Ganzkörperschmerz, Nervenschmerzen und Muskelschmerzen: Neurologische Ursachen und Behandlungsansätze

Schmerzen im Körper können vielfältige Ursachen haben. Sie können von einzelnen Muskeln ausgehen, Nerven betreffen oder als großflächiger Schmerz chronisch werden. Dieser Artikel beleuchtet die neurologischen Ursachen von Ganzkörperschmerzen, Nervenschmerzen und Muskelschmerzen und zeigt Behandlungsansätze auf.

Ganzkörperschmerz (Chronic Widespread Pain) und Fibromyalgie-Syndrom

Von einem Ganzkörperschmerz (chronic widespread pain) spricht man, wenn ein chronischer Schmerz in mehreren Körperhauptregionen besteht. In der Regel sind verschiedene Abschnitte des Rückens, beider Arme und Beine betroffen. Häufig können 10 oder mehr Schmerzorte beim Patienten oder der Patientin gefunden werden.

Die Diagnose Fibromyalgie-Syndrom wird dann gestellt, wenn neben den Schmerzen auch noch weitere Symptome hinzutreten. Diese können entweder schon vor den Schmerzen bestehen - häufig ist das eine psychovegetative Erschöpfung - oder sich im Gefolge der chronischen Schmerzen herausbilden. Alle Symptome müssen über mindestens drei Monate vorliegen. Häufig besteht bei den Betroffenen auch eine Überempfindlichkeit gegenüber mechanischem Druck, Geräuschen, Gerüchen und sogar gegenüber Medikamenten. Frauen sind häufiger von der Erkrankung betroffen als Männer. Ein weiterhin häufig anzutreffendes Symptom ist das Steifegefühl - meist in den Händen, das oft auch mit einer sichtbaren Schwellung einhergeht, ohne dass es Entzündungsprozesse gibt wie bei den rheumatischen Erkrankungen.

Ursachen und Behandlung des Fibromyalgie-Syndroms

Die Ursache für das Fibromyalgie Syndrom ist noch nicht abschließend geklärt. Es handelt sich nicht um eine entzündlich rheumatische Erkrankung. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Störung der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Einerseits zeigt sich die Schmerzempfindlichkeit (Schmerzschwellen z.B. für Druck oder Hitze) verändert und andererseits scheint die neurobiologisch eigentlich robust angelegte Schmerzhemmung bei Menschen mit Fibromyalgie deutlich vermindert zu sein. Sowohl von der Forschung her als auch aus unserer Erfahrung heraus wissen wir, dass jede Form von intensivem chronischen Stress - häufig verbunden mit einem körperlichen Ereignis und frühere Schmerzerfahrungen einen ungünstigen Einfluss auf die Reiz- und Schmerz-verarbeitung haben.

Fibromyalgie sollte auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene behandelt werden. Dabei sollte die Therapie immer individuell zugeschnitten sein. Ausdauer- und Krafttraining, Funktionstraining und Entspannungstraining sind ebenso wichtig wie das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Belastungsgrenzen, der Abbau des Vermeidungsverhaltens oder das Erlernen von Stressbewältigungstechniken. Medikamentöse Therapien haben beim Fibromyalgie Syndrom eher einen geringen Stellenwert, aber gerade wenn Schlafstörungen oder depressive Symptome vorhanden sind, können bestimmte Antidepressiva helfen, die einerseits schmerzdistanzierend und andererseits schlaffördernd wirken. In Einzelfällen setzen wir auch Cannabispräparate in Tropfenform ein.

Lesen Sie auch: Kribbeln im Körper: Was steckt dahinter?

