"Der raubt mir noch den letzten Nerv": Was es bedeutet und wie man damit umgeht

Jeder kennt das Gefühl: Bestimmte Menschen, Situationen oder Gedanken können einem die gesamte positive Energie rauben. Man fühlt sich ausgelaugt, gestresst und einfach nur noch genervt. Im Volksmund sagt man dann: "Der raubt mir noch den letzten Nerv." Aber was bedeutet das eigentlich genau und wie kann man sich davor schützen?

Was bedeutet "Der raubt mir noch den letzten Nerv"?

Die Redewendung "Der raubt mir noch den letzten Nerv" beschreibt eine Situation, in der jemand oder etwas eine Person extrem nervt, stört oder belastet. Es geht um das Gefühl, dass die eigenen Energiereserven aufgebraucht sind und man kurz davor ist, die Geduld zu verlieren.

Beispiele für Situationen, die uns den letzten Nerv rauben können:

  • Ein Freund, der sich ständig über seinen Job beschwert.
  • Die eigene Mutter, die ungefragt die Beziehung kommentiert.
  • Der Chef, der ständige Überstunden für normal hält.
  • Ein Kind, das im Supermarkt an der Kasse nach Süßigkeiten quengelt.
  • Nachbarn mit lauter Herz-Schmerz-Orientalmusik.
  • Ein Streit mit dem Partner um eine Kleinigkeit, wie zum Beispiel eine Taschenlampe.

Energieräuber erkennen und identifizieren

Energieräuber sind Menschen, Situationen oder Gedanken, die uns Kraft kosten und uns buchstäblich den letzten Nerv rauben können. Sie lauern überall und es ist wichtig, sie zu erkennen, um sich davor zu schützen.

Menschliche Energieräuber:

  • Haben oft wenig bis gar keine Empathie.
  • Haben eine gute Nase für hilfsbereite und empathische Menschen.
  • Docken sich quasi an die Energiequellen der "Opfer" an.
  • Sind oft selbst in irgendeiner Weise verwundet.
  • Möchten gar keine Energieräuber sein, ändern aber nichts an der Tatsache, dass sie einem die Kräfte und Ressourcen nehmen.
  • In ihrer Gegenwart fühlt man sich häufig schlecht, ausgelaugt, schuldig oder sogar aggressiv.

Situative Energieräuber:

  • Sind Situationen, die unsere Energiereserven förmlich leer zu saugen scheinen.
  • Perfektionismus, überhöhte Ansprüche an sich selbst und mangelnde Selbstakzeptanz sind sogenannte innere Stressoren.
  • Bestimmte Verhaltensweisen: Rauchen, mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung, zu wenig Schlaf, Unordnung, kaum frische Luft.
  • Negative Grundeinstellung und mangelnde Selbstliebe.
  • Negative Gedanken, die sich in einem Gedankenkarussell festsetzen.
  • Schlafmangel.
  • Ungesunde Ernährung.
  • Selbstsabotage durch Selbstzweifel und mangelndes Selbstvertrauen.
  • Übermäßige Nutzung von sozialen Medien.
  • Unerwiderte Liebe.
  • Einsamkeit.
  • Aufgeschobene Entscheidungen.
  • Zu viel Arbeit.
  • Schlecht strukturierte Abläufe im Alltag.

Umgang mit Energieräubern: Strategien und Tipps

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Energieräubern umzugehen und sich vor ihnen zu schützen. Wichtig ist, sich der Situation bewusst zu werden und aktiv zu werden.

1. Distanzierung und Abgrenzung

  • Menschliche Energieräuber: Wenn man einen menschlichen Energieräuber identifiziert hat, sollte man sich fragen, ob die Beziehung noch guttut. Wenn es kaum noch schöne Momente gibt, für die es sich lohnt, die Beziehung aufrechtzuerhalten, sollte man den Kontakt reduzieren oder beenden.
  • Schwierige Situationen: Wenn man der Person, die einem Energie raubt, nicht einfach aus dem Weg gehen kann (z.B. Arbeitskollege), kann es helfen, Abstand zu gewinnen, sich in eine andere Abteilung versetzen zu lassen oder einen Job im Ausland anzunehmen.
  • Grenzen setzen: Grenzen setzen können heißt, achtsam mit sich selbst umzugehen. Indem man lernt "nein" zu sagen, schafft man klare Verhältnisse, auf die sich die Mitmenschen einstellen können.
  • Auch für Angehörige gilt: Distanziere dich, wenn dir der Mensch mehr Energie nimmt, als du bereit bist zu geben.

2. Reframing

  • Wenn eine Situation unvermeidbar ist, kann man versuchen, sie umzudeuten ("reframen"). Statt sich über etwas zu ärgern, kann man versuchen, die positiven Aspekte zu sehen oder die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
  • Beispiel: Dein nerviger Kollege erhält eine neue Rolle im Unternehmen. Statt dich darüber zu ärgern, “reframest” du die Situation.

