Demenz Bauernhof Brandenburg Konzepte: Eine innovative Perspektive für das Leben im Alter

Viele Menschen wünschen sich, im Alter selbstbestimmt und nicht allein zu leben. Gleichzeitig kämpfen kleine Bauernhöfe ums Überleben. Das Konzept des Demenz Bauernhofs in Brandenburg bietet hier eine innovative Lösung, indem es älteren Menschen ermöglicht, auf einem Bauernhof aktiv zu sein und von der Gemeinschaft zu profitieren, während die Landwirte eine neue Einkommensquelle erschließen.

Was ist ein Demenz Bauernhof?

Ein Demenz Bauernhof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der älteren Menschen mit und ohne Demenz ein Zuhause bietet. Hier können sie in einer natürlichen Umgebung leben, aktiv am Hofleben teilnehmen und von der Gemeinschaft profitieren. Im Unterschied zu herkömmlichen Pflegeheimen strahlt ein Bauernhof eine lebendigere Atmosphäre aus.

Professor Johannes Gräske von der Alois Salomon Hochschule in Berlin definiert einen Pflegebauernhof als einen landwirtschaftlichen Betrieb, der mit seiner sozialen Dienstleistung mehr Einkommen erwirtschaftet als mit der Produktion von Lebensmitteln.

Das Konzept des Demenz Bauernhofs

Das Konzept basiert auf der Idee, dass ältere Menschen, insbesondere solche mit Demenz, von der Natur, den Tieren und der Gemeinschaft auf einem Bauernhof profitieren können. Die Bewohner können je nach ihren Fähigkeiten und Interessen an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen, wie z.B. der Versorgung der Tiere, der Gartenarbeit oder der Verarbeitung von Lebensmitteln.

Vorteile für die Bewohner

  • Sinnvolle Beschäftigung: Die Arbeit auf dem Bauernhof gibt den Bewohnern das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu tun.
  • Soziale Kontakte: Das Leben in der Gemeinschaft fördert soziale Kontakte und beugt Einsamkeit vor.
  • Naturnahe Umgebung: Die Natur hat eine positive Wirkung auf Körper und Geist, insbesondere bei Menschen mit Demenz.
  • Bewegung: Die Arbeit auf dem Bauernhof hält die Bewohner körperlich aktiv und mobil.
  • Emotionale Stabilität: Der Kontakt zu Tieren gibt den Bewohnern emotionale Stabilität und ein Gefühl der Geborgenheit.

Guido Pusch, Landwirt und Gründer eines Pflegebauernhofes im Westerwald, betont, dass sich die Bewohner durch die Tiere gebraucht fühlen und morgens einen Grund zum Aufstehen haben. Er hat das Projekt Zukunft Pflegebauernhof gegründet, um interessierte Bauernhöfe zu beraten.

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Vorteile für die Landwirte

  • Neue Einkommensquelle: Die Unterbringung und Betreuung von Senioren bietet eine zusätzliche Einkommensquelle für Landwirte.
  • Erhalt des Hofes: Das Konzept kann dazu beitragen, kleine Bauernhöfe vor dem Aussterben zu bewahren.
  • Soziale Verantwortung: Landwirte übernehmen eine soziale Verantwortung und tragen zur Lebensqualität älterer Menschen bei.
  • Unterstützung für die Familie: Auch pflegebedürftige Familienmitglieder der Bauernfamilie können auf dem Hof bleiben und versorgt werden.

Herausforderungen

Trotz der vielen Vorteile gibt es auch einige Herausforderungen bei der Umsetzung des Konzepts:

  • Finanzierung: Die Finanzierung der Umbau- und Betriebskosten kann eine Hürde darstellen.
  • Personal: Es ist wichtig, qualifiziertes Pflegepersonal zu finden, das sowohl die Bedürfnisse der Bewohner als auch die Anforderungen des Hofbetriebs versteht.
  • Genehmigungen: Die Genehmigung durch die Behörden kann zeitaufwendig sein.
  • Akzeptanz: Es ist wichtig, die Akzeptanz des Konzepts in der Gemeinde zu fördern.

Beispiele aus der Praxis

Pflegebauernhof Marienrachdorf

Ein Pionierprojekt ist der Pflegebauernhof von Guido Pusch in Marienrachdorf. Hier leben 22 Senioren in Wohngemeinschaften und helfen bei der Versorgung der Tiere und der Ernte. Ein ambulanter Pflegedienst ist 24 Stunden am Tag vor Ort und unterstützt die Pflegebedürftigen.