Neuropathische Schmerzen: Ursachen, Diagnose und Therapie

Nervenschmerzen werden fachsprachlich auch als neuropathische Schmerzen bezeichnet. Sie entstehen als direkte Folge einer Schädigung von „Gefühlsfasern“ des Nervensystems. In diesem Punkt unterscheiden sich neuropathische Schmerzen grundsätzlich von allen anderen Schmerzen, zum Beispiel Rücken-, Kopf- oder Tumorschmerzen. Anders als beim „normalen“ Schmerzerleben entstehen die Schmerzimpulse in der Regel nicht mehr im Bereich der Nervenendigungen von Schmerzfasern in den Geweben des Körpers.

Ursachen von neuropathischen Schmerzen

Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung des somatosensorischen (die Körperwahrnehmung betreffend) Nervensystems. Sowohl das periphere als auch das zentrale Nervensystem (im Gehirn und Rückenmark) können betroffen sein. Ursachen sind unter anderem Polyneuropathien (Erkrankung des Nervensystems außerhalb des Gehirns und Rückenmarks), Bandscheibenvorfälle und zentrale Schmerzen nach Rückenmarksverletzungen oder Schlaganfall.

Ein relativ häufiges Beispiel hierfür ist ein Bandscheibenvorfall (Prolaps), bei dem eine Bandscheibe auf eine Nervenwurzel drückt. Bei einem Bandscheibenvorfall drückt der Bandscheibenkern auf den Rückenmarksnerv. Am häufigsten ist dabei die fünfte Nervenwurzel im Lendenbereich betroffen. Dies kann zu einem Taubheitsgefühl und einer Schmerzausstrahlung außen seitlich am Bein entlang über den Vorderfuß zur Großzehe hin führen.

Eine andere Form der Nervenschädigung liegt bei der sogenannten Polyneuropathie vor. Das Wort „Polyneuropathie“ bedeutet „Erkrankung vieler Nerven“ - beispielsweise im Rahmen einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) - und kann zu einem Brennschmerz der Füße führen. Diese Brennschmerzen und auch Berührungsschmerzen beginnen am Fuß und erweitern sich sockenförmig (können auch an den Händen auftreten). Hier hat der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel die feinen Nervenendigungen geschädigt.

Eine andere Form der Nervenschädigung liegt bei einer schmerzhaften Gürtelrose (Herpes zoster) vor. Hier entstehen die neuropathischen Schmerzen im Bereich kleiner Nerven in der Haut, deren Schädigung als Folge einer Nervenentzündung durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufe wird. Dieses Virus kann nach einer Windpockeninfektion im Kindesalter dauerhaft in den Nervenwurzeln von Rückenmark und Hirnnerven verbleiben. Durch Stress oder ein im Alter oder durch Krankheiten geschwächtes Immunsystem können diese Viren wieder aktiv werden und Wochen bzw. Monate nach dem Auftreten der Gürtelrose zu Nervenschmerzen führen.

Lesen Sie auch: Was Sie über Polyneuropathie wissen sollten

Auch Nervenquetschungen oder Nervendurchtrennungen im Rahmen von Unfällen oder Operationen - z.B. des Trigeminus-Nervs im Gesicht bei zahnärztlichen Eingriffen - können Nervenschmerzen nach sich ziehen. Gleiches gilt für das bis heute nicht komplett verstandene Krankheitsbild des Phantomschmerzes, bei dem Schmerzen in Gliedmaßen gespürt werden, die durch eine Amputation entfernt wurden. Schließlich können Nervenschmerzen auch auftreten, wenn Nerven zusammengedrückt werden, was als Engpass-Syndrom bezeichnet wird. Ein häufiges Beispiel ist das Karpaltunnel-Syndrom am Handgelenk. Es geht mit Nervenschmerzen und weiteren Ausfällen wie Taubheitsgefühl und Muskellähmung einher.

Häufige Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose sowie Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Infektionen oder Verletzungen. Sind neuropathische Schmerzen Folge einer Verletzung kann der Nerv aufgrund einer Fehlschaltung empfänglich für die Botenstoffe des sympathischen Nervensystems sein. Diese Botenstoffe werden bei Stress aufgeschüttet. Die Schmerzen treten dann immer in Stresssituationen auf.

