Dopamin und Vanille: Eine Verbindung von Genuss, Wohlbefinden und potenziellen therapeutischen Effekten

Vanille, ein Gewürz von historischer Bedeutung und komplexem Aroma, ist seit Jahrtausenden bekannt. Ursprünglich aus Mexiko stammend, wo sie im Reich der Azteken unter dem Namen Tlilxochitl (dunkle/schwarze Blume) bekannt war, diente sie neben Kakao und Chili als zentrale Zutat des legendären aztekischen Getränks Xocolatl, dem Vorläufer des heutigen Trinkkakaos. Vanille wurde nicht nur für sakrale Zwecke, sondern auch medizinisch und zur Aromatisierung von Speisen eingesetzt. Der Aztekenherrscher Montezuma servierte sie 1520 dem Konquistadoren Cortez, der sie nach Europa brachte. Heute gehört Vanille neben Safran zu den kostbarsten Gewürzen.

Vanille: Ursprung, Anbau und Inhaltsstoffe

Die Vanillepflanze (Vanilla planifolia) ist eine Orchidee, die ursprünglich aus Mexiko stammt. Ihre etwa 140 Arten sind hauptsächlich in Mittel- und Südamerika und der Karibik verbreitet. Bis ins 19. Jahrhundert war der Anbau auf Mexiko beschränkt, da nur dort die natürliche Bestäubung durch Kolibris oder langrüsselige Insekten erfolgte. Erst die Entwicklung der künstlichen Bestäubung ermöglichte den Anbau in anderen Gebieten. Die Vanilleschoten werden grün geerntet und erhalten ihre dunkle Farbe und den charakteristischen Geruch durch aufwendige Fermentationsverfahren.

Heute stammt der Großteil der industriell verwendeten Vanille von der Bourbon-Vanille aus Madagaskar und Reunion. Der Hauptinhaltsstoff Vanillin, der ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Vanillepflanze isoliert wurde, ist mittlerweile stärker verbreitet als die Ursprungspflanze. Ebenso verhält es sich mit der kostengünstigen Synthese des „naturidentischen“ Vanillins aus Eugenol, Guajacol und Lignin. Synthetisches Vanillin und Mischungen der „Echten Vanille“ mit minderwertigen Sorten machen einen Großteil des Handels aus. Klimatische Faktoren, steigende Nachfrage und genetische Verarmung gefährden die Zukunft der Echten Vanille.

Die Schoten enthalten 1,5-3% Vanillin, nach der Fermentation teilweise über 3-5%, zusammen mit Vanillylalkohol und Zimtsäureestern, die für den typischen Vanillegeruch verantwortlich sind. Ferner sind Zucker, Enzyme, organische Säuren, fettes Öl, Gerbstoffe, Harze, Schleimstoffe und weitere Komponenten des ätherischen Öles enthalten.

Historische und heutige Verwendung der Vanille

Seit dem 17. Jahrhundert ist Vanille auch in der westlichen Welt verbreitet. Ursprünglich als Aphrodisiakum verwendet, deutet der Name Vanille (spanisch: vainilla, abgeleitet von vaina, Hülse oder Scheide) noch darauf hin. Der breite Einsatz in Nahrungsmitteln, Süßigkeiten und Kosmetika beruht auf der überwiegend positiv wahrgenommenen Wirkung auf die Psyche. Historische Indikationen in der europäischen Medizin reichten von Hysterie, Depressionen und Melancholie über Fieber und Rheuma bis hin zur Verwendung als Tonikum und Aphrodisiakum.

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Aktuelle Studien der letzten 20 Jahre deuten auf mögliche therapeutische Anwendungsgebiete hin. Tierversuche zeigten, dass der Geruch von Vanille appetitanregend wirkt, was Potenzial im Einsatz bei unterernährten Kindern, in Altersheimen oder der häuslichen Pflege durch aromatisierte Lebensmittel oder Vanille-Gerüche eröffnet. Piperonal, ein Inhaltsstoff der Vanille, könnte in vivo erfolgreich gegen Adipositas eingesetzt werden.

Der Geruch der Vanille wird von den meisten Menschen als angenehm wahrgenommen und vor allem mit positiven Assoziationen wie Freude oder Überraschung verbunden. Studien belegen eine harmonisierende Wirkung des Vanillegeruchs auf den Körper, hin zu Beruhigung und Entspannung. In Versuchen mit Ratten zeigte sich eine möglicherweise antidepressive Wirkung: Die Tiere verloren in Stressphasen weniger Körpergewicht, zeigten mehr Bewegungsfreude und fraßen mehr. Außerdem waren bei ihnen das Stresshormon Kortisol reduziert und die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin deutlich erhöht. Eine weitere Studie zeigte möglicherweise anxiolytische Effekte durch Vanille.

Aktuelle Studien untersuchen den möglicherweise heilsamen Einfluss von Vanillin auf das Nervensystem auch bei Erkrankungen der Nerven und des Gehirns: Bei der Alzheimer-Krankheit hemmt Vanillin das Enzym Acetylcholinesterase, was einen zentralen therapeutischen Ansatzpunkt bei klassischen Medikamenten darstellt. Außerdem könnten Nerven- und Zellschäden durch Vanillin reduziert und die räumliche Orientierung verbessert werden. Bei Parkinson könnte Vanillin bewirken, dass durch die Reduktion von Sauerstoffradikalen wichtige Zellfunktionen länger erhalten bleiben, die typischen Bewegungseinschränkungen könnten dosisabhängig abgeschwächt sowie die Dopamin-Konzentration verbessert werden. Bei Chorea Huntington könnte Vanillin dazu beitragen, den Gewichtsverlust und Bewegungsbeeinträchtigungen zu reduzieren, während die motorische Koordination und das Lerngedächtnis verbessert werden könnten. Die möglicherweise entzündungshemmenden, antioxidativen, nerven- und zellschützenden Eigenschaften von Vanillin machen Hoffnung in der Behandlung von Wirbelsäulenschäden, Hirnschäden durch Sauerstoffmangel oder auch toxische Hirnschäden und Nervenentzündungen.

