Demenz Parkinson: Helgoland-Studien und neue Forschungsansätze

Die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verwandter Demenzformen ist ein komplexes und sich ständig weiterentwickelndes Feld. Aktuelle Studien und Forschungsprojekte konzentrieren sich auf die Früherkennung, die Identifizierung von Biomarkern und die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser vielversprechenden Forschungsansätze, darunter auch Erkenntnisse aus den sogenannten Helgoland-Studien, und gibt einen Überblick über aktuelle Entwicklungen.

Früherkennung und Risikofaktoren

Ein Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt auf der Identifizierung von Risikofaktoren und Prodromalmarkern, die auf eine spätere Entwicklung einer Parkinson- oder Alzheimer-Erkrankung hinweisen könnten. Die TREND-Studie (Tübinger Erhebung von Risikofaktoren zur Erkennung von Neurodegeneration) verfolgt seit 2009 etwa 1200 Probanden in einem 2-Jahres-Abstand, um motorische, kognitive und weitere nicht-motorische Symptome zu erheben und Biomaterialien zu gewinnen. Ziel ist es, Risikofaktoren und Prodromalmarker zu charakterisieren, die auf die spätere Entwicklung einer Parkinson- oder Alzheimer-Erkrankung hinweisen.

Besonders interessant ist die Beobachtung, dass Menschen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ein deutlich erhöhtes Risiko haben, im Laufe ihres Lebens an einem Parkinsonsyndrom oder einer Multisystematrophie zu erkranken. Schätzungen gehen von einem Risiko von bis zu 90 % aus. Im Rahmen einer Register-Studie werden Betroffene mit diagnostizierter REM-Schlaf-Verhaltensstörung jährlich klinisch untersucht, um klinische Marker zu identifizieren, die das Risiko für die Entwicklung eines Parkinsonsyndroms und die zeitliche Einordnung dieser Entwicklung besser vorhersagen können. Die Studie findet in Kooperation mit dem Schlaflabor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Kiel statt.

Die PASS-PD-Studie zielt darauf ab, Menschen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Parkinsonsyndroms zu identifizieren und im Rahmen einer prospektiven Studie über fünf Jahre hinweg zu begleiten. Ein besonderer Fokus dieser Studie liegt zudem auf einem ethischen Umgang mit dem Thema Früherkennung, unter besonderer Berücksichtigung des Rechts auf Nichtwissen.

Biomarker-Forschung

Da sich der neurodegenerative Prozess bei Parkinson vermutlich über das gastrointestinale oder das olfaktorische System aufsteigend in das Gehirn ausbreitet, sind nicht-zerebrale Komponenten wie das enterische Nervensystem für die Gewinnung von Bioproben bereits in der Frühphase der Erkrankung recht einfach zugänglich. Aktuell werden folgende Materialien auf parkinsonspezifische Biomarker untersucht:

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  • Darmbiopsien: In Kooperation mit der interdisziplinären Endoskopie des UKSH Kiel.
  • Hautbiopsien: In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von PD Dr. Kathrin Doppler (Universitätsklinikum Würzburg), sowie mit Prof.
  • Immunologische Untersuchungen: Gemeinsam mit den Arbeitsgruppen von Prof. Dr. rer. nat. Petra Bacher und Prof. Dr. rer. nat.

Ethische Aspekte der Früherkennung

Die Möglichkeiten der Früherkennung bringen neue ethische Fragen mit sich: Wie geht man mit der Aufklärung über das individuelle Erkrankungsrisiko um, wenn es noch keine Möglichkeit zur Therapie gibt? Wie kann das Recht auf Nichtwissen berücksichtigt werden? Diesen Fragen widmet sich die AG Früherkennung in Zusammenarbeit mit Frau Dr.

Präventive Maßnahmen

In allen Phasen der Parkinsonerkrankung können präventive, nicht-pharmakologische Maßnahmen genutzt werden, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen oder das Risiko für die Entwicklung einer Parkinsonerkrankung zu senken. Im Rahmen von Kooperationsstudien werden die physiologischen Auswirkungen präventiver Maßnahmen erforscht, zum Beispiel auf die Darm-Gehirn-Achse.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung von fortgeschrittenen Parkinson-Symptomen. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert, um die Aktivität dieser Regionen zu modulieren. Die THS kann insbesondere bei Akinese (Bewegungsstörungen), Rigor (Muskelsteifigkeit) und Tremor (Zittern) wirksam sein.

Ein Erfahrungsbericht eines Arztes nach einem Jahr mit THS zeigt, dass sich die Lebensqualität deutlich verbessern kann. Die Medikamentendosis kann reduziert und die Medikamentennebenwirkungen können geringer werden. Viele Patienten berichten von einer stabileren, energischeren Verfassung und einer verbesserten Beweglichkeit.

