Depressionen nach Lumbalpunktion: Ursachen, Risiken und Behandlungsansätze

Eine Lumbalpunktion, auch Spinalpunktion genannt, ist ein diagnostischer Eingriff, bei dem Liquor (Nervenwasser) aus dem Rückenmarkkanal entnommen wird. Sie dient dem Nachweis oder Ausschluss von Erkrankungen des Gehirns und der Gehirnhäute. Obwohl die Lumbalpunktion als risikoarmer Eingriff gilt, können bei manchen Patienten unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, darunter auch Depressionen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Risiken und Behandlungsansätze von Depressionen nach einer Lumbalpunktion, basierend auf den Erfahrungen von Betroffenen und Expertenmeinungen.

Was ist eine Lumbalpunktion?

Bei einer Lumbalpunktion wird mit einer dünnen Hohlnadel der Spinalkanal punktiert, um Liquor zu gewinnen. Die gewonnene Flüssigkeit wird anschließend im Labor auf Veränderungen wie Eiweiß- und Zuckergehalt, Bakterien, Blut, Gehalt an weißen Blutkörperchen oder Antikörperkonzentration untersucht. Die häufigsten Indikationen für eine Lumbalpunktion sind der Verdacht auf entzündliche Erkrankungen des Zentralnervensystems und der Verdacht auf eine Aneurysmablutung bei plötzlichen stärksten Kopfschmerzen und unauffälligem CCT.

Vor jeder Punktion erfolgt die Überprüfung der Blutgerinnung und der Blutplättchenzahl. Nach individueller Entscheidung wird meist in sitzend-vornübergebeugter, manchmal aber auch in seitlich-liegender Position nach vorheriger Desinfektion unter möglichst sterilen Bedingungen zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbelkörper mit einer sehr dünnen Hohlnadel der Spinalkanal punktiert. In dieser Höhe befindet sich kein Rückenmark mehr, sondern es sind nur Liquor und Nervenbahnen im Kanal vorhanden. Der normalerweise weiße und klare Liquor tropft aus der Nadel in einem Röhrchen, insgesamt werden 3-5 ml Liquor entnommen. Die Dauer der Punktion beträgt ungefähr fünf bis zehn Minuten.

Mögliche Ursachen für Depressionen nach Lumbalpunktion

Die Entstehung von Depressionen nach einer Lumbalpunktion kann verschiedene Ursachen haben. Einige der häufigsten Faktoren sind:

  • Angst und Stress vor dem Eingriff: Viele Patienten erleben vor einer Lumbalpunktion Angst und Stress. Diese psychische Belastung kann zu einer erhöhten Anfälligkeit für depressive Verstimmungen führen.
  • Schmerzhafte Erfahrung: Obwohl die Lumbalpunktion in der Regel nicht sehr schmerzhaft ist, kann sie bei manchen Patienten als unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn mehrere Punktionsversuche erforderlich sind.
  • Postpunktioneller Kopfschmerz: Der postpunktionelle Kopfschmerz ist eine häufige Nebenwirkung der Lumbalpunktion. Er entsteht durch den Austritt von Liquor aus dem Punktionsloch und kann zu starken, lageabhängigen Kopfschmerzen führen. Diese Kopfschmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu depressiven Verstimmungen führen.
  • Unklare Diagnose: Wenn die Lumbalpunktion durchgeführt wird, um eine bestimmte Erkrankung auszuschließen, und das Ergebnis unklar bleibt, kann dies zu Unsicherheit und Angst führen. Diese psychische Belastung kann ebenfalls zu Depressionen beitragen.
  • Vorerkrankungen: Patienten, die bereits an Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden, haben ein höheres Risiko, nach einer Lumbalpunktion erneut depressive Symptome zu entwickeln.
  • Psychosomatische Ursachen: Bei manchen Patienten können die Beschwerden nach einer Lumbalpunktion psychosomatisch bedingt sein. Das bedeutet, dass psychische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung oder Aufrechterhaltung der Symptome spielen.

