Die Funktion des präfrontalen Cortex: Ein Überblick

Der präfrontale Cortex (PFC), oft als "Regisseur im Gehirn" oder "Wiege der Kultur" bezeichnet, ist eine der faszinierendsten und wichtigsten Strukturen des menschlichen Gehirns. Als Teil des Frontallappens, der größten Hirnstruktur des Menschen, spielt der PFC eine entscheidende Rolle bei höheren kognitiven Funktionen, der Persönlichkeitsentwicklung und der Steuerung von Emotionen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Funktionen des präfrontalen Cortex, seine anatomische Struktur, seine Verbindungen zu anderen Hirnarealen und die Auswirkungen von Schädigungen in diesem Bereich.

Anatomie und Struktur des präfrontalen Cortex

Der präfrontale Cortex [engl. prefrontal cortex; lat. prae vor, frons Stirn], [BIO], der Teil des Frontallappens, der sich rostral des prämotorischen Kortex bis zum anterioren Pol des Gehirns erstreckt. Dies entspricht den Brodmann-Arealen 8, 9, 10, 44, 45, 46 und 47. Weiterhin unterteilt man den präfrontalen Kortex topografisch in ventrolaterale, dorsolaterale, frontopolare und orbitofrontale Anteile, den frontomedialen präfrontalen Kortex, das frontale Augenfeld und das Broca-Areal.

Der präfrontale Cortex gehört zum Neokortex, dem jüngsten und nur bei Säugetieren vorzufindenden Teil des Gehirns. Gegenüber anderen neokortikalen Regionen grenzt sich der präfrontale Kortex durch einige Besonderheiten ab. Diese liegen u. a. im Bereich der Zytoarchitektonik, Chemoarchitektur und der ontogenetischen Entwicklung (Ontogenese; hier gekennzeichnet durch eine spät vollendete Myelinisierung). Weder anatomisch noch funktionell ist der präfrontale Kortex homogen.

Der präfrontale Cortex, kurz PFC, liegt im vordersten Bereich des Frontallappens und nimmt den gesamten vorderen Teil des Cortex bis zur Zentralfurche ein. Er ist eng mit den sensorischen Assoziationsgebieten des Cortex verbunden und gilt als Sitz der exekutiven Funktionen, die das eigene Verhalten steuern, sowie des Arbeitsgedächtnisses. Unter anderem steht er im Zusammenhang mit der Handlungsplanung und Entscheidungsfindung. Manche bezeichnen den präfrontalen Cortex, der hinter der Stirn liegt, auch als Sitz der Persönlichkeit.

Innerhalb des PFC lassen sich verschiedene Regionen unterscheiden, die jeweils spezifische Funktionen erfüllen:

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  • Dorsolateraler präfrontaler Cortex (dlPFC): Beteiligt an Arbeitsgedächtnis, Planung, Entscheidungsfindung und kognitiver Flexibilität.
  • Orbitofrontaler Cortex (OFC): Spielt eine Rolle bei der emotionalen Verarbeitung, der Bewertung von Belohnungen und Bestrafungen sowie der sozialen Kognition.
  • Ventromedialer präfrontaler Cortex (vmPFC): Wichtig für die Entscheidungsfindung, die Selbstwahrnehmung und die emotionale Regulation.
  • Frontopolarer Cortex: Beteiligt an komplexen kognitiven Prozessen wie der Zielverfolgung und der Integration von Informationen über längere Zeiträume.
  • Frontales Augenfeld: Steuert die bewussten Augenbewegungen.
  • Broca-Areal: Zuständig für die Sprachmotorik. Es kommt nur in einer Hemisphäre vor und liegt bei Rechtshändern üblicherweise links.