3. Selbstfürsorge und Resilienz

  • Innere Stressoren entlarven: Perfektionismus, überhöhte Ansprüche an sich selbst und mangelnde Selbstakzeptanz sind sogenannte innere Stressoren, die man bewusst entlarven sollte.
  • Negative Verhaltensweisen ändern: Rauchen, mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung, zu wenig Schlaf, Unordnung, kaum frische Luft - die Liste ist endlos. Nimm dir Zeit für dich und versuche, diese Verhaltensweisen und Gedanken zu eliminieren.
  • Stress reduzieren: Fehlt es an Gelassenheit, ist dein Stresslevel konstant im roten Bereich. Schon Kleinigkeiten bringen dich aus der Ruhe. Wer nicht gelassen ist, dessen Körper wird in eine ständige Alarmbereitschaft gesetzt: Man fühlt sich angespannt, die Muskeln und der Stoffwechsel arbeiten auf Hochtouren. Wird dies zum Dauerzustand ohne ausreichende Entspannungspausen, lässt die fehlende Gelassenheit und der andauernde Stress einen ausbrennen: Es drohen Burnout, Erschöpfung und psychische Probleme.
  • Positive Grundeinstellung entwickeln: Weil man sich nicht auf die positiven, sondern schlechten Dinge fokussiert, wird man schneller gereizt und schlecht gelaunt. Versuche, das Positive zu sehen, Selbstliebe zu lernen und mit dir ins Reine zu kommen.
  • Gedankenkarussell stoppen: Können wir diese negativen Gedanken nicht ablegen, sondern sind von ihnen bestimmt, befinden wir uns schnell in einem sogenannten Gedankenkarussell. Es ist wichtig, diese negativen Gedanken und Gefühle loszulassen.
  • Schlaf verbessern: Ständiger Schlafmangel ist ein echter Energieräuber. Setze dich bewusst dem Tageslicht aus. Reduziere 2 Stunden vor dem Schlafengehen blaues Licht. Zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Absolviere eine Einschlafmeditation.
  • Gesunde Ernährung: Gerade fettreiche Nahrung können wir nur langsam verdauen. Nach dem Mittag oder in der Nacht liegt sie uns schwer im Magen. Die Konsequenz: Sitzen wir wieder am Schreibtisch oder versuchen einzuschlafen, ist weder für Konzentration noch für Entspannung genügend Energie übrig. Besser machst du es mit einer leichten Ernährung.
  • Selbstsabotage erkennen und stoppen: Selbstsabotage entsteht durch Selbstzweifel, mangelndes Selbstvertrauen und gelernte Verhaltensmuster.
  • Achtsamer Umgang mit sozialen Medien: Wenn du verhindern möchtest, dass Soziale Medien dir deine Energie stehlen, solltest du einen bewussten und achtsamen Konsum erlernen.
  • Vergebung: Wenn wir nicht vergeben oder schlechte Erfahrungen und Erlebnisse loslassen können, kann sich diese negative emotionale Erfahrung in uns manifestieren. Indem du lernst, anderen Menschen, die dich verletzt haben, zu vergeben und zu verzeihen, kannst du ein Ventil öffnen, das die angestauten, negativen Emotionen aus deinem Körper fließen lässt.
  • Einsamkeit bekämpfen: Gerade in der aktuellen Situation, in der wir unsere Freunde nicht oder nur selten treffen können, fühlen sich insbesondere Menschen, die ihre sozialen Kontakte nicht einfach ins Internet verlagern können oder wollen, schnell einsam. Es ist deshalb wichtig, diesen Zustand nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv dagegen vorzugehen.
  • Entscheidungen treffen: Wer immer wieder Entscheidung vor sich herschiebt und prokrastiniert, löst das Problem nicht, sondern verlagert es nur. Ständig hast du im Hinterkopf, dass da doch noch etwas zu tun ist.
  • Arbeit reduzieren oder ändern: Wenn du dich in deinem Job oder deinem Studium schnell erschöpft, ausgelaugt und frustriert fühlst, kann es sein, dass dir zu viel Arbeit deine Energie raubt. Sage Projekte ab, die für dich zeitlich nicht machbar sind. Langfristig solltest du dich auf die Geber-Seite konzentrieren: Welche Aufgaben machen dich glücklich? Worin liegen deine Stärken und wie kannst du diese besser aufbauen?
  • Organisation verbessern: Auch schlecht strukturierte Abläufe im Alltag - sei es im Job oder im Privatleben - kann an den Energiereserven zehren. Ein besseres Zeitmanagement hilft bereits, deinen Arbeitsalltag zu verbessern. Räume auf und trenne dich von all dem, was du nicht mehr brauchst.

4. Professionelle Hilfe

  • Wenn man das Gefühl hat, alleine nicht weiter zu kommen, kann man sich professionelle Hilfe suchen. Psychologen und Therapeuten können helfen, Verhaltensmuster und Glaubenssätze aufzudecken und aufzulösen, die aus der Kindheit stammen.

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