Demenz ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Dabei handelt es sich um ein neurologisches Krankheitsbild, das durch den Abbau und Verlust kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Die gute Nachricht ist: Es ist möglich, das persönliche Demenzrisiko durch das eigene Verhalten zu reduzieren!
Was ist Demenz?
Demenz ist keine eigene Krankheit, sondern ein sogenanntes Syndrom. Demenz ist keine normale Alterserscheinung, obwohl eine Demenz auch in jungen Jahren auftreten kann, ist Demenz vor allem eine Alterserkrankung. Ab einem Alter von 65 Jahren steigt das Demenz-Risiko mit jedem weiteren Jahr deutlich an. Die Symptome einer Demenz können von ganz unterschiedlichen Krankheiten hervorgerufen werden. Man spricht dabei von „Demenzformen“.
Demenz ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter und bezeichnet Symptome unterschiedlicher Erkrankungen. Stärkstes Erkennungsmerkmal ist eine Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten. Eine Demenz umfasst meist die Verschlechterung von kognitiven, aber auch von emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Der Umfang ist je nach Fortschritt der Demenz unterschiedlich, betroffen ist bei der Erkrankung jedoch in der Regel vor allem das Kurzzeitgedächtnis. Ist man an Demenz erkrankt, verliert man nach und nach seine kognitiven Fähigkeiten, was gerade im Alltag auffällig wird.
Demenzformen und ihre Ursachen
Innerhalb der primären Demenzen lassen sich Formen und Arten von Demenz nach dem Auslöser unterscheiden. Die Medizin kann die einzelnen Formen von Demenz genau beschreiben, diagnostizieren und bis zu einem gewissen Grad auch behandeln. Aber trotz intensiver Forschung ist bislang ungeklärt, warum manche Menschen erkranken und andere nicht.
Es gibt verschiedene Arten von Demenz, die teilweise auch unterschiedliche Ursachen haben. Die beiden häufigsten Formen sind die Alzheimer-Demenz und die sogenannte vaskuläre Demenz.
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Neurodegenerative Demenz
Ausgelöst durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn.
- Alzheimer: Alzheimer betrifft mehr als 60 Prozent aller Demenzerkrankten und ist damit mit Abstand die häufigste Form von Demenz. Aus bislang ungeklärten Gründen sterben bei Alzheimer nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was dann die Symptome der Demenz herbeiführt. Kennzeichnend für Alzheimer ist insbesondere der frühe Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Im Gehirn kommt es zum Abbau von Nervenzellen. Verantwortlich gemacht werden unter anderem Eiweißablagerungen sowie ein Mangel des wichtigen Botenstoffs Acetylcholin, der für Gedächtnisfunktionen entscheidend ist.
- Frontotemporale Demenz (Morbus Pick): Die Frontotemporale Demenz / Morbus Pick ist, genau wie Alzheimer, auch eine neurodegenerative Krankheit. Das heißt, sie führt zu einem Rückgang von Nervenzellen im Gehirn. Besonders ist aber, dass die Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenbereich zurückgehen. Das führt dazu, dass frontotemporale Demenz vor allem die Persönlichkeit und das soziale Verhalten der betroffenen Person verändert und weniger das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Frontotemporale Demenz tritt oft bei jüngeren Menschen zwischen 45 und 60 Jahren auf, in Einzelfällen sogar schon ab dem 20. Lebensjahr.
- Lewy-Körper-Demenz (Lewy-Body-Demenz): Die Lewy-Körper-Demenz (auch Lewy-Body-Demenz) ist ebenfalls eine neurodegenerative Erkrankung. Ihren Namen hat sie von den sogenannten „Lewy-Körperchen“, welche für den Rückgang von Nervenzellen in der Hirnrinde verantwortlich sind. Typische Symptome sind optische Sinnestäuschungen, auch Halluzinationen genannt, sowie motorische Störungen. Auch ein rascher Wechsel von Wachheit zu Müdigkeit im Tagesverlauf kommt häufig vor.
