Der Nervus facialis: Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung des siebten Hirnnervs

Einführung

Der Nervus facialis, auch bekannt als der siebte Hirnnerv (N. VII), ist ein komplexer Nerv, der eine entscheidende Rolle bei der Steuerung verschiedener Funktionen im Gesichtsbereich spielt. Er ist paarig angelegt, d.h. beide Gesichtshälften werden je durch einen Nerv mit spiegelbildlichem Verlauf innerviert. Seine Bedeutung erstreckt sich von der Kontrolle der mimischen Muskulatur bis hin zur Beeinflussung der Geschmacksempfindung und der Sekretion von Tränen und Speichel. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung des Nervus facialis und gibt einen umfassenden Überblick über diesen wichtigen Hirnnerv.

Anatomie des Nervus facialis

Ursprung und Verlauf

Der Nervus facialis entspringt seitlich aus dem Hirnstamm, genauer gesagt im Kleinhirnbrückenwinkel. Gemeinsam mit dem Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) und dem Nervus intermedius, der funktionell zum Nervus facialis gehört, tritt er durch den inneren Gehörgang (Meatus acusticus internus) in das Felsenbein ein. Im Felsenbein verläuft der Nervus facialis im sogenannten Fazialis-Kanal (Canalis facialis), einem knöchernen Kanal, der sich durch das Felsenbein zieht.

Aufteilung in Äste

Innerhalb des Felsenbeins gibt der Nervus facialis mehrere Äste ab, darunter den Nervus petrosus major, der parasympathische Fasern zu den Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen führt, und den Nervus stapedius, der den Musculus stapedius im Mittelohr innerviert. Am Ende des Fazialis-Kanals verlässt der Nervus facialis den Schädel durch das Foramen stylomastoideum und tritt in die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) ein. Hier teilt er sich in seine Endäste auf, die fächerförmig zu den verschiedenen Muskeln der mimischen Muskulatur ziehen.

Die Äste des Nervus facialis in der Ohrspeicheldrüse

In der Parotis teilt sich der N. facialis auf.

Welche/r der folgenden Äste gehört/ gehören nicht dazu?

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Es ist wichtig den Verlauf des N. facialis zu wissen. Welche Aussage ist nicht richtig? Der N.

Die genaue Aufteilung und Innervation der Muskeln kann von Mensch zu Mensch variieren.

Nervus intermedius

Der Nervus intermedius ist ein gemischter Nerv, der funktionell zum Nervus facialis gehört. Er enthält sensorische Fasern für die Geschmacksempfindung im vorderen Teil der Zunge (vordere zwei Drittel) und parasympathische Fasern, die die Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen sowie die Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüsen innervieren.

Welches ist der parasympathische Kern des N. facialis?

Welche parasympathischen Fasern von welchem Nerven gehören zum N. intermedius?

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Welche Aussage ist richtig? Die Fasern des N.

In welchem Ganglion kommen die ersten Neurone der Geschmacksfasern der vorderen 2/3 der Zunge an?

Wo geht der Nervus petrosus major ab?

Topographische Beziehungen

Der Nervus facialis verläuft in enger topographischer Beziehung zu anderen Strukturen im Kopfbereich, insbesondere zum Mittelohr. Dies erklärt, warum Erkrankungen des Mittelohrs häufig auch den Nervus facialis beeinträchtigen können.

Welche Struktur verläuft durch die Glaser Spalte?

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Funktion des Nervus facialis

Der Nervus facialis ist ein gemischter Nerv mit verschiedenen Funktionen:

  • Motorische Funktion: Der Nervus facialis innerviert die gesamte mimische Muskulatur des Gesichts. Dazu gehören die Muskeln, die für das Lächeln, Stirnrunzeln, Augenschließen und andere Gesichtsausdrücke verantwortlich sind. Er innerviert auch den Musculus stapedius im Mittelohr, der eine Schutzfunktion für das Gehör ausübt.

Welche Muskeln werden vom N. innerviert?

  • Sensorische Funktion: Der Nervus intermedius, ein Teil des Nervus facialis, leitet Geschmacksempfindungen von den vorderen zwei Dritteln der Zunge zum Gehirn.

  • Parasympathische Funktion: Der Nervus intermedius enthält parasympathische Fasern, die die Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen sowie die Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüsen innervieren. Diese Fasern regulieren die Sekretion von Tränen, Nasensekret, Speichel und anderen Flüssigkeiten.

Welches ist der kleinste Muskel des menschlichen Körpers?

Welches sind keine Fasern des N. facialis?

Wo entspringt der Nervus facialis?

Was innerviert der Ramus colli des Nervus facialis?

Welche Aussage zum N. petrosus major ist richtig?

Klinische Bedeutung des Nervus facialis

Aufgrund seiner komplexen Anatomie und vielfältigen Funktionen ist der Nervus facialis anfällig für verschiedene Erkrankungen und Verletzungen.