Vernetzung des präfrontalen Cortex

Die afferenten (Afferenz) und efferenten (Efferenz) Verbindungen des präfrontalen Kortex sind weitreichend und umfassen fast den gesamten Kortex, den Thalamus sowie viele weitere subkortikale Strukturen. Der präfrontale Cortex (PFC) ist stark mit anderen Hirnstrukturen vernetzt. Afferenzen, informationszuführende Verbindungen, verlaufen von so gut wie allen sensorischen Assoziationsgebieten der Großhirnhemisphäre aus. Weiterhin bestehen viele Afferenzen aus dem Thalamus und dem dopaminergen Hirnstammzentren der Formatio reticularis (Retikulärformation). Der mediale präfrontale Kortex ist insbesondere mit der Amygdala vernetzt und wird so mit der Modifikation von Emotionen in Zusammenhang gesetzt. Eine efferente Verbindung ohne vergleichbare Afferenz verläuft zum Nucleus accumbens (teil des “Belohnungssystems”). Afferent und efferent erklärtDer Begriff afferent bedeutet, dass etwas zu einem Organ hinführt. Efferent hingegen meint, dass etwas von einer Struktur wegführt. Wenn es sich dabei um Informationen handelt, bezeichnet man also das Ganze als neuronale Efferenzen; werden Substanzen weitergeleitet, sind es beispielsweise efferente Blutgefäße.

Betrachtet man den PFC allerdings unter dem Gesichtspunkt seiner Zu- und Abgänge, lässt sich seine Bedeutung erahnen. Von fast allen sensorischen Assoziationscortices wird der PFC informiert, dazu vom Hypothalamus, den Raphe-Kernen, dem ventralen Tegmentum. Wechselseitig ist er verbunden mit dem Septum, der Amygdala, dem Nucleus caudatus und der Pons. Eine prominente Faserverbindung führt zudem zum primären motorischen Cortex. Vielleicht war es diese auffallende Vernetzung, die den großen britischen Neurologen John Hughlings Jackson Ende des 19. Jahrhunderts vermuten ließ, dass alle Regionen der Großhirnrinde irgendwo im Frontallappen repräsentiert sein müssten.

Diese umfassende Vernetzung ermöglicht es dem PFC, Informationen aus verschiedenen Hirnregionen zu integrieren und komplexe Verhaltensweisen zu steuern.

Funktionen des präfrontalen Cortex

Der präfrontale Kortex ist maßgeblich an der Top-Down-Verarbeitung beteiligt, also an höheren kogn. Prozessen (Kognition), die durch interne Zustände wie spezif. Zielsetzungen angetrieben werden (i. Ggs. zur reizgesteuerten Verarbeitung). Viele zentrale psych. Funktionen werden vom präfrontalen Kortex moduliert. Es wird diskutiert, ob diese Funktionen direkt im präfrontalen Kortex lokalisiert sind oder ob der präfrontale Kortex hauptsächlich eine übergeordnete Kontroll- und Verarbeitungsfunktion übernimmt. Zu den vom präfrontalen Kortex modulierten Funktionen gehören u. a. selektive Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Planung (Planen), Impulskontrolle, Emotionsregulation, Aufmerksamkeitssteuerung (Supervisory Attentional System (SAS)) und Selbstkorrekturprozesse. Wie bereits angedeutet: Geht es um das, was den Menschen ausmacht, ist der präfrontale Cortex eine der verheißungsvollsten Strukturen im Gehirn. Dabei beginnt alles ganz profan: An seiner Unterseite - die auf der Augenhöhle, der Orbita, aufliegt, woher dieser Bereich die Bezeichnung orbitofrontaler Cortex hat - liegt der Riechkolben.

Der präfrontale Bereich ist massiv vernetzt und wird gemeinhin mit den exekutiven Funktionen assoziiert. Damit spielt er für Persönlichkeit und Charakter eine tragende Rolle. Für all diese Mechanismen, die vom präfrontalen Cortex gesteuert werden und die es uns erlauben, Gedanken und Gefühle zu koordinieren und zu kontrollieren, hat sich in der Hirnforschung und Neuropsychologie ein neuer Sammelbegriff etabliert: exekutive Funktionen.

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Zu den wichtigsten Funktionen des präfrontalen Cortex gehören:

