Rosazea, oft auch Rosacea geschrieben, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend im Gesicht auftritt und viele Menschen betrifft. In Deutschland leiden schätzungsweise 10 Millionen Menschen unter Rosazea, doch viele sind sich dessen nicht bewusst. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten von Gesichtsröte, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis und Lösungsansätze zu bieten.
Was ist Rosazea?
Rosazea ist eine chronische Hauterkrankung, die durch Rötungen, sichtbare Blutgefäße (Teleangiektasien), Papeln und Pusteln, vor allem im zentralen Gesichtsbereich (Stirn, Nase, Wangen und Kinn), gekennzeichnet ist. Die Erkrankung tritt schubweise auf und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Sie ist nicht ansteckend und betrifft meist Erwachsene im mittleren Lebensalter, insbesondere Menschen mit heller Haut.
Genetische und chronische Aspekte
Rosazea ist genetisch bedingt und chronisch. Bei Rosazea vermehren sich die Demodex-Milben auf der Haut. Jeder Mensch hat Demodex-Milben auf der Haut, die sich natürlicherweise in den Haarfollikeln und Talgdrüsen befinden. Laut Prof. Martin Schaller, Rosazea-Experte der Universitäts-Hautklinik Tübingen, erkennt das Immunsystem bei übermäßigem Wachstum der Milben dieses Wachstum und reagiert mit einer Entzündung. Diese Entzündung kann sich unterschiedlich äußern, von Rötungen über Papeln und Pusteln bis hin zu kleinen Knötchen. In seltenen Fällen entwickelt sich eine Knollennase (Rhinophym).
Unterschied zu Akne
Rosazea wird oft mit Akne verwechselt, aber es gibt klare Unterschiede. Akne tritt meist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und ist durch Mitesser (verstopfte Poren) gekennzeichnet. Rosazea hingegen betrifft eher Menschen zwischen 30 und 40 Jahren und konzentriert sich auf die Gesichtsmitte, während Akne häufiger auf den Wangen auftritt. Ein typisches Anzeichen für Rosazea ist das sogenannte Flushing, bei dem die Gesichtshaut durch bestimmte Reize plötzlich rot wird.
Ursachen von Rosazea
Die genauen Ursachen von Rosazea sind noch nicht vollständig geklärt. Expert:innen vermuten, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken. Dazu gehören lokale Entzündungsreaktionen, Störungen im angeborenen Immunsystem, genetische Veranlagung und Durchblutungsstörungen. Auch die Demodex-Milbe, die bei fast jedem Menschen auf der Haut vorkommt, könnte eine Rolle spielen, da sie bei Rosazea-Patienten häufiger vorkommt.
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Einflussfaktoren
Verschiedene Faktoren können Rosazea-Schübe auslösen, sogenannte Triggerfaktoren. Dazu gehören:
- Sonnenexposition: UV-Strahlung schwächt das Immunsystem der Haut und fördert das Wachstum der Demodex-Milben.
- Alkohol: Wirkt gefäßerweiternd und kann Entzündungen verschlimmern.
- Ernährung: Histaminreiche Lebensmittel und scharfe Speisen können die Gefäße erweitern und Schübe auslösen.
- Hautpflegeprodukte: Reizende oder durchblutungsfördernde Inhaltsstoffe können die Symptome verstärken.
- Stress: Kann die Symptome verschlimmern.
- Klima: Kälte, Hitze, Wind und plötzliche Temperaturwechsel können die Haut reizen.
Die Rolle der Darm-Hirn-Haut-Achse
Neuere Forschungsergebnisse deuten auf eine Verbindung zwischen Darmerkrankungen und Rosazea hin. Studien zeigen, dass Rosazea-Patienten häufiger unter Erkrankungen des Verdauungstrakts leiden, wie z.B. Reizdarmsyndrom, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO). Diese sogenannte "Darm-Hirn-Haut-Achse" beeinflusst über Veränderungen des Immunsystems die Krankheitsaktivität.
