Einleitung
Der Begriff "Demenz" bezeichnet eine erworbene Minderung der geistigen Fähigkeiten, die über das normale altersbedingte Nachlassen hinausgeht und die Alltagsaktivitäten beeinträchtigt. Es handelt sich nicht um eine spezifische Krankheit, sondern um ein Syndrom, das verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Definition, Ursachen, Diagnose und Behandlung von Demenz, um Betroffenen und ihren Angehörigen ein besseres Verständnis der Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist Demenz?
"Demenz" und "Alzheimer" sind nicht dasselbe. Demenz ist ein Muster von Symptomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Eine Demenz führt dazu, dass sich verschiedene geistige Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand verschlechtern. Zunächst gibt es eine ganz normale Vergesslichkeit, bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger stark. Wenn Sie ab und zu Ihren Schlüssel verlegen, einen Termin vergessen oder Ihnen der Name eines Bekannten nicht einfällt, dann ist das kein Grund zur Beunruhigung.
Symptome und Warnzeichen
Treten jedoch häufig und über längere Zeit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, der Konzentration oder der Orientierung auf (man kann sich nicht mehr erinnern, einen bestimmten Termin überhaupt vereinbart zu haben, oder man findet sich in neuen Umgebungen wesentlich schlechter zurecht als früher), so ist dies ein Grund, einen Arzt aufzusuchen. Auch bei stärkeren Schwankungen der Stimmungslage und geistigen Fähigkeiten ist es gut, einen Arzt zu kontaktieren.
Die genannten Symptome können ganz verschiedene Ursachen haben und stehen nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer Demenz. Sie können beispielsweise durch Stress, Burn-out, seelische Belastungen, Depressionen oder auch eine Umstellung des Hormonhaushalts - wie in den Wechseljahren -hervorgerufen werden. Weitere körperliche Ursachen sind unter anderem eine Unterfunktion der Schilddrüse, ein erhöhter Hirndruck, wie er im Alter auftreten kann, oder ein Tumor.
Frühe Warnzeichen für Demenz zeigen sich meist in Gedächtnis- und Orientierungsproblemen. Menschen mit einer beginnenden Demenz haben Schwierigkeiten mit gewohnten Aufgaben oder können dem Gesprächsverlauf in einer Gruppe nicht mehr richtig folgen. Auch auffällige Veränderungen in der Stimmungslage oder dem Verhalten können am Beginn einer Demenzerkrankung stehen. Wichtig ist: Alle Symptome können auch andere Ursachen haben. Es ist wichtig, diese Anzeichen ernst zu nehmen und ärztlichen Rat einzuholen.
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Ursachen und Risikofaktoren
Demenz wird durch Schädigung von Gehirnzellen verursacht. Diese Schädigung beeinträchtigt die Fähigkeit der Gehirnzellen, miteinander zu kommunizieren. Das Gehirn verfügt über eine Reihe von individuellen Regionen, wobei jede Region für verschiedene Funktionen zuständig ist (z.B. Gedächtnis, Urteilsvermögen und Bewegung). Verschiedene Arten von Demenz werden mit bestimmten Arten der Gehirnzellenschädigung in bestimmten Regionen des Gehirns in Verbindung gebracht. Beispielsweise wird es den Gehirnzellen bei einem hohen Vorkommen an bestimmten Proteinen innerhalb und außerhalb der Gehirnzellen bei der Alzheimer-Krankheit erschwert, gesund zu bleiben und miteinander zu kommunizieren. Die Gehirnregion namens Hippocampus beinhaltet das Lernzentrum und das Gedächtnis im Gehirn und die Gehirnzellen in dieser Region werden oft zuerst geschädigt.
Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Demenzen. Primäre Demenzformen machen 90 Prozent aller Demenzerkrankungen aus. Sie haben hirnorganische Ursachen und sind in der Regel irreversibel, also unumkehrbar. Primäre Demenzen führen zum Absterben von Nervenzellen und beeinträchtigen die Signalübertragung zwischen ihnen.
Sekundäre Demenzerkrankungen haben ihren Ursprung beispielsweise in einem Vitaminmangel, in einer Schilddrüsenfehlfunktion oder können durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Anders als primäre Demenzen sind sekundäre Demenzen teilweise heilbar.