Vanille und Dopamin: Eine Verbindung

Vanille ist in der Lage, den Dopaminspiegel im Gehirn zu beeinflussen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegung, Motivation, Belohnung und Freude spielt. Studien haben gezeigt, dass der Duft von Vanille die Ausschüttung von Dopamin im Gehirn erhöhen kann, was zu einem Gefühl von Wohlbefinden und Entspannung führt.

Wie Vanille den Dopaminspiegel beeinflusst

Es gibt mehrere Mechanismen, durch die Vanille den Dopaminspiegel beeinflussen kann:

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  • Direkte Stimulation der Dopaminfreisetzung: Vanille enthält bestimmte Verbindungen, wie Vanillin, die direkt die Freisetzung von Dopamin in bestimmten Gehirnregionen stimulieren können.
  • Beeinflussung des Belohnungssystems: Der angenehme Geruch und Geschmack von Vanille können das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren, was wiederum zur Freisetzung von Dopamin führt.
  • Reduktion von Stress: Stress kann den Dopaminspiegel senken. Vanille hat beruhigende Eigenschaften und kann helfen, Stress abzubauen, was indirekt zu einem Anstieg des Dopaminspiegels führen kann.

Dopaminmangel

Ein Dopaminmangel kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann eine Störung der Dopaminrezeptoren vorliegen. Häufig sind aber eine Unterversorgung mit Vitaminen sowie Stoffen wie Tyrosin, die als Vorstufe für das Hormon fungieren, der Grund. Ein Dopaminmangel kann langfristig gesehen nicht nur unglücklich machen, er kann auch verantwortlich für eine erhöhte Müdigkeit bis hin zu Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnislücken sein.

Wie man seinen Dopaminspiegel erhöhen kann

  • Ziele stecken und Erfolge feiern: Tu, was du tun willst! Klingt simpel, ist aber der natürlichste Weg, deinen Spiegel wieder zu erhöhen. Hast du schon länger kein Erfolgserlebnis mehr gehabt, vergisst der Körper den Rückkopplungseffekt des Hormons, welcher dich dazu antreibt, deine Ziele zu verwirklichen.
  • Die richtige Ernährung: Besonders Lebensmittel, die viel Omega-3-Fettsäuren enthalten, sind wichtig für deine Dopaminproduktion. Omega-3-Fettsäuren sind unter anderem für die Funktion und Struktur des Gehirns verantwortlich.

Die Rolle der Aromatherapie

Die Aromatherapie nutzt ätherische Öle, um das Wohlbefinden zu verbessern. Studien zeigen, dass angenehme Düfte die Ausschüttung von Dopamin anregen können, dem Neurotransmitter, der positiven Antrieb vermittelt. Der Duft von Bergamotte, Lavendel oder Neroli unterstützt den parasympathischen Teil unseres vegetativen Nervensystems. Angelikawurzel, Copaiba und Patchouli unterstützen das Gleichgewicht im Haushalt der Gamma-Aminobuttersäure, kurz GABA. Die stimmungsaufhellenden Eigenschaften von Majoran und Petitgrain sind mit einem Anstieg von Serotonin assoziiert. Grapefruit und Muskatellersalbei wirken auf das Endocannabinoid-System bei der Bildung von körpereigenen Opiaten.

Praktische Anwendung und Vorsichtsmaßnahmen

Vanille wird heute hauptsächlich als Aromastoff und Gewürz verwendet, beispielsweise für Eis, Puddings, Joghurts, Desserts und Backwaren.

Vorsicht ist jedoch geboten: Bei Arbeitern, die viel mit Vanille in Kontakt gekommen waren, wurden Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen, Hautausschläge und Schlaflosigkeit festgestellt. Diese Nebenwirkungen dürften bei einem vernünftigen Konsum von höchstens ein paar Gramm täglich kaum auftreten.

Rezept für eine beruhigende Tinktur

Diese Rezeptur ist eine beruhigende Tinktur, die aus Lavendel und Vanille zusammengestellt ist.

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Zutaten:

  • 20 g Lavendelblüten
  • 20 g Vanille
  • 1 Liter 40%-iger Alkohol

Zubereitung:

  1. Lavendel mit 500 ml Alkohol ansetzen, die Vanille mit derselben Menge.
  2. Beide Ansätze 4 Wochen ziehen lassen, abseihen.
  3. Die Tinktur zu gleichen Teilen mischen.

Anwendung:

Bis zu 3-mal täglich 5-10 Tropfen einnehmen. Maximal eine Woche anwenden.

Hinweis: Hinter Nervosität und Schlafstörungen können sich ernste Erkrankungen verbergen wie Angststörungen oder Depression. Eine Abklärung durch einen Arzt ist daher vor Anwendung der Tinktur unbedingt notwendig. Die Tinktur ist nur für Erwachsene geeignet und nicht in der Schwangerschaft anzuwenden.

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