- Parkinson-Demenz: Im Zusammenhang mit Parkinson entwickelt sich bei circa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen auch eine dementielle Erkrankung. Man spricht dann von einer Parkinson-Demenz.
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz bedeutet, dass nicht die Nervenzellen selbst zurückgehen, sondern das Hirngewebe durch Durchblutungsstörungen nachhaltig geschädigt wurde. Als Resultat sterben ebenfalls Nervenzellen ab, aber mit einer anderen Dynamik. Typische Ursachen sind langwährender unbehandelter Bluthochdruck (Morbus Binswanger) oder Schlaganfälle (Multi-Infarkt-Demenz). Die Beeinträchtigungen durch vaskuläre Demenz können sehr unterschiedlich sein, äußern sich aber vor allem in den Bereichen Gedächtnis, Sprache, Denkvermögen, Bewegung und Orientierung. Vaskuläre Demenzen können, zum Beispiel durch Schlaganfälle, in jedem Alter auftreten. Schädigungen in den Hirngefäßen führen hier zur Erkrankung. Für die Gefäßschäden kann ein langjähriger Bluthochdruck verantwortlich sein. Es können aber auch winzige Einblutungen in den Hirngefäßen eine vaskuläre Demenz auslösen.
Sekundäre Demenzen
Sekundäre Demenzen werden indirekt durch äußere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch (Korsakow Demenz) oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst.
Mischformen
In der Theorie lassen sich die Demenzformen klar trennen, in der Praxis ist das jedoch nur selten der Fall. Die meisten Demenz-Patienten haben nämlich Mischformen von Demenz. Oft zum Beispiel eine neurodegenerative Form von Demenz und gleichzeitig eine vaskuläre Demenz. So liegen etwa manchmal eine Alzheimer- und eine vaskuläre Demenz gleichzeitig vor.
Genaue Aussagen zur Häufigkeit der einzelnen Demenzformen lassen sich leider nicht begründen, weil verschiedene Quellen bei diesem Thema zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
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Risikofaktoren für Demenz
Sehr wohl bekannt sind allerdings einige Risikofaktoren, die das persönliche Risiko für eine Demenzerkrankung drastisch erhöhen. Statistisch gesehen steht Bluthochdruck in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz. Der hohe Druck kann die Gefäße schädigen und so eine vaskuläre Demenz begünstigen. Auch Diabetes mellitus kann das Risiko für eine Demenz erhöhen. Hier können Gefäßschädigungen durch den erhöhten Blutzuckerwert eine Rolle spielen. Auch erhöhte Blutfettwerte und Adipositas - also deutliches Übergewicht - sollten aus Präventionssicht Beachtung finden. Rauchen geht mit einem erhöhten Demenz-Risiko einher, ebenso übermäßiger Alkoholkonsum.
- Bewegungsmangel
- unkontrollierter Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- erhöhte Cholesterinwerte
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht
- Depressionen, Schwerhörigkeit und Sehverlust
- Soziale Isolation
Wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen, erhöht sich das Demenzrisiko deutlich. Positiv ist: Wer an einer Stelle ansetzt, kann oft mehrere Risiken gleichzeitig verringern.
Prävention: Wie Sie Ihr Demenzrisiko senken können
Tatsächlich lässt sich einer Demenz in vielen Fällen vorbeugen. Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Erkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität zählen dabei zu den wichtigsten Schutzfaktoren. Wenn Sie als Angehöriger den Verdacht haben, dass eine Person an einer Demenzform erkrankt sein könnte, sollten Sie mit Einfühlungsvermögen aber auch Nachdruck darauf bestehen, diesen Verdacht abzuklären.
Es gibt keinen absolut sicheren Weg, um das Entstehen einer Demenz zu verhindern. „Man kann nichts falsch und alles richtig machen und doch eine Demenz entwickeln. Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn man eine starke genetische Veranlagung für die Entwicklung einer Demenz hat. Das ist aber glücklicherweise recht selten“, sagt Professor Stefan Remy, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg.
