Die Pubertät ist eine herausfordernde Zeit, sowohl für Jugendliche als auch für ihre Eltern. Besonders bei Jungen können die körperlichen und seelischen Veränderungen zu Verhaltensweisen führen, die Eltern vor neue Aufgaben stellen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das Verhalten von 12-jährigen Jungen in der Pubertät und gibt Eltern praktische Tipps, wie sie ihre Söhne in dieser Phase unterstützen können.
Die Pubertät bei Jungen: Ein Überblick
Die Pubertät beginnt bei Jungen meist etwas später als bei Mädchen, in der Regel zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr. In dieser Zeit wird im Gehirn stoßweise das Sexualhormon Gonadoliberin freigesetzt, das die Pubertät einleitet. Die Pubertät lässt sich in drei Phasen unterteilen:
- Vorpubertät (ca. 10-12 Jahre): Die Produktion des Sexualhormons Testosteron steigt an. Jungen werden schweigsamer und ziehen sich mehr zurück. Stimmungsschwankungen und Gefühlsausbrüche treten auf. Der Schlafrhythmus ändert sich, was oft zu Müdigkeit am Morgen führt. Körperliche Veränderungen wie Hoden- und Peniswachstum, vermehrte Körperbehaarung und der Beginn des Stimmbruchs setzen ein.
- Hochphase (ca. 13-17 Jahre): Dies ist die intensivste Phase mit starken Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Wutausbrüchen und Aggressivität. Gleichzeitig leiden viele Jungen unter Selbstzweifeln und suchen nach ihrer eigenen Identität. Erste sexuelle Erfahrungen und Verliebtheit können auftreten. Die Abgrenzung von den Eltern wird stärker, und Freunde werden wichtiger. Der Körper wächst überdurchschnittlich, und die Muskeln entwickeln sich. Das Gehirn wird "umgebaut", wobei Verbindungen zwischen den Hirnhälften neu vernetzt werden.
- Spätpubertäre Phase (ca. 18-24 Jahre): Jungen werden ruhiger und vernünftiger. Die Suche nach eigenen Werten und Zukunftsfragen gewinnt an Bedeutung. Die körperliche Entwicklung ist weitestgehend abgeschlossen.
Typische Verhaltensweisen von 12-jährigen Jungen in der Pubertät
In der Pubertät verändern sich Jungen sowohl körperlich als auch psychisch. Dies kann zu einer Reihe von Verhaltensweisen führen, die für Eltern ungewohnt und herausfordernd sein können:
- Rückzug: Viele Jungen ziehen sich in dieser Phase zurück und verbringen mehr Zeit in ihrem Zimmer. Sie reden weniger mit ihren Eltern und wirken verschlossener.
- Stimmungsschwankungen: Durch die hormonellen Veränderungen können Jungen launisch und gereizt sein. Sie können leicht aus der Haut fahren und scheinbar ohne Grund wütend werden.
- Interessenverlagerung: Die Interessen verlagern sich oft von der Familie zu Freunden. Die Clique wird wichtiger, und die Meinung der Gleichaltrigen gewinnt an Bedeutung.
- Hinterfragen von Autoritäten: Jungen beginnen, die Autorität ihrer Eltern und anderer Erwachsener zu hinterfragen. Sie wollen ihre eigenen Entscheidungen treffen und sich nicht bevormunden lassen.
- Risikobereitschaft: Viele Jungen neigen in der Pubertät zu riskantem Verhalten. Sie wollen ihre Grenzen austesten und sich beweisen.
- Selbstzweifel: Durch die körperlichen Veränderungen und den Wunsch nach Anerkennung können Jungen unsicher und selbstkritisch werden. Sie vergleichen sich mit anderen und fühlen sich oft unzulänglich.
- Zocken und Medienkonsum: Ein häufiges Verhalten ist, dass Jungen viel Zeit mit Computerspielen, dem Handy oder dem Schauen von YouTube-Videos verbringen.
Tipps für Eltern im Umgang mit pubertierenden Söhnen
Die Pubertät ist eine Zeit des Umbruchs, die für alle Beteiligten anstrengend sein kann. Mit Verständnis, Geduld und den richtigen Strategien können Eltern ihre Söhne jedoch gut durch diese Phase begleiten:
- Verständnis zeigen: Versuchen Sie, Verständnis für die Situation Ihres Sohnes zu haben. Machen Sie sich bewusst, dass die Pubertät auch für ihn eine herausfordernde Zeit ist. Akzeptieren Sie, dass er sich zurückzieht und nicht reden will, und dass er seine Zeit jetzt lieber mit seinen Freunden verbringt.
- Ruhig bleiben: Lassen Sie sich nicht provozieren. Pubertierende suchen oft Streit und Konfrontation, um sich auszuprobieren und durchzusetzen. Nehmen Sie das nicht persönlich und lassen Sie sich nicht auf endlose Diskussionen ein.
- Loslassen und vertrauen: Akzeptieren Sie, dass Ihr Sohn erwachsen wird und eigene Wege geht. Je leichter Sie loslassen können, desto entspannter wird Ihr Verhältnis sein. Vertrauen Sie Ihrem Sohn und zeigen Sie ihm das auch.
- Interesse zeigen: Bleiben Sie interessiert an dem, was Ihr Sohn tut, auch wenn er schweigsam oder abweisend ist. Erkundigen Sie sich nach seinem Tag, seinen Hobbys und seinen Freunden.
- Wachsam bleiben: Achten Sie auf Anzeichen für riskantes Verhalten, Alkohol- oder Drogenkonsum, Depressionen oder Mobbing. Sprechen Sie mit Ihrem Sohn, wenn Sie einen Verdacht haben, und suchen Sie gegebenenfalls professionelle Hilfe.