  • Exekutive Funktionen: Der PFC ist entscheidend für die Steuerung und Regulation von Verhalten, Gedanken und Emotionen. Dazu gehören Funktionen wie Planung, Entscheidungsfindung, Arbeitsgedächtnis, kognitive Flexibilität, Impulskontrolle und Problemlösung.
  • Arbeitsgedächtnis: Der PFC spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung und Manipulation von Informationen im Kurzzeitgedächtnis. Dies ermöglicht es uns, Informationen über kurze Zeiträume zu speichern und zu verarbeiten, was für viele kognitive Aufgaben unerlässlich ist.
  • Aufmerksamkeit: Der PFC ist an der selektiven Aufmerksamkeit beteiligt, d.h. an der Fähigkeit, sich auf relevante Informationen zu konzentrieren und irrelevante Informationen auszublenden.
  • Entscheidungsfindung: Der PFC ist entscheidend für die Bewertung von Optionen, die Abschätzung von Risiken und Belohnungen sowie die Auswahl der besten Handlungsoption.
  • Emotionsregulation: Der PFC hilft bei der Steuerung und Modulation von Emotionen, indem er die Aktivität anderer Hirnregionen, wie z.B. der Amygdala, beeinflusst.
  • Soziale Kognition: Der PFC spielt eine Rolle bei der Verarbeitung sozialer Informationen, dem Verständnis anderer Menschen und der Anpassung des Verhaltens an soziale Kontexte.
  • Selbstkontrolle: Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Funktion des präfrontalen Cortex darin besteht, Selbstkontrolle auszuüben. Diese erlaubt es, der Versuchung einer kleineren, unmittelbaren Belohnung zu widerstehen und stattdessen die größere, in der Zukunft liegende Belohnung zu wählen.

Der präfrontale Cortex und das Bewusstsein

Eine internationale Forschungsteam zeigt, dass der präfrontale Kortex maßgeblich am Entstehen von bewusster visueller Wahrnehmung beteiligt ist. Die Ergebnisse stellen einen wichtigen Fortschritt in der Bewusstseinsforschung dar. Warum und wie können bewusste Wahrnehmungen im Gehirn entstehen? Diese Frage fasziniert Philosophen und Neurowissenschaftler zugleich. Um das Bewusstsein als Ganzes zu verstehen, muss man zunächst erkennen, was auf neuronaler Ebene geschieht - das heißt, wie viele und welche Strukturen am Prozess der Selbstorganisation neuronaler Netze im Gehirn beteiligt sind, wenn wir unsere Umwelt bewusst erleben. „Der präfrontale Kortex liegt im Zentrum der Debatte über Bewusstsein“, erklärt Vishal Kapoor, Projektleiter am International Center for Primate Brain Research in Shanghai und vormals wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Physiologie kognitiver Prozesse des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen. Kapoor ist - gemeinsam mit seinem Kollegen Abhilash Dwarakanath, der nun am Forschungszentrum NeuroSpin in Paris forscht - Hauptautor einer Studie, die nachweist, dass bewusste visuelle Wahrnehmung mit neuronaler Aktivität im präfrontalen Kortex einhergeht.

Um sicherzugehen, dass sie ausschließlich die in Zusammenhang mi der bewussten Wahrnehmung stehende präfrontale Aktivität messen, mussten die Forscher ein Experiment entwickeln, das weder erfordert, dass Probanden über ihre Wahrnehmungen berichten, noch, dass sich die visuellen Stimuli selbst ändern - das aber dennoch messbare Veränderungen in der bewussten Wahrnehmung hervorruft. Daher entwickelten sie die Idee, Affen einen visuellen Stimulus zu zeigen, der auf zwei verschiedene Arten interpretiert werden konnte. „Man denke zum Beispiel an das bekannte Bild, auf dem man entweder eine Vase oder die Profillinien von zwei einander zugewandten menschlichen Gesichtern sieht”, erläutert Theofanis Panagiotaropoulos, der am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik die Studie anleitete und nun Projektleiter am französischen Inserm und des Human Brain Projects ist. „Durch diesen mehrdeutigen Stimulus wechselt das Bewusstsein automatisch von einer Interpretation zur anderen - manchmal nimmt man die Gesichter wahr, manchmal die Vase. In Kombination mit Aufzeichnungen neuronaler Aktivität sind solche mehrdeutigen Bilder ein exzellentes Werkzeug, um bewusstes von nicht-bewusstem Sehen zu unterscheiden und wichtige neue Daten zu gewinnen, die theoretische Modelle des Bewusstseins untermauern können.“ Die Forscher verwendeten horizontale Gitter, deren vertikale Bewegung entweder als Aufwärts- oder Abwärtsbewegung interpretiert werden konnte. Dabei wurde die Wahrnehmung des Affen anhand seiner Augenbewegung abgelesen. Zusätzlich nahmen die Wissenschaftler die neuronale Aktivität im präfrontalen Kortex auf. Der Ansatz mehrdeutiger Stimuli bestimmte bereits in der Vergangenheit die Frage, was auf der Ebene einzelner Neuronen der bewussten Wahrnehmung entspricht. Auf den Weg gebracht wurde die Methode vom Letztautor der Studie, Nikos K. Logothetis, in dessen Forschungsabteilung die Daten erhoben wurden, bevor er sein Labor nach Shanghai verlegte. Die Resultate dieses sorgfältig überlegten Experiments waren beeindruckend: Die Forscher konnten mit bislang unerreichter Genauigkeit an vielen Neuronen gleichzeitig beobachten, dass bewusste Wahrnehmung im präfrontalen Kortex repräsentiert ist und dass sich dessen Aktivitätsmuster dann ändern, wenn sich auch die bewusste Wahrnehmung ändert. Dank der Genauigkeit ihrer Messungen konnten sie sogar die jeweils aktuellen Bewusstseinsinhalte aus der neuronalen Aktivität entschlüsseln. „Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass der präfrontale Kortex der Sitz des Bewusstseins ist“, interpretiert Kapoor vorsichtig die Resultate. „Zusammen mit früheren Arbeiten legen die Ergebnisse nahe, dass bewusste Wahrnehmung verteilt repräsentiert ist; wir können nicht einer einzigen Region im Gehirn eine Schlüsselrolle zuweisen. Doch zu wissen, dass der präfrontale Kortex zweifellos eine Rolle spielt, kann unsere Vorstellung der bewussten Wahrnehmung, ja vielleicht sogar unsere Konzeption von Bewusstsein verändern.