Symptome neuropathischer Schmerzen

Diese Schmerzen treten vorwiegend in Ruhe und nachts auf und haben einen brennenden, elektrisierenden oder einschießenden Charakter. Die Lebensqualität kann durch die Schmerzen erheblich beeinträchtigt sein. Für den Nachweis neuropathischer Schmerzen ist es wichtig, Verteilungsmuster, Stärke und Qualität der Schmerzen zu erheben, also beispielsweise ihren brennenden (häufig), bohrenden, einschießenden oder stechenden Charakter. Die Beschwerden treten oft in Ruhe auf und können oft auch durch leichte Berührungsreize ausgelöst werden. So kann eine leichte Berührung der Haut zu Schmerzen führen, die normalerweise keine Schmerzempfindung auslöst. Diese Art von Schmerzen nach leichter Berührung wird auch als Allodynie bezeichnet. Zudem weisen Betroffene häufig eine verstärkte Schmerzempfindlichkeit nach anderen schmerzauslösenden Reizen auf, die als Hyperalgesie beschrieben wird.

Eine schmerzhafte Nervenschädigung, d.h., ein neuropathischer Schmerz, ist immer dann anzunehmen, wenn die Schmerzausbreitung und eine begleitende Gefühlsstörung (Taubheitsgefühl) dem Versorgungsgebiet eines Gefühlsnervs (sensorischen Nervs) im Gewebe entsprechen. Gleiches gilt, wenn sich das Muster der Schmerzausbreitung mit dem Versorgungsgebiet einer geschädigten Nervenwurzel, eines Rückenmarkabschnittes oder Gehirnbereiches deckt.

Nervenschmerzen sind sehr starke Schmerzen, die von neurologischen Ausfällen begleitet sein können. Dann leiden die Betroffenen unter Gefühlsstörungen wie Missempfindungen (z. B. Kribbeln) oder Taubheit. Auch Fehlfunktionen der von den Nerven versorgten Muskeln sind mögliche Auswirkungen mit Schwäche bis hin zu Lähmungen. Bei der Suche nach den Ursachen von Nervenschmerzen muss unterschieden werden, ob sie Folge einer Erkrankung des Bewegungsapparats oder eine eigenständige Erkrankung sind. Innerhalb der Wirbelsäule verläuft der Rückenmarkskanal mit einer Vielzahl von Nervensträngen, die Signale an das Gehirn senden bzw. von diesem empfangen. Weiterhin stellen Nervenstränge, die zwischen den Wirbelkörpern austreten, eine Verbindung zwischen dem Rückenmark und den verschiedenen Körperregionen her. Nervenschmerzen können im Bereich dieser Ein- und Austrittsstellen der Nervenstränge auftreten und in das von ihnen versorgte Körperareal ausstrahlen. Werden Nerven nur vorübergehend eingeklemmt oder gereizt, tritt der Schmerz blitzartig auf und hält nur wenige Sekunden an. Man spricht in diesen Fällen von einer Neuralgie. Ursache kann eine Fehlstellung der Wirbelkörper sein. Ferner können die Bandscheiben auf die Nervenstränge drücken. Aber auch Verspannungen oder altersbedingte Abnutzungen können für Nervenschmerzen verantwortlich sein.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Nervenschmerzen

Bei der diabetischen Polyneuropathie ist die Durchblutung kleiner Blutgefäße durch Ablagerungen beeinträchtigt. Diese führt zu Nervenschädigungen insbesondere im Bereich der Füße, Unterschenkel und Hände. Neben Missempfindungen und Gefühlsstörungen sowie Zuckungen und Muskelschwund leiden die Betroffenen unter brennenden, stechenden, schneidenden oder einschießenden Schmerzen.

Typische Symptome der Nervenkrankheit Polyneuropathie sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Ihren Ursprung haben die Gefühlsstörungen in den langen Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden. Schäden an den Nerven führen dazu, dass die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers gestört ist. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können bei der Polyneuropathie unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund stehen.

