Demenz-Wohngruppen: Konzept, Definition und Alternativen

Demenz-Wohngemeinschaften stellen eine alternative Wohnform für Menschen mit Demenz dar und bieten eine spezialisierte Betreuung in einer familiären Umgebung. Sie unterscheiden sich von traditionellen Pflegeheimen durch eine kleinere Gruppengröße und einen stärkeren Fokus auf Selbstbestimmung und Alltagsnormalität. Dieser Artikel beleuchtet das Konzept der Demenz-Wohngruppen, ihre Definition, Vor- und Nachteile sowie verschiedene Aspekte der Gestaltung und Finanzierung.

Definition und Konzept von Demenz-Wohngemeinschaften

In Demenz-Wohngemeinschaften teilen sich in der Regel bis zu zwölf Menschen mit Demenz eine Wohnung oder ein Haus. Jedes Mitglied bewohnt ein eigenes Zimmer, oft mit eigenen Möbeln und manchmal auch mit eigener Dusche und WC. Küche, Wohnzimmer und Badezimmer werden gemeinschaftlich genutzt.

Im Gegensatz zu vollstationären Pflegeheimen bieten Demenz-Wohngemeinschaften keine umfassende Versorgung. Vielmehr sollen sich die Bewohner aktiv in die Gestaltung des Alltags einbringen. Tätigkeiten, die selbstständig ausgeführt werden können, werden auch weiterhin selbstständig erledigt. Ob Kartoffelschälen, Tischdecken, Wäsche falten oder Aufräumen - jeder bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein. Dies kann nach einer Eingewöhnungszeit zu mehr Zufriedenheit und einer Bereicherung des Lebens führen.

Abgrenzung zu anderen Wohnformen

Es ist wichtig, Demenz-Wohngemeinschaften von anderen Wohnformen für Senioren zu unterscheiden:

  • Seniorenwohngemeinschaften (Senioren-WGs): Hier leben mehrere ältere Menschen ohne spezifische Demenzerkrankung zusammen. Sie können privat organisiert oder von einem Träger unterstützt sein. Die Bewohner teilen sich in der Regel eine Wohnung oder ein Haus mit eigenen Zimmern und gemeinschaftlich genutzten Wohnbereichen.
  • Senioren-Hausgemeinschaften: Diese bieten mehr Privatsphäre, da jeder Bewohner in einer eigenen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus lebt.
  • Betreutes Wohnen/Service-Wohnen: Ein ähnliches Konzept wie Senioren-Hausgemeinschaften, das zusätzliche Dienstleistungen und Betreuung anbietet.
  • Pflege-WGs (ambulant betreute Wohngemeinschaften): Diese werden in der Regel von Wohlfahrtsverbänden oder Pflegeheimen betrieben und bieten mehrmals täglich oder sogar dauerhaft Pflegepersonal vor Ort. Demenz-WGs sind eine Sonderform der Pflege-WG.

Vorteile von Demenz-Wohngemeinschaften

Demenz-Wohngemeinschaften bieten eine Reihe von Vorteilen gegenüber traditionellen Pflegeheimen:

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  • Familiäre Atmosphäre: Durch die kleine Gruppengröße entsteht eine familiäre Atmosphäre, die Geborgenheit und Sicherheit vermittelt.
  • Selbstbestimmung: Die Bewohner können ihren Alltag aktiv mitgestalten und ihre individuellen Fähigkeiten und Interessen einbringen.
  • Soziale Interaktion: Regelmäßige gemeinsame Aktivitäten fördern den sozialen Austausch und beugen Vereinsamung vor.
  • Individuelle Betreuung: Das Betreuungspersonal ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz geschult und kann eine individuelle Unterstützung gewährleisten.
  • Einbeziehung der Angehörigen: Angehörige werden aktiv in das Leben der Wohngemeinschaft einbezogen und können die Betreuung mitgestalten.
  • Strukturierter Tagesablauf: Ein bekannter Tagesablauf und Beschäftigung durch die Pflegekräfte fördert die Stabilität und das Wohlbefinden der Bewohner.
  • Gestaltung des Wohnraums: Das Zimmer ist der private Rückzugsort für jeden einzelnen Bewohner. Neben der Schaffung eines gewohnten Umfelds sieht das Konzept der Demenz- WG´s einen bekannten Tagesablauf, Beschäftigung durch die Pflegefachkräfte und somit eine bestmögliche Förderung und Versorgung der Bewohner vor.
  • Besserer Personalschlüssel: Im Vergleich zum Pflegeheim ist der Personalschlüssel deutlich besser, sodass eine Fachpflegekraft sich um 5-6 Bewohner kümmern kann.