Einige Risikofaktoren für Demenz, z.B. Alter und Genetik, können nicht verändert werden. Aber Forscher untersuchen weiterhin die Auswirkung anderer Risikofaktoren auf die Gesundheit des Gehirns und die Verhinderung von Demenz. Herz-Kreislauf-Risikofaktoren: Ihr Gehirn wird von einem der dichtesten Blutgefäß-Netzwerke des Körpers ernährt. Alles, was Blutgefäße in anderen Bereichen Ihres Körper schädigt, kann Blutgefäße im Ihrem Gehirn schädigen und den Gehirnzellen lebensnotwendige Nahrung und Sauerstoff entziehen. Blutgefäß-Veränderungen im Gehirn stehen im Zusammenhang mit vaskulärer Demenz. Sie treten oft zusammen mit Veränderungen auf, die durch andere Demenz-Arten verursacht werden, einschließlich der Alzheimer-Krankheit und der Lewy-Körper-Demenz. Diese Veränderungen können interagieren und schnelleres Fortschreiten der Krankheit zur Folge haben oder Beeinträchtigungen verschlimmern.
- Alzheimer-Krankheit: Dies ist die häufigste Ursache für Demenz, bei der es aus bislang ungeklärten Gründen zum Absterben von Nervenzellen im Gehirn kommt. Kennzeichnend ist insbesondere der frühe Verlust des Kurzzeitgedächtnisses.
- Vaskuläre Demenz: Diese Form wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht, beispielsweise durch Schlaganfälle oder langjährigen unbehandelten Bluthochdruck.
- Frontotemporale Demenz (Morbus Pick): Hier gehen Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenbereich zurück, was vor allem die Persönlichkeit und das soziale Verhalten der betroffenen Person verändert.
- Lewy-Körper-Demenz: Diese neurodegenerative Erkrankung ist durch optische Sinnestäuschungen, motorische Störungen und einen raschen Wechsel von Wachheit zu Müdigkeit gekennzeichnet.
- Parkinson-Demenz: Im Zusammenhang mit Parkinson entwickelt sich bei circa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen auch eine dementielle Erkrankung.
- Sekundäre Demenzen: Diese werden indirekt durch äußere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch (Korsakow Demenz) oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst.
Bekannt sind allerdings einige Risikofaktoren, die das persönliche Risiko für eine Demenzerkrankung drastisch erhöhen. Tatsächlich lässt sich einer Demenz in vielen Fällen vorbeugen. Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Erkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von 14 Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität zählen dabei zu den wichtigsten Schutzfaktoren.
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Diagnose
Es existiert kein einzelner Test, mit dem bei einer Person Demenz nachgewiesen werden kann. Ärzte diagnostizieren Alzheimer oder andere Demenz-Arten auf der Grundlage einer sorgsam durchgeführten Anamnese, einer physischen Untersuchung, Labortests und charakteristische Veränderungen des Denkens, der täglichen Funktionen und des Verhaltens, das mit der jeweiligen Demenz-Krankheit in Verbindung gebracht wird. Ärzte können mit einem hohen Grad an Sicherheit bestimmen, ob eine Person unter Demenz leidet. Es ist jedoch schwieriger, die genaue Demenz-Art zu bestimmen, da sich Symptome und Gehirnveränderungen von verschiedenen Demenzarten überlagern können. In einigen Fällen diagnostiziert ein Arzt „Demenz“ ohne Angabe der Demenz-Art.
Spezielle Demenz-Tests messen die geistige Leistungsfähigkeit einer Person und lassen erkennen, ob diese noch im Normalbereich liegt, oder Anzeichen für eine Einschränkung durch eine Demenz vorliegen. Den sogenannten MMST als PDF können Sie als Selbsttest nutzen, um einen ersten Verdacht zu prüfen. Bitte beachten Sie, dass dieser Selbsttest keine ärztliche Diagnose ersetzt. Liegt ein Anfangsverdacht für eine Demenz-Erkrankung vor, sollte der erste Gang zum Hausarzt, zu einer Gedächtnis-Sprechstunde oder einer Memory-Klinik führen.
Am Anfang geht es darum, festzustellen, ob demenzielle Symptome vorliegen und wie stark diese ausgeprägt sind. Wichtige Bestandteile in dieser Phase der Diagnostik sind das Patientengespräch (Anamnese), die körperliche Untersuchung und nach Bedarf die Durchführung von Demenz-Tests. Sind deutliche demenzielle Symptome vorhanden, muss der Arzt noch die Ursache der Symptome eindeutig klären. Zum Beispiel wird ein Arzt versuchen, Hinweise auf eine konkrete organische Ursache zu finden. Mit den Ergebnissen kann der Arzt außerdem bestimmen, um welche Demenzform es sich handelt und in welchem Stadium sich der Betroffene befindet.
Behandlung
Die Behandlung von Demenz ist abhängig von der Ursache. Im Falle der meisten progressiven Demenzen einschließlich der Alzheimer-Krankheit gibt es keine Heilung und keine Behandlung, die das Fortschreiten verlangsamt oder stoppt. Aber es gibt Behandlungen mit Medikamenten, die Symptome in einem begrenzten Zeitraum verbessern. Dieselben Medikamente, die zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt werden, werden auch manchmal verschrieben, um die Symptome von anderen Arten von Demenz zu lindern.