Schädigungen des präfrontalen Cortex

Durch Schädel-Hirn-Verletzungen, Blutungen, Tumore und degenerative Prozesse im Gehirn kann die Funktion des präfrontalen Cortex eingeschränkt werden. Aus klinischer Sicht sind vor allem bilaterale Läsionen problematisch. Patienten/-innen mit derartigen Verletzungen weisen eine verringerte intellektuelle Fähigkeiten auf. Weiterhin kommt es zu Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit, des Antriebs und der Planungsfähigkeit. Häufig werden zudem Persönlichkeitsveränderungen beobachtet. Abhängig davon, welche Region des präfrontalen Cortex betroffen ist, treten unterschiedliche Symptome auf. Schäden am orbitofrontalen Cortex können zum Beispiel starke Persönlichkeitsveränderungen nach sich ziehen. Das können etwa pseudo-depressive Störungen mit Antriebslosigkeit bis hin zur Apathie oder aber pseudo-psychopathische Störungen sein. Der präfrontale Cortex wird auch mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie in Zusammenhang gebracht. Zu den Ursachen bestimmter Symptome der Schizophrenie wird ein Ungleichgewicht im Dopaminhaushalt des Gehirns gezählt. Der PFC verfügt über zahlreiche dopaminergene Neuronen und reagiert sensibel auf Dysbalancen. Schizophrene Patienten/-innen weisen meist eine frontale Hypofunktion auf: Angenommen wird, dass eine Überaktivität der dopaminergen Afferenzen aus der Formatio reticularis zum PFC zu Denk- und Wahrnehmungsstörungen führt.

Personen mit Läsionen des präfrontalen Kortex zeigen sich in diversen kogn. Aufgaben beeinträchtigt, u. a. dem Stroop-Test (Stroop-Verfahren, Farbe-Wort-Interferenztest (FWIT)) und dem Wisconsin Card Sorting Test (WCST) (Miller & Cohen, 2001). Generell führen Läsionen des präfrontalen Kortex zu gravierenden Persönlichkeitsveränderungen (Persönlichkeit) und kogn. Verlangsamung.