Die Operation selbst wird oft als "Klacks" oder "Kleinigkeit" empfunden. Es müssen keine Hirnbereiche entfernt werden, sondern lediglich zwei Drähte platziert werden. Das Risiko für ernsthafte Komplikationen wie Blutungen oder Infektionen wird als gering eingeschätzt.

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Wichtig ist, dass die THS keine Wesensveränderungen bewirkt. Der Neurostimulator kann jederzeit ausgeschaltet werden, ohne dass die Drähte entfernt werden müssen.

Die THS wirkt sich jedoch nicht auf alle Parkinson-Symptome aus. Gleichgewichtsstörungen und Sturzneigung, die im fortgeschrittenen Stadium IV auftreten, werden durch die THS nicht beeinflusst.

Ablauf der THS-Operation

Vor der Operation finden umfangreiche Voruntersuchungen statt, um sicherzustellen, dass keine Hinweise auf ein atypisches Parkinson-Syndrom vorliegen. Dazu gehören eine feinauflösende Kernspintomographie und eine Computertomographie. In der Kernspintomographie kann die Zielregion, der Nucleus subthalamicus, gut gesehen werden.

Während der Operation wird in örtlicher Betäubung ein Stereotaxie-Ring am Kopf befestigt. Anschließend wird eine Computertomographie durchgeführt, um die genauen Koordinaten für die Platzierung der Elektroden zu berechnen.

Das Vorführen des Drahtes nach den errechneten Koordinaten ist in der Regel nicht schmerzhaft. Während der Operation wird der Patient neurologisch getestet, um die korrekte Positionierung der Elektroden zu überprüfen.

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Nach der Operation erfolgt eine dreiwöchige Rehabilitation. Regelmäßige Kontrollen beim Neurologen sind wichtig, um die Stimulationseinstellungen optimal anzupassen.

Mögliche Nebenwirkungen der THS

Eine mögliche Nebenwirkung der THS ist eine undeutlichere Sprache, insbesondere bei Müdigkeit.

Die THS ist dringend indiziert, wenn die Medikamente nicht vertragen werden, insbesondere Dopaminagonisten, die zu pathologischer Kaufsucht oder anderem Suchtverhalten führen können. Auch bei hohen Levo-Dopa-Dosierungen oder Psychosen unter den Medikamenten sollte die THS in Erwägung gezogen werden.

Grenzen der THS

Die THS kann den Untergang der dopaminproduzierenden Zellen in der Substantia nigra nicht verhindern. Parkinson verläuft kontinuierlich und unerbittlich.

Die THS ist nicht geeignet, wenn bereits erhebliche Symptome des Stadium IV vorliegen, wie Gleichgewichtsstörungen, Sturzneigung oder Demenzentwicklung.

Helgoland-Studien

Der Begriff "Helgoland-Studien" wird im vorliegenden Kontext nicht explizit definiert. Es ist jedoch anzunehmen, dass es sich um Studien handelt, die auf der Insel Helgoland durchgeführt wurden oder in denen Daten von dort lebenden oder sich dort aufhaltenden Personen analysiert wurden. Die Insel Helgoland könnte aufgrund ihrer besonderen Umweltbedingungen oder der spezifischen Zusammensetzung ihrer Bevölkerung für bestimmte Forschungsfragen von Interesse sein.

Die im einleitenden Text erwähnte Entspannung auf Helgoland mit "Blick über die Reede und Sonne von vorne, aber mit Wind von hinten" könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Studien auch Aspekte des Wohlbefindens und der Lebensqualität von Parkinson-Patienten unter bestimmten Umweltbedingungen untersuchen.

Weitere Forschungsansätze

Neben den oben genannten Studien und Verfahren gibt es eine Vielzahl weiterer Forschungsansätze zur Behandlung und Prävention von Demenz und Parkinson. Dazu gehören:

  • Untersuchungen zur Rolle von Mikronährstoffen: Studien untersuchen die Bedeutung von Zink, Magnesium und anderen Mikronährstoffen für die Herzgesundheit und die Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen.
  • Forschung zur Darm-Hirn-Achse: Die Darm-Hirn-Achse spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Parkinson. Studien untersuchen den Einfluss der Darmflora und von Entzündungsprozessen im Darm auf das Gehirn.
  • Entwicklung neuer Medikamente: Die Forschung arbeitet an neuen Medikamenten, die den Krankheitsverlauf von Parkinson verlangsamen oder die Symptome lindern können.
  • Innovative Technologien: Moderne bildgebende Verfahren ermöglichen es, Zellen bis auf die Mikroebene der Atome zu erforschen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, die molekularen Mechanismen von Krankheiten zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
  • SCALE (»Subcellular Architecture of Life«): Das Ziel des Clusterprojekts ist es, genauer hinzuschauen auf die Vorgänge, die in einem lebenden Organismus innerhalb der Zellen ablaufen. Und zwar so genau, dass mit modernsten bildgebenden Verfahren einzelne Moleküle und sogar einzelne Atome sichtbar gemacht werden.

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