Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung, die nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Fähigkeit, mit Geld umzugehen, beeinträchtigen kann. Viele Betroffene verlernen im Laufe der Zeit, finanzielle Angelegenheiten selbstständig zu regeln. Dies stellt Angehörige vor ein Dilemma: Einerseits müssen sie Vorkehrungen treffen, um den Demenzkranken vor finanziellen Schäden und Ausbeutung zu schützen, andererseits gilt es, deren Selbstbestimmung so wenig wie möglich einzuschränken.
Probleme im Umgang mit Geld und Bankgeschäften
Die Zahl der Menschen mit Demenz steigt stetig. In Deutschland erkranken jährlich mehr als 300.000 Menschen neu an Demenz. Insgesamt leben hierzulande rund 1,7 Millionen Menschen mit dieser Diagnose. Die meisten Betroffenen sind älter als 75 Jahre, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein. Schätzungsweise zwei Drittel aller Demenzfälle sind auf Alzheimer zurückzuführen, gefolgt von vaskulären Demenzen, die etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle ausmachen.
Die Symptome der Demenz ähneln sich unabhängig von der Ursache. Anfangs treten vor allem Gedächtnisprobleme, Orientierungsstörungen und Schwierigkeiten beim Sprechen und Schreiben auf. Im weiteren Verlauf der Erkrankung verschlechtern sich das Erinnerungs-, Denk-, Urteils- und Artikulationsvermögen zusehends. Auch Stimmungsschwankungen, Unruhe und Depressionen können auftreten.
Bereits im frühen Stadium der Demenz können Schwierigkeiten bei Geld- und Bankgeschäften auftreten. Alzheimer-Forscher haben festgestellt, dass spezifische Fähigkeiten, die für die Regelung finanzieller Angelegenheiten wichtig sind, mit zunehmendem Alter und in den anfänglichen Stadien einer leichten Gedächtnisstörung nachlassen. Angehörige beobachten immer wieder ähnliche Probleme im Zusammenhang mit Bargeldversorgung, Bankaufträgen sowie Einkäufen, Haustür- und Fernabsatzgeschäften. Auch Kriminalität stellt ein Risiko dar.
Bargeldversorgung
Demente Menschen beklagen häufig, kein Bargeld zu haben, obwohl sie welches erhalten haben. Sie verlegen oder verstecken Geld und vergessen dann, wo sie es hingelegt haben. Es kommt auch vor, dass Betroffene mehrmals am Tag Geld bei der Bank abheben, ohne sich daran zu erinnern, es bereits getan zu haben. Manchmal sind es auchwitzige Beträge. Am Geldautomaten scheitern sie oft an der Bedienung, vertippen sich oder brauchen zu lange, sodass die Karte eingezogen wird.
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Bankaufträge
Bei Zahlungsaufträgen wie Miete, Heizung, Versicherungen oder Handwerkerrechnungen kommt es häufig zu Komplikationen. Demenzkranke lassen Überweisungen liegen oder füllen sie fehlerhaft aus. Sie beachten Bankauszüge nicht mehr und verlieren den Überblick über Kontobewegungen und ihre Ersparnisse. Bei Betroffenen, die Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere besitzen, muss man mit unüberlegten Transaktionen rechnen.
Einkäufe, Haustür- und Fernabsatzgeschäfte
Demente Menschen geben Geld für Dinge aus, mit denen sie nichts anfangen können. Sie kaufen beispielsweise aus alter Gewohnheit Lebensmittel zum Kochen, obwohl der Herd zu Hause aus Sicherheitsgründen abgeklemmt wurde. Oder es werden ihnen an der Haustür oder am Telefon Produkte oder Dienstleistungen aufgeschwatzt, wie Zeitschriftenabos, TV- und Internetverträge oder Reparaturen. Die Liste kann lang und die finanzielle Belastung groß werden. Auch das Verschenken von Geld, üppige Trinkgelder oder hohe Spenden sind keine Seltenheit.
Kriminalität
Experten weisen auf ein hohes Gefährdungspotenzial für Eigentums- und Vermögensdelikte gegen ältere Menschen hin. Die Bandbreite der Delikte ist groß und reicht vom Enkeltrick und Schockanrufen, mit denen Betrüger ihre Opfer dazu bringen, ihnen Geld auszuhändigen, bis hin zu Trickdiebstählen, bei denen sich die Täter als Mitarbeiter der Stadtwerke ausgeben. Täter sind nicht nur Fremde, sondern mitunter auch Menschen aus dem sozialen Umfeld. Eine Studie der Deutschen Hochschule der Polizei zeigte "missbräuchliche Handlungen und finanzielle Ausbeutung" auf der Basis von Vollmachten oder rechtlicher Betreuung auf. Polizei und Hilfsorganisationen vermuten eine hohe Dunkelziffer bei Eigentums- und Vermögensdelikten, da Betrug oder Diebstahl oft erst spät oder gar nicht bemerkt werden.