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Angesichts dieser verantwortungsvollen Aufgaben müssten die Symptome bei Schädigung des PFC massiv sein. Das bestätigt einer der bekanntesten Patienten der Hirnforschung -der Amerikaner Phineas Gage. Er war Vorarbeiter bei der Eisenbahn, als ihn 1848 ein fürchterlicher Unfall ereilte: Eine fünf Zentimeter dicke Eisenstange schoss ihm durch die linke Wange und trat oben rechts am Schädel wieder aus. Der gesamte PFC war schwer geschädigt und im Grunde war es ein Wunder, dass Gage nicht nur den Unfall, sondern auch die Infektionen danach überlebte. Doch seine Persönlichkeit hatte sich, wie sein damaliger Arzt John D. Harlow festhielt, dramatisch verändert: War er vorher als freundlich und zuverlässig bekannt gewesen, wurde Gage nach dem Unfall rechthaberisch, impulsiv und teilweise unflätig. Auch war er nicht in der Lage, vernünftig zu planen und daher sehr unzuverlässig. Die Klinik kennt inzwischen einige Fälle wie den von Gage. So können Schädigungen der orbitofrontalen Region zum Beispiel zu pseudo-depressiven Störungen führen. In diesem Fall sind die Patienten antriebslos bis hin zu Apathie, reduziert im sexuellen Verhalten und zeigen wenig Emotion. Nahezu umgekehrt ist die pseudo-psychopathische Störung. Diese Patienten zeigen eine motorische Unruhe, sind distanz- und hemmungslos. Speziell im sexuellen Bereich verlieren sie das Gefühl für soziale Konventionen und zeigen ein übermäßiges Verlangen. Heute zählt man Symptome wie diese zum Frontallappensyndrom, das entsprechend der vielfältigen Aufgaben des frontalen Cortex und dem hohen Grad seiner Vernetzung unterschiedliche Aspekte hat.

Schädigungen des präfrontalen Cortex können zu einer Vielzahl von kognitiven, emotionalen und Verhaltensstörungen führen, die als Frontalhirnsyndrom bekannt sind. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Veränderungen der Persönlichkeit: Patienten können impulsiv, reizbar, unkritisch oder apathisch werden.
  • Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen: Schwierigkeiten bei der Planung, Entscheidungsfindung, Problemlösung und Impulskontrolle.
  • Störungen des Arbeitsgedächtnisses: Schwierigkeiten, Informationen im Kurzzeitgedächtnis zu behalten und zu verarbeiten.
  • Emotionale Dysregulation: Schwierigkeiten, Emotionen zu kontrollieren und angemessen auf soziale Situationen zu reagieren.
  • Soziale Defizite: Schwierigkeiten, soziale Hinweise zu verstehen, Empathie zu zeigen und soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten.

Achtsamkeit und der präfrontale Cortex

Achtsamkeit, oft durch Meditation praktiziert, ist bekannt für ihre positiven Auswirkungen auf die kognitive Kontrolle und emotionale Regulation.

  • Aktivierungsmuster: Nach einem 8-wöchigen Achtsamkeitstraining wurde eine erhöhte Aktivierung im rechten dorsolateralen präfrontalen Cortex (dlPFC) festgestellt, während die Aktivierung im rostralen PFC abnahm.
  • Funktionelle Konnektivität: Achtsamkeitstraining erhöht die funktionelle Konnektivität zwischen dem dlPFC und anderen Hirnregionen, die an der exekutiven Kontrolle beteiligt sind, wie dem frontoparietalen Netzwerk.
  • Integration mit der Amygdala: Achtsamkeitspraxis verbessert die Integration zwischen der Amygdala und präfrontalen Regionen, was zu einer besseren Regulation aversiver Emotionen führt.
  • Variabilität in Studien: Die Vielfalt der Definitionen von Achtsamkeit und der neuroimaging Methoden erschwert die Konsistenz der Ergebnisse.

Insgesamt zeigen die Studien, dass Achtsamkeitstraining signifikante Veränderungen im präfrontalen Cortex bewirken kann, die sowohl die kognitive Kontrolle als auch die emotionale Regulation verbessern.

Entwicklung des präfrontalen Cortex

Fertig ausgebildet ist der Frontallappen erst mit etwa 25 Jahren. Das erklärt, warum bis in die Pubertät hinein Kinder und Jugendliche Schwierigkeiten haben, mit Wut und Ärger umzugehen.