Alzheimer-Demenz, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Demenz, Parkinson-Demenz und Vaskuläre Demenz sind bis heute leider nicht heilbar. Dennoch ist die Behandlung von Demenz wichtig, weil sie die Lebensqualität der Betroffenen im weiteren Verlauf erheblich steigert. Je nach Demenzform, Stadium und individuellem Gesundheitszustand kommen unterschiedliche Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien in Frage.
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- Medikamentöse Behandlung: Medikamente können in erster Linie zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung sowie zur Milderung von psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen eingesetzt werden.
- Nicht-medikamentöse Behandlung: Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern. Dazu gehören beispielsweise Ergotherapie, Physiotherapie, kognitives Training oder Verhaltenstherapien.
Umgang mit Demenz im Alltag
Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine echte Herausforderung. Zu Beginn der Erkrankung reicht oft ein wenig Unterstützung im Alltag aus, doch im weiteren Verlauf wird der Bedarf an Hilfe immer größer. Doch viele Menschen sind bereit, sich selbst so lange wie möglich um ihre Angehörigen zu kümmern, wenn diese an Demenz erkranken.
Menschen mit Demenz verändern ihr Verhalten und reagieren, aufgrund einer veränderten Wahrnehmung, anders auf ihre Umwelt. Für Außenstehende ist es oft schwer, zu verstehen, was in der demenzerkrankten Person vorgeht. Unter anderem geht es um Kommunikation mit Demenzerkrankten, den Umgang mit Aggressionen und den Einsatz von Hilfsmitteln und Orientierungshilfen, die den Alltag erleichtern sollen. Zu einem guten Umgang mit der Demenz gehört auch die demenzgerechte Raumgestaltung. Dabei geht es darum, Barrieren abzubauen und hilfreiche Anhaltspunkte zur zeitlichen und räumlichen Orientierung zu schaffen.
Im Laufe einer Demenzerkrankung kann eine Inkontinenz entstehen. Dabei verliert die demenzerkrankte Person unkontrolliert Harn (Harninkontinenz) oder Stuhl (Stuhlinkontinenz).
Prävention
Tatsächlich lässt sich einer Demenz in vielen Fällen vorbeugen. Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Erkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von 14 Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität zählen dabei zu den wichtigsten Schutzfaktoren.
Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Betätigung kann zur Risikominderung einiger Demenz-Arten beitragen. Ernährung: Die Art der Ernährung kann aufgrund ihres Einflusses auf die Herz-Gesundheit die größten Auswirkungen auf die Gehirn-Fitness erzielen. Die derzeit besten Beweise empfehlen, dass Herz-gesundes Essverhalten, wie z.B. die mediterrane Ernährungsweise, ebenfalls zum Schutz des Gehirns beiträgt.
Stadien der Demenz
Jede Demenz-Erkrankung bringt individuelle Einschränkungen mit sich und verläuft unterschiedlich schnell. Die Einteilung in Demenz Stadien dient lediglich der Übersicht über Phasen, die irgendwann im Verlauf der Krankheit zu erwarten sind. Es ist unmöglich, vorherzusagen, wann diese Phasen eintreten.
- Frühphase: Erste Symptome sind vorhanden, haben aber noch keine besonders dramatischen Auswirkungen. Die erkrankte Person ist noch weitgehend selbstständig und kann oft noch allein leben.
- Mittelschwere Demenz: Die Symptome sind bereits deutlich ausgeprägt und kaum mehr zu übersehen. Spätestens jetzt bereitet die räumliche und zeitliche Orientierung erhebliche Schwierigkeiten.
- Schwere Demenz: Die starken Symptome führen dazu, dass die Person auf intensive Betreuung und Pflege angewiesen ist. Die verschiedenen Symptome können so stark ausgeprägt sein, dass Betroffene weitgehend bettlägerig werden.
- Endstadium: Die Erkrankten sind vollständig auf Pflege angewiesen. Es kommt zu einem Verlust der Sprache, völliger Orientierungslosigkeit und Inkontinenz.
Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.
Statistiken
In Deutschland leben nach jüngsten epidemiologischen Schätzungen rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Durchschnittlich treten Tag für Tag etwa 900 Neuerkrankungen auf. Sie summieren sich im Lauf eines Jahres auf mehr als 400.000. Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der Demenzerkrankten kontinuierlich zu. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach unterschiedlichen Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen. Dies entspricht einem mittleren Anstieg der Zahl der Erkrankten um 25.000 bis 40.000 pro Jahr oder um 70 bis 110 pro Tag. In der älteren Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit gibt es etwa 158.000 Menschen mit Demenz. Die Zahl der Betroffenen, die noch nicht das 65.
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