- Privatsphäre respektieren: Je älter Kinder werden, desto wichtiger ist ihnen ihre Privatsphäre. Respektieren Sie die geschlossene Zimmertür und schnüffeln Sie nicht heimlich in seinen Sachen herum.
- Rückendeckung geben: Geben Sie Ihrem Sohn das Gefühl, dass er mit all seinen Sorgen und Problemen zu Ihnen kommen kann. Vermeiden Sie Strafen und Vorwürfe, sondern suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.
- Selbstwertgefühl stärken: Übertragen Sie Ihrem Sohn mehr Verantwortung und lassen Sie ihn eigene Entscheidungen treffen. Behandeln Sie ihn wertschätzend und respektvoll, um sein Selbstbewusstsein zu stärken.
- Regeln aufstellen: Auch Pubertierende brauchen Regeln und Grenzen, die Halt und Orientierung geben. Die Regeln sollten dem Alter und Entwicklungsstand angemessen sein und klar kommuniziert werden.
- Gespräche führen: Bleiben Sie mit Ihrem Sohn im Gespräch, auch wenn es anstrengend ist. Hören Sie ihm zu, fragen Sie nach und zeigen Sie echtes Interesse an seiner Welt.
- Vorbild sein: Seien Sie ein gutes Vorbild für Ihren Sohn. Leben Sie die Werte vor, die Sie ihm vermitteln wollen, und zeigen Sie ihm, wie man respektvoll und verantwortungsbewusst handelt.
- Professionelle Hilfe suchen: Wenn Sie mit der Situation überfordert sind, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erziehungsberatungsstellen, Psychologen und Therapeuten können Ihnen und Ihrem Sohn Unterstützung bieten.
Klare Grenzen und Regeln
Damit Pubertierende wissen, was ihre Eltern von ihnen erwarten, brauchen sie klare Grenzen und Regeln. Die sollten gemeinsam beschlossen werden und für alle in der Familie gelten. Je mehr Verbote die Eltern aussprechen, desto größer wird der Widerstand der Jugendlichen. Die Teenager bekommen außerdem das Gefühl, nicht erwachsen werden zu dürfen. Eltern sollten erkennen, dass sie ihre Kinder nicht mit Gewalt von ihren Verhaltensmustern abbringen können.
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Das Gespräch suchen
Auch wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Kinder ziehen sich zurück und grenzen sich ab, hören Sie nicht auf, das Gespräch mit Ihren Kindern zu suchen. Laut Bettina Brockmann haben Jugendliche grundsätzlich Interesse daran, mit ihren Eltern in Kontakt zu sein. Sie mögen nur das Gefühl nicht, ausgefragt zu werden. Löchern Sie ihre Kinder also nicht mit Fragen, sondern laden Sie sie zu einem Gespräch ein. Dazu gehören zwei Dinge: Erzählen auch Sie von Ihrem eigenen Leben und Ihren Sorgen und hören Sie aufmerksam zu. Zeigen Sie den Jugendlichen, dass es Sie wirklich interessiert, wie es ihnen geht. Dazu gehört auch, dass hin und wieder eine Diskussion oder sogar ein Streit losgetreten wird. "Ich glaube, in der Pubertät muss es knallen. Konfrontation ist wertvoll, denn nur durch Konflikt kann ein erwachsener Austausch entstehen. Abgrenzung ist Teil der geglückten Entwicklungsstufe", so Bettina Brockmann.
Umgang mit neuen Erfahrungen
Jugendliche müssen sich zwangsläufig ab einem gewissen Punkt von Ihren Eltern abgrenzen, das ist wichtig für ihre Entwicklung. Eltern müssen lernen, ihnen den Raum zu geben. In der Pubertät muss es den Jugendlichen erlaubt sein, sich auszuprobieren. Genehmigen Sie den Jugendlichen diesen Freiraum, vertrauen Sie Ihrem Kind und lassen Sie los. Ihr Kind wird jetzt erwachsen, es macht sich seine eigenen Regeln. Allerdings ist es für die Jugendlichen sehr wichtig zu wissen, dass da immer jemand für sie da ist, wenn sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Bettina Brockmann rät dazu, Teenagern genau dieses Gefühl zu vermitteln.
Die Bedeutung der Familie
Die Pubertät ist eine Belastungsprobe für alle Beteiligten, für Eltern und Jugendliche und ihre Beziehungen zueinander. Jugendliche wollen ihre eigene Identität entwickeln, sich von den Eltern abnabeln und vieles anders machen. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden gewinnt die Clique, die Gruppe der Gleichaltrigen, immer mehr an Bedeutung. Aber trotzdem brauchen Jugendliche in dieser Phase der Unsicherheit ihre Eltern als Stütze und sichere Basis. Erziehung in der Pubertät ist für Eltern eine Gratwanderung zwischen Bindung und Loslassen, Kontrolle und Vertrauen, Grenzen setzen und Freiraum geben. Sie ist eine Herausforderung für die Eltern, die oft nicht wissen, wie sie mit ihren schwierig gewordenen Teenager umgehen sollen.
Beratungsangebote
Für Jugendliche und Erwachsene gibt es zahlreiche Beratungsangebote. Sehr umfassend informieren die klassischen Familien- und Erziehungsberatungsstellen. Die Psychologen, Sozialarbeiter, Pädagogen und Ärzte sollen unter anderem dabei helfen, mögliche Fehlentwicklungen bei Jugendlichen zu vermeiden. Sie bieten außerdem Hilfe bei Konflikten in der Familie und vertreten ihre Klienten gegenüber Behörden und Verbänden.
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