Die dendritische Zelltherapie (DC-Therapie) ist ein vielversprechender Ansatz in der Krebsimmuntherapie, der das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung von Tumoren nutzen soll. Diese Therapieform befindet sich noch in der Erforschung, zeigt aber in einigen Studien vielversprechende Ergebnisse, insbesondere in Bezug auf Brustkrebs.
Grundlagen der dendritischen Zelltherapie
Dendritische Zellen (DCs) spielen eine Schlüsselrolle im Immunsystem. Sie fungieren als "Wächterzellen" und sind für die Erkennung von Antigenen, also Substanzen, die eine Immunantwort auslösen können, verantwortlich. DCs nehmen Antigene auf, verarbeiten sie und präsentieren sie T-Lymphozyten, wodurch eine spezifische Immunantwort ausgelöst wird.
Die DC-Therapie macht sich diese natürliche Funktion der DCs zunutze. Dabei werden DCs des Patienten entnommen, außerhalb des Körpers (ex vivo) mit Tumorantigenen beladen und anschließend wieder in den Körper zurückgeführt. Die so "trainierten" DCs präsentieren die Tumorantigene den T-Zellen und aktivieren diese, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.
Dendritische Zelltherapie bei Brustkrebs: Studienlage
Die Forschung zur DC-Therapie bei Brustkrebs ist noch nicht abgeschlossen, aber es gibt vielversprechende Ergebnisse aus klinischen Studien.
Eine Studie, die im Fachjournal "Clinical Cancer Research" veröffentlicht wurde, untersuchte die Sicherheit und Verträglichkeit eines Impfstoffkandidaten gegen das HER2-Protein, das in vielen Brustkrebsarten überexprimiert wird. Die Forscher entnahmen den Patientinnen DCs, brachten diese mit Fragmenten des HER2-Proteins in Kontakt und infundierten die so behandelten Immunzellen wieder in die Patientinnen. Die Impfung wurde weitgehend gut vertragen, und bei 80 Prozent der Probandinnen war eine Immunreaktion nachweisbar. Bei einigen Patientinnen mit nicht-invasivem Tumor wurde sogar eine komplette pathologische Remission erreicht.
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Eine weitere Studie, die in "Nature Medicine" veröffentlicht wurde, berichtete über eine ungewöhnlich dauerhafte Remission eines metastasierten Mammakarzinoms bei einer Patientin, die mit einer Variante der adoptiven T-Zelltherapie behandelt wurde. Dabei wurden tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL) aus dem Tumor isoliert, im Labor vermehrt und nach Identifizierung von Neoantigenen mithilfe von dendritischen Zellen gezielt auf den Angriff von Krebszellen vorbereitet. Die Patientin erzielte nach der adoptiven Immuntherapie eine Vollremission, die bisher über 22 Wochen anhielt.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die DC-Therapie ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Brustkrebs sein könnte, insbesondere in Kombination mit anderen Therapieformen wie Chemotherapie oder Checkpoint-Inhibitoren.
Aktive und passive Immuntherapie
In der Immuntherapie unterscheidet man zwischen aktiven und passiven Ansätzen. Bei der aktiven Immunisierung, wie der DC-Therapie, wird das Immunsystem des Patienten stimuliert, eine eigene Immunantwort gegen den Tumor zu entwickeln. Bei der passiven Immuntherapie werden dem Patienten hingegen vorgefertigte Immunzellen oder Antikörper verabreicht, die den Tumor direkt angreifen.
Die DC-Therapie gehört zur aktiven Immuntherapie und zielt darauf ab, ein immunologisches Gedächtnis zu erzeugen, das eine langfristige Antitumoraktivität des Immunsystems gewährleistet.
Spezifische und unspezifische Ansätze
Innerhalb der aktiven und passiven Immuntherapie unterscheidet man zudem zwischen spezifischen und unspezifischen Ansätzen. Spezifische Immuntherapien richten sich gezielt gegen Tumorantigene, die auf den Krebszellen exprimiert werden. Unspezifische Immuntherapien stimulieren das Immunsystem hingegen auf breiterer Ebene, ohne sich auf bestimmte Tumorantigene zu konzentrieren.
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Die DC-Therapie kann sowohl spezifisch als auch unspezifisch sein. Bei der spezifischen DC-Therapie werden die DCs mit Tumorantigenen beladen, die spezifisch für den Tumor des Patienten sind. Bei der unspezifischen DC-Therapie werden die DCs hingegen mit Substanzen aktiviert, die das Immunsystem allgemein stimulieren.
Vorteile und Herausforderungen der dendritischen Zelltherapie
Die DC-Therapie bietet mehrere potenzielle Vorteile gegenüber herkömmlichen Krebsbehandlungen:
- Zielgerichtetheit: Die DC-Therapie zielt spezifisch auf Krebszellen ab und schont gesunde Zellen.
- Gute Verträglichkeit: Die DC-Therapie ist in der Regel gut verträglich und verursacht weniger Nebenwirkungen als Chemotherapie oder Strahlentherapie.
- Nachhaltigkeit: Die DC-Therapie kann ein immunologisches Gedächtnis erzeugen, das eine langfristige Antitumoraktivität des Immunsystems gewährleistet.
Allerdings gibt es auch Herausforderungen bei der Entwicklung und Anwendung der DC-Therapie:
- Komplexität: Die DC-Therapie ist ein komplexer Prozess, der eine aufwendige Herstellung der DCs erfordert.
- Variabilität: Die Wirksamkeit der DC-Therapie kann von Patient zu Patient variieren.
- Kosten: Die DC-Therapie ist in der Regel teurer als herkömmliche Krebsbehandlungen.
Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven
Die Forschung zur DC-Therapie ist weiterhin aktiv, und es werden ständig neue Erkenntnisse gewonnen. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Herstellung und Aktivierung der DCs, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen. Zudem werden neue Tumorantigene identifiziert, die für die DC-Therapie genutzt werden können.
Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Kombination der DC-Therapie mit anderen Immuntherapien wie Checkpoint-Inhibitoren oder adoptiver T-Zelltherapie. Diese Kombinationen könnten synergistische Effekte erzielen und die Wirksamkeit der Immuntherapie insgesamt verbessern.
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Die Zukunftsperspektiven für die DC-Therapie bei Brustkrebs sind vielversprechend. Mit weiteren Fortschritten in der Forschung und Entwicklung könnte die DC-Therapie in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Brustkrebs spielen.
Fallbeispiele und Kontroversen
Es gibt jedoch auch Berichte über Unternehmen, die DC-Therapien anbieten, deren Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist. Die Firma Immucura beispielsweise vermittelt Krebspatienten in Deutschland und anderen europäischen Ländern eine DC-Therapie, für die es laut Experten keine ausreichenden Belege für die Wirksamkeit gibt. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA warnt vor solchen nicht regulierten Therapien, die für Patienten ein "ernstes Risiko für wenig oder gar keinen Nutzen darstellen" können.
Es ist daher wichtig, sich vor einer DC-Therapie gründlich zu informieren und sich von einem Arzt beraten zu lassen, der Erfahrung mit dieser Therapieform hat und die wissenschaftliche Evidenz kritisch bewerten kann.
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