Unser Denkorgan ist ein unglaublich komplexes System mit fast 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die wiederum über Billionen Synapsen verbunden sind. Ständig verknüpfen sich Neuronen über Synapsen miteinander. Der Prozess dauert ein Leben lang, den größten Sprung macht das Gehirn aber nach der Geburt. Im ersten Lebensjahr wächst es um das Dreifache. Mit drei Jahren besitzen Kinder doppelt so viele Synapsen wie Erwachsene. Die meisten verschwinden wieder, nur diejenigen überleben, die aktiv genutzt werden. Diesen verschwenderischen Umgang mit Nervenzellen und Synapsen leistet sich das Gehirn bis in die Pubertät. Auf diese Weise lernen wir zwar langsamer, werden aber immer schlauer und anpassungsfähiger.

Wut und Zorn, genauso wie Angst und alle anderen Emotionen, entstehen im sogenannten limbischen System, einem evolutionär sehr alten Bereich unseres Gehirns. Wichtig für das limbische System und mit ihm eng verbunden sind der Hypothalamus, das Steuerzentrum für Hormone, und der Thalamus, das Tor zum Bewusstsein. Ein passender Name, denn der Thalamus fungiert als Filter. Dort entscheidet sich, welche Informationen - also das, was wir sehen, hören oder fühlen - zur Großhirnrinde weitergeleitet werden und ins Bewusstsein rücken. Was passiert nun im Gehirn, wenn wir etwas Bedrohliches sehen oder hören? Zunächst wird dieser Reiz im Thalamus registriert. Dieser schickt die Reizinformation auf zwei Bahnen weiter: Auf der einen Bahn wandert der Reiz in die Großhirnrinde, zum präfrontalen Cortex. Und auf der anderen, deutlich schnelleren Bahn ins limbische System, genauer gesagt, in die Amygdala, einer mandelförmigen Ansammlung von Nervenzellen. Wenn Mensch sich bedroht fühlt, reagiert die Amygdala sofort: Sie setzt den hemmenden Stirnbereich außer Kraft und aktiviert über den Hypothalamus das Alarmsystem des Körpers. Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin und andere Nerven-Botenstoffe werden ausgeschüttet. Die Folge: Der Blutdruck steigt, der Herzschlag beschleunigt sich und das Blut rauscht in die Muskeln, damit wir fliehen oder kämpfen können, je nachdem, was die Situation erfordert. Daher explodieren wir erst einmal vor Wut oder erstarren vor Angst, wenn wir zum Beispiel einen Gegenstand erblicken, der wie eine Schlange aussieht. Der Thalamus schickt die Reizinformation zwar auch an die Großhirnrinde. Weil diese Bahn aber langsamer ist als das limbische System, kommt der Reiz erst später beim Stirnhirn an. So dauert es einige Zeit, bis der präfrontale Cortex wieder versuchen kann, die Gefühle zu kontrollieren und die Lage rational einzuschätzen. Und das klappt bekanntlich nicht immer. Lernen, mit Wut und anderen starken Gefühlen umzugehen, ist also ein schwieriger Prozess. Ein Kind muss zunächst erkennen, dass es wütend ist: weil das Herz schneller schlägt, die Fäuste geballt sind. Dann muss es herausfinden, warum es so fühlt: weil der Sitznachbar ihm gerade das Lineal in den Bauch gestoßen hat. Und schließlich der schwierigste Gang von allen: Es gilt, die spontane Reaktion zurückzuhalten und möglichst durch eine sozial adäquate Reaktion zu ersetzen.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass den exekutiven Funktionen eine Schlüsselrolle sowohl hinsichtlich des Lern- und Schulerfolges als auch in Bezug auf die sozial-emotionale Entwicklung zukommt. Wer sein angestrebtes Ziel nicht aus den Augen verliert, flexibel reagiert und sich nicht allzu leicht ablenken lässt, lernt erfolgreicher. Wer in der Lage ist, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse auch mal hintanzustellen, andere Meinungen zu akzeptieren und sein Verhalten bei Frust zu kontrollieren, kommt in sozialen Situationen besser zurecht. Daher sind die exekutiven Funktionen auch für die pädagogische Praxis interessant. Ein gutes Arbeitsgedächtnis. Das bedeutet, dass sich die Kinder Regeln merken oder eine Aufgabe selbstständig erledigen können. Impulskontrolle. Das ist kurz gesagt die Fähigkeit, erst „zu denken, dann zu handeln“, also spontanen Impulsen zu widerstehen. Geistige Flexibilität: So nennt man die Fähigkeit, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und sich auf neue Anforderungen schnell einzustellen.

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