Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einer Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten einhergehen und schwerwiegende Folgen haben. Zu den möglichen Symptomen gehören Gedächtnis- und Orientierungsprobleme, Sprachstörungen, Minderungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Im fortgeschrittenen Stadium sind die betroffenen Personen auf fremde Hilfe angewiesen, weil sie sich im Alltag nicht mehr alleine zurechtfinden. Sie sind dann pflegebedürftig. Es gibt nicht DIE Demenz, sondern tatsächlich viele Formen davon. Diverse Erkrankungen, die sich auf das Gehirn auswirken, können Demenz auslösen. Die bekannteste und bei weitem häufigste dieser Demenzerkrankungen ist Alzheimer. Sie macht bis zu 2/3 aller Demenzerkrankungen aus. Weitere sind zum Beispiel die Lewy-Körperchen-Demenz, die Vaskuläre Demenz und die Frontotemporale Demenz. Bei einer Parkinson-Erkrankung können zusätzlich zu motorischen Beeinträchtigungen auch Symptome von Demenz auftreten und bei Menschen mit Down-Syndrom ist die Entwicklung von Demenz aufgrund genetischer Veranlagung nahezu unausweichlich. Die verschiedenen Demenzerkrankungen unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie das Gehirn und dessen Funktion beeinträchtigen.
Die alternde Bevölkerung in Deutschland führt zu einem Anstieg der Demenzerkrankungen, was eine wachsende Herausforderung für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft darstellt. Die vorliegende Analyse beleuchtet die aktuelle Demenzstatistik in Deutschland, einschließlich Prävalenz, Trends, regionale Verteilung, Kosten und Risikofaktoren.
Anstieg der Demenz-Todesfälle
Die Zahl der Menschen, die in Deutschland mit Demenz sterben, ist in den letzten Jahren gestiegen. Im Jahr 2024 wurden nach den Ergebnissen der Todesursachenstatistik 61.927 Sterbefälle durch eine Demenzerkrankung verursacht. Das waren 4,4 % mehr als im Vorjahr und 23,2 % mehr als im zehnjährigen Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024. Demenz in ihren verschiedenen Ausprägungen ist seit Jahren eine der häufigsten Todesursachen bei Frauen und nimmt auch bei Männern stetig zu. So war die Zahl der an Demenz verstorbenen Männer im Jahr 2024 mit 21.247 Verstorbenen um 27,9 % höher als im Zehnjahresdurchschnitt. Rund 89,1 % der im Jahr 2024 an Demenz Verstorbenen waren 80 Jahre und älter. Insgesamt starben im Jahr 2024 in Deutschland rund 1,01 Millionen Menschen. Das waren 2 % weniger als im Jahr 2023 (1,03 Millionen Verstorbene). Die häufigsten Todesursachen waren wie in den Vorjahren Krankheiten der Kreislaufsysteme (339.212) und bösartige Neubildungen (230.392) - an ihnen starben mit 56,5 % mehr als die Hälfte der Verstorbenen. Die Sterbefälle aufgrund von bösartigen Neubildungen, hierzu zählen sämtliche Krebsarten, blieben fast unverändert zum Vorjahr (+0,04 %). Krankheiten der Kreislaufsysteme und bösartige Neubildungen dominieren die Todesursachen auch bei einer getrennten Betrachtung nach Geschlecht: Zu den drei häufigsten Todesursachen von Männern zählen die chronische ischämische Herzkrankheit (39.765), bösartige Neubildungen der Bronchien und der Lunge (26.441) und der akute Myokardinfarkt (24.875). Sterbefälle werden in der Todesursachenstatistik nach der "Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" (ICD) ausgewiesen. Unter der Gesamtzahl der Sterbefälle aufgrund einer Demenzerkrankung wurden die Diagnosen F00 "Demenz bei Alzheimer-Krankheit", F01 "Vaskuläre Demenz", F02 "Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten" und F03 "Nicht näher bezeichnete Demenz" zusammengefasst.
Die Zunahme der Demenz-Todesfälle unterstreicht die Notwendigkeit, die Versorgung von Menschen mit Demenz zu verbessern und die Forschung nach wirksamen Präventions- und Behandlungsmethoden zu intensivieren.
Prävalenz und Inzidenz von Demenz in Deutschland
Im Jahr 2023 lebten in Deutschland schätzungsweise rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz (im Alter ab 40 Jahren), wobei etwa 1,7 Millionen davon 65 Jahre oder älter waren. Nach Prognosen könnte die Anzahl der Betroffenen (im Alter ab 65 Jahren) im Jahr 2030 auf bis zu 1,9 Millionen ansteigen, im Jahr 2040 auf bis zu 2,3 Millionen und im Jahr 2050 bis zu 2,7 Millionen erreichen. Im Jahr 2023 sind in der Altersgruppe ab 65 Jahren nach Berechnungen zwischen 364.000 und 445.000 Menschen neu an einer Demenz erkrankt.