Die gute Nachricht: „In den allermeisten Fällen hat man es schon ein Stück weit unter Kontrolle, das Risiko für das Entstehen einer Demenz zu verringern“, sagt Stefan Remy. Das Vermeiden der genannten Risikofaktoren ist nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten, um das Risko einer Demenz zu reduzieren. Es gibt auch die Möglichkeit, mit einem gesunden Lebensstil die Vitalität des Körpers zu steigern, um Demenz vorzubeugen.
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Die Datenlage ist jedoch nicht eindeutig. Es gibt Hinweise, dass eine gesunde Lebensweise das Risiko einer Demenz senken kann: So könnten sich damit etwa 40 Prozent aller Demenzfälle vermeiden oder verzögern lassen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass sich gegen 60 Prozent der Fälle mit einer gesunden Lebensweise nicht vorbeugen lässt. Auch unabhängig von der Demenzprävention zahlt sich ein gesunder Lebensstil jedoch aus.
Körperliche Aktivität und Sport
Regelmäßige Bewegung, der Verzicht auf Zigaretten oder Alkohol sowie die Behandlung von Schwerhörigkeit und Depressionen. Und natürlich gilt es, auch geistig und sozial aktiv zu bleiben. Wie viel körperliche Aktivität braucht es, um sich vor Demenz zu schützen? „Es gibt da nicht einen bestimmten Schwellenwert. Am besten richtet man sich nach den Empfehlungen für körperliche Bewegung und ruhig auch ein wenig nach dem eigenen Gefühl“, sagt Neurowissenschaftler Remy.
Die WHO empfiehlt für Erwachsene bis 64 Jahren mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Damit ist beispielsweise schnelles Walken oder langsames Joggen gemeint. „Das kann man in etwa als Orientierung sehen“, so Remy. „Körperliche Bewegung grundsätzlich ist für das Gehirn eine Vitalitätskur, auch wenn es weniger als die empfohlenen 150 Minuten sind.“
Regelmäßige Bewegung gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, um Demenz vorzubeugen. Sie stärkt das Herz-Kreislauf-System, verbessert die Durchblutung des Gehirns und unterstützt die Bildung neuer Nervenzellen. Schon 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche können das Risiko einer Demenzerkrankung deutlich reduzieren.
Ausgewogene Ernährung
Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung, der Verzicht auf Zigaretten oder Alkohol sowie die Behandlung von Schwerhörigkeit und Depressionen. Eine ausgewogene Ernährung, die sich an den aktuellen Empfehlungen orientiert, geht mit einer besseren kognitiven Leistung einher, also mit einer besseren Denkfähigkeit. Das zeigen verschiedene Beobachtungsstudien. Klinische Studie ergeben hierzu jedoch kein einheitliches Bild. Fest steht, dass eine ausgewogene Ernährung das Risiko für Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes senken kann. Weil diese Erkrankungen das Demenz-Risiko steigern, kann eine ausgewogene Ernährung so indirekt auch das Risiko für die Entwicklung einer Demenz reduzieren.
Was bedeutet eine ausgewogene Ernährung? Laut der WHO enthält sie die tägliche Aufnahme von mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse und höchstens 50 Gramm freiem Zucker. Weniger als 30 Prozent der aufgenommenen Energie sollte von Fetten stammen und der Salzkonsum sollte bei weniger als 5 Gramm pro Tag liegen. All dies erfüllt beispielsweise die sogenannte Mittelmeer-Diät, eine Ernährungsweise, die von der WHO auch zur Demenzprävention empfohlen wird. Die Mittelmeer-Diät steht vor allem auf fünf Säulen: Obst, viel Gemüse, wenig weißes Fleisch, Oliven und Knoblauch.
Und was sollte man meiden? Hochverarbeitetes Fleisch wie Wurstprodukte, aber auch andere hochverarbeitete Produkte, denen oft größere Mengen Zucker oder Salz zugesetzt sind, gehören nicht zu einer gesunden Ernährung.
Besonders empfohlen werden viel Gemüse, Obst, Nüsse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und fettreicher Fisch - wie bei der Mittelmeerdiät.