Fazialisparese

Die Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, ist die häufigste Erkrankung des Nervus facialis. Sie äußert sich durch eine Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur auf einer Seite des Gesichts. Die Ursachen einer Fazialisparese können vielfältig sein, darunter:

  • Idiopathische Fazialisparese (Bell-Lähmung): Dies ist die häufigste Form der Fazialisparese, bei der die Ursache unbekannt ist. Es wird vermutet, dass eine Entzündung des Nervus facialis im Fazialis-Kanal eine Rolle spielt.
  • Infektionen: Verschiedene Infektionen, wie z.B. Herpes zoster oticus (Ramsay-Hunt-Syndrom) oder Lyme-Borreliose, können eine Fazialisparese verursachen.
  • Trauma: Verletzungen des Gesichts oder Schädels können den Nervus facialis schädigen und zu einer Lähmung führen.
  • Tumoren: Tumoren im Bereich des Hirnstamms, des Felsenbeins oder der Ohrspeicheldrüse können den Nervus facialis komprimieren oder infiltrieren und eine Fazialisparese verursachen.
  • Andere Ursachen: In seltenen Fällen kann eine Fazialisparese auch durch Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder neurologische Erkrankungen verursacht werden.

Symptome der Fazialisparese

Die Symptome einer Fazialisparese können je nach Schweregrad der Lähmung variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur auf einer Seite des Gesichts
  • Herabhängen des Mundwinkels
  • Unfähigkeit, das Auge vollständig zu schließen
  • Verminderte Stirnrunzelung auf der betroffenen Seite
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Trockenes Auge oder vermehrter Tränenfluss
  • Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen (Hyperakusis)

Diagnose der Fazialisparese

Die Diagnose einer Fazialisparese basiert in der Regel auf einer körperlichen Untersuchung und einer neurologischen Untersuchung. Der Arzt wird die Gesichtsmuskulatur auf Schwäche oder Lähmung testen und nach anderen neurologischen Symptomen suchen. In einigen Fällen können zusätzliche Untersuchungen erforderlich sein, um die Ursache der Fazialisparese zu ermitteln, wie z.B.:

  • Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss von Infektionen oder anderen Erkrankungen
  • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels, um Tumoren oder andere strukturelle Anomalien auszuschließen
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyographie (EMG) oder Nervenleitgeschwindigkeitsmessung, um die Funktion des Nervus facialis zu beurteilen

Behandlung der Fazialisparese

Die Behandlung einer Fazialisparese hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Lähmung ab. In vielen Fällen, insbesondere bei der idiopathischen Fazialisparese, kann sich die Funktion des Nervus facialis von selbst wiederherstellen. Die Behandlung kann jedoch dazu beitragen, die Genesung zu beschleunigen und Komplikationen zu vermeiden. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:

  • Medikamente: Kortikosteroide können helfen, die Entzündung des Nervus facialis zu reduzieren und die Genesung zu beschleunigen. Antivirale Medikamente können bei Fazialisparesen, die durch Herpes zoster verursacht werden, eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Gesichtsmuskulatur können helfen, die Funktion des Gesichts wiederherzustellen.
  • Augenpflege: Wenn das Auge nicht vollständig geschlossen werden kann, ist es wichtig, das Auge feucht zu halten, um Hornhautschäden zu vermeiden. Dies kann durch Augentropfen oder -salben sowie durch das Tragen einer Augenklappe erreicht werden.
  • Chirurgie: In seltenen Fällen, z.B. bei Tumoren oder schweren Verletzungen des Nervus facialis, kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten oder zu rekonstruieren.

Weitere Erkrankungen des Nervus facialis

Neben der Fazialisparese gibt es noch andere Erkrankungen, die den Nervus facialis betreffen können, darunter:

  • Hemifazialer Spasmus: Unwillkürliche Zuckungen der Gesichtsmuskulatur auf einer Seite des Gesichts
  • Tic Douloureux (Trigeminusneuralgie): Obwohl der Nervus trigeminus betroffen ist, können die Schmerzen in den Bereich des Nervus facialis ausstrahlen.
  • Tumoren des Nervus facialis: Seltene Tumoren, die vom Nervus facialis ausgehen können

MR-Neurographie des Nervus facialis

Die MR-Neurographie ist eine spezielle MRT-Technik, die es ermöglicht, den Nervus facialis und seine Äste detailliert darzustellen. Sie kann bei der Diagnose von Erkrankungen des Nervus facialis hilfreich sein, insbesondere bei unklaren Fällen von Fazialisparese. Mittels der MR-Neurographie kann der Ausschluss einer Schädigung des Gesichtsnervs an den oben genannten Regionen erfolgen. Dies ist immer dann sinnvoll, wenn Erkrankungen, die mehrere Organsysteme betreffen, bereits ausgeschlossen wurden bzw. wenn für diese keine typischen Beschwerden vorliegen. Systematisch werden innerhalb einer MRT-Untersuchung die möglichen Schädigungsorte untersucht. Im Verlauf des Gesichtsnervs werden dabei dessen Durchmesser, die Helligkeit sowie die Aufnahme von Kontrastmittel beurteilt. Mittels der MR-Neurographie können bei unklarer Ursache einer Gesichtsnervlähmung viele Ursachen in einer einzigen Untersuchung ausgeschlossen werden. Sie stellt daher einen entscheidenden Beitrag zur Diagnosefindung dar. Die MR-Neurographie des Gesichtsnervs in der Ohrspeicheldrüse ist weit weniger erforscht als der restliche Teil des Nervs und stellt einen unserer Forschungsschwerpunkte dar. Zukünftig sollen davon u.a. Patienten mit einem Tumor in der Ohrspeicheldrüse profitieren.

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