Demenz erkennen: Anzeichen und Unterstützung für Angehörige

Demenz ist mehr als nur Vergesslichkeit. Es ist eine Erkrankung, die das gesamte Sein eines Menschen beeinträchtigt, seine Wahrnehmung, sein Erleben und sein Verhalten. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz. Dieser Artikel soll Angehörigen helfen, erste Anzeichen einer Demenz zu erkennen und zu verstehen, welche Schritte sie unternehmen können.

Was ist Demenz?

Der Begriff "Demenz" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich "Weg vom Geist" oder "ohne Geist". Er beschreibt den Abbau der geistigen Fähigkeiten, der über normale altersbedingte Veränderungen hinausgeht. Eine Demenz führt dazu, dass sich verschiedene geistige Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand verschlechtern. Zunächst sind häufig das Kurzzeitgedächtnis und die Merkfähigkeit gestört, im weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses.

Es gibt nicht nur eine, sondern viele Formen von Demenz. Mehr als 50 verschiedene Krankheitsbilder ordnen sich unter den Oberbegriff Demenz ein. Alzheimer (ca. Vaskuläre Demenz (ca. Jede dieser Demenzen hat ein leicht verändertes Symptombild. Stehen zum Beispiel bei der Alzheimer-Erkrankung die Gedächtnisstörungen im Vordergrund, so sind es bei vaskulären Demenzen eher Konzentrationsschwäche und Antriebsminderung.

Anzeichen einer Demenz

Eine Demenz kommt schleichend. Die ersten Warnzeichen zeigen sich meist in Gedächtnis- und Orientierungsproblemen. Es ist wichtig zu beachten, dass alle Symptome auch andere Ursachen haben können. Es gibt eine ganz normale Vergesslichkeit, bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger stark. Wenn Sie ab und zu Ihren Schlüssel verlegen, einen Termin vergessen oder Ihnen der Name eines Bekannten nicht einfällt, dann ist das kein Grund zur Beunruhigung.

Frühsymptome

  • Gedächtnisprobleme / Vergesslichkeit: Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, die sich auf das tägliche Leben auswirkt. Wichtige Termine werden vergessen, der Herd nicht ausgeschaltet oder der Alltag kann nur mit Hilfe von Merkzetteln bewältigt werden.
  • Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Es fällt schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Betroffene brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor.
  • Probleme mit gewohnten Tätigkeiten: Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden.
  • Veränderungen in der Sprache: Betroffenen fehlen oft die richtigen Worte während des Gesprächs (auch Wortfindungsstörung genannt). Sie verwenden unpassende Füllwörter oder falsche Begriffe.
  • Schwierigkeiten mit räumlichem Sehen und Orientierung: Viele Menschen mit Alzheimer-Demenz haben große Schwierigkeiten, Bilder zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen.
  • Verlegen von Gegenständen: Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, lassen oft Dinge liegen oder legen sie an ungewöhnliche Orte. Sie vergessen nicht nur, wo die Sachen sind, sondern auch, wozu sie gut sind.
  • Verminderte Initiative: Viele Menschen mit Alzheimer verlieren zunehmend ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach.
  • Stimmungsschwankungen: Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein.
  • Orientierungslosigkeit: Zunehmende Schwierigkeiten, sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden.
  • Wiederholungen: Eine Person erzählt mehrmals am Tag die gleiche Geschichte, ohne das selbst wahrzunehmen oder wiederholt häufig, was sie gerade gesagt hat, oder stellt eine Frage zwei- bis dreimal.

Wenn sich solche Symptome häufen und über Monate hinweg immer wieder auftreten, kann durchaus eine demenzielle Erkrankung dahinterstecken. Treten eines oder mehrere dieser Symptome öfter auf, sollte man zunächst hausärztlichen Rat einholen.

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Mittlere Demenz

  • Sprache und Sprachverständnis sind spürbar beeinträchtigt.
  • Die Erinnerungen verblassen.
  • Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät aus den Fugen.
  • Die frühere Teilnahmslosigkeit schlägt oft in quälende Unruhe und Rastlosigkeit um.
  • Viele Patienten mit diesen Demenz-Symptomen wandern umher und verirren sich leicht.
  • Alltägliche Verrichtungen fallen immer schwerer und eine selbstständige Lebensführung ist in diesem Stadium oft nur noch mit Unterstützung möglich.

Schwere Demenz

  • Die Erkrankten sind rund um die Uhr auf Pflege und Betreuung angewiesen.
  • Sie verlieren die Kontrolle über alle körperlichen Funktionen.
  • Selbst die engsten Angehörigen werden von den an Demenz Erkrankten oft nicht mehr erkannt.
  • Schließlich werden die Betroffenen bettlägerig und so sehr anfällig für Lungenentzündungen oder Wundgeschwüre.