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Diese Zahlen verdeutlichen, dass Demenz eine erhebliche Belastung für die Bevölkerung darstellt und dass die Anzahl der Betroffenen in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.
Regionale Unterschiede
Die Verteilung von Menschen mit Demenz ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Dies liegt vor allem an der Altersstruktur der lokalen Bevölkerung. Während in Hamburg und Berlin, die bundesweit den niedrigsten Altersdurchschnitt haben, weniger als 1,8 Prozent der Bevölkerung eine Demenz haben, ist der Anteil in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen prozentual mit mehr als 2,4 Prozent am höchsten.
Diese regionalen Unterschiede müssen bei der Planung und Bereitstellung von Versorgungsleistungen berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass alle Betroffenen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.
Kosten von Demenz
Die Kosten für Demenz in Deutschland sind erheblich. Berechnungen des DZNE beziffern die Kosten für Demenz in Deutschland für das Jahr 2020 mit rund 83 Milliarden Euro - das entspricht mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Prognosen könnten diese Kosten im Jahr 2040 auf rund 141 Milliarden Euro, im Jahr 2060 auf rund 195 Milliarden Euro anwachsen.
Diese hohen Kosten unterstreichen die Notwendigkeit, in Präventionsmaßnahmen, Forschung und die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Demenz zu investieren.
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Risikofaktoren und Prävention
Bislang sind 14 Risikofaktoren für Demenz bekannt, die prinzipiell modifizierbar sind und durch medizinische Vorsorge und gesunde Lebensgewohnheiten zum Teil persönlich beeinflusst werden können. Dazu gehören unter anderem Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Schwerhörigkeit, Luftverschmutzung, geringe Bildung und soziale Isolation. Demnach wären bei Beseitigung dieser 14 Risiken rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen vermeidbar oder könnten hinausgezögert werden - theoretisch. Denn Fachleute sind der Ansicht, dass eine Reduzierung in dieser Größenordnung in der Praxis nicht realistisch ist.
Die Identifizierung und Reduzierung von Risikofaktoren ist ein wichtiger Ansatz zur Prävention von Demenz. Eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Bewegung, soziale Interaktion und die Behandlung von Vorerkrankungen können dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken.
Demenz bei jüngeren Menschen
Nach wie vor gelten Demenzerkrankungen als ein Problem des höheren Lebensalters. Tatsächlich steigt das Risiko für eine Demenz ab dem 80. Lebensjahr deutlich an. Doch sind fast 6 Prozent der Betroffenen in Deutschland - rund 106.000 Menschen - jünger als 65 Jahre. Diese Gruppe wird erst seit wenigen Jahren zunehmend wahrgenommen und es fehlt vielfach noch an geeigneten Unterstützungsangeboten für sie und ihre Familien.
Es ist wichtig, auch die Bedürfnisse von jüngeren Menschen mit Demenz zu berücksichtigen und spezielle Unterstützungsangebote für sie und ihre Familien bereitzustellen.
Demenz bei Menschen mit Migrationshintergrund
In der EU sowie UK, Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz leben, nach Schätzungen des DZNE, insgesamt etwa neun Millionen Menschen mit Demenz - davon mehr als eine halbe Million mit Migrationshintergrund (konkret sind damit Personen gemeint, die nicht in ihrem Geburtsland leben). Hierzulande waren es im Jahr 2021 Schätzungen zufolge fast 160.000 (im Alter ab 65 Jahren). Für diese Personen kann sich der Zugang zu medizinischen Informationen, ärztlicher Betreuung und Versorgungsangeboten aufgrund von Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden zur einheimischen Bevölkerung als schwierig erweisen. Denn kultursensible Angebote und mehrsprachige Informationsmaterialien über Demenz sind bislang nicht Standard - weder in Deutschland noch in vielen anderen Teilen Europas.
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Es ist wichtig, kultursensible Angebote und mehrsprachige Informationsmaterialien über Demenz bereitzustellen, um den Zugang zu Versorgung und Unterstützung für Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern.
Nationale Demenzstrategie
Die von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Demenzstrategie hat das Ziel, die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.
Die Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie ist ein wichtiger Schritt, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern und die Herausforderungen, die mit der alternden Bevölkerung einhergehen, zu bewältigen.
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