Geistige Aktivität (Gehirnjogging)
Und natürlich gilt es, auch geistig und sozial aktiv zu bleiben. Wer geistig aktiv ist, bleibt eher geistig flexibel und erhält oder steigert gar die Intelligenz. Dies ist eine weit verbreitete Vorstellung. Aber senkt geistige Aktivität auch das Demenz-Risiko? Womöglich ja, vielleicht hat geistige Aktivität aber auch keinen Einfluss auf das Demenz-Risiko. Denn bislang konnten wissenschaftliche Studien hier kaum einen Zusammenhang finden.
Trotzdem listet die WHO in ihren Empfehlungen zur Demenzprävention zumindest auch die Möglichkeit auf, dass man mittels Gehirnjogging einer Demenz ein Stück weit vorbeugen kann. In der Praxis lässt sich das Gehirn auf ganz verschiedene Arten auf Trab halten, sei es durch eine geistig anspruchsvolle Arbeit, regelmäßige Denksportübungen oder das Erlernen einer Fremdsprache oder eines Instruments.
Auch Stefan Remy ist überzeugt davon, dass ein geistig aktives Leben vor Demenz schützen kann: „Die kognitive Vitalität stärken, indem man sich immer wieder neuen Dingen zuwendet und Bekanntes vertieft, das ist für das Gehirn ein Segen“, sagt der Neurowissenschaftler.
Ob in der Arbeit oder in der Freizeit - es ist wichtig, dass wir uns auch geistig immer wieder Anforderungen stellen. Ob Diskussionen und Debatten über aktuelle Themen mit Freunden und Bekannten oder eine regelmäßige Kartenspiel-Runde, die Fähigkeiten beanspruchen - z.B. Strategien nutzen und Trümpfe merken! Gerade beim Eintritt in die Rente ist es wichtig, als Seniorin und Senior genau solche Anreize zu schaffen und auch soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Hier sollten schon vor der Rentenzeit entsprechende Vorbereitungen getroffen werden, z.B. durch den Aufbau eines anregenden Freundeskreises für Gesellschaftsspiele, das Aktivieren von Hobbys wie Museumsbesuche oder einfache Übungen für Gehirn und Körper.
Soziale Kontakte
Regelmäßiger Austausch mit Freunden und Familie hält nicht nur die Seele, sondern auch das Gehirn gesund. Ob regelmäßige Treffen, gemeinsame Aktivitäten oder ein Hobby in einer Gruppe - es gibt viele Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben. Darüber hinaus empfiehlt er, soziale Kontakte zu pflegen, also soziale Aktivität: Freunde und Familie regelmäßig treffen, an Veranstaltungen teilnehmen und sich mit anderen austauschen.
Schlaf
Erholsamer Schlaf ist wichtig für die Gedächtnisfunktion und die geistige Gesundheit. Im Schlaf verarbeitet das Gehirn Informationen und baut Abfallstoffe ab, die mit Demenzerkrankungen in Verbindung gebracht werden. Nicht nur für unseren Körper, sondern auch für unser Gehirn ist erholsamer Schlaf wichtig, um gesund und fit zu bleiben. Hier kommt es weniger darauf an, wie viel Schlaf dies am Ende ist (auch wenn natürlich eine Mindestmenge an Stunden in der Nacht nicht unterschritten werden sollte), sondern vor allem darauf, wie erholsam der Schlaf ist.
Vermeidung von Risikofaktoren
- Nichtrauchen: Rauchen geht mit einem erhöhten Demenz-Risiko einher. Wer das Rauchen aufhört, kann sein Risiko deutlich senken.
- Moderater Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum sollte vermieden werden.
- Blutdruck und Blutzucker kontrollieren: Hoher Blutdruck und Diabetes erhöhen das Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Eine regelmäßige Kontrolle und die richtige Behandlung dieser Risikofaktoren können dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken. Generell ist wichtig, den Blutdruck auf ein akzeptables Maß zu senken und die Blutzuckerwerte unter Kontrolle zu haben.