Symptome von Rosazea
Die Symptome von Rosazea sind vielfältig und können individuell unterschiedlich ausgeprägt sein. Typische Anzeichen sind:
- Flüchtige Rötungen (Flush): Anfallartige Rötungen im Gesicht, die durch bestimmte Reize ausgelöst werden.
- Anhaltende Gesichtsrötungen (persistierendes Gesichts-Erythem): Dauerhaft sichtbare Rötungen, die durch erweiterte Blutgefäße verursacht werden.
- Erweiterte Äderchen (Teleangiektasien): Dauerhaft sichtbare, erweiterte Äderchen im Gesicht.
- Papeln und Pusteln: Entzündlich gerötete Knötchen und Eiterbläschen, die oft symmetrisch auf beiden Gesichtshälften auftreten.
- Trockenheit, Brennen, Stechen oder Juckreiz: Betroffene Hautstellen können sich unangenehm anfühlen.
- Knollennase (Rhinophym): In seltenen Fällen kommt es zu knollenartigen Hautverdickungen, vor allem bei Männern.
- Okuläre Rosazea: Betrifft die Augen und kann zu trockenen, brennenden, geröteten und tränenden Augen führen.
Stadien der Rosazea
Die Rosazea kann in verschiedenen Stadien verlaufen, wobei die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sind:
- Stadium 1: Rosazea erythemato-teleangiectatica (Couperose): Diffuse Rötung der Haut mit sichtbaren, erweiterten Gefäßen. Die Haut kann trocken und schuppig sein, begleitet von Brennen oder Jucken.
- Stadium 2: Rosazea papulopustulosa: Zusätzlich zu Rötungen und Gefäßerweiterungen treten Knötchen und Pusteln auf.
- Stadium 3: Rosazea hypertrophica: Bindegewebe und Talgdrüsen sind stark vergrößert, was zu knolligen Wucherungen (Phymen) führt, insbesondere der Knollennase (Rhinophym).
Sonderformen der Rosazea
Es gibt auch seltene Sonderformen der Rosazea, wie die lupoide Rosazea (Rosacea granulomatosa) mit bräunlich-rötlichen Papeln oder die Rosacea fulminans (Pyoderma faciale), eine besonders schwere Verlaufsform.
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Diagnose von Rosazea
Die Diagnose von Rosazea erfolgt in der Regel durch eine klinische Untersuchung der Haut durch einen Hautarzt (Dermatologen). Dabei werden die typischen Symptome wie Rötungen, Teleangiektasien, Papeln und Pusteln beurteilt. Es gibt leitlinienbasierte Kriterien zur Diagnose, wobei eine dauerhafte Hautrötung in der Gesichtsmitte, die durch bestimmte Faktoren verstärkt wird, ein wichtiges Kriterium ist. Bei Verdacht auf okuläre Rosazea sollte zusätzlich ein Augenarzt hinzugezogen werden.
Differentialdiagnose
Es ist wichtig, Rosazea von anderen Hauterkrankungen wie Akne, seborrhoischer Dermatitis oder Lupus erythematodes abzugrenzen. Im Gegensatz zur Akne treten bei Rosazea keine Mitesser auf.
Behandlung von Rosazea
Rosazea ist bis heute nicht heilbar, aber die Symptome können durch verschiedene Behandlungen gelindert werden. Die Therapie zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren, die Rötungen zu minimieren und das Hautbild zu verbessern. Es gibt sowohl topische (äußerliche) als auch systemische (innerliche) Behandlungsmöglichkeiten.
Topische Therapie
Die topische Therapie ist oft die erste Wahl bei leichten bis mittelschweren Formen der Rosazea. Dabei werden Cremes, Gele oder Lotionen mit verschiedenen Wirkstoffen auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.
- Brimonidin: Ein Gel, das die Blutgefäße verengt und Rötungen reduziert. Die Wirkung tritt schnell ein und hält bis zu zwölf Stunden an.
- Metronidazol: Wirkt antibiotisch und antiparasitär und wird vor allem gegen Knötchen und Pusteln eingesetzt.
- Azelainsäure: Wirkt antibakteriell und entzündungshemmend und normalisiert den Verhornungsprozess der Haut.
