Die Occipitale Neuralgie, auch Okzipitalisneuralgie oder Hinterhauptneuralgie genannt, ist eine Schmerzerkrankung, die durch gereizte oder eingeklemmte Nerven im Hinterkopfbereich verursacht wird. Diese Nerven, die Nervi occipitales major, minor und tertius, können aus verschiedenen Gründen gereizt werden, was zu Schmerzen führt, die vom Hinterkopf in Richtung Stirn, Schädelseite oder Schläfenbereich ausstrahlen können. Dieser Artikel beleuchtet Übungen und Behandlungen, die zur Linderung dieser Schmerzen beitragen können.
Ursachen und Symptome der Occipitalisneuralgie
Die häufigste Ursache für Occipitale Neuralgie ist eine Einengung (Entrapment) der Occipitalnerven aufgrund erhöhter Muskelverspannung im Hinterhauptbereich. Da diese Nerven durch tiefe Muskelschichten hindurch müssen, können Verspannungen in diesen Muskeln Druck auf die Nerven ausüben und Reizungen verursachen. Weitere Ursachen können Operationen an der Halswirbelsäule oder am Schädel, Frakturen des Schädels oder der Schädelbasis sein, die zu Narbenbildung und Einklemmung der Nerven führen können.
Typische Symptome der Occipitalisneuralgie sind:
- Schmerzen im Ausbreitungsgebiet der Occipitalnerven, die vom Hinterkopf in Richtung Stirn, Schädelseite oder Schläfenbereich ziehen.
- Druckempfindlichkeit an den Nervenaustrittspunkten am Hinterkopf.
- Gelegentlich Verminderung der Kopfschmerzen durch Druck auf diese Stellen.
Diagnostik der Occipitalisneuralgie
Die Diagnose der Occipitalisneuralgie basiert in der Regel auf der Anamnese des Patienten und einer körperlichen Untersuchung. Eine wichtige diagnostische Maßnahme ist die Nervenblockade der Okzipitalnerven mit einem örtlichen Betäubungsmittel während einer Kopfschmerzattacke. Wenn die Schmerzen dadurch um mehr als 80 % reduziert werden, deutet dies auf eine Occipitalisneuralgie hin.
Übungen und Selbstbehandlung zur Linderung der Schmerzen
Neben medizinischen Behandlungen können auch verschiedene Übungen und Selbstbehandlungsmethoden zur Linderung der Schmerzen bei Occipitalisneuralgie beitragen.
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Dehnübungen
Dehnübungen können helfen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu lösen und so den Druck auf die Occipitalnerven zu reduzieren. Einige Beispiele für Dehnübungen sind:
- Nackendehnung: Den Kopf zur Seite neigen und die Dehnung mit der Hand auf derselben Seite unterstützen. Der andere Arm dehnt gleichzeitig leicht nach unten. Diese Position für 10 bis 20 Sekunden halten und dann die Seite wechseln.
- Kinn-Einzug: Das Kinn nach hinten ziehen und den Kopf in den Nacken legen. Anschließend den Kopf nach vorne beugen.
- Schulterkreisen: Im Stehen oder Sitzen beide Schultern zunächst 20 Mal vorwärts kreisen, danach 20 Mal rückwärts.
- Dehnung der oberen Schulter: Die linke Schulter aktiv nach unten drücken, bis ein angenehmer Dehnungsschmerz links hinten im Nacken verspürt wird.
Triggerpunkt-Selbstmassage
Triggerpunkte sind kleine Knötchen in der Muskulatur, die Schmerzen verursachen können. Durch die Massage dieser Triggerpunkte können die Schmerzen gelindert werden. Für die Selbstmassage können Hilfsmittel wie eine Mini-Faszienkugel oder ein Tennisball verwendet werden.
- Massage des Hinterkopfbereichs: Mit den Fingern den hinteren Schädel mittig abfahren, bis ein Knubbel spürbar ist. Ein kleines Stück links und etwas unterhalb dieses Knubbels den Drücker ansetzen. Nicht zu tief drücken, sondern auf dem Knochen bleiben. Im Bereich des Wohlfühlschmerzes drücken.
- Massage der Schläfen: Den Zeige- oder Mittelfinger an die Schläfe führen und mit der anderen Hand einen Drücker bereithalten. Die Rundspitze in die Kuhle an der Schläfe setzen und langsam eine Drucksäule aufbauen. Auch hier im Bereich des Wohlfühlschmerzes drücken.
- Faszien-Rollmassage: Die Muskulatur unterhalb des Kinns, seitlich hoch bis hinter die Ohren und über die seitliche Nackenmuskulatur und das Schlüsselbein bis hinunter zum Schulterblatt massieren.
Weitere Übungen
- Bewegung der Arme: Die ausgestreckten Arme kreisen lassen. Erst vorwärts, anschließend rückwärts und zum Schluss gegengleich: Mit beiden Armen oben starten, dann einen nach vorn und den anderen nach hinten fallen lassen und die Bewegung bis zum vollen Kreis fortsetzen.
- Schulterheben: Die Schultern in Richtung Ohren hochziehen und diese Position für etwa fünf Sekunden halten. Entspannen und dabei die Schultern wieder absenken.
- Gleichmäßiges Drücken: In aufrechter Haltung eine Hand seitlich an den Kopf legen. Kopf und Hand gleichmäßig gegeneinanderdrücken, so dass beide die Position halten und nicht nachgeben. Nach ca. 10 Sekunden entspannen.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Neben den oben genannten Übungen und Selbstbehandlungsmethoden gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten für Occipitale Neuralgie:
- Medikamentöse Therapie: Schmerzlindernde Medikamente, Muskelrelaxantien oder Antidepressiva können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.
- Nervenblockaden: Wiederholte Nervenblockaden mit Zusatz eines Corticoidpräparates können durchgeführt werden, um die Entzündung der Nerven zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
- Kryoneurolyse: Bei diesem Verfahren werden die Hinterkopfnerven vereist, was in der Regel zu einer mehrmonatigen bis mehrjährigen Schmerzfreiheit führt.
- Akupunktur und Triggerpunktbehandlung: Diese Methoden können gezielt die Muskelanspannung bei Schmerzen am Hinterkopf reduzieren.
- Chirotherapie: Sanfte Techniken an der Halswirbelsäule können eingesetzt werden, um Blockierungen zu lösen und den Druck von den Okzipitalnerven zu nehmen.
- Biofeedback: Wenn der erhöhte Muskeltonus auf Grund von Fehlhaltung oder als Stressreaktion erhöht ist, kann mit Hilfe einer Biofeedback Behandlung ein gutes Therapieergebnis erzielt werden.
Wichtige Hinweise
- Orientiere dich bei den Dehnübungen immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die optimalen Ergebnisse erzielst du, wenn du stets auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest.
- Bleibe beim Drücken immer im Bereich deines Wohlfühlschmerzes.
- Wenn der Schmerz schon innerhalb der zwei Minuten nachlässt, kannst du den Druck entweder erhöhen oder den Drück-Winkel minimal verändern.
- Die hier genannten allgemeinen Ratschläge bieten keine Grundlage zur medizinischen Selbstdiagnose oder -behandlung.
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