- Vermeidung von Kopfverletzungen: Sportarten wie Boxen oder häufige Kopfbälle im Fußball verdeutlichen es: Übt man etwas aus, was immer wieder zu Erschütterungen des Kopfes führt, kann dies negative Langzeitfolgen für unser Gehirn bewirken - und damit das Risiko für Demenz deutlich erhöhen.
Weitere Faktoren
- Stress vermeiden: Negativen Stress und starke Belastungen sollten Sie möglichst vermeiden. Was genau als Belastung empfunden wird, ist sehr individuell.
- Hormonhaushalt bei Frauen: Bei Frauen deuten Studien darauf hin, dass eine frühzeitige Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Alzheimer-Risiko senken kann. Ob und wann eine Hormonbehandlung sinnvoll ist, sollte aber immer ärztlich geprüft werden.
Anzeichen und Diagnose von Demenz
All diese Anzeichen können, müssen aber nicht auf eine kognitive Störung oder eine Demenz hindeuten. Spezielle Demenz-Tests messen die geistige Leistungsfähigkeit einer Person und lassen erkennen, ob diese noch im Normalbereich liegt, oder Anzeichen für eine Einschränkung durch eine Demenz vorliegen. Liegt ein Anfangsverdacht für eine Demenz-Erkrankung vor, sollte der erste Gang zum Hausarzt, zu einer Gedächtnis-Sprechstunde oder einer Memory-Klinik führen. Eine frühe Diagnose von Demenz erleichtert den Umgang mit der Krankheit und bietet größere Chancen, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder zu verlangsamen.
Häufigste Warnzeichen seien wiederholtes Vergessen von kürzlich Erlebtem ebenso wie der Verlust der zeitlichen und räumlichen Orientierung. Aber auch Probleme bei alltäglichen Aufgaben oder deutliche Veränderungen in Stimmung und Persönlichkeit können Hinweise auf eine dementielle Erkrankung sein. „Wer solche Symptome bei sich oder Angehörigen über einen längeren Zeitraum beobachtet, der sollte dies dringend ärztlich abklären lassen“, empfiehlt die Altersmedizinerin.
Umgang mit Demenz
Jede Demenz-Erkrankung bringt individuelle Einschränkungen mit sich und verläuft unterschiedlich schnell. Die Einteilung in Demenz Stadien dient lediglich der Übersicht über Phasen, die irgendwann im Verlauf der Krankheit zu erwarten sind. Es ist unmöglich, vorherzusagen, wann diese Phasen eintreten. Die Frühphase von Demenz bringt erste Symptome mit sich, die allerdings noch keine besonders dramatischen Auswirkungen haben. Die erkrankte Person ist noch weitgehend selbstständig und kann oft noch allein leben. In dieser Phase können und sollten die betroffenen Personen noch möglichst viel am sozialen Leben teilnehmen und sich auf keinen Fall zurückziehen. Auch Sport und gezielte Physio- und Ergotherapie spielen eine wichtige Rolle. Oft ist zu Beginn der Demenz noch viel mehr möglich, als man denkt. Komplexe und besonders verantwortungsvolle Aufgaben sollten Sie jetzt aber schrittweise und kontrolliert abgeben. Betroffene und Angehörige gleichermaßen sollten sich mit der Erkrankung intensiv auseinandersetzen und auf das vorbereiten, was noch kommt.
Von einer mittelschweren Demenz ist die Rede, wenn die Symptome bereits deutlich ausgeprägt und kaum mehr zu übersehen sind. Spätestens jetzt bereitet die räumliche und zeitliche Orientierung erhebliche Schwierigkeiten. Wesensveränderungen können stark ausgeprägt sein und die Sprach- und Bewegungsfähigkeit sind spürbar eingeschränkt. Soziale Kontakte und gezielte Therapieangebote sind weiterhin wichtig, müssen aber an die aktuellen Fähigkeiten und verfügbaren Möglichkeiten angepasst werden.