- Ivermectin: Wirkt entzündungshemmend und antiparasitär und wird vor allem bei stark entzündlichen Formen der Rosazea mit Knötchen und Pusteln eingesetzt.
Systemische Therapie
Bei schweren Formen der Rosazea oder wenn die topische Therapie nicht ausreichend wirkt, kann eine systemische Therapie in Betracht gezogen werden. Dabei werden Medikamente in Tablettenform eingenommen, die im ganzen Körper wirken.
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- Doxycyclin: Ein Antibiotikum, das vor allem gegen Knötchen und Pusteln hilft.
- Isotretinoin: Ein Vitamin-A-Derivat, das eigentlich bei Akne eingesetzt wird, aber auch bei schweren Formen der Rosazea wirksam sein kann.
- Betablocker: Können im Off-Label-Use zur Behandlung von Rötungen eingesetzt werden.
Laserbehandlung
Bei flächigen Rötungen und erweiterten Äderchen (Teleangiektasien) kann eine Laserbehandlung sinnvoll sein. Dabei werden die betroffenen Gefäße verödet oder zerstört, um die Rötungen zu reduzieren. Es gibt verschiedene Laserarten, die bei Rosazea eingesetzt werden können, wie z.B. der Yellowlaser oder der Farbstofflaser. Diese Laser sind der IPL-Behandlung (Intensive Pulsed Light) deutlich überlegen. Der Yellowlaser verklebt die Gefäßinnenwände miteinander und „verschließt“ somit das Gefäß. Der Farbstofflaser zerstört das Gefäß, indem er es zur Rupturierung, also zum Platzen, bringt. Das umliegende Gewebe wird bei der Laserbehandlung nicht beeinträchtigt. Die Vorteile von Yellowlaser und Farbstofflaser:
- schmerzarm
- schnell
- fast nebenwirkungsfrei
Auch bei einem Rhinophym (Knollennase) kann eine Laserbehandlung zur Abtragung von überschüssigem Gewebe sinnvoll sein.
Chirurgische Behandlung
Das Rhinophym (Knollennase) kann durch chirurgische Abtragung behandelt werden.
Hautpflege und Sonnenschutz
Eine gute Hautpflege ist bei Rosazea besonders wichtig. Es sollten milde, seifenfreie Reinigungsprodukte mit niedrigem pH-Wert verwendet werden, die keine Reizstoffe wie Alkohol, Menthol oder Duftstoffe enthalten. Das Gesicht sollte mit lauwarmem oder kühlem Wasser gewaschen und sanft abgetupft werden. Zudem ist ein täglicher Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF 30-50+) unerlässlich, um die Haut vor UV-Strahlung zu schützen.
Ernährung und Lifestyle
Eine spezielle Rosazea-Diät gibt es zwar nicht, aber eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann unterstützend wirken. Alkohol und scharfe Speisen sollten gemieden werden, da sie die Gefäße erweitern und Schübe auslösen können. Stress sollte reduziert werden, z.B. durch Entspannungsübungen oder Sport.
Rosazea-Tagebuch
Um individuelle Auslöser (Triggerfaktoren) zu identifizieren, kann es hilfreich sein, ein Rosazea-Tagebuch zu führen. Darin werden Symptome und mögliche Auslöser notiert, um Zusammenhänge zu erkennen und zukünftige Schübe zu vermeiden.
Was können Betroffene selbst tun?
- Sonne meiden: UV-Strahlung ist ein wesentlicher Rosazea-Trigger.
- Alkohol und histaminreiche Lebensmittel reduzieren: Wirken gefäßerweiternd.
- Haut vor Kälte, Hitze und Wind schützen: Extreme Temperaturen können die Symptome verschlimmern.
- Scharfe Speisen vermeiden: Können die Haut entflammen lassen.
- Reizende Hautpflegeprodukte meiden: Produkte ohne Alkohol, Duftstoffe und andere Reizstoffe verwenden.
- Stress reduzieren: Entspannungsübungen und Stressmanagement können helfen.
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