Nachteile und Herausforderungen

Trotz der vielen Vorteile gibt es auch einige Nachteile und Herausforderungen bei Demenz-Wohngemeinschaften:

  • Längere Suche: Die Suche nach einer geeigneten Demenz-WG kann länger dauern als die Suche nach einem Platz im Pflegeheim, da neben Lage und Kosten auch der zwischenmenschliche Faktor eine wichtige Rolle spielt.
  • Konfliktpotenzial: Wenn mehrere Menschen auf engem Raum zusammenleben und sich selbst organisieren müssen, besteht ein gewisses Konfliktpotenzial.
  • Nicht geeignet für schwere Demenzfälle: Schwere Demenzfälle, die permanente Beaufsichtigung erfordern, sind in Demenz-Wohngemeinschaften möglicherweise schlecht aufgehoben.
  • Organisation: Die Mieter bzw. deren Angehörige teilen sich die Aufgaben, die bei der Organisation einer WG - also des gemeinsamen Haushaltes - anfallen. Dazu gehört z.B. die Gartenpflege, Klärung von Lebensmitteleinkäufen oder Neuanschaffungen, Sperrmülltermine, Feste organisieren usw. Zudem hat jede WG eine/n oder mehrere Angehörigensprecher/in. Hintergrund dafür ist, dass Fragen und Anliegen mit den unterschiedlichen Parteien (Vermieter, Pflegedienst) am besten mit einem ausgewählten Ansprechpartner zu klären sind, der Themen sammelt und bündelt.

Gestaltung des Wohnraums in Demenz-Wohngemeinschaften

Die Gestaltung des Wohnraums spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden und die Orientierung von Menschen mit Demenz in Wohngemeinschaften.

  • Raumstruktur: Eine klare und übersichtliche Raumstruktur mit gut erkennbaren Wegen und Raumabgrenzungen ist wichtig für die Orientierung. Dies kann durch farbliche Markierungen oder spezielle Bodenbeläge erreicht werden.
  • Beleuchtung: Eine ausreichende Helligkeit in den Gemeinschaftsräumen und Fluren trägt zur Sicherheit und Orientierung bei. Grelle Lichter sollten vermieden werden.
  • Möbel: Robuste, gut sichtbare und kontrastreiche Möbel können den Bewohnern helfen, sich sicherer zu bewegen und ihre Umgebung besser wahrzunehmen.
  • Sicherheitsmaßnahmen: Rutschfeste Böden, Griffe und Haltevorrichtungen in Badezimmern sowie spezielle Vorkehrungen in der Küche können das Verletzungsrisiko minimieren.
  • Wohnliche Atmosphäre: Gerade für Menschen mit Demenz ist eine entspannte und wohnliche Atmosphäre äußerst wichtig und steht im Fokus!

Finanzierung von Demenz-Wohngemeinschaften

Die Kosten für eine Demenz-Wohngemeinschaft setzen sich in der Regel aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Miete: Jeder Bewohner bezahlt die Miete für sein privates Zimmer und anteilig die Mietkosten für Gemeinschaftsräume. Die Miete entspricht in aller Regel den „normalen“ Mietpreisen auf dem lokalen Wohnungsmarkt.
  • Betreuungskosten: Für die Betreuung durch den ambulanten Pflegedienst fallen zusätzliche Kosten an, die je nach Bedarf und Pflegegrad variieren.
  • Wohngruppenzuschlag: Bewohner mit einem anerkannten Pflegegrad können unter bestimmten Voraussetzungen den sogenannten Wohngruppenzuschlag beantragen.
  • Anschubfinanzierung: Bei der Neugründung einer ambulant betreuten Wohngruppe kann eine Anschubfinanzierung zur altersgerechten oder barrierearmen Umgestaltung der Wohnung beantragt werden.
  • Pflegeleistungen: Bei einem anerkannten Pflegegrad können die Bewohner unter bestimmten Voraussetzungen Pflegeleistungen für ambulant betreute Wohngruppen beantragen.

Gründung einer Demenz-Wohngemeinschaft

Wer nicht in eine bestehende Demenz-WG ziehen möchte, hat auch die Möglichkeit, selbst eine zu gründen. Dabei sind folgende Schritte zu beachten:

  • Zielvorstellungen definieren: Machen Sie sich im Vorfeld Gedanken über gemeinsame Zielvorstellungen und definieren Sie ein Konzept Ihrer Demenz-WG.
  • Regeln festlegen: Definieren Sie vorab genau, wie das künftige Zusammenleben in der Demenz-WG geregelt sein soll.
  • Organisation: Bestimmen Sie beispielsweise einen Schatzmeister, einen Einkaufskoordinator, einen Gartenbeauftragten und ähnliches.
  • Kooperationsvereinbarung: Schließen Sie eine Kooperationsvereinbarung mit den anderen Bewohnern ab, in der die Zusammenarbeit konkret definiert wird.
  • Rechtsform: Wählen Sie die passende Rechtsform für Ihre Wohngemeinschaft (z.B. Verein, GbR, WEG, Genossenschaft).
  • Finanzierung: Klären Sie die Finanzierung der Wohngemeinschaft und beantragen Sie gegebenenfalls Fördermittel.

Qualitätssicherung in Demenz-Wohngemeinschaften

Zur Sicherung der Qualität und Wahrung der Selbstorganisation wurden in den vergangenen Jahren in Deutschland Rahmenbedingungen für den Aufbau und die Organisation von selbstverwalteten ambulant betreuten Wohn-Pflegegruppen entwickelt. Eine wichtige gesetzlich festgehaltene Grundlage besteht beispielsweise in der freien Wählbarkeit der Pflege- und Betreuungsdienste.

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