Bei einer schweren Demenz führen die starken Symptome dazu, dass die Person auf intensive Betreuung und Pflege angewiesen ist. Die verschiedenen Symptome können so stark ausgeprägt sein, dass Betroffene weitgehend bettlägerig werden. Psychisch besonders belastend für Angehörige kann eine dauerhafte Wesensveränderung sein oder die Tatsache, dass selbst engste Vertraute kaum mehr erkannt werden. Das vermittelt vielen das Gefühl, man hätte den Kontakt zu der „eigentlichen“ Person verloren. Angehörige, die in dieser Phase weiterhin einen Großteil der Betreuung und Pflege übernehmen, müssen unbedingt die eigenen Belastungsgrenzen im Blick behalten.
Behandlung von Demenz
Alzheimer-Demenz, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Demenz, Parkinson-Demenz und Vaskuläre Demenz sind bis heute leider nicht heilbar. Dennoch ist die Behandlung von Demenz wichtig, weil sie die Lebensqualität der Betroffenen im weiteren Verlauf erheblich steigert. Je nach Demenzform, Stadium und individuellem Gesundheitszustand kommen unterschiedliche Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien in Frage.
Unterstützung und Entlastung für Angehörige
Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine echte Herausforderung. Zu Beginn der Erkrankung reicht oft ein wenig Unterstützung im Alltag aus, doch im weiteren Verlauf wird der Bedarf an Hilfe immer größer. Doch viele Menschen sind bereit, sich selbst so lange wie möglich um ihre Angehörigen zu kümmern, wenn diese an Demenz erkranken. Ganz besonders wichtig ist, dass Angehörige sich selbst mit der Betreuung und Pflege nicht überfordern. Das große Stichwort lautet: Entlastung.
Leben mit Demenz: Tipps für den Alltag
Menschen mit Demenz verändern ihr Verhalten und reagieren, aufgrund einer veränderten Wahrnehmung, anders auf ihre Umwelt. Für Außenstehende ist es oft schwer, zu verstehen, was in der demenzerkrankten Person vorgeht. Zu einem guten Umgang mit der Demenz gehört auch die demenzgerechte Raumgestaltung. Dabei geht es darum, Barrieren abzubauen und hilfreiche Anhaltspunkte zur zeitlichen und räumlichen Orientierung zu schaffen. Man sollte bei der Kommunikation mit Menschen mit Demenz immer auf einen würdevollen und wertschätzenden Umgang achten. Unabhängig von Konfliktsituationen ist es immer eine Möglichkeit sich auf die Lebenserfahrung der Person zu beziehen und diese wertzuschätzen.
Demenzdörfer
In Tönebön bei Hameln liegt Deutschlands erstes Demenzdorf: Hier leben Menschen mit Demenz in einer dörflichen Gemeinschaft, komplett mit Supermarkt, Café und individuell gestalteten Zimmern. Übernommen wurde die Idee, demenzerkrankte Menschen in einer dörflichen Gemeinschaft zu betreuen, aus den Niederlanden. Inzwischen gibt es weitere Demenzdörfer in Deutschland. Die Kosten für die Pflege und Unterbringung ähneln denen eines normalen Pflegeheims.
Beschäftigung und Spiele
Beschäftigung und Spiele für Demenzerkrankte sind aus zwei Gründen wichtig: Zum einen, weil viele Betroffene eine Unruhe entwickeln und zur Beruhigung unbedingt eine Beschäftigung brauchen. Zum anderen, weil Beschäftigung und Spiele die geistige und körperliche Aktivität anregen und soziale Interaktion erzeugen.
Inkontinenz bei Demenz
Im Laufe einer Demenzerkrankung kann eine Inkontinenz entstehen. Dabei verliert die demenzerkrankte Person unkontrolliert Harn (Harninkontinenz) oder Stuhl (Stuhlinkontinenz).
Lebenserwartung bei Demenz
Demenz führt an sich nicht unbedingt zum Tod. Dennoch haben Menschen, die an Demenz erkranken, eine verkürzte Lebenserwartung. Das liegt zum einen daran, dass es den Betroffenen im späteren Verlauf der Krankheit immer schwerer fällt, auf ihre eigene Gesundheit zu achten, Frühwarnzeichen für Erkrankungen wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die häufigste Todesursache bei Menschen mit Demenz ist die Lungenentzündung (Pneumonie).