Diagnostik von neuropathischen Schmerzen

Ziel der Diagnostik ist, die Störung im Nervensystem nachzuweisen und deren Ursache zu ergründen. Dazu steht die gesamte Bandbreite neurologischer Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Gemäß der neuen S2K-Leitline zur „Diagnostik und nicht-interventionellen Therapie neuropathischer Schmerzen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sollten außerdem auch alle Möglichkeiten der kurativen und kausalen Therapie ausgeschöpft werden. Da neuropathische Schmerzen durch viele verschiedene Erkrankungen ausgelöst werden, können diese Patienten an der DKD Helios Klinik Wiesbaden mit ihrem fachübergreifenden Versorgungskonzept sehr gut versorgt werden.

Die Diagnose „neuropathischer Schmerz“ kann mit umso größerer Sicherheit gestellt werden, je mehr übereinstimmende Hinweise auf eine Nervenschädigung im Rahmen der Untersuchung und Befragung des Patienten gefunden werden. Sie kann durch eine Schmerzzeichnung, Schmerzfragebögen und weitere Spezialtests ergänzt werden.

Diagnostische Verfahren:

  • QST = quantitative sensorische Testung zur Prüfung der Hautempfindlichkeit
  • Neurographie = Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit
  • SEP = somatosensibel evozierte Potenziale zur Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn.
  • Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT, auch als Kernspintomografie bezeichnet): Sie können eine Nervenschädigung direkt sichtbar machen.
  • Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt.
  • Mit einer Stimmgabel prüft der Neurologe das Vibrationsempfinden.
  • Bei der standardisierten Quantitativen Sensorischen Testung werden durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
  • Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen bei der sogenannten Thermode computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz.
  • Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine sogenannte Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist. Bei bestimmten Ursachen finden sich zum Beispiel Entzündungszellen oder Amyloid-Ablagerungen.
  • Bei einer Untergruppe der Neuropathien sind insbesondere die dünnen, kleinen Nervenfasern der Haut betroffen. Sie werden unter dem Namen Small-Fiber-Neuropathien zusammengefasst. Die Nervenleitgeschwindigkeit, die die Funktion von dickeren Nerven misst, ist dann oft unauffällig. Für die richtige Diagnose ist die Quantitative Sensorische Testung mit Messung des Temperaturempfindens entscheidend. Darüber hinaus kann eine Gewebeprobe aus der Haut (Hautbiopsie) unter dem Mikroskop untersucht werden.

Behandlungsmöglichkeiten neuropathischer Schmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen gestaltet sich oft schwierig, sofern keine Operation zur Entlastung des betroffenen Nervs möglich ist. Schmerzfreiheit kann nur in den seltensten Fällen erreicht werden. Daher sollen realistische Behandlungsziele vor Therapiebeginn gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden.

Die Therapie neuropathischer Schmerzen gründet sich vor allem auf eine für jeden einzelnen Menschen individuell abgestimmte Behandlung mit Medikamenten. Sie soll die Beschwerden lindern, bis sich die geschädigten Nerven zumindest weitgehend erholt und neu aufgebaut haben. Es werden unterschiedliche Wirkprinzipien angewendet, darunter häufig die Kombinationsbehandlung mit verschiedenen Medikamenten, die den Nervenschmerz über unterschiedliche Wirkmechanismen lindern. Nicht-medikamentöse Verfahren können ergänzend oder in der Akuttherapie zur Überbrückung der Zeit bis zum Anschlagen der sonstigen Medikamente eingesetzt werden. Darüber hinaus können im Einzelfall, je nach Ausprägung der Beschwerden, physikalische Maßnahmen, Ergotherapie und Psychotherapie sinnvoll sein.

In diesen Fällen wird begleitend zu einer medikamentösen Schmerztherapie ein Antiepileptikum verabreicht, um die Erregbarkeit der Nerven zu mindern. Zusätzlich können Lokalanästhetika den Teufelskreis vorübergehend unterbrechen. Darüber hinaus kann eine Psychotherapie Bestandteil eines multimodalen Behandlungsansatzes sein.