Erfahrungen von Betroffenen

Viele Betroffene berichten von negativen Erfahrungen im Zusammenhang mit Lumbalpunktionen. Einige klagen über starke Schmerzen während und nach dem Eingriff, während andere unter langanhaltenden Kopfschmerzen und depressiven Verstimmungen leiden.

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Einige Patienten berichten auch, dass ihre Ängste vor dem Eingriff von den behandelnden Ärzten nicht ernst genommen wurden. Sie fühlten sich nicht ausreichend aufgeklärt und hatten den Eindruck, dass die Lumbalpunktion als harmloser Eingriff dargestellt wurde.

Risiken und Komplikationen

Insgesamt ist die Lumbalpunktion ein risikoarmer Eingriff. Als mit Abstand häufigste Nebenwirkung kommt es innerhalb von 24 Stunden bei etwa 10-15 % der Patienten zur Entwicklung von Kopfschmerzen, welche lageabhängig in aufrechter Position zunehmen und im Liegen oft gar nicht mehr wahrgenommen werden. Einzig wichtige Maßnahme zur Prophylaxe solcher Kopfschmerzen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die heute selbstverständliche Verwendung dünner atraumatischer Punktionsnadeln nach Sprotte.

Weitere Nebenwirkungen sind sehr selten, vor einer evtl. Lumbalpunktion sind in neurologischen Notaufnahmen gang und gäbe. Eine Liquorpunktion verläuft zumeist unproblematisch oder macht nur vorübergehend Beschwerden. Manchmal kommt es aber doch zu schweren Komplikationen.

Extrem selten treten bei 1 von 2.000 behandelten Personen weitere Probleme auf. Dazu gehören Blutungen oder Infektionen an der Punktionsstelle oder an den Hirnhäuten.

Behandlungsansätze

Die Behandlung von Depressionen nach einer Lumbalpunktion richtet sich nach der Schwere der Symptome und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Einige mögliche Behandlungsansätze sind:

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  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die Ursachen der Depression zu erkennen und Strategien zur Bewältigung der Symptome zu entwickeln.
  • Medikamentöse Behandlung: Antidepressiva können bei schweren Depressionen eingesetzt werden, um die Stimmung zu verbessern und die Symptome zu lindern.
  • Schmerztherapie: Bei postpunktionellen Kopfschmerzen kann eine Schmerztherapie erforderlich sein, um die Beschwerden zu lindern.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern.
  • Koffein und Theophyllin: Zur symptomatischen Behandlung sei die intravenöse oder orale Gabe von Koffein als auch die orale Gabe von Theophyllin, Gabapentin und Hydrokortison wirksam.
  • Epiduraler Blutpatch: Bei Versagen der konservativen Maßnahmen sei ein epiduraler Blutpatch die Therapie der Wahl, gegebenenfalls auch mehrfach.
  • Mikrochirurgischer Verschluss der Fistel: Bei exakt lokalisierten spinalen Liquorfisteln sein in therapierefraktären Fällen ein mikrochirurgischer Verschluss der Fistel angezeigt.

Präventive Maßnahmen

Um das Risiko von Depressionen nach einer Lumbalpunktion zu verringern, können folgende präventive Maßnahmen ergriffen werden:

  • Ausführliche Aufklärung: Eine ausführliche Aufklärung über den Eingriff, die Risiken und möglichen Nebenwirkungen kann helfen, Ängste abzubauen und das Vertrauen in die Behandlung zu stärken.
  • Schmerzlinderung: Eine adäquate Schmerzlinderung während und nach dem Eingriff kann dazu beitragen, das Schmerzerleben zu reduzieren und die Entstehung von Depressionen zu verhindern.
  • Psychologische Betreuung: Patienten mit einer Vorgeschichte von Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen können von einer psychologischen Betreuung vor und nach dem Eingriff profitieren.
  • Verwendung dünner atraumatischer Punktionsnadeln: Eine wichtige Maßnahme zur Prophylaxe von Kopfschmerzen ist die Verwendung dünner atraumatischer Punktionsnadeln nach Sprotte.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann helfen, postpunktionellen Kopfschmerzen vorzubeugen.

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