Der Weg zur Diagnose

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Angehöriger an Demenz erkrankt ist, ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Er kennt den Patienten schon lange und kann Veränderungen gut einschätzen. Erhärtet sich der Verdacht, wird er Sie an einen Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie oder Geriatrie überweisen.

Ärztliche Untersuchung

Der Arzt wird eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Dazu gehören:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Neurologische Untersuchung: Prüfung der Nervenfunktionen.
  • Psychologische Tests: Überprüfung der geistigen Fähigkeiten (z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Orientierung).
  • Blutuntersuchung: Um behandelbare Ursachen einer Demenz zu erkennen, zum Beispiel einen Vitaminmangel.
  • Bildgebende Verfahren (CT, MRT): Geben Einblicke in das Gehirn. Ärzte und Ärztinnen erkennen so Demenzauslöser wie Durchblutungsstörungen und Schlaganfälle.
  • Untersuchung von Nervenwasser: Über eine Analyse des Nervenwassers lässt sich die Konzentration von beta-Amyloid und Tau-Protein ermitteln, die bei der Entstehung von Demenz eine zentrale Rolle spielen.

Demenz-Tests

Es gibt verschiedene psychometrische Tests, die Hinweise auf ein nachlassendes Denkvermögen geben können. Diese Tests können von Experten durchgeführt werden, also zum Beispiel Neurologen, Psychiater, Psychologen oder entsprechend ausgebildetes Personal.

  • Demenz-Detektions-Test (DemTect): Ein einfaches Verfahren, dauert nicht sehr lange und braucht kaum Vorwissen. Der DemTect-Test berücksichtigt bei der Auswertung auch das Alter des Patienten.
  • Mini-Mental-Status-Test (MMST): Ist etwas voraussetzungsreicher und aufwändiger, aber dafür auch aussagekräftiger. Der MMST wird häufig von geschultem Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern verwendet.
  • Montreal-Cognitive-Assessment-Test (MoCa-Test): Sollte von geschultem Personal durchgeführt werden.
  • Uhrentest: Ein sehr bekannter Demenz-Test. Ein Grund für diese Bekanntheit ist sicherlich seine Einfachheit, denn er lässt sich in wenigen Minuten nur mit einem Blatt Papier und einem Stift durchführen.
  • Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD): Hier geht es vor allem darum, eine Depression als mögliche Ursache auszuschließen.
  • Syndrom-Kurztest (SKT): Erfasst vor allem Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitung.

Es ist wichtig zu beachten, dass einfache Testverfahren für Demenz keine absolut zuverlässigen Ergebnisse liefern können. In Demenz-Tests, also in psychometrischen Tests, können nur Symptome erkannt werden. Doch diese Symptome können auch Anzeichen für andere Erkrankungen sein.

Behandlungsmöglichkeiten

Für die meisten Demenzerkrankungen wie Alzheimer gibt es keine Heilung. Bei der Behandlung von Demenzen wird zwischen primärer und sekundärer Demenz unterschieden. Medikamente können jedoch den Verlauf dieser Demenzformen hinauszögern.

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Medikamentöse Therapie

Um die geistige Leistung zu stärken, werden vor allem sogenannte Antidementiva eingesetzt. Neben der Gedächtnisstörung können auch typische Symptome wie Orientierungslosigkeit, Konzentrationsschwäche oder Depression damit gemildert werden. Die neuen Antikörper sind vor allem in den frühen Erkrankungsstadien wirksam.

Nicht-medikamentöse Therapien

Nicht medikamentöse Therapien können die geistigen Fähigkeiten fördern, Alltagsfertigkeiten stabilisieren und das seelische Wohlbefinden erhöhen. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Form der Demenz, dem Stadium der Erkrankung und den Symptomen ab.

  • Verhaltenstherapie: Hilft vor allem Patienten in einem frühen Stadium, mit der Krankheit besser umzugehen.
  • Logopädie: Für Menschen mit einer beginnenden Demenz, stärkt kommunikative Fähigkeiten und Wortfindung, verbessert Aussprache sowie Sprachverständnis.
  • Kognitives Training: Für Demenzkranke in einem frühen Stadium zum Training der geistigen Fähigkeiten.
  • Ergotherapie: Körperliche Aktivierung hilft Patienten in einem frühen und mittleren Stadium, Alltagstätigkeiten möglichst lange durchführen zu können.
  • Musiktherapie: Unterstützt Betroffene in allen Krankheitsstadien dabei, positive Erinnerungen und Gefühle zu wecken.
  • Realitätsorientierungstraining: Übt mit Demenzkranken aller Krankheitsstadien die zeitliche und räumliche Orientierung.
  • Erinnerungstherapie: Mithilfe von Fotos, Geschichten und Alltagsgegenständen werden Erinnerungen geweckt und die geistigen Fähigkeiten angeregt, wirkt stimmungsaufhellend in allen Krankheitsstadien.