Weitere Behandlungsansätze:

  • Bei einer akuten Gürtelrose werden Virusstatika eingesetzt. Zudem kann eine kühlende Zinksalbe gegen die Entzündung aufgetragen werden. Ferner erhalten die betroffenen Patienten eine medikamentöse Schmerztherapie. Neben einem Analgetikum kann diese zusätzlich ein Antidepressivum und ein Antiepileptikum umfassen.
  • Wichtigste therapeutische Maßnahme bei der diabetischen Polyneuropathie ist die Normalisierung des Blutzuckerspiegels.
  • Hat ein Diabetes schleichend über viele Jahre die Nerven angegriffen, muss der Patient seine Blutzuckerwerte in den Griff bekommen, um die Nervenschädigung zu stoppen. Allerdings führt eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte zu weiteren Nervenschäden. Als optimal gilt eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozentpunkte über einen Zeitraum von drei Monaten. Bei Altersdiabetes empfehlen Ärzte eine Umstellung des Lebensstils mit Gewichtsreduktion und viel Bewegung. Ziel ist, dass sich die Nerven wieder erholen. Besteht die Schädigung allerdings schon lange, ist die Polyneuropathie in der Regel nicht heilbar.
  • Sind Alkohol oder Medikamente die Ursache, hilft Abstinenz beziehungsweise ein Wechsel der Präparate.
  • Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva und Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie), sogenannte Antikonvulsiva, bewährt.
  • Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen.
  • Bei der Elektrotherapie werden die Nerven durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren. Von außen lässt sich dieses durch ein TENS-Gerät erreichen.
  • Die Therapien müssen dauerhaft durchgeführt werden. Eine Pause beeinträchtigt schnell den Behandlungserfolg.
  • Gegen die fortschreitende Gangunsicherheit wirkt Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie.
  • Wie die gezielten Reize der Akupunktur die Nerven beleben, ist noch ungeklärt.

Muskelschmerzen (Myalgie): Ursachen und Behandlung

Muskelschmerzen, auch Myalgie genannt, sind laut Definition akute oder chronische, örtlich begrenzte, teils diffuse Schmerzen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Welche Art von Schmerzen auftreten, hängt mit der Ursache zusammen. Akuten Schmerzen liegen beispielsweise Muskelverspannungen, virale Infekte, entzündlichen Verletzungen oder Zerrungen der Muskulatur und Gelenken zugrunde.

Symptome von Muskelschmerzen

Bei einer Myalgie können verschiedene Symptome auftreten:

  • Brennende, ziehende, krampfartige, drückende oder stechende Schmerzen
  • Muskelschwäche (Myasthenie)
  • Bewegungseinschränkungen
  • Muskelsteifheit
  • Erhöhter Muskeltonus und Muskelverspannungen
  • Muskelverhärtungen (Myogelosen)

Dabei wird zwischen der örtlich begrenzten und systemischen Myalgie unterschieden. Bei der örtlich begrenzten Variante treten die Symptome in einem Muskel oder einer Muskelgruppe auf, bei einer systemischen Myalgie können diese im ganzen Körper spürbar sein. Akute Muskelschmerzen verschwinden in der Regel nach einigen Tagen.

Ursachen von Muskelschmerzen

Muskelschmerzen können verschiedene Ursachen haben, darunter harmlose wie ein Muskelkater nach dem Sport, allerdings auch ernste Erkrankungen oder äußere Gewalteinflüsse wie nach einem Unfall. Da Muskelschmerzen sowohl ungefährliche als auch gefährliche Ursachen haben und leicht mit Gliederschmerzen verwechselt werden können, sollten plötzliche oder chronische Muskelschmerzen ernst genommen und untersucht werden.

