blutdrucks.
- Magen-Darm-Beschwerden: Domperidon, Metoclopramid, Pyridostigmin, Erythromycin.
- Blasenfunktionsstörungen: Medikamente zur Behandlung von Überaktivität oder Hypokontraktilität des Detrusormuskels.
- Immunmodulatorische Therapien: Bei autoimmunen Ursachen.
- Management von Diabetes: Bei diabetischer Neuropathie.
- Behandlung der Amyloidose: Bei Amyloidose.
- Vitamin-B12-Substitution: Bei Vitamin-B12-Mangel.
Bedeutung funktioneller Therapien
Gerade die Bedeutung funktioneller Therapien, wie Krankengymnastik, neuropsychologische Trainingstherapie und Sprachtherapie, hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. Es hat sich bewährt interdisziplinäre, multiprofessionelle Behandlungen in geeigneten Rehabilitationskliniken, insbesondere auch stationär durchzuführen. Hierbei ist eine Optimierung der medikamentösen Therapie bei gleichzeitiger Intensivierung der Therapiefrequenz und dem Einsatz ambulant nur schwer zugänglicher, wie beispielsweise der parkinsonspezifischen Sprachtherapie oder neuropsychologischer Therapien möglich. Nach der Implantation von Hirnschrittmachern müssen diese eingestellt und parallel dazu die medikamentöse Therapie angepasst werden. Dies erfordert Zeit und wird sinnvollerweise durch funktionelle Therapien und eine entsprechende Aufklärung und Betreuung begleitet. Auch hier eigenen sich Rehakliniken in besonderem Maße.
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