Sekundäre Demenz

Eine sekundäre Demenz ist die Folge einer anderen Grunderkrankung, zum Beispiel von Tumor- und Stoffwechselerkrankungen oder Alkoholmissbrauch. Kann die Grunderkrankung behandelt werden, bessern sich oft auch die Demenz-Symptome.

Unterstützung für Angehörige

Die Diagnose Demenz stellt die Betroffenen und ebenso ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Hier sind einige Tipps, wie Sie als Angehöriger helfen können:

  • Verständnis: Versuchen Sie, die Verhaltensänderungen des Erkrankten zu verstehen.
  • Kommunikation: Sprechen Sie in kurzen, klaren Sätzen. Geben Sie dem Erkrankten das Gefühl, dass Sie ihn verstehen und ernst nehmen.
  • Geduld: Drängen oder hetzen Sie den Erkrankten nie. Meiden Sie Diskussionen und nehmen Sie Konfrontationen nicht persönlich.
  • Ruhe: Bleiben Sie in Konfliktsituationen ruhig. Demente reagieren sehr stark auf Stimmungen - je mehr Ruhe Sie ausstrahlen, umso besser kann der an Demenz Erkrankte damit umgehen.
  • Bewegung: Fördern Sie die Bewegung des Erkrankten, das verbessert nachweislich die Durchblutung, das Koordinationsvermögen und den Gleichgewichtssinn.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausreichende und gesunde Ernährung - an Demenz Erkrankte vergessen auch schon mal das Essen und Trinken, und gerade eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann Verwirrung noch verschlimmern.
  • Rechtliche Fragen: Regeln Sie rechtliche Fragen wie Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.
  • Pflegeberatung: Kontaktieren Sie die AOK-Pflegeberatung und falls bereits notwendig: Beantragen Sie Leistungen der Pflegeversicherung für den an Demenz Erkrankten.
  • Wohnung anpassen: Richten Sie die Wohnung demenzgerecht ein.
  • Betreuungsangebote: Erkundigen Sie sich nach zusätzlichen Betreuungsangeboten wie Tagesbetreuung oder einem Pflegedienst.

Die AOK bietet den „Famliencoach Pflege“ an, ein Online-Selbsthilfe-Programm, das hilft, den seelisch belastenden Pflegealltag besser zu bewältigen und sich vor Überlastung zu schützen.

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Verhaltensänderungen und Umgang

Demenzkranke verlieren nach und nach ihre Erinnerungen. Das löst bei ihnen Verwirrung und Angst aus. Auch andere Demenz Symptome wie den Verlust der Selbstständigkeit verkraften sie schwer. Sie fühlen sich häufig missverstanden und ausgeliefert.

Typische Verhaltensänderungen bei Demenz:

  • Unruhe, zum Beispiel Umherwandern oder Hinterherlaufen
  • Rückzug und depressive Symptome, aber auch Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Ständiges Fragen
  • Wiederkehrende Handlungen wie Klatschen, Klopfen oder Schreien
  • Vorwürfe und Verdächtigungen
  • Aggressivität

Tipps für den richtigen Umgang mit an Demenz Erkrankten:

  • Sprechen Sie mit einem an Demenz erkrankten Menschen in kurzen, klaren Sätzen, damit er sich nicht überfordert fühlt.
  • Geben Sie ihm immer das Gefühl, dass Sie ihn verstehen und ernst nehmen.
  • Drängen oder hetzen Sie ihn nie. Demenzkranke können mit Stress nicht umgehen.
  • Meiden Sie Diskussionen und nehmen Sie Konfrontationen nicht persönlich.
  • Versuchen Sie, in schwierigen Situationen mit verständnisvollen Worten zu beruhigen.
  • Bleiben Sie in Konfliktsituationen ruhig. Wenn Sie für ein weiteres Gespräch zu wütend sind, dann verlassen Sie für einen Moment den Raum.
  • Versuchen Sie in einer angespannten Situation, den Erkrankten nicht festzuhalten. Das kann den empfundenen Ärger nur noch verstärken.

Prävention

Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil und die gezielte Beeinflussung von Risikofaktoren verhindert oder hinausgezögert werden können. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität spielen dabei eine zentrale Rolle.

Regelmäßige psychometrische Tests können ein gutes Mittel zur Früherkennung sein.

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