Umgang mit Beschuldigungen
Beschuldigungen können in allen Phasen der Demenz auftreten, wobei Ausmaß und Häufigkeit von der Persönlichkeit des Betroffenen abhängen. In der frühen Phase sind Beschuldigungen seltener, da sich die Betroffenen ihrer Defizite oft bewusst sind und Fehler eher auf ihr eigenes Unvermögen zurückführen. In der mittleren Phase verschlechtert sich das Gedächtnis gravierend, und die Betroffenen können überzeugt sein, dass Situationen von anderen Menschen verursacht wurden. In der späten Phase können Beschuldigungen häufiger auftreten, da die kognitiven Funktionen stark beeinträchtigt sind und die Wahrnehmung der Realität verzerrt ist.
Häufige Beschuldigungen sind Diebstahl, Verschwörungstheorien und falsche Identität. Es ist wichtig, solche Beschuldigungen nicht persönlich zu nehmen, sondern zu verstehen, dass sie Teil der Krankheit sind.
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Geschäftsfähigkeit und rechtliche Vorsorge
Eine heikle Frage ist die nach der Geschäftsfähigkeit. Die Erkrankung beginnt meist schleichend, und viele Betroffene erkennen Symptome nicht oder gestehen sie sich nicht ein. Auch nach der Diagnose sind Betroffene nicht zwangsläufig vom Geschäftsverkehr ausgeschlossen. Die Grenze ist nicht leicht zu ziehen und kann im Streitfall nur von einem Gericht festgestellt werden. Geschäftsunfähig ist, wer nicht nur vorübergehend von einer krankhaften Störung der Geistestätigkeit betroffen ist, die eine freie Willensbildung ausschließt. Für diese Feststellung ist eine fachärztliche Begutachtung durch einen Neurologen oder Psychiater erforderlich.
Zeigen sich Anzeichen einer Demenz, ist es wichtig, rechtzeitig vorzusorgen. Eine Vorsorgevollmacht ermöglicht es, eine Vertrauensperson zu bestimmen, die im Falle der Geschäftsunfähigkeit die finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten regeln kann. Die Vorsorgevollmacht sollte den Aufgabenkreis Vermögenssorge enthalten und kann detailliert festlegen, welche Befugnisse die Vertrauensperson hat.
Wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt oder der Betroffene trotz Vollmacht gegen jede Vernunft handelt, kann das Betreuungsgericht einen Einwilligungsvorbehalt anordnen. Geschäfte hängen dann von der Zustimmung des Betreuers ab. Voraussetzung dafür ist, dass der Vorbehalt zur Abwendung einer erheblichen Gefahr für die Person oder das Vermögen des Betreuten erforderlich ist.
Tipps für den Alltag
Im Umgang mit Demenzkranken im Alltag gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Probleme zu vermeiden und die Selbstbestimmung so lange wie möglich zu erhalten:
- Bargeldversorgung: Geben Sie dem Betroffenen kleinere Geldbeträge und überprüfen Sie regelmäßig den Geldbeutel. Vermeiden Sie, dass große Mengen Bargeld im Haus aufbewahrt werden.
- Bankgeschäfte: Richten Sie eine Bankvollmacht für eine Vertrauensperson ein oder begleiten Sie den Betroffenen bei Bankgeschäften. Überprüfen Sie regelmäßig Kontoauszüge und achten Sie auf ungewöhnliche Transaktionen.
- Einkäufe: Begleiten Sie den Betroffenen beim Einkaufen oder erstellen Sie gemeinsam eine Einkaufsliste. Achten Sie darauf, dass der Betroffene nicht überfordert wird und sich in vertrauter Umgebung bewegt.
- Haustür- und Fernabsatzgeschäfte: Warnen Sie den Betroffenen vor unseriösen Angeboten und schließen Sie gegebenenfalls Verträge im Namen des Betroffenen ab.
- Kriminalität: Informieren Sie den Betroffenen über gängige Betrugsmaschen und sensibilisieren Sie ihn für verdächtige Situationen.
Selbstfürsorge für Angehörige
Die Pflege eines Demenzkranken kann sehr belastend sein. Es ist wichtig, dass Angehörige auf ihre eigene Gesundheit achten und sich Unterstützung suchen. Gespräche mit anderen Betroffenen, Beratungsangebote und Auszeiten können helfen, die Situation besser zu bewältigen.
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Checkliste für Angehörige
- Frühzeitig Anzeichen einer Demenz erkennen und ärztlich abklären lassen.
- Rechtzeitig rechtliche Vorsorge treffen (Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung).
- Sich über die Erkrankung und ihre Auswirkungen informieren.
- Ein unterstützendes Netzwerk aufbauen (Familie, Freunde, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen).
- Die Selbstbestimmung des Betroffenen so lange wie möglich respektieren.
- Sich selbst nicht überfordern und auf die eigene Gesundheit achten.
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