Muskelschmerzen nach einer sportlichen Überlastung, Verspannungen bei chronischen Fehlhaltungen am Arbeitsplatz oder infolge einer Grippe - Schmerzen in der Muskulatur können viele Auslöser haben.

Diagnostik von Muskelschmerzen

Hierzu gehört eine initiale Anamnese, bei der die Patientin bzw. der Patient nach möglichen Ursachen wie einer Verletzung, akuten und chronischen Erkrankungen oder eingenommenen Medikamenten befragt wird. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung der Beschwerden. Falls nötig, können bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Die Blutuntersuchung kann u. a. Eine Elektromyographie (EMG) wiederum kann die elektrische Muskelaktivität messen und auf entzündliche oder degenerative Muskelerkrankungen sowie geschädigten Nervenzellen hindeuten.

Behandlung von Muskelschmerzen

Akute Muskelschmerzen nach einem Unfall oder einer Überlastung lassen sich durch das Schonen, Entlasten sowie Hausmitteln wie Massagen, Wärme, einem Druckverband und Kälte gegen Schwellungen, Schmerzmittel und -gele lindern. Auch eine Physiotherapie kann langfristig positiv zur Heilung beitragen. Bei chronischen Muskelschmerzen sollte zunächst die Ursache festgestellt und entsprechend behandelt werden. Beispielsweise können leichte bis starke schmerzlindernde und krampflösende Medikamente eingesetzt werden. Auch Bewegung innerhalb einer Physio- oder Ergotherapie sowie Ausdauertraining bei einer Fibromyalgie können chronische Muskelschmerzen und Verspannungen lösen und die Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, ihren Alltag besser zu bewältigen.

Weitere Behandlungsmethoden:

  • Bei akuten Muskelschmerzen helfen Hausmittel wie u. a. das Schonen und Ruhigstellen, Kälte und Wärme, Schmerzmittel und Gele sowie Massagen, Bewegung und eine Ernährungsberatung.

Prävention von Muskelschmerzen

Insbesondere akute Muskelschmerzen lassen sich durch verschiedene Maßnahmen vorbeugen:

  • Regelmäßige Bewegung und Sport inklusive einer Aufwärm- und Abkühlungsphase
  • Dehnübungen und Krafttraining sowie das langsame Heranführen an größere Belastungen der Muskeln (Trainingsintensität)
  • Ausgewogene Ernährung zur Vermeidung eines Magnesium- oder allgemeinen Nährstoffmangels

Die meisten leichten Muskelschmerzen wie Muskelkater, Zerrungen oder Muskelkrämpfe lassen sich zu Hause behandeln und heilen ohne Folgeschäden aus, sofern man den Muskeln genug Zeit gibt, sich zu erholen. Bestehen dagegen starke, ohne sichtliche Ursache auftretende, chronische oder plötzliche Muskelschmerzen oder der Verdacht auf einen Muskelfaserriss, Muskelriss oder eine Erkrankung sollten die Betroffenen einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Muskelschmerzen -Therapiemethoden in den Kliniken

In den Kliniken werden Menschen mit akuten und chronischen Muskelschmerzen (Myalgie) kompetent medizinisch betreut. In der Neurologie erhalten sie eine umfassende Diagnose und individuelle Behandlung auf Grundlage moderner, wissenschaftlicher Erkenntnisse. So können sowohl akute als auch chronische Muskelschmerzen adäquat anhand ihrer Ursachen behandelt werden und die Patientinnen und Patienten erhalten ihre zuvor gelebte Lebensqualität zurück. Unterstützung erhalten sie zusätzlich in den Fachbereichen der Ergotherapie, Physiotherapie und der Ernährungsberatung. Auf diese Weise werden nicht nur die Muskelschmerzen therapiert, sondern diesen auch zukünftig vorgebeugt und Begleiterkrankungen wie der mentalen Gesundheit, beispielsweise einer Depression, behandelt.

tags: #der #korper #schmerzt #neurologie #wurzburg