"Bauernhof" - Sozialwerk St. Georg e.V.

Der "Bauernhof" des Sozialwerks St. Georg e.V. bietet ein breites Spektrum an Hilfen in den Bereichen Wohnen und Arbeit bzw. Beschäftigung. Die Einrichtung ist in der Gemeinde sehr angesehen und dient als Begegnungsstätte.

Modellprojekt „Grün-Weiße Kooperation in Oderland-Spree“

Annegret Huth von der KHSB leitet das Modellprojekt „Grün-Weiße Kooperation in Oderland-Spree“, das die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Landwirtschaft in Brandenburg verbessern soll. Das Team plant, ein Beratungs- und Vernetzungsangebot für Landwirte und soziale Träger aufzubauen.

Demenz Bauernhof in Brandenburg

In Brandenburg gibt es aktuell noch keine Demenz Bauernhöfe. Allerdings besteht bei vielen Landwirten ein großes Interesse an dem Konzept. Das Modellprojekt „Grün-Weiße Kooperation in Oderland-Spree“ arbeitet daran, die Grundlagen für die Etablierung von Demenz Bauernhöfen in Brandenburg zu schaffen.

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Potenziale für Brandenburg

Brandenburg bietet ideale Voraussetzungen für die Entwicklung von Demenz Bauernhöfen:

  • Ländliche Struktur: Brandenburg ist ein Flächenland mit vielen kleinen Bauernhöfen.
  • Demografischer Wandel: Die Bevölkerung in Brandenburg altert, wodurch der Bedarf an alternativen Wohn- und Betreuungsformen steigt.
  • Förderprogramme: Es gibt verschiedene Förderprogramme des Landes und des Bundes, die die Entwicklung von Demenz Bauernhöfen unterstützen können.

Notwendige Schritte

Um das Potenzial von Demenz Bauernhöfen in Brandenburg zu nutzen, sind folgende Schritte notwendig:

  • Aufklärung: Landwirte und die Bevölkerung müssen über das Konzept und seine Vorteile aufgeklärt werden.
  • Beratung: Es ist wichtig, Landwirten eine umfassende Beratung bei der Planung und Umsetzung von Demenz Bauernhöfen anzubieten.
  • Vernetzung: Landwirte, Pflegeeinrichtungen und andere Akteure müssen miteinander vernetzt werden.
  • Förderung: Das Land Brandenburg sollte die Entwicklung von Demenz Bauernhöfen durch gezielte Förderprogramme unterstützen.

Finanzierungsmöglichkeiten

Die Finanzierung eines Pflegebauernhofs kann auf verschiedenen Wegen erfolgen:

  • Miete und Verpflegung: Die Bewohner zahlen Miete und Verpflegungskosten.
  • Pflegeleistungen: Die Pflegeleistungen werden von den Pflegekassen übernommen.
  • Zuschüsse: Es gibt verschiedene Zuschüsse von Land, Bund und Stiftungen.
  • Spenden: Spenden können zur Finanzierung von Projekten und Anschaffungen verwendet werden.

Es gibt keine einheitliche Finanzierung, da jedes Bundesland die soziale Landwirtschaft anders behandelt.

Personal gewinnen

Die Gewinnung von Pflege- und Betreuungskräften für die Arbeit im ländlichen Raum kann eine Herausforderung sein. Es hat sich jedoch gezeigt, dass vielen Menschen in pflegenden Berufen ein schöner und erfüllender Arbeitsplatz wichtiger ist als ein hohes Gehalt.

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Allerdings benötigen die Pflegekräfte eine zusätzliche Qualifizierung, um auf einem Pflegebauernhof arbeiten zu können. Denn zur Pflege kommt die Betreuung der Bewohner in dem familiären Umfeld und der Landwirtschaft hinzu.

Einbindung der Tiere

Ein Kernelement im Konzept der Pflegebauernhöfe ist die Einbindung der Tiere. Die Bewohner können ihr eigenes Tier mitbringen oder sich um die Hoftiere kümmern. Die Tiere geben ihnen emotionale Stabilität und sie können sich weiterhin wertvoll und nützlich fühlen.

All das muss aber gut organisiert sein. Es muss geklärt werden, was passiert, wenn die Menschen sich nicht mehr so gut um ihre Tiere kümmern können.

Nachhaltigkeit

Pflegebauernhöfe sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmen. Sie tragen zur Minimierung der Landwirtschaft in der Flächennutzung und dem Tierbestand bei. Sie wird „entschleunigt“